Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-07-01 · Heft 17 (1.7.1894) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 17 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/1304829-3453304-3453321--4051-3458471
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6. Oesterxeichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 17. Congi Cong die § genek Selb nach kirch der dm׳ Kir׳ An׳ isro gel Ar lat gv R K st % h l 1 wo der Verkehr beider Confessionen so intakt sich gestaltete wie in der Stadt 2., denn die Zusammengehörigkeit kann nur durch das Band der Spracheinheit befestigt werden, die Brüderlichkeit nur ohne religiöse Schranken auf dem Gebiete des Gesanges erblühen. Noch einmal, es war in der Gemeinde N., wollte er das Schwungrad seiner Sangeslust in Bewegung bringen und einen Verein gründen, ähnlich den! wie in L., der nicht nur im Tempel, sondern auch außer demselben zu wirken hätte; aber Zwistigleiten haben das Unternehmen nicht gefördert, so dass mein Vater von dieser Zeit ab seine Kraft mehr dem traditionellen Gesänge widmete und er selbst zum unerschöpflichen Born von Melodien wurde, die er in seiner Kindheit empfangen und bis ins hohe Greisenalter fortgepslegt hat. Den Anfang seiner Carriare hat er in Jungbunzlau begonnen, wohin er als Knabe im Alter von 14 Jahren zu dem bewährten Chasen Chajim Fink in die israelitische Schule gebracht wurde. Hier, in dieser Stadt, in diesem Hause, hat er zu singen begonnen und zu singen — ausgehört. Mir fällt da das stimmungsvolle Lied Julius Sulzer's, ״Der Wanderer in der Sägemühle" ein, das er so gerne und so schön gesungen: ״Vier Brettlein sah ich fallen, Mir ward ums Herz so schwer, Ein Wörtlein wollt ich lallen, — Da gieng das Rad nicht mehr."- Ehre seinem Andenken! Kleine Chronik. Wien. Sonntag, den 24. Juni fand im türkischen Tempel die Jahresprüsung und Schlussseier der türk.-israel. Volks- und Religionsschule statt, welcher Präses Marcus M. R u s s o und Vicepräses Lico Adutt in Vertretung des Vorstandes, ferner Secretär Dr. E. Thal er, Rabbiner M. P a p o, Ober-Cantor I. Bauer sowie zahlreiche Gemeindemitglieder und Gäste beiwohnten. Die Prüfung nahm einen glänzenden Verlauf und brachte dem Director Groag sowie den übrigen Lehrkräften wohlverdiente Anerkennung. Die deutschen Gegenstände prüfte Director Groag, die hebräischen und spanischen Chacham Alkalay, und allgemein überraschten die Schüler und Schülerinnen durch ihr umfassendes Wissen und die präcisen Antworten. Auch einige Lieder wurden von den Kindern unter Leitung des Gesanglehrers Lö wit sehr hübsch zu Gehör gebracht. Zum Schlüsse hielt Director Groag eine beifällig aufgenommene Ansprache an die Kinder und die erschienenen Gäste. Pilsen. (Doppel-Jubiläum.) Der Öbercantor der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Herr Armin Freisinger, feierte am 9. d. M. sein 25-jähriges Berufsjubiläum und gleichzeitig das Fest der silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlasse fand am 8. d. M. im mit tropischen Pflanzen festlich geschmückten neuen Tempel ein Festgottesdienst statt, zu welchem sich eine sehr große Anzahl Andächtiger im Festgewande eingefunden hatte. Nachdem der Jubilar vom Vorstande begrüßt worden war und der Chor einen Willkommengruß gesungen hatte, ergriff der Rabbiner Herr Dr. A. Poznanski das Wort, um in beredter Weise die Verdienste des Gefeierten, welche sich derselbe während seiner 25jährigen Thätigkeit als Öbercantor und als Träger des rituellen Gottesdienstes erworben, zu schildern, welche auch die verdiente Anerkennung gefunden. Er beglückwünschte den Jubilar im eigenen und im Namen der Cultusgemeinde zu der seltenen Doppelfeier und schloss mit dem Wunsche, dass es demselben vergönnt sein möge, noch viele Jahre seines erhabenen Amtes zu walten. Mit dem Absingen eines Chores fand die erhebende Feier im Gotteshause ihren Abschluss. Nach Beendigung des Gottesdienstes begab sich eine Deputation des Cultusvorstaudes, mit dem Vorsteher Herrn Sabat an der Spitze, in die Wohnung des Jubilars und überreichte demselben einen Prachtvollen Tafelaufsatz als Ehrengeschenk; es folgten Abordnungen sämmtlicher israelitischer Vereine, der