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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-07-15 · Heft 18 (15.7.1894) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 18 (15.7.1894)
Date
1894-07-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Nr. 18. Oesterrei<Hisch-ungarische Lantoren-Zeitung. das GegHtheil behauptet, verfolgt nur den leicht erkennbaren Zweck, die VeresittHmig.-sämmtlicher. Cantoreu zu einem einzigen großen Verbände zu verhindern. .•־־; Einigkeit macht stark, und im Interesse des Cantorenstandes ist es darum dringend Zn -wünschen, dass alle Berufsgenossen sich fest zusammengliedern und mit uns an die Gründung eines großen, mächtigen und segenbringenden Pensions-, fondes schreiten. Sind wir einmal unter uns geeint und zeigen׳ wir den festen Willen, unsere Zukunft sicherzustellen, dann wird es uns auch an der Hilfe und Unterstützung der jüdischen'-. Cultusgemeinden nicht mangeln. Der jüdische Gottesdienst. ' vm, Ein anderer Unterschied zwischen den beiden vorerwähnten Mmhagim (Rituale) besteht darin, dass die ״Birchas liatauroh“ im ״Miiibag Polen“ gleich vor ״Elauhai nescbomob“ und im ״Minbag Ascbkenes“ erst vor ,.Parschas liattomid ׳ gesagt werden. Diese Verschiedenheit der Gebetordnung wird wahrscheinlich folgende Grundlage haben. Als nämlich die Morgensegensprüche freigegeben und dem Gemeindegebete zugetheilt wurden — weshalb auch die ursprüngliche, den einzelnen Phasen des Ankleideactes entsprechende Reihenfolge nicht mehr eingehalten ward — haben die behenden und überfrommen Polen hier der ״Taurob“ zuerst die Ehre geben zu müssen geglaubt und nach dem ersten Eulogienpaare über die nothwendigsten menschlichen Bedürfniße gleich die Segensprüche über die Panrod, vornean gestellt. Um sie aber nicht ganz umsonst hersagen und sie auf etwas Lehrinhaltliches beziehen zu lassen, hat man schnell Einiges aus den denLehrfächern, Tauröli, Miscbnoh und Talmud zusammeugerafft und es chnen beigesetzt. Die gemesseneren und sich nicht sehr überhastenden Deutschen aber haben sich schön damit Zeit gelassen, bis zur Stelle, wo ganze Abschnitte aus den genannten drei Lehrfächern ohnedies schon stehen, welche sind: ״Parsebas liattomid׳' (Taurok) ״Esebu mekaumon“ (Mischnob) und ״Rabbi jisebmoel•‘ (Talmud). Haben nun die Deutschen zu ihrer Gebetsassung allenfalls mehr Berechtigung gehabt, so sind sie sich dennoch hierin unconsequent geblieben, insofern sie ebenfalls die polnischen Zugabestellen von ״Jeworecheebo und den beiden ״Elu deworim“ zum Ueberfluße mitsagen. Allein in unserer Gebetzusammenstellung hat ja von jeher das grundsätzliche Prinzip gegolten: "״הלכך נימריבהו לכולהו ״Daher wollen wir Alles sagen." Wenn früher Einer diese, der Andere jene und der Dritte noch eine andere Gebetformel zu seinem Privatgebete gehabt hat, und wenn sie selbst alle eines Sinnes und einer Bedeutung waren, so mussten sie doch allesammt von den Späteren wiederholt werde!:, und so kam es denn, dass wir jetzt manches Ueberflüssige zu sagen haben. Dass aus diesen drei Hauptfächern unseres gesammten Lehrmaterials Stellen entnommen und dem Gebetbuche einverleibt werden mussten, beruht lediglich auf einem talmudischen Ausspruche, der besagt: der Mensch (soll heißen der Jude) soll sein Leben dreithellig machen, und einen Theil für Mikro (heilige Schrift), den anderen für Mischno und den dritten für Talmud benutzen". Auf diese Weise wollte man sich nun leichterdings der allenfallsigen Lernpflicht entledigen, und deshalb ist auch die Anordnung getroffen, die man in älteren Gebetbüchern verzeichnet findet und gerade von gänzlich Unwissenden, rein zum Ergötzen, ausgeführt zu hören