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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-07-15 · Heft 18 (15.7.1894) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 18 (15.7.1894)
Date
1894-07-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 5. Sinai sitzend, da rief uns ein ״Bat-Kol־‘ zu vom Himmel: Kommt heran, kommt heran! große Prachtgebäude und herrliche Teppiche sind für euch unb euere Schüler bereit, und ihr seid für den dritten Grad der Seligkeit bestimmt. (CJhagiga 14.) Rabbi Nachman bar Jizchak, welcher sich über die Sündenlosig feit des Königs Saul zweifelhaft geäußert, hatte zweimal schreckliche Träume und bat die Manen Sauls um Vergebung. (Joma 22.) Rabbi Chanina träumte: Er sehe, wie man den Nab an einem Baume anfhänge. Die Tradition, dass ein derartiger Traum die Erhebung zu einer Ehrenstelle bedeute, bewährte sich durch eine spätere Wahl des Rab zum Schuloberhaupte. (Chagiga 87.) Rabbi Huna bar Manoah, Rabbi Samuel bar Jde und Rabbi Chija aus Westania kamen oft in den Hörsaal des Rabba. Nach dessen Ableben kamen sie zu Rabbi Papa. So oft dieser einen Vortrag hielt, der ihnen nicht gefiel, warfen sie sich gegenseitig vielsagende Blicke zu. . Dieses Vorgehen betrübte Rabbi Papa sehr. Da träumte ihm, als lese er den Vers (Secliarja 11, 8.): ״Und ich vertilge die.drei Hirten in einem Monat". Als sie des andern Tages von ihm Abschied nahmen, entließ er sie mit den Worten: Gehet in Frieden Rabbanim. (Taanis 9.) XIII. Bar Hedja, der schlaue Traumdeuter. Bar Hedja war ein Traumdeuter. Derjenige, der ihn bezahlte, konnte immer erwarten, dass der Traum zu seinem Wohle und Glücke gedeutet werde, wer aber nicht bezahlte, erhielt immer eine schlechte Delltmlg zum Nachtheile des Fragestellers. Abaja und Rabba hatten einen und denselben Traum, sie giengeu zu Bar Hedja, Abaja bezahlte ihn, Rabba nicht. Sie sagten: Man ließ uns im Traume lesen den Vers (5. M. 28,-31.): ״Dein Ochs wird geschlachtet werden vor deinen Augen, und du wirst nichts davon genießen." Dem Rabba deutete er zuerst, dass er sehr viel von seinem Vermögeu verlieren werde, und dass er dann vor Kummer nichts wird genießen können. Dem Abaja hingegen deutete er, dass er so viel an seinen Geschäften verdienen werde, dass er vor Freude an Genuß gar nicht denken wird. Sie sagten ferner: Man ließ uns im Traume folgenden Vers lesen (ibid 31.): ״Du wirst Söhne und Töchter erzeugen, und sie werden nicht dir angehören weil sie in's Exil wandern werden", dem Rabba deutete er, dass ihn dieser Fluch buchstäblich treffen werde, dem Abaja, der ihn natürlich bezahlt harte, sagte er: Du wirst viele Söhne und Töchter haben, diese werden heirathen und aus dem Hause kommen, es wird dir dieses schwer fallen, als ob sie in Gefangenschaft geführt worden wären. Sie erzählten ihm ferner: Wir lasen im Traume den Vers (Kohelet 9, 7.): ״Gehe, genieße mit Freuden dein Brot." Abaja deutete er, dass seine Geschäfte ihm sehr viel einbringen werden, er wird essen und trinken und in der herzlichsten Freude diesen Vers recitiren; dem Rabba hingegen prophezeite er. dass er große Verluste erleiden werde, sich vor Kummer dein Trünke ergeben werde und diesen Vers lesen, um die׳ Sorgen zu vergessen. Sie sagten ihm: Man ließ uns im Traume den Vers lesen (5. M. 28, 38): ״Viel Samen wirst du aussäen und wenig einsammeln". Dem Abaja deutete er, dass an ihm der erste Theil dieses Verses sich bewahrheiten werde, dem Rabba aber, dass der zweite Theil dieses Spruches bei ihm zütreffen wird. Sie sagten abermals, sie haben im Traume den Vers (ibid 28, 10) gelesen: ״Es werden sehen alle Völker der Erde, dass der Name Gottes über dich genannt wird". Dem Abaja deutete er, dass er zum Oberhaupte der Schule ernannt wird und alle Welt wird ihm Ehrfurcht erweisen. Dem Rabba sagte er, dass in der Schatzkammer des Königs ein Einbrnchsdiebstahl geschehen wird, man wird ihn der