Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 18 (15.7.1894)
- Date
- 1894-07-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 18. Tasten ohne Tongebung zu kommen, wenn nicht in Folge schnellen Tenipos ein sofortiges Wiederanschlagen erfolgt. Eine zweite Ausführung desselben Staccatos ist ferner: Die Hand schwebt hoch über den Tasten, aus welcher Stellung der Anschlag mit darauffolgendem fast gleichzeitigem Aufschnellen erfolgt. Bei ruhiger Haltung des Unterarms bleibt die Hand bis zum nächsten Anschlag fest in dieser gehobenen Stellung. Beide Handgelenkstaccatos finden bei Tonleiterläufen, in Terzen, Sechsten und Octavengängen reichlich Verwendung. Härter klingt jenes Staccato, welches bei vollen Accord- Passagen, wie sie sich z. B. in Bravourstücken oft finden, in Anwendung kommt und mit dem ganzen Unterarm ausgeführt wird, der sich bei ruhenden Hand- und Fingergelenken leicht im Ellenbogen bewegt. Das Gegentheil dieses Anschlages ist das schwierigere ״Fiugergelenkstaccato", die weichste gestoßene Spielart, die bei piano, pianissimo und mit ״leggiero“ bezeichnten Stellen am Platze ist, und wie der Name sagt, statt vermittelst lockerer Handgeleukbewegung durch Emporschnellen der Finger von der Anschlagstaste bewirkt wird. Auf exacte Fingerhaltung und lockere Bewegung des mittleren Fingergelenkes, das im Augenblick des Anschlages ein wenig nach innen gekrümmt, eingezogen wird, ist dabei zu achten. Finger- und Handgelekstaccato erfordern anhaltende Uebung. Jene Zwischenart von Anschlag ohne Biüdung nmd ohne ausgeprägtes Stoßen, welche die Töne lang aushält und erst unmittelbar vor Anschlag der nächsten Note oder des darauffolgenden Accordes die Finger abhebt, Las ,.non legato', bedarf keiner weiteren Erklärung. Während man das Legato an den bekannten Bogen über den Noten erkennt und überall da anwendet, wo keine gegentheilige Bezeichnung vorgeschriebeu ist, wird der Gebrauch des Staccato durch Punkte ., welche der Note zu Gunsten der Pause etwa die Hälfte, oder Keile "" angezeigt, welche ihr bis dreiviertel ihrer Geltung entziehen. Punkte mit darüber befindlichen Bogen <7"7> oder auch wohl über den Noten weisen auf An- Wendung des ״non legato“ hin. Das legatissimo, bei dem die Finger bei Anschlag der folgenden Taste ligen bleiben, kommt weniger oft vor und bedarf keiner Erklärung, nur sei vor seinem Gebrauch an Unrechter Stelle gewarnt. Dass eingezeichnete forte, piano, crescendo, sforzato 2c., kurz, alle dynamischen Zeichen beim Anschläge Berücksichtigung finden müssen, ist einleuchtend. Dies führt uns auf die viel Aufmerksamkeit erfordernde, dem musikalischen Gehalt eines Stückes entsprechende Betonung und Abstufung der Tonfolgen in Bezug auf Stärke und Schwäche, auf Accentuaüon und Phrasierung, kurz auf den Ausdruck im Spiel. Vor allem sei eine immer noch weitverbreitete, gänzlich falsche Ansicht bekämpft, welche darin besteht, jede erste Note im Takt, dann in zusammengesetzten Taktarten jeden guten Takttheil auffällig zu betonen. Wie unnatürlich dies in den meisten Fällen klingt, wie hiedurch der Sinn, die Einheit des Gedankens zerrissen wird, findet ein gebildetes Ohr sofort heraus. Da, wo in Folge des rhythmisch scharfen Gepräges wirklich accentuiert werden soll, ist dies stets unzweideutig zu erkennen, im allgemeinen jedoch vergesse man nicht, dass bei halbwegs ausgeprägten! Taktsinn und rhythmischem Gefühl meistens ganz unwillkürlich das richtige Maß der Betonung der guten Takttheile gefunden werden wird. Ganz unrichtig wäre es also z. B. in