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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-08-15 · Heft 20 (15.8.1894) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 20 (15.8.1894)
Date
1894-08-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Serie 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 20. Eingabe an die hohe Regierung haben sich die Wiener israelitische Cultusgemeinde, die Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschast, der Vorstand der Prager und der Lemberger Cultusgemeinde, das mährische Landesrabbinat, sowie mehrere hervorragende Männer unserer Gemeinde angeschlossen. Die genannten Körperschaften erklärten sich gleichzeitig bereit, die zu gründende Anstalt zu subventioniren, und zwar die Wiener Cultusgemeinde mit 4000 Gulden, die Prager Cultusgemeinde mit 650 Gulden, die Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft mit 630 Gulden, die Lemberger Cultusgemeinde mit 500 Gulden, später auch der mährische Landesmassafond mit 1000 Gulden pro anno. In der Sitzung des vorbereitenden Comites vom 12. Mai 1892 wurde der Stadt- und Conserenz-Rabbiner von , Carlsruhe, Dr. Schwarz, zum Rector der Anstalt ernannt. Nach erfolgter behördlicher Genehmigung wurden die Mitglieder des Curatoriums berufen und zum Präsidenten Herr Baron Moritz Königswarter gewählt. Die erste Aufgabe des Curatoriums war die Bildung des Lehrkörpers. In denselben wurden außer dem Rector berufen: Professor Dr. D. H. Müller, Professor Dr. Adolf Büchler, Docent Dr. Saul R. Landau und später Lector M. Friedmann und Docent Emil Fuhrmann. Zum Secretär der Anstalt wurde Herr Josef Fuchs bestellt. Am 16. Mai 1893 erhielt das Curatorium die hocherfreuliche Mittheilung, dass Seine Majestät mit a. h. Entschließung vom 1. November 1892 der zu gründenden Anstalt die Zuweisung einer staatlichen Subvention im Betrage von 5000 Gulden pro anno zu genehmigen geruhte, und dass der Herr Minister für Cultus und Unterricht laut Erlasses vom 25. April 1893, Z. 5470, die Errichtung einer israelitisch-theologischen Lehranstalt mit Zugrundelegung des vom Curatorium überreichten Organisationsstatutes bewilligt habe. Nun stand der Eröffnung der Anstalt nichts mehr im Wege und erfolgte dieselbe am 15. October 1893. Kurz nach Eröffnung der Anstalt, an welche der Bericht des Rectors anknüpft, wurde dieselbe von zwei herben Verlusten betroffen. Am 14. November 1893 verschied der hochverdiente erste Präsident, Baron Moriz v. Königswarter, und am 28. December der Curator Oberrabbiner Dr. Adolf Jellinek. Nunmehr wurde Herr Wilhelm Ritter v. Gutmann Zum Präsidenten des Curatoriums gewählt. — Die Anstalt war in den: verflossenen Studienjahre von 29 Hörern und 5 Schülern der Vorbereitungsschule srequentirt. Außerdem wurde Anfangs Jänner dieses Jahres ein wöchentlich 3-stündiger Fortbildungscurs für Religionslehrer eingeführt, an welchem 32 Herren theilnahmen. Durch die Munificenz des Curatoriums und anderer hervorragender Glaubensgenossen wurden für die unbemittelten Hörer der Anstatt namhafte Stipendien gestiftet. Durch Erwerbung der Jellinek'schen Bibliothek, durch eine Sammlung der österr.-israel, Union, sowie durch Spenden vieler Privater ver fügtdie Anstalt bereits über eine stattliche Bibliothek. Baden. Für die israeliüsche Cultusgemeinde hier erschienen Mittwoch, am 1. d. M.,. die Herren Präses Bankier Moriz L e i t n e r und Vorstandsmitglied Siegmund R a u s n i tz in der Villa des verewigten Erzherzogs Wilhelm, um einen Kranz an der Bahre desselben niederzulegen. Die beiden Herren wurden vom Obersthofmeister Sr. k. u. k. Hoheit Erzherzog Friedrich gemeldet. Höchstderselbe empsing dieselben in Huldreichster Weise und dankte gerührt dem Präses für dessen Condolenz, reichte den beiden Abgeordneten der Cultusgemeinde beim Empfange wie beim Abschiede die Hand und versicherte dieselben wiederholt seines besonderen Wohlwollens. Baden. Montag, den 6. d. M., 72? Uhr Abends veranstaltete die hiesige israelitische Cultusgemeinde ein feierliches Requiem für weiland Se. kais. und königl. Hoheit den Herrn Erzherzog Wilhelm. Die Trauerfeier wurde mit einem stinimungsvollenPPrälidium eröffnet, worauf ein deutscher Psalm von Mendelssohn zur Aufführung gelangte. Die ergreifenden Solostellen desselben brachte Obercantor.Goldstein ans Wien zu wirksamer Geltung, wiewohl der Stimmeffect durch den kleinen Raum merklich beeinttächtigt wurde. Die formvollendete Gedächtnisrede hielt Herr Rabbiner W. Reich, das El mole rachamim