Theilnahme verdächtigen, wodurch über alle die Furcht kommen wird. Es geschah auch also und Rabba wurde eingezogen, aber als schuldlos erkannt. Sie erzählten ihm: Wir sahen im Traume Trauben, welche an einem Baume hiengen. Dem Rabba deutete er: Deine Weine werden der Dattelsrucht gleichen, dn wirst sie billig verkaufen müssen; dem Abaja sagte er: Dein Geschäft wird sich heben wie ein Palmbaum. Als Rabba nun merkte, dass Bar Hedja seine Träume immer ungünstig anslegte, gab er ihm auch eine Be lohnung, hierauf deutete er auch seine Träume günstiger zu dessen Zufriedenheit. (,׳Zorksevluig folgt.- Kleine Chronik. Wien. Donnerstag, den 28. Juni, fand unter zahlreicher Betheiligung das Leichenbegängnis der Frau Sofie Finzi, geb. de Majv, Gattin des türk. Großhändlers und Fabrikanten. -Herrn Jaqnes M. Finzi, statt. Tie Verblichene war eine אשת היל im wahrsten Lünne des Wortes, eine fromme, edle und wohlthätige Frau, die sich in Folge ihrer seltenen Tugenden allgemeiner Verehrung und Hochachtung erfreute. Sie entstammte einer angesehenen und alten Familie der türk. Gemeinde. Die Leichenfnuktion versahen Rabbiner Papo unb Obereantor Bauer unter Assistenz des gesummtem Chvrpersvnales. 'ת׳נ׳צ׳ב׳ה Prag. In der letzten Sitzung der Repräsentanz der Landesjudenschaft in Böhmen brachte der Obmannn Herr Dr. Moriz L i ch t e n st e r n das Gesuch des isr. Lehrervereüres in Böhmen, in welchem die Repräsentanz ersucht wird, aus Anlass des 50jührigen Regiernngsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers an die Cnltnsgemeinden Böhmens wegen gemeinsamen Vorgehens behufs Gründung eines Pensivnsinsiitutes für Cnltnsbeamte heranzntreten, zur Verlesung. Herr Dr. Oskar Will»er ist der Ansicht, dass aus der Repräsentanz ein Cvmits von 5 Mitgliedern zu wählen sei, welches aus jedem Kreise einige Cultusvorsteher beiziehen solle. Herr Dr. Em. Kraus aeeo modirt sich dieser Ansicht und beantragt, dass der Obmann ersucht werde, sich mit der Prager isr. Cultnsgemeinde- Repräsentanz in's Einvernehmen zu setzen. Es wird sohin dieser Antrag, sowie der weitere Antrag des Herrn Isaak Mauthner, dass nebst dem Cultusvorsteher auch noch andere hervorragende Cnltusgemeindemitglieder in das Comitv Aufnahme finden können, einhellig angenommen, und wurden aus der Repräsentanz der Landesjndenschaft in das Comitä gewählt: Ter Obmann Herr Dr. Moriz Lichtenstern. Herr Leopold Haller, Herr Dr. Rudolf Duschner, Herr Dr? Jakob Lachst und Herr David Bullaty. Weiters wird beschlossen, dem Comite das Gesuch des isr. Lehrervereines abzntreten, sowie darauf hinzuweisen, dass die Repräsentanz zur Gründung eines Pellsionssondes für isr. Cultnsbeamte bereits einen Betrag von 5000 fl. zu widmen beschlossen habe. Trvppan. Heute fand in dem neuerballten prächtigen Sitzungssaale der Cultnsgemeinde die Schlnssfeier der hiesigen israelitischen Volksschule statt, welcher der Vorsteher der Cultusgemeinde Herr Sig. Spitzer, sowie eine große Anzahl Gemeinde Mitglieder beiwohnten. Tie Feierlichkeit wurde durch einen hübschen zweistimmigen Chor der 3. u. 4. Classe eröffnet. Hieran schloss sich der Vortrag mehrerer Gedichte, Solo- und Chorlieder, letztere unter der Leitung des Gesangslehrers Herrn Obereantor Singer m a u 11, die den wärmsten Beifall der Anwesenden fanden, Nach einer kurzen patriotischen Ansprache des Herrn Oberlehrers Blatt an die Schuljugend, in welcher er unseres erhabenen Monarchen gedachte, wurde von sämmtlichen Schülern und den Anwesenden die Vvlkshymne angestimmt, womit die Feierlichkeit ihren Abschluss fand. In früheren Zeiten pflegten einer solchen Schlnssfeier der Bürgermeister, sowie auch ein Vertreter des Bezirksschulrathes beiznwvhnen. Der abschenlicheu Antisemitenhetze ist es nun zu verdanken, dass seit einigen Jahren sich keiner dieser Herren bei der Schnlschlussseier mehr! blicken lässt!

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