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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-09-01 · Heft 21 (1.9.1894) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 21 (1.9.1894)
Date
1894-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 3. unerlässlich nöthig ist. Fern bleibe ihm Eigendünkel und Hochmuth, oder gar lächerlicher ״Künstlerstvlz." Solches Gebühren verbietet schon die amtliche Stellung und Würde, sonst darf er sich nicht wundern, wenn er einfach ignorirt oder fadem Spott anheimfällt und sich so zum Narren stempelt. Auch betr allzu intimen Umgang mit den Gemeindemitgliedern soll der Cantor meiden, vielleicht gar auch solcher, bei deren Lobeserhebungen er erschreckt ausrufen möchte: ״Was Hab' ich Böses ge t Han, dass dieser mich tobt?" Der Cantor-Lehrer sitzt gleichsnin in einem Glashanse, sein Thun und Handeln wird mit anderem Maßstabe gemessen, als dasjenige der übrigen Mitglieder der Gemeinde. Solche falsche Beliebtheit, solches Haschen nach Popularität führt oft zu den bedenklichsten Consequenzen, es untergräbt die Autorität und die ganze Stellung in dem Wirkungskreise. Leben i n und m i t der Gemeinde, Theilnähme' in Leiden und Freuden, so weit es die Stellung z u l ä s s t, ein Freund und Berather, diese Tugenden fördern das Ansehen des Lehrers und Cautors in der Gemeinde. Was nun den obenerwähnten Uebelstand anlangt, dass der Cantor in einzelnen Theilen seines Einkommens vielfach noch auf die größere oder geringere Opserwilligkeit der Gemeindemitglieder angewiesen ist, so möge jeder für seinen Theil zur endlichen Beseitigung desselben beitragen, indem er mit allen Kräften darauf hinzumirken sucht, dass alle diese zufälligen Einnahmen fixirt werden. (Forscyung folflt.) Der jüdische Gottesdienst. ix. Bei dem Gebrauche der Psalmen als Gelegenheitsdichtungen und Gebete, zum Ausdrucke der eigenen Seelenstimmungen in verschiedenen Situationen und Lebenslagen, ist zu allen Zeiten in der Weise verfahren worden, dass man immer nur leichte Berührungspunkte, die auf solche momentane Verhältniße und Empfindungen irgend Bezug haben, oder auch nur auf sie gedeutet werden konnten, in ihnen aufsuchte. Haben sich solche Pointen und leise Anspielungen in irgend einem Satze, einem Tropus, oder auch nur in einem Worte inmitten eines Psalmes vorgefunden, dann wurde dieser Pialm dafür gestempelt und für das betreffende, immer wiederkehrende Ereignis in Gebrauch genommen, selbst wenn er sonst von ganz anderen Dingen, oder gar von Gegentheiligem handelte. Es würde zu weit führen, wollten wir dies aus den Tagespsalmen (יש־ר של ירב nachweisen, die schon im Tempel in Gebrauch waren und seinerzeit mit großem musikalischen Aufwand zur Ausführung gelaugten — für die Herren Componisten müsste dies sogar einen intereffanten Erörterungsgegenstand abgeben, ob es zweckentsprechender wäre, bei eintretender Gelegenheit den ganzen Psalm durchzucomponiren, oder die bezügliche Touschöpsung auf die mit der Begebenheit zusammenfallende Psalmstelle allein einzurichten — jedoch um nur ein Beispiel auzuführen, erinnern wir an die Psalmen für ״Tephillos hachaulim“, worunter manche die ärgsten Verwünschungen und Flüche enthalten. So z. B. befindet in einem derselben die Stelle, welche für den Sterbenskranken den wenig hoffnungsvollen Wunsch ausspricht: ״Von wo er sich hingelegt, soll er sich nicht mehr erheben". Ein schöner Trost für den Hinscheidenden! Es ist ein wahres Glück, dass sie nicht verstanden werden, sonst müsste man wahrhaft glauben, man habe es hier mit den schlimmsten Feinden 31t thun. In derselben losen Weise steht auch