Cultusgemeinde, des Geselligkeits- Clubs, des Beamtenkörpers, des Chorpersonales, welche sämmtliche werthvolle Ehrengeschenke überbrachteu. Von Nah und Fern, von Russland. Frankreich, Ungarn und Amerika liefen Glück- Wunsch-Adressen und Telegramme ein, welche die Zahl von 200 weit überschritten und die ein glänzendes, beredtes Zeugnis von der allgemeinen Beliebtheit lieferten, deren sich der Jubilar sowie dessen Gemalin Frau Rosalia, geb. Kirschmann, in allen Kreisen erfreuen. Budapest, 20. Juni. (Aufwartung beim Cultus- und Unterrichtsminister.) Die Landesvertretung der vaterländischen orthodoxen Judenschaft und zahlreiche Rabbiner machten heute Vormittags ihre Aufwartung beim Cultus- und Unterrichtsminister Baron Lorand E ö t v ö s. Die Deputation, welche aus den Mitgliedern der orthodoxen Dnrchsührnngscommission und zahlreicher orthodoxen Gemeinden, sowie mehreren Rabbiner! und schließlich dem Präsidenten der Bndapester orthodoxen Gemeinde Perl m n t t e r und den Vorstandsmitgliedern Dr. Schächter und F rauf l bestand, hatte den Großwardeiner Advocaten Dr. Samuel Friedlander damit betraut, an den Minister die Begrüßungsansprache zu richten. Derselbe führte aus, dass der Minister, der ja als liberaler Staatsmann von erhabener Denkungsart bekannt ist, falls er in jüdischen Augelegenheiten zu entscheiden haben wird, sich sicherlich stets von dem Principe der Religions- und Gewissensfreiheit werde leiten lassen. Die Jndenschast hinwieder werde nach wie vor das segensreiche Wirken der Regierung auf dem Gebiete der Volkserziehung und Cultnr wirksam und thunlichst unterstützen. Cultusminister Baron E ö t v ö s erwiderte — wie ״Zsido Hirado" meldet — auf diese mit begeisterten Eljenrufen aufgenommene Rede folgendermaßen: ״Geehrte Herren! Ich danke Ihnen für Ihr Erscheinen. Ich verspreche Ihnen, der Aufforderung Ihres Redners nachzukommen, wie ich denn überhaupt das Selbstbestimmungsrecht jeder Confession, wie dies das Princip der Gewissensfreiheit erheischt, in Ehren halte. Ihren Gemeinden und Vereinen verspreche ich, so dieselben sich an mich wenden werden, sie in ihren das allgemeine Wohl bezweckenden Bestrebringen mit der größten Bereitwilligkeit zu unterstützen. Empfangen Sie wiederholt meinen Dank und überbringen Sie Ihren Mandataren meinen Gruß." Der Präsident der Durchführungscommission Ignaz Reich stellte sodann die einzelnen Mitglieder der Deputation vor, womit die Audienz zu Ende war, Budapest, 26. Juni. Das Abgeordnetenhaus hat den Gesetzentwurf über die freie Religions-Uebung auch in den Details unverändert und nahezu einstimmig angenommen. Ebenso wurde der vom Magnatenhause beschlossene neue Paragraph des Ehegesetzes nach kurzen Erklärungen des Grafen Albert Apponyi und des Justizministers Szilagyi einstimmig vom Hause acceptirt. Das Abgeordnetenhaus ist in die General-Debatte über den die Reception der Juden betreffenden Gesetzentwurf eiugetreten. Es verlautet, dass zehn Abgeordnete, welche vor dem Beginne der kirchen-politischen Berathungen aus der liberalen Partei ausgetreten sind und sich der Gruppe der Secessionisten anschlossen, schon in den nächsten Tagen wieder in den Verband der liberalen Partei zurückkehren werden. Budapest, 27. Juni. Das Gesetz betreffend die Reception der jüdischen Religion ist gestern fast einstimmig im Abgeordnetenhause angenommen worden. Bei der Abstimmung erhob sich das ganze Hans — mit Ausnahme drei katholischer Priester — für die Vorlage. Die wenigen sonstigen Oppositionellen verließen vor der Abstimmung den Saal. Mit gerechtem Stolze wird von den hervorragendsten ungarischen Blättern aller Parteischattirungen darauf hingewiesen, dass sich im Abgeordnetenhause keine einzige sogenannte antisemitische Stimme gegen den Akt der Gerechtigkeit erhob, der seitens der Regierung gegenüber einer so vielfach verkannten Confession in Vorschlag gebracht wurde, und dass selbst der Widerspruch, der von den geistlichen Vertretern laut wurde, sich ausschließlich gegen den Uebertritts- Paragraphen wendete, und dies nur aus rein dogmatischen Gründen. Die einmütige Annahme des Gesetzes und die burd) Ausschußes euuju1w..v.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.