Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 21 (1.9.1894)
- Date
- 1894-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/1304829-3453304-3453325--4085-3458509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4. Oesterreich isch-ungarische Lantoren-Ieitung. Nr. 21. wir angesichts des Todes wohl zu allererst erinnert, doch an die Unzuverlässigkeit und Hilslosigkeit der Menschen. Darum ruft uns der Psalmist zu: ״Verlasset Euch nicht auf Wohlthäter, auf einen Menschensohn, der doch selbst hilflos ist! Denn so sein Athem ausgeht, kehrt er in seine Erde zurück, dann sind alle seine Entwürfe zunichte." Dagegen aber: ״Heil dem, wem Gott Jakobs in seiner Hilfe, dessen Hoffnung auf den Ewigen, seinen Gott, gerichtet ist, der Himmel und Erde schuf, das Meer und Alles was auf und in ihnen ist". Darauf werden alle Attribute Gottes genannt, die ihm hinsichtlich der Gewährung seines Beistandes der armen, gedrückten Menschheit gegenüber zukommen, bis der Psalmist wieder darauf zurückkehrt, um der Hinterbliebenen Witwe und den verlassenen Waisen Trost und Hoffnung zuzusprechen, mit den Worten: ״Waisen und Witwen richtet er auf, den Weg der Bösen aber (die ihnen Unrecht zu thun gedenken) führt er ins Verderben". Den Schluß bildet dann der allgemeine Satz: ״Ewig regieren wird der Ewige, Dein Gott, Zion, von Geschlecht zu Geschlecht. Hallelujoh!״ Hier ist alles echt und alles wahr, nichts was gezwungen und! widersprechend wäre, jedes Wort stimmt hier mit der Sache überein. Weniger durchsichtig und zutreffend ist aber Psalm 150 Ln Verbindung mit Hochzeitsfeierlichkeiten. Da find es nicht offenkundige Worte und der aus ihnen unmittelbar hervorgehende Sinn, sondern die beiderseitigen gleichen Verhältniße und die zusammentreffenden Bethätigungen, die ihn dafür höflich qualiftcieren. Bei Hochzeiten wird nämlich meistens Instrumentalmusik mit Tanz vereint, und der Psalm 150 handelt ja davon, wie vermittelst allerhand Instrumente und Tanz (Noollaul) Gott verehrt und verherrlicht werden soll. Diese Gemeinschaftlichkeit macht eben den Psalm für Hochzeitsfeste geeignet, gleichsam eine Mahnung, dass auch hier Musik und Tanz nur dazu dienen sollen, um der Mizwo zu entsprechen: ״lessameacli chosson wechallo־‘. Ueberdies ist es doch ein Jubel- und Freudenpsalm, Rabbi ben Akiba. Von Dorothee Gocbeler. Er ist eine weltbekannte Persönlichkeit, sein Name ist in Aller Mund. Hundert-, nein tausendmal wird er alltäglich citirt, und doch weiß die Welt im großen Ganzen weiter nichts von chm, als dass er ein sehr weiser Mann gewesen sein soll und jenen berühmten Ausspruch gethan: ״Alles ist schon einmal dagewesen." Ben Akiba wurde etwa ein halbes Jahrhundert vor der Zerstörung Jerusalems geboren. Die Sage führt seinen Stammbäum bis auf den Feldherrn Sißera zurück. Er selbst lebte in sehr dürftigen Verhältnißen und hütete die Heerden seines Herrn Calba Sabu aus den Höhen vor Jerusalem. Schon frühzeitig entwickelte er einen regen Lerneifer und zeigte eine fchier unstillbare Wissbegier. Voll heimlichen Neides sah er auf diejenigen, welche klüger waren als er. Noch im späten Alter pflegte er zu sagen: ״Als ich noch ein Idiot war, hätte ich jeden Gelehrten zerfleischen können." Sein scharfer Geist und seine reichen, unter so vielen Mühseligkeiten erworbenen Kenntniße erregten die Auftnerksamkeit Rachels, der einzigen Tochter seines Brodherrn. Das ebenso schöne, geistreiche und hochherzige Mädchen fasste bald eine tiefe Leidenschaft für den jungen Hirten. Sie bot ihm ihre Hand und ward ohne Wissen und Willen, des Vaters sein Weib. Auf chren Rath wandte er dem Hirtenstab und Jerusalem den Rücken und widmete sich ganz dem Studium der Gotteslehre. Calba Sabu verstieß seine Tochter, aber selbst Noth und Elend entmuthigten die tapfere Frau