der leichten 0 dnr-Sonate ־ von Mozart, jedes erste und dritte Viertel des Taktes zu betonen, wo demnach Takt 1 c\ e", g" ganz gleichmäßig, ja mit ein wenig crescendo zum g", h" des Takt 2 ganz unmerklich betont, c" hingegen als Schluss des Tongedankens, unbeanstandet des ״guten Takttheiles", äußerst leicht, mit Hebung der Hand im Gelenke, gespielt werden muß. So wenig in einem Gedicht, das etwa in Trochäen abgefasst ist, jede ״schwere Silbe" beim Deklamieren mit erhobener Stimme gehört werden darf, so wenig darf jeder gute Takttheil in einem Liede 2c. mit Nachdruck betont werden. Man denke hier z. B. an die Volkshymne: ״Deutschland, _ Xj _ W__\j _ KJ _ \j Deutschland, über alles, über alles m, der Welt 2c. und an die unterlegte Haydnffche Melodie, um sich von dem Ebengesagten einen klaren Begriff zn bilden. Es würde hier zu weit führen und ohne zahlreiche Beispiele unerklärt bleiben, das Wesen der Phrasierung, die harmonischen, rhythmischen, melodischen Accente zu erörtern, zumal wir heutzutage über meist sehr gewissenhaft und genau mit Betonungs- und Phrasierungszeichen versehene Ausgaben verfügen. Kurz sei als selbstverständlich noch berührt, dass Crescendi und decrescendi jede taktliche Betonung aufheben und anderseits sehr oft vorkommende rhythmische oder harmonische Accente auf schlechten Takttheilen, selbst wenn sie eine momentane Taktverschiebung (Synkopen) verursachen sollten in dem eigentlichsten Wesen der Musik ihre Begründung und volle Berechtigung finden. (Forlschung folgt.) Betrachtungen über Schlaf u. Traum von Rabbiner L. Wollner. XII. Bedeutsame, schicksalsbestimmende Träume. War der Traum vorausbestimmende Schicksalsbestinnnung, so musste dafür gesorgt werden, dem Damoklesschwerte zu entrinnen, die drohende Gefahr abzuwenden und dem schlimmen Verhängnis eine gute Deutung zit geben. Dieses geschah durch eine Verbesserung des Traumes. Rabbi Jochanan sagte: ״Wer wegen eines gehabten Traumes beunruhigt ist, der spreche zu drei Männern: Ich habe einen guten Traum gehabt. Diese antworten: Ja, er ist gut, er wird gute Folgen haben; dann werden von ihnen noch tröstliche Bibelverse recitirt" (Berach. 57.) Der böse Traum selbst wurde als Aufforderung zur Buße für begangene Sünden, so wie der gute Traum als abschlägiger Lohn fiir kleine Verdienste gehalten. Daher sagt Rabbi Huna: Selten wird einem guten Menschen ein guter Träum und einem bösen Menschen ein böser Traum gesendet: Ein böser Traum wurde vorzüglich durch Fasten gesühnt (Taanis Cliolom). Raw sagte: Das Fasten vernichtet den bösen Traum, wie Feuer das Werg verzehrt. Rabbi Chasdai fügte hinzu: das Fasten muß gleich am folgenden Tage geschehen; dazu bemerkte Rabbi Jehuda: auch wenn dieser Tag ein Sabbat wäre (Sab. 11, Tanis 12.) Von den im Talmud vorkonimenden bedeutsamen oder für bedeutsam gehaltenen Träumen heben wir folgende heraus. Rabbi Josef sagte: Ich saß einst beim Vortrage und schlummerte ein, da sah ich im Traume einen Engel, welcher dem Nathan aus Zigitha (berühmter Büßer) die Hand reichte und ihn in Gnaden aufnahm. (Sab. 56) Rabbi Joschua und Rabbi Jose, der Priester, wandelte einst auf dem Heerwege und fingen an, über Merkaba (Theosophie) zu sprechen, es war zur Zeit des Sommersolistiums. Da umzog sich das Firmament mit Wolken, es zeigte sich eine Art Regenbogen, und die Engel sammelten sich um sie ihren Worten zu lauschen. Als Rabbi Jose, der Priester, dieses Ereignis dem Rabbi Jochanan ben Sakkai erzählte, sprach dieser : Heil euch! ja, ich sah im Traume uns versammelt auf dein