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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-08-15 · Heft 20 (15.8.1894) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 20 (15.8.1894)
Date
1894-08-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20. Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 7. unter allen 10 Prophetenstimmen keine einzige, die musikalisch und textlich den Profetischen Erwartungen entsprochen hätte. Eine Eindännnnng dieser Compositionslnst könnte wahrhaftig nicht schaden und würde dem ganzen Stande nur Nutzen bringen. Sp. Grvtz-Kanixsa. Fräulein Jda Kart sch Ina ross, die anmuthige Tochter unseres verehrten Obercantors Leon Kartschmarofs, hat sich am 29. v. M. mit Herrn Adolf Ferner ans Wien verlobt. Budapest, 6. August. Unter großer Betheilignng fand gestern von der Leichenhalle des israelitischen Friedhofes das Leichenbegängnis des in Ischl verstorbenen Großgrundbesitzers Herrn Alexander Swüb, eines Bruders des Magnatenhaus- Mitgliedes Karl Swüb, statt. Unter den Trauergästen befanden sich zahlreiche Notabilitäten unseres öffentlichen Lebens, viele Vereine mit ihren Fahnen, die Zöglinge des isr. Knaben- Waisenhauses mit ihrem Direktor an der Spitze rc. Nachdem Cantor Jakob Suschny unter Assistenz des ganzen Tempelchors einen Psalm wirkungsvoll vorgetragen hatte, würdigte Prediger Dr. Samnel Kohn in gehaltvoller Rede die Verdienste des Verblichenen. Unter den üblichen Gebeten wurde sodann der Sarg in der Familiengruft beigesetzt. Keszthely. Graf Tassilo Festetites hat die Gründe, ans welchen der hiesige israelitische Tempel und das Rabbiner-Wohn- Haus stehen, sowie den dortigen israelitischen Friedhof, welche Eigeuthnm der gräflich Festetics'schen Familie bildeten und der Gemeinde nur zeitweilig zur Benutzung überlassen waren, ״in Anbetracht der Treue, welche die Keszthelyer israelitische Gemeinde für seine Familie allzeit an den Tag gelegt hat und in Anbetracht der frommen und pietütsvollen Zwecke, welchen die in Rede stehenden Gründe dienen", der Gemeinde für immerwährende Zeiten unentgeltlich als Eigenrhnm überlassen. — Der hiesige Kaufmann Ignatz Oppenheim hat die Tochter des pensionirten Feldmarschall-Lieutnants v. Paxy, welche im Plattenfee badete und dem Ertrinken nahe war, mit eigener Lebensgefahr gerettet und glücklich ans Ufer gebracht. Der Vater der Geretteten dankte Herrn Oppenheim für seine edle That in der herzlichsten Weise. Temesbae. Frau Julie Galandaner war vor wenigen Tagen aus Wien nach Temesvar gekommen und wollte nach kurzem Besuche bei ihren Verwandten in das nahe gelegene Bad Bnzias zur Cur fahren. Die 71 Jahre alte Frau erkrankte jedoch während des hiesigen Aufenthaltes und gieng am 7. a. c. mit Tod ab. Das Leichenbegängnis war für den 9. a. e. Nachmittag 4 Uhr aus dem Hause ihres Schwiegersohnes, des Holz- Händlers Carl Kubitsek, anberaumt. Als nun der Tvdtenwagen vorgefahren war und Oberrabbiner Dr. Löw eben mit der Ceremonie beginnen wollte, gewahrte er im rückwärtigen Theile des Hofraumes einen zweiten Leichenwagen mit einer kleinen Tranergemeinde und einem Geistlichen im Trauerornate. Daselbst war ein Kind katholischer Eltern verstorben, und der Zufall wollte es, dass beide Leichenbegängniße auf dieselbe Stunde festgesetzt waren. Um jede gegenseitige Störung zu vermeiden, ließ der Oberrabbiner durch den Tempeldiener Nachfragen, ob es nicht möglich wäre, zuerst die in der Thoreinfahrt stattfindende israelitische Ceremonie zu absolvieren. Der Diener scheint den Auftrag nur oberflächlich ausgeführt zu haben, denn er kam mit der Meldung zurück, die Einsegnung sei noch nicht erfolgt und es werde bis dahin noch eine geraume Weile vergehen. Nunmehr entschloss sich der Rabbiner, seine Function zu beginnen; kaum hatte aber der Chor unter Leitung des Obercantor Löwenherz den Gesang begonnen, als auch schon aus dem Hosraum die Töne des ״Circum dederunfc•' hörbar wurden. Daraufhin dämpften die