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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-08-01 · Heft 19 (1.8.1894) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 19 (1.8.1894)
Date
1894-08-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. Lieben, Gattin, Tochter und Schwiegersohn, Trost, Ruhe und Ersatz für diesen herben Verlust finden lassen. זיציל G. Galgor;, 18. Juli. Am 10. d. M. feierte unser Oberrautor Herr Moses K r i n e r, die Hochzeit seiner Tochter Regina mit Herrn Jakob Glaser aus Budapest, welcher seinerzeit 8 Jahre bei seinen! nunmehrigen Schwiegervater als Chorist thätig war. Die Trauung vollzog Herr Oberrabbiner Rosenfeld, den Vater der Braut vertrat in seiner Function dessen Schwiegersohr! Geza Ernster, Obercantor in Losoncz. Der Vortrag desselben fand solch' allgemeinen Beifall, dass ihm von Seiten des Gerneindevorstandes der ehrende Antrag gemacht wurde, über Samstag hier zu verbleiben und an der Stätte, wo er eigentlich seine Ausbildung erlangte — er ist nämlich gleichfalls ein Schüler seines Schwiegervaters — als selbständiger Kantor sich hören zn lassen. Herr Ernster nahm das Anerbieten an und der Gemeinde ward hiedurch ein Kunstgenuss geboten. Zur Hebung der Hochzeitsfeier waren die College!! aus Tyrnau, Vag-Szered, Gr. Tapolcsany herbeigeeitt, welche das Hochzeitsmahl durch vorzügliche Gesangsvortrüge würzten, ebenso haben die Herren Rabbiner von hier und Leva, wie auch das Vorstands- Mitglied Herr Deutsch durch ihre gelungenen Reden den zahlreich vertretenen Gemeindemitgliedern und Gästen ausgiebigen geistigen Genuss geboten. Zahlreiche Gratulationstelegramme gaben von der ausgedehnten Theilnahme kund, welche Freunde und Bekannte an den Tag legten. Hervorheben wollen wir noch, dass Herr Keiner seit seiner 13-jährigen, hiesigen Wirksamkeit bereits die dritte Tochter verheirathete, und dass sich die Gemeinde bei jeder dieser Gelegenheiten in mnnificenter Weise bestrebte, die diesfülligen Sorgen und Lasten ihrem allseits beliebten Obercantor zu erleichtern. Tluste. (Aufruf). Wie es Ihnen aus den öffentlichen Zeitungen gewiss!bekannt ist, grassirt im Zaleszczyker Bezirke, wohin unser armes Städchen T l n st e gehört, die Choleraepideniie und rafft;dieselbe (zumeist cholera asiatica) täglich zahlreiche Opfer weg. Das Städtchen Tluste mit einer vorherrschend jüdischen Bevölkerung von über 3000 Seelen, auch sonst arm und einzig ans den Zwischenhandel mit Rohproducten angewiesen, ist durch dieses Unglück, welches dasselbe heimgesucht hat, mit dem größten Theile seiner Einwohnerschaft der größten Noth, dem tiefsten Elende und der schrecklichsten Verzweiflung preisgegeben. In Folge der immer mehr um sich greifenden Choleraepidemie wurde unser Ort laut Pnblication der Neuen Freien Presse, seitens der Hohen Behörde d. i. seitens des Hohen k. k. Ministeriums des Innern als Seuchenherd erklärt. Demzufolge wurden die umfassendsten Ausfuhrverbote angeordnet, die Wochenmärkte, welche bis nun die vornehmste, ja einzige Einnahmsqnelle der Einwohnerschaft bildetet auf unbestiminte Zeit geschlossen, ja sogar das Schlachthaus gesperrt. In Folge dieser gewiss nur zn billigenden behördlichen Verfüguugen und pcophylactischen Maßregeln sieht sich der größte Theil der Einwohnerschaft dieses Städtchens der einzigen Einnahmsquelle entänßert, und in der ganzen Stadt sieht man vor Kummer, Schreck und Entbehrung mit Todesblässe bedeckte Gesichter und vor Entkräftung und Schwäche zitternde und taumelnde Gestalten unsicher in der großen hier herrschenden Sonnenglut sich Herumschleppen. In dieser allgemeinen Noth und großen Bedrängnis sieht sich die Einwohnerschaft der Stadt derzeit vergebens nach irgend welcher Rettung und Hilfe um. Die wenigen besser sttuirten Einwohner der Stadt, die gerne nach Möglichkeit helfen wollten, sind bereits ihrer schwachen Kräfte erschöpft. Der intelligentere Theil der Stadt hat sich nun zu einen! Rettuugs- und Unterstützungs-Comits ronstituirt, zn dem Zwecke, um die nöthigen Mittel aufzutreiben, die geeignet wären, so viele Hunderte ja tausende Personen vor Noth, Hunger, Verzweiflung, ja sogar vor dem wahrscheinlichen Tode zu schützen. Da aus eigenen Kräften nicht mehr die erforderlichen Mittel aufgetrieben werden können, indem auch die Gemeinde- und Cultuscasse bereits aller Fonde entblößt ist, so hat das ehrfurchtsvoll gefertigte Comits beschlossen, an die allgemein bekannte und berühmte jüdische Mildthätigkeit und Mildherzigkeit zu appelliren. Juden) Brüder! Glaubensgenossen! Die Noch ist hier unendlich groß, das Elend nicht zu beschreiben, darum rettet! helfet! und zwar rasch, bevor es zu spät ist. Die jüdische Nation hat sich stets in ihrer Bedrängnis groß gezeigt und durch das solidarische Zusanunenhalten und den nationalen Geist hat sie vermocht, Jahrhunderte hindurch der Verfolgung und Anfeindung zu trotzen. Wollen Sie auch jetzt, Herren Brüder und Glaubensgenossen Ihren armen, vom Unglück verfolgten und von der Epidemie heimgesnchten Mitbrüdern helfend unter die Arme greifen׳ wollen Sie uns irgend welche Mittel einsenden, damit wir die armen, kranken und gebrochenen Gestalten vor Verzweiflung, Verhungerung und vor Kräfteverfall schützen. Die Betröge, - die Euere Mildthätigkeit uns sicher zumenden wird, wird gewiss Hunderte von Familien am Leben erhalten und vor dem Bettelstab schützen und Euere edle Handluugsweise!vird Euere Mitbrüder zuin ewigen Danke und zum Festhalten an den religiösen Satzungen des Judenthums veranlassen. Zeigen Sie, Herren Glaubensgenossen, dass Euch das Schicksal Euerer Brüder auch im entferntesten Osten des Reiches angeht, und schickt gütigst Unterstützungsbeiträge und Spenden zu Händen unseres Präsidenten Herrn Dr. M a r e k K r o n i k, Landes- und Gerichts-Advocateu in Tluste ein. Indem wir um die thunlichst rascheste Beschleunigung und Erledigung unserer ergebenen Bitte höslichst ansuchen, zeichnen wir Euere Mitbrüder und Glaubensgenossen hochachtungsvoll für das Comits: Dr. Marek Kronik, Landes- und Gerichts-Advokat, Abraham Wolf Brecher, Präsidenten; Chain! Langholz, Cassier; Nathan Samuel Wolfram, Elo Platzker, Controlore; Zsak Platzker sen., Kasriel Streusand, Ausschußmänuer; Elias Biener, k. k. Steueramtsadjunct, Schriftführer. LWeratur. Nach Ableben unseres unvergesslichen College!! B a e r in Gothenburg ist dessen Werk ״Der p rakti sche Borb eter״ in den alleinigen Besitz des Buchhändlers I. Kaufsmauu in Frankfurt a. M. übergegangen. Um die Anschaffung jedem Cantor leichter zu machen, eröffnet die genannte Firma für die Ende September erscheinende neue Auslage eine Subscription zn dem ermäßigten Preise von 18 Mark — 11 fl. ö. W. (der Ladenpreis betrügt 30 Mark), wenn die Subscription bis 15. September angemeldet ist. Die College!! sollten diese günstige Gelegenheit zur Anschaffung dieses ausgezeichneten und bewährten Sammelwerkes der jüdischen Liturgie nicht uubenützt vorübergehen lassen. Im Verlage von Em. Wetzler in Prag erschienen drei Lieder von Julius R üng er, Opernsänger am Prager Deutschen Landestheater, einem talentvollen Componisten. Die Lieder verratheu eine schöne lyrische Begabung und die allerdings geringfügigen Bedenken, die eine strenge Kritik gegen die Form erheben könnte, müssen in Anbetracht des üppig quellenden melodischen Fadens verstummen. Nur glauben wir darauf Hinweisen zu sollen, dass sich der eigentliche Beruf des Componisten als Sänger in den mehr oder minder opernhast gehaltenen recitativischen Mittelsätzen allzusehr geltend macht; eingehendes Studium unserer hervorragendsten modernen Liedercomponisten, besonders aber Brahms', dürsten ihm bald den richtigen Pfad weisen. Im Allgemeinen beglückwünschen wir den Komponisten, einen Sohn des College!! Singer in Prag, in der angenehmen Hoffnung, weitere erfreuliche Werke in Bälde begrüßen zn können. S. T. Unter dem Titel: ״Die mosaische Moral- und Rechtsphilosophie" befindet sich eine vom Rabbiner I. Bau m in Steyr verfasste, höchst interessante und zeitgemäße, populär-wissenschaftliche Abhandlung unter der Presse und wird demnächst erscheinen. Wir machen unsere Leser im Interesse der guten Sache heute schon daraus aufmerksam. geehrten Herren Abonnenten, 1 fin das dritte Nuartal den Abonnementsbetrag noch nicht eingesendet haben, werden dringendst gebeten, dies endlich am 1. August nachzuholen, damit weitere Mahnungen unterbleiben. Administration.

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