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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-07-01 · Heft 17 (1.7.1894) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 17 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. dasselbe bedingte Gleichstellung der Inden erscheint als ein Ausfluss politischen und gesellschaftlichen Zartsinnes, der allseitg gewürdigt werden wird. Arad. Am 17. Juni, Sonntag Abends 6 Uhr, fand die Trauung des Fräuleins Irma Grünzweig, der Tochter unseres geschätzten und hochgeachteten Regenschvri Adolf Grünzweig mit Herrn Theodor Barna, Administrations-Chef des ״Pesti Naplo", im hiesigen Cultustempel statt. Die allgemeine Beliebtheit, der sich Herr Grünzweig erfreut, doeumeutirte sich in solch eelatanter Weise bei dieser Gelegenheit, wie sich eine ähnliche in der Geschichte unseres Gemeinde-Lebens kaum zweimal wiederholt. Der Repräsentantenkörper der Gemeinde ergriff diese Gelegenheit, um seine Hochachtung für die Verdienste Grünzweigs nicht allein in Worten auszudrücken und machte der liebenswürdigen Braut ein Hochzeitsgeschenk aus Silber von bedeutendem Werthe. Ebenso spontan zeichnete sich der löbliche Frauen-Wohlthätigkeits-Verein aus, zu dessen Gunsten Fräulein Irma Grünzweig öfter mit ihrem virtuosem Klavierspiele in Wohlthätigkeits-Coneerten mitwirkte. Gleich den Körperschaften beeilten sich auch Private an der Hebung des Hochzeitsfestes theilzunehmen, so dass der Hochzeitszug, der zur Synagoge fuhr, der Ueberraschnng theilhaftig wurde, sich in Wagen von Blumen übersät zn setzen, worunter der Brautwagen besonders ein veritabler Blumenwagen war, wie er mir auf dem Blumen- Corso im Prater zn sehen ist. Die Synagoge selbst war so voll, wie sie nicht einmal au den hohen Feiertagen gefüllt ist. Hier sah man Stadt-Honoratioren, dort Vertreter der Künste und Wissenschaften, höhere Gerichts- und Staatsbeamte neben den Vornehmsten des Handelsstandes. Endlich gelangte der Zug bis zum Altar, währenddem der Brautchor aus Lohengrin von der Orgel ertönte, executirt von unserem trefflichen