Psalm 149 mit einer ,.Beris milo“ im Zusammenhang. Der Psalm selbst ist in Wirklichkeit ein schneidiges, kriegslustiges Schlachtenlied, das Einzige, was auf die Beschneiduug hindeutet und mit derselben einigermaßen im Einklang gebracht werden könnte, ist der Passus: ״Ruhm Gottes ist in ihrer Kehle, und doppelschneidiges Schwert in ihrer Hand". Nun aber ist mit dieser Doppelschneidigkeit nicht etwa das usuelle, auf beiden Seiten geschliffene Mohel- Messer, sondern die Tapferkeit des Kriegers und die tiubesiegbarkeit seiner Waffen gemeint, dennoch wird das "רובמית" nebst dem וכרות״., — das letztere hat ebenfalls nichr das Geringste mit der Beschneidung zu schaffen und identifieirte sich nur mit derselben durch die Worte ״^soborans" und ״babris•1, — in der ganzen Diaspora bei einer Beris milo gesungen, um auf diesem Wege das freudige Familienereignis zur öffentlichen Kenntnis der Gemeinde gelangen zu lassen. Und da gewöhnlich der Chasen und Schochet gleichzeitig Mohel ist, so ist diesem Verse insofern dadurch Rechnung getragen und dessen Inhalt der Wirklichkeit näher gebracht worden, indem der erste Theil desselben auf seine Function als Chasen und der zweite ans das Amt des Schochet bezogen werden kann, u. zw. würde hier die ״Doppelschneidigkeit" ans das zweifache Schneideamt, nämlich als Schochet und als Mohel, auszulegen sein. Vielleicht ist auch darauf der Usus zurückzuführen, dass das Mohel-Messer zweischneidig sein muß, um damit der Bedeutung der Worte näher zu konimen und den ursprünglichen Sinn derselben treuer zu copieren. Ans derselben Ursache mag auch die Sitte herrühren, dass, wo der Chasen nicht selbst Mohel ist, der jeweilige Fnnctionär als Mohel gleichzeitig den Vorbeterdienst zu übernehmen hat, um die Aemter nicht zu trennen und dadurch dem. ״Raumemaus el bigraunom“ gerecht zu werden. Allein, dem sei wie immer, dieser Psalm ist einmal gut uutergebracht und vortheilhaft verwerthet und wir müssen nun auch sehen, welcher praktischen Verwendung seine Geführten zu dienen fähig wären. Ueber Psalm 145 giebt es nicht viel zu reden, seine Bestimmung ist ja bekannt, er ist sich selbst Zweck genug, von dem der Talmud aussagt: ״Wer Tehülo leclowid dreimal im Tage sagt, dem sei zugesichert, dass er der zukünftigen Welt theilhaftig wird." Es handelt sich hier also nur um die übrigen vier Psalmen, welchen wir im Gottesdienste einen besseren Platz anweisen müssen, von wo aus sie mehr Beachtung finden und thätig hervortreten können. Nächst der B6ri8 milo giebt es nämlich noch zwei Fälle im Zusammenleben einer Gemeinde, die ebenso ein öffentliches Interesse verdienen und die Theilnahme der ganzen Gemeinde erfordern, und diese sind: Hochzeiten und Trauerfälle. Wenn wir nun sehen, dass dem Bsri8 milo ein so breiter Raum im Gottesdienste eingeräumt wurde, so sind wir zur Annahme geneigt, dass auch die anderen, oft wiederkehrenden Vorfälle nicht ganz spurlos vorübergehen dürfen und dass auch ihnen irgend ein passender Psalm gewidmet sein müsse, um erstens durch denselben den eingetretenen Fall der Gemeinde zu erkennen geben und dann die Theilnahme der Gesammtheit bei Freude und Trauer des Einzelnen zu erwecken und znm Ausdruck zu bringen. Einer davon ist für seinen Gegengenstand wie geschaffen, nämlich Psalm 146 für Todesfälle. Mit echt psalmistifchem Eingänge und im Hinblick auf den Verstorbenen wird der Plalm diesermaßen eingeleitet: ״Lobe meine Seele den Ewigen! Ich werde den Ewigen loben all mein Leben lang, meinen Gott werde ich preisen, s 0 l a n g e i ch noch bin". Und an was werden

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