recitirte der hier sehr beliebte Cantor Schäfer in einfacher aber sehr würdiger Weise. Im dichtgefüllten Tempel, der nach den Anordnungen des Cultusgemeindeprüses Leitner und des Vicepräses Schneider eine sehr vornehme Trauerdecoration hatte, waren die Spitzen der Behörden, Bezirkshauptmann Graf Auersperg uitb der Bezirksrichter Baron Handel mit ihrem Personale, die Postbeamten, die Gemeindevertretung von Baden, der Bürgermeister von Weikersdorf, Oberst Kilian, Pastor Saueracker, mehrere Nabbinen und Cantoren aus Wien und Umgebung, Deputationen aus Mödling und Wr. Neustadt, sowie zahlreiche Curgüste und Gemeindemitglieder anwesend. Ein Hofsecretär des Erzherzog Al brecht sprach den Vertretern der Cultusgemeinde den innigsten Dank der Erzherzog Albrecht und Engen ans. — Es ist nicht zu leugnen, dass Herr Obercantor Goldstein aus Wien sehr viel zur Hebung der Feierlichkeit beitrug, aber trotzdem hätten wir seine Mit- Wirkung lieber vermisst, da dieselbe als ein eclatanter Eingriff in die Wirkungssphäre des Badner Cantors betrachtet werden muß. Es ist durchaus uncollegial, wenn Obercantor Goldstein seine zufällige Anwesenheit in Baden dazu benützt, um dem dortigen Cantor, ohne sich mit demselben früher ins Einvernehmen zu setzen, eine ihm gebührende Function wegzunehmen. Solche Eingriffe sind eines Obercantor» der Wiener Cultusgemeinde ebenso unwürdig wie die jeweiligen Gastvorträge in anderen Curorten, über welche selbst von den aufrichtigsten Freunden und Gönnern Goldstein's schon manch' herbes Wort gefallen ist. Ein Mann von der Bedeutung und dem Rufe des Obercantor Gvldstein hat daheim einen genügend ausgedehnten Wirkungskreis und braucht nicht erst in die Fremde zu gehen, um sich auf Kosten anderer College» tönende oder klingende Lorbeeren zu holen. Wenn jedoch eingewendet werden sollte, dass der außerordentliche Trauerfall in Baden auch außerordentliche Veranstaltungen nothwendig machte, so erlauben wir uns dem gegenüber zu bemerken, dass die Pietät und die Trailer um den dahingeschiedenen Erzherzog ebenso schön und würdig zum Ausdrucke gekommen wäre, wenn das Requiem in einfacher, den bisherigen gottesdienstlichen Formen entsprechender Weise abgehalten worden wäre. Einfachheit der gottesdienstlichen Formen schließt die Erhabenheit nicht aus, sondern fördert dieselbe noch eher. Dass die conservativen Traditionen der Badner Gemeinde, lvelche in der Mehrzahl der Mitglieder eine streirg orthodoxe ist, burd) Einführung von Harmonium und deutschem Lied in das Gotteshaus bei Seite geschoben wurden, hat ohnehin bei vielen Mitgliedern eine Verletzirng der religiösen lieber- Zeugung verursacht, die der Vorstand leicht hätte vermeiden können. Kremsrev. Zur Richtigstellung der in voriger Nummer enthaltenen Notiz aus TroPPau über die Consirmatiollsgesänge eines mährischen Cantors, womit der hiesige Cantor Grün- Wald gemeint ist, ersuche ich um Aufnahme folgender Zeilen: Bevor Herr Grünwald die Confirmationsgesänge in ׳ Druck legte, ersuchte er mich um Correctur derselben. Ich habe die Gesänge durchgesehen und für druckreif anerkannt, denn sie sind rhythmisch, harmonisch und melodisch fehlerfrei. Darauf Hill ließ Herr Grünwald die Gesänge drucken. Nach drei Monaten erschien in der Cantorenzeitung vom 1. August eine scharfe Kritik des Herrn Sn. aus Troppau. Wie der Herr Kritiker schreibt, müssen die Confirmationsgesänge vom musik-theoretischen Standpunkte aus als ״durchaus unbrauchbar" betrachtet werden, was ich als Fachmann und in dieser Sache Unparteiischer widerlegen lllnß. Die ganze Kritik gipfelt in dem Worte ״mlbrauchbar", aber der Herr Kritiker hat es unterlassen, dies auch zu beweisen. Ein solcher Beweis würde ihm wohl auch nicht gelingen, denn das Werk ist vom theorethischen Standpunkte aus richtig geschrieben, uitb ich muß dem Herrn Kritiker den wohlgemeinten Rath ertheilen, bevor er ein Werk summarisch verurtheilt, dasselbe erst recht gut durchzugehen. C. M. Zoufal, Capellmeister. Budwris. Mit dem Hinweise auf das Verbot ״lifne iwer 10 sitten micliscliol“ beklagt sich Herr College Sil. aus Troppau in der letzten Nummer dieses Blattes über das allzu häufige Auftreten von schlechten Compositionen in unseren Kreisen und ich kam! nicht umhin, mich seiner Meinung voll und ganz allzuschließen. Ich weise nur auf die in diesenr Winter erschienenen ״Profetenstimmen" hi!l. Trotz der großeil Reclame, mit welcher dieses Werk in die Welt gesetzt wurde, fand ich

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