israelitischen Funcrionäre ihre Stimmen, und die beiderseitigen Ceremonien giengen ungestört vor sich. Als jedoch der Oberrabbiner am Sargende eben seine Trauerrede begonnen hatte, setzte sich der katholische Leichenzug in Bewegung, und die jüdische Trauergemeinde musste sich eng an den Sarg schaaren, um für den anderen Todten den Weg frei zu machen. Der Rabbiner Hielt in seiner Rede inne, wendete sich mit zum Gebete gefalteten Händen gegen den christlichen Sarg und tief ergriffen folgten auch die Gläubigen seinem Beispiele. Als der andere Zug die Gasse erreicht hatte, setzte Dr. Löw seine Rede fort, indem er sagte: ״So ziehen wir denn Einer nach dem Anderen aneinander vorüber in's Jenseits hinüber, und Niemand kann sagen, wessen Reihe früher kommen mag. Wann immer und aus welcher Glaubensgemeinde wir aber den letzten Weg antreten, die Hauptsache ist und bleibt, wie wir gelebt haben und wie wir vor Gott, dem Einzigen und Gerechten, erscheinen können. Bunzlau, 2. August. Gestern Nachmittag fand in der hiesigen Synagoge die Einsegnung des Kaufmann Bnckwitz'schen Jubelpaares und zugleich die des Meseritzffchen Ehepaares statt. Viele Glaubensgenossen der Jubilare, Verwandte und Bekannte von Nah und Fern wohnten dem feierlichen Aktus bei. Nachdem Herr Buckwitz und seine Ehefrau unter dem vor dem prächtig geschmückten Altäre stehenden Trauhimmel Platz genommen hatten, während ihr Schwiegersohn, Herr Meseritz mit seiner Gattin rechts davon, beifeit des Altares saß, hielt der Cultnsbeamte Herr Tintner ein deutsches Gebet, nachdem ein Chor jugendlicher Sängerinnen den 26. Vers des 118. Psalms vorgetragen hatte. Ans die Liturgie folgte eine Arie: ״Hallelujah! O singet unserem Gott dem Herrn", bei welcher Fräulein Hulda Tintner das Sopransolo mit frischer, wohlgeschulter Stimme sang. Nunmehr folgte die Predigt, für welche Herr Tintner das Schriftwort 3. Mose 25, 11 und 12 als Text gewählt hatte. Nach der Predigt überreichte Herr Tintner Herrn Bnckwitz und seiner Frau die dem Jubelpaare von Sr. Maj. dem Könige verliehene goldene Ehejnbilüums-Medaille. Hieraus folgte dann die Einsegnung beider Jubelpaare. Zum Schlüsse sang die Gemeinde ein von Herrn Cantor Tintner verfasstes Lied: ״Dir Gott allein, dir töne unser Sang!", worauf die Jubelpaare die Glückwünsche ihrer Verwandten, Freunde und Bekannten entgegen nahmen l§amurtm*. Herr Julius B e r g g r ü n. ein Sohn des verewigten hiesigen Obercantors Heinrich Berggrün, veranstaltete vorige Woche in Norderney ein Wohlthätigkeitseoneert. Die ״Knrzeitnng" rühmt den ausgiebigen, gut geschulten Heldentenor des noch jungen in Wien ansgebildeten Opernsängers und stellte einen rauschenden Erfolg desselben fest. Auch die Mitwirkenden, Pianist Alfred Rose von hier und ViolinvirtnoS Deiler von der Norderneyer Badeeapelle, fanden lebhafte Anerkennung. Petersburg. Das russische Ministerium des Innern scheint seine frühere Ansicht über die Fähigkeit der Inden zum Ackerbau geändert zu haben. Wie der Wos-chod nämlich meldet, weilte kürzlich der bekannte amerikanische Prediger, Dr. Kraus׳ köpf, in Petersburg und machte dem Ministerium den Vorschlag, eine Zahl von Ackerban-Colonien für arme Inden in Rußland zu errichten, da amerikanische Philanthropen die dazu nörhigen Geldsummen vorstrecken wollen. Dieser Vorschlag soll aeceptirt worden sein; an maßgebender Stelle soll dem Dr. Krauskopf jedwede Unterstützung versprochen worden sein. Zn diesem Zwecke hat sich der Amerikaner bereits in das jüdische Niederlassnngsgebiet begeben, nm die Lage der armen Juden durch Augenschein kennen zu lernen. Die Colonien sollen in den wenig bevölkerten Provinzen des Reiches errichtet werden. Synagogen-Ornate für Cantoren, Mim und Clor verfertigt billigst und geschmackYollst ausschliesslich M. GOLDBERG, Schneidermeister n ie», 1״ FleJschjiiarkt Nr. i>. Herrenkleider nach Mass werden feinst ausgefülu’t. t K ־16

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