bekommt, dass das ,,Esebu mekaumon“ in der Intonation der Oemoro-Melodie angestimmt werden soll. Es bleibt aber eben nur beim. Singen, respeekiö'e Herableiern, etwas davon verstehen,- fällt gar-Meni-andein,-׳ sage : Niemandem ein; ::; י:.;• '׳־- ^׳'. Als-Kuriosum als BEgDafür, wie selbst die gröMir! und gelehrtesten Lente sich wWMun das Verständnis, der Gebete kümmern und überhaupt von jeher nicht viel darauf gegeben haben, .Wüllen wir hier eine Stelle aus dem ,.Badras üaudeseb“ (Mabaril) anführen, die befremdend genug,. ja unglaublicherscheint, nichtsdestoweniger aber, buchstäblich wahr ist. Der Verfasse:׳ des genannten Buches erzählt nun im Namen des Sepber bajiroh“ (der Verfasser desselben war Rabbi Jono Girondi, der Fromme genannt, gestorben 1264) luie der Verfasser des letzteren von sich folgendes Zeugnis ablegt und sagt : ״Ich bekenne-es hier offen, dass ich, und noch mehrere Andere-mit mir, die bedeutender sind als ich, viele Jahre hindurch das "אלו ואלו נשרפין בבית הדשן" immer irrthümlich zum.folgenden Inhalt gehörend gelesen haben; erst durch ein altes deutsches .,Sidur“ sind wir darauf hingewiesen worden--dass -es sich mir-- auf oben bezieht. Auch waren wir gewöhnt, einen andern Lapsus zu begehen, indem wir ׳,שו1", -באכילתך nach oben ,gelesen, -während es doch nach unten hingehört." Die Verständnislosigkeit im Gebete ist schon, frühzeitig .so,-" allgemein und als lab accompli betrachtet worden, dass der ״Rabad“ in diesem Umstande Gelegenheit fand, den ״Rembam״ auf seine Forderung hin: bei Lerias scheina klaren Sinn Und ruhiges Gemüth sich zu bewahren, zu widerlegen und ihn mit den Worten abzusertigen: ״Wozu denn? Beten doch die Meisten ganz ohne Sinn und nur aus Gewohnheit." (Jad bachasoko ' Hilcbaus kerias sebema 4,7). Ebenso befindet sich im Sebuleban oruob auraob ebaim 101, 1, eine Bemerkung vom ״Ramo“, die ebenfalls darauf hinweist und gleicherweise sagt: Heutzutage , braucht man ein Gebet wegen Andachtslosigkeit nicht mehr zu wiederholen, denn wenn es selbst wiederholt wird, was nützt es? Es wird doch wieder ohne Andacht gebetet, also wozu das Wiederholen?" Unter solchen Umständen ist dann gar kein Wunder, wenn im Gebetbuche jetzt manchmal Stellen vorkonunen, die der gesunden Logik geradezu spotten. So lesen wir z. B. in: Lepliicbocli: ואומרים פעמים בכל יום und wird dabei das darauffolgende ,.Sebema jisroel“ ebenso laut geschrieen, als ob es das einzige wäre, und Niemand merkt es da, dass wir dann alle Tage nicht zweisondern dreimal — und Montag und Donnerstag mit Einschluss der Beendigung von ״Lang Webu raebum“ sogar viermal—Sebema jisroel sagen. Allein dieses ״Paamainr‘ ist offenbar überflüssig und falsch, und muß es hier nicht anders heißen, als wie diese Stelle im Midrascb 1־abbo 1, 98 verzeichnet ist und lautet: ״משכימים ומעריבים בכל יום ואומרים שמע ישראל•" Wer aber dieses Einschiebsel hineiugestellt hat, glaubte damit der Deutlichkeit mehr zu Hilfe zu konnnen und spürte es nicht,׳ dass er sich selbst damit ins Gesicht schlägt. Aus deniselben Grunde nun konnten auch kabbalistische Floskeln ins Gebetbuch hineingeschmnggelt werden, welche förmlich die Dreieinigkeitslehre Proklamiren und werden diese Stellen gerade in orthodoxen Synagogen sehr andächtig gebetet. >׳Zu diesen gehören in ganz besonderem Grade die verschiedenen ״Leschem jichud“. Einem solchen begegnen wir zuförderst׳ vor ״Borueb sebeomar ‘ und diesen wollen wir einmal näher betrachten und sehen, was er eigentlich besagen will.— •״לשם יהיר ה״ב״ה" ושכיבתיה על ידי ההוא טמיר ונעלם וכול"•- -Was bedeutet dieses wohl? ״Zur Vereinigung Gottes mitseiner׳

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