nicht. Treu und fest stand sie dem Gatten zur Seite. Als er das erste Mal von seinen der für alle Festlichkeiten, folglich auch für Hochzeitsfeste verwendbar ist. Vielleicht kommt noch ein weiterer, dafürsprechender Umstand hier zu statten, dass in Anbetracht der bevorstehenden Nachkommenschaft dem Schlusssätze ,.Laut llauesollouro" eine wörtlich zu nehmende Deutung zu geben erlaubt ist. Diese Interpretation scheint zwar ein wenig gewagt und mehr als Bonmot, allein in manchem Witzworte liegt oft ungeschminkte, nackte Wahrheit. (Fortsetzung folgt.) Eingesrndet. Löbliche Redaction! Ich ersuche höflichst um freundliche Veröffentlichung folgender Entgegnung. In der Nummer vom 1. August a. c. der Cantoren- Zeitung fühlte sich ein Herr Einsender aus Troppau veranlasst, über die von mir componirten Consirmationsgesänge ein ganz absprechendes Urtheil zu veröffentlichen und mir Motive unterzuschieben, welche mir gänzlich fern gelegen haben. Vor den! Feiertagen kam der hiesige Herr Rabbiner an nach heran, überreichte mir den Text und ersuchte mich, da er zu Pfingsten die Confirmation vornehmen wolle, denselben bis zu diesem Tage in Musik zu setzen. Ich entgegnete hierauf, dass dergleichen Gesänge ja schon zur Genüge da wären, wie von Sulzer u. A. Der Herr Rabbiner beharrte aber auf seinem Ansuchen, und jetzt erst ließ ich mich zur Erfüllung seines Begehrens herbei, weil eine fortgesetzte Weigerung mich selbst mißcreditirt hätte. Dies ist in kurzen Worten der Sachverhalt. Was nun die mir unterschobenen Motive betrifft, so bemerke ich, dass es nie meine Absicht war noch sein wird, mir durch Compositionen einen Namen in der Oeffentlichkeit zu machen, dieses Geschäft ist mir zu undankbar. Wenn ich, das jemals hätte thun wollen, so hätte ich hiezu schon öfter Gelegenheit gehabt, da ich viele Bände eigener Compositionen besitze und von den verschiedensten Seiten und Autoritäten zur Veröffentlichung derselben aufgefordert wurde. Daraus geht doch zur Genüge meine musikalische Befähigung hervor. Außerdem würden Studienreisen nach Hause kam, rieth sie ihm, erst noch die Hochschule zu besuchen, um dem Vater dann durch noch größeres Wissen imponiren zu können. Ihr Rath war gut. Calba Sabu nahm den berühmten Rabbi ungleich freundlicher auf als den unwissenden Hirtenknaben. Er verzieh seiner Tochter und überschüttete das junge Paar mit Gold und Kostbarkeiten. Akiba stand auf der Höhe seines Ruhms. Männer wie Gamliel II., Josua ben Chananja, Elieser ben Azaria und andere geschätzte Gelehrte zählten zu seinen Freunden. Sein Lehrhaus stand zu Bene Barak und war das besuchteste weit und breit, seine Schüler zählten nach Hunderten. Als eine Epidemie ausbrach und mehr als die Hälfte derselben starben, wollte das Volk darin eine Strafe Gottes sehen; denn, sagte man, sie waren wohl fleißige Hörer, aber nicht wahrhaft fromm. Den Tag, an welchem die Pest aufhörte, feiert man noch heute als das Schülerfest. Zahllose Stellen im Talmud beweisen noch heute die Frömmigkeit und den Biedersinn Akibas. Auch in einigen sehr schönen Legenden lebt derselbe fort. Einst war er, nur von einem Esel und einem Hahn begleitet, auf der Wanderschaft. Die Nacht brach an, und er eilte in das nächste Dorf zu kommen, wo er um Nachtlager bat. Von allen Hütten wies man ihm fort. ״Was Gott thut, das ist wohlgethan," sprach der fromme Rabbi und schritt hinaus in den Wald. Ein Unwetter brach herein, der Sturm verlöschte seine Kerze; seine Kleider wurden völlig durchnässt. ״Was Gott thut, das ist wohlgethan," wiederholte er nur und wollte sich im Finstern znr Ruhe legen. Da brach aus dem Dickicht ein Wolf hervor und zerriss seinen Esel, eine wilde Katze sprang von Baum und würgte den Hahn. Aber der Weise fand auch jetzt kein anderes Wort als: ״Was Gott thut, das ist wohlgethan."