Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 19 (1.8.1894)
- Date
- 1894-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. man wechsle weder die Handlage im Raume einer Octave, noch versuche man durch schwierige weite Spannungen das lieber- oder das Untersetzen zu umgehen; in arpeggierten Accorden, die nur bis zur Decime greifen, wie iit vielen Begleitfiguren der linken Hand, ist allerdings noch das Untersetzen durch Spannung bequem zu vermeiden. (Schluss folgt.) Die Schtachtmethodrn. Die deutsche Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege hielt jüngst nn Hörsaale des Hygienischen Instituts in Berlin ihre letzte Sitzung vor den Sommerferien ab. Zu dieser Sitzung hatte der bekannte Physiologe, Hofrath Dembo aus Petersburg, einen Vortrag über den physiologischen Werth des nach verschiedenen Methoden geschlachteten Fleisches zugesagt. Hofrath Denibo, der sich zur Zeit in Paris befindet, hatte jedoch dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Geheimen Ober-Regierungsrath Spinola, die Mittheilung zugehen lassen, dass es ihm leider nicht möglich sei, zur Zeit nach Berlin zu kommen. An seiner Stelle hielt Dr. Krüger vom hiesigen physiologischen Institut, welcher mit den Forschungen Hofrat Dembos genau vertraut ist, einen Vortrag über die hygienische Bedeutung der verschiedenen Schlachtmethoden. Der Vortragende verwies zunächst auf den Vortrag, den Hofrath Dembo 1889 auf dem hygienischen Congreß über die verschiedenen Schlachtmethoden gehalten, in Folge dessen vom Congress eine Commission eingesetzt wurde, welche die jüdische Schächtmethode einer eingehenden Prüfung zu unterziehen hatte. Nach viermonatlicher Thätigkeit erstattete diese Commission ihren Bericht dahin, dass sie keine Ursache gefunden, die jüdische Schächtmethode für schlecht zu halten. Hofrath Dembo hielt die Aufgabe, die beste Schlachtmethode zu erforschen, aber für so wichtig, dass er ganz Europa durchreiste, die verschiedenen Schlacht- Methoden studierte, Gutachten von praktischen und wissenschaftlichen Sachverständigen entgegennahm und selbst Schlachtversuche mit nachfolgender Obduction an Kaninchen, nach den verschiedenen Schlachtmethoden, vornahm. Die Versuche und Resultate Dembos haben auch zu Versuchen und Untersuchungen auf dem hiesigen städtischen Schlachthof und im hygienischen Institut geführt, und unternahm es der Vortragende, die gewonnenen Resultate wissenschaftlich zu begründen. Seinen Ausführungen entnehmen wir, dass diejenige Schlachtmethode die beste ist, bei welcher die Todesstarre am ehesten eintritt und am längsten andauert. (Wissenschaftlich ist die ״Todesstarre" diejenige Zeit, innerhalb deren das Fleisch der geschlachteten Thiere fest und genießbar und nicht in Fäulnis übergehend bleibt.) Je blutreicher geschlachtetes Fleisch ist, um so eher ist es dem Verderben ausgesetzt, je blutarmer, um so länger hält es. Versuche an Kaninchen haben ergeben, dass bei der Tödtungsart mittelst Stechens die Blutmenge bei gleichartigen Kaninchen 80 Gr., bei vorheriger Betäubung durch Kopfschlag nur 60 Gr., beim Schächten dagegen 90 Gr. betrug. Die Todesstarre trat beim Schächten bereits nach 1-10 Minuten, beim vorherigen Betäuben durch Kopfschlag erst nach 235׳ Minuten ein; sie hielt bei geschächtetem Fleisch 18 Tage, bei dem anderen nur 13 Tage an (d. h. im Winter im Keller des hygienischen Institutes bei 3 bis 7 Grad Temperatur.) Untersuchungen im hiesigen bygienischen Institute von auf dem hiesigen Schlachthofe geschlachteten Fleisch von Ochsen und Kaninchen auf die Menge reinen Ammoniaks haben ergeben, dass bei geschächtetem Fleisch erst nach fünf Tagen dieselbe Menge Ammoniak zu couftcitireu war, wie bei dem nach vorausgegangener Betäubung geschlachteten schon nach drei Tagen. Der Vortragende behandelte hierauf die Frage, welche Schlachtmethode für das Thier die qualvollste sei. Unstreitig sei die grausamste Methode die durch den Nackenstich (Genickstich). Es sei erwiesen, dass dadurch nicht das verlängerte Gehirn verletzt werde, sondern nur das Rückenmark. Dies habe eine sofortige Lähmung der unteren Extremitäten zur Folge, das Thier stürzt sofort hin, bleibt aber bei Bewusstsein. Diese grausame Schlachtmethode sei bis auf einzelne in Russland noch vorkommende Fälle auch bereits verlassen. Beim Schächten (Durchschneiden der großen Halsader) trete die Bewusstlosigkeit sofort, nach drei bis fünf Secundeu, ein, während beim vorherigen Betäuben durch den Kopfschlag mindestens 15 Secundeu bis zum Eintritt der Bewusstlosigkeit vergehen. Wie constatirt, seien oft sieben bis acht Schlüge zur Betäubung eines Ochsen erforderlich, das Bewusstsein schwinde aber erst beim Blutausfluß. Die Angriffe der Thierschützler und Gegner des Schüchtens, dass die zwei Vertebral-Arterien bei dem Halsschnitt unverletzt blieben und somit noch eine Blutzufuhr nach dem Gehirn stattfände, das Bewusstsein also bliebe, wie auch die Zuckungen der Thiere ergeben, seien vollständig haltlos. Bei dem Durchschneiden der großen Halsader werde das gesummte Gewebe gleichmäßig in Angriff genommen, die Arterien können mithin dem Gehirn kein Blnt zuführen. Die nach dem Halsschnitt eintretenden Zuckungen des Thieres finden eben nur nach plötzlich eiutretender vollständiger Bewusstlosigkeit statt. Von diesen Muskelbewegungen, welche die Blutentleerung äußerst begünstigen, fühle das Thier gar nichts. Dieser Zustand treffe auch ans die. Fülle zu, wenn Hühner, Enten, Gänse nach vollständig abgeschnittenem Kopfe sich noch fortbewegen. Der Vortragende verwies auf eine große Anzahl Gutachten aus wissenschaftlichen Kreisen und von Großschlüchtermeistern, welch letztere in der Praxis schon seit vielen Jahren die Erfahrung gemacht haben, welche jetzt wissenschaftlich begründet sind. Darunter befindet sich auch das Gutachten des hiesigen Großschlächtermeisters Hoffmann. Derselbe hat dem Hofrath Dembo geschrieben, dass er, obwohl Christ, die Schächt- Methode schon seit Jahren anwendete, weil er die Erfahrung gemacht, dass dieselbe die leichteste Todesart für die Thiere sei. Allerdings verliere dadurch das Thier an Schlachtgewicht, allein dieser augenblickliche Schaden werde doch ausgewogen durch die Güte und längere Haltbarkeit des Fleisches. Dr. Krüger schloss seinen Vortrag mit der Erklärung, dass ein llrtheil über die beste Schlachtmethode nicht den Schlächtermeistern, auch nicht den Thierschützlern, sondern nur allein den Physiologen zustehe. Vom hygienischen Standpunkte aus könne man nur wünschen, dass die jüdische Schächtmethode endlich die Anerkennung findet, welche sie verdient. Die Staatsbehörden hätten alle Veranlassung, nicht Verbote gegen diese Schlachtmethode zu erlassen, sondern die allgemeine Einftihrung derselben zu bewirken. Auf eine Anfrage des Geheimrathes Spinola bemerkte Dr. Krüger, dass das geschächtete Fleisch auch eine größere Schmackhaftigkeit und leichtere Verdaulichkeit besitze. Mit Zustimmung der Versammlung erklärte Geheinirath Spinola (da die Gesellschaft keine Resolutionen fasst) das volle Einverstündnis der Versammlung mit den Ausft'lhrungeu des Vortragenden und den wissenschaftlichen Forschungen des Hoftathes Dembo.