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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-09-15 · Heft 22 (15.9.1894) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 22 (15.9.1894)
Date
1894-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Pränumerauons-Preis. FürCaniorrn n.Cultusbramle in Vrfirrrrich-Nngarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig ..... fl. 2.— FürTanioren u.Cultusbramte im Ausland Ganzjährig ..... 8 Mark oder 4 Rubel. Für Vrioalr und Institute Ganzjährig ׳.fl. 6.— Uesterreichisch-ungarische Zeiinni Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Cultusbeamtrn. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor laook kaue»׳. jl Rrdarlion |! und I Administration | Wien j JL, Novaragasse Nr. 27. j Inserate ji werden billigst berechnet. >! Manuscripte werden nicht!! retonrnirt. jj Abonnementsu. Inlrrtions. :! betrage stnd in Wien rahlbar- Nr. 22. Wien, 15. September 1694. 14. Jahrgang. Zur sonsten und materiellen Stellung der jüdischen Gemeinde-Funrtionäre. Der verehrte College Tintner in Bunzlau hat in der letzten Nummer dieser Zeitschrift zu wiederholtem Male di^Mciale und ״״materielle Stellung des Cantors und Lehrers zum Gegenstände eingehender Betrachtung gemacht, allein auch diesmal wird sowohl seine als auch meine Mühe eine vergebliche sein. Wie hie Stimme des'Rns^s^iw-^der^Wiiste7׳׳so--verhallen ׳alle׳׳Worte, alle Ermahnungen und Klagen! ״Selbst ist der Mann", hatte ich oft Veranlassung,' meinen Collegen in Böhmen zuzurnfen, ja noch mehr,, ich erklärte ihnen, wer sich treten lässt, der wird getreten, und wer sich erniedrigt, wird erniedrigt. Hier kann kein Gesetz helfen,' und wäre es noch so gut; die Lehrer und Cantoren müssen sich selbst Hilfe schaffen. Sie dürfen nicht für den kargen Lohn eines Taglöhners arbeiten und bei jeder kleinsten Vacanz in Hellen Schaaren sich um einen erledigten Posten bewerben. Mit Recht sagen die Cultusgemeinden: wofür Mehrzahlen, wir bekommen ja für 400 fl. bis 500 fl., maximum 600 fl. genug Bewerber? Mit Stolz wird jedesmal auf die große Anzahl von Be- Werbungsgesuchen hingewiesen, und passt ihnen der Eine nicht, kommt nächstes Jahr ein Anderer! Wiederholt hatte ich den Collegen zugerufen: Erkundigt Euch früher bei dem abgehenden Collegen, ob er freiwillig geht und ob er selbst schon einen Posten hat, damit, im Falle die Frage verneinend ausfällt, kein anderer Bewerber auftrete. Es darf den Gemeinden nicht gar so leicht gemacht werden, den Lehrer und Cantor alle Jahre wie ein Gewand zu wechseln, sie sollen ernst prüfen, sich erkundigen und überzeugen, ' aber haben sie einmal gewählt, nicht wegen kleiner Mängel — solche haben wir doch ein Jeder — den Lehrer oder Cantor ohne weiters vor die Thüre zu setzen. Was thün.wir aber jetzt? Da kommt ein in Russland geborener College aus Mähren, wo' ihm gekündigt wurde, und will sein Licht in Böhmen glänzen, respective seine Stimme ertönen lassen. Böhmen ist ja das gelobte Land für gewisse Existenzen.'Also,' besagter Herr Collega erfährt, dass in P. . . der Cantor ein. alter Mann, aber schon viele Jahre angestellt ist; diesen will der Herr Collega, mit dürren Worten gesagt, verdrängen und brotlos machen. Es sind dies'keineswegs Restexionen, sondern reine Thatsachen, die ich hier wiedergebe. In P. . . holte er sich zwar ein Reftls, aber er verlor deshalb nicht den Muth, zog in die Landeshauptstadt und in unmittelbarer Nähe derselben ist eine größere Cultusgemeinde; dort ist auch ein älterer Cantor, und hier gelingt das Experiment, denn bei uns in Böhmen gilt alles, was von Polen und Rufsland kommt — der biedere Collega hat wirkich den alten CantsMcW^eiueuL. AMtL. verdrängt und ist an seine Stelle ge- Cultusgemeinden, resp. deren Vorstände Achtung zollen?! In keinem Lande Europas wird die Kraft des Functionärs so zersplittert, wie in Böhmen, insbesondere gegenwärtig, wo durch die neue Cultusordnung 197 Cultusgemeinden creirt wurden, von denen im allergünftigsten Falle kaum 100 lebensfähig sind. Jede Gemeinde soll nun einen Rabbiner haben, der Lehrer, Cantor, Schochet und, weiß Gott was noch, sein soll, und dafür zahlen diese Gemeinden 400—900—600 fl. Ist das nicht ein Jammer!? Dennoch finden sich genug unglückliche Individuen, die sich dazu hergeben, und trotz aller Gesetze sind die Gemeinden gezwungen, wieder jedes halbe Jahr zu wechseln. Die Herren Rabbiner glauben, weiß der liebe Himmel, welches Nebeneinkommen zu haben, aber so oft eine Trauung ist, gehen die Parteien nach Prag, so ist es bei uns in Böhmen Sitte, respective Unsitte. Welche andere Emolumente will der Functionär in einer Gemeinde haben, die 5—6 zahlungsfähige Mitglieder zählt? Die auswärtigen zugetheilten Juden, die bisher keinem Cultusverbande angehörten, wollen ja keine Gemeindebeiträge leisten, sie lassen sich lieber exequieren, recurrieren u. s. w. Das südliche Böhmen, auch der Südwesten ist gesegnet an solchen Duodezgemeinden, und jede will einen Rabbiner haben, der Talmudist, gediegener Prediger, ttichtiger, deutscher und böhmischer Lehrer, guter Cantor und geschickter Schochet sein soll. Mein Liebchen, was willst Du noch mehr?! Hier ist nur eine Hilfe möglich, und diese liegt an uns selbst, כאיש אחד müssen wir anstreten und sagen: Gut, Ihr Cultusgemeinden stellt an uns solch hohe Ansprüche, aber wir verlangen dafür ein menschenwürdiges Dasein, zahlt uns, dass wir leben können. Jedem Arbeiter, jedem Beamten wurde der Taglohn, der Gehalt erhöht, nur uns jüdischen Lehrern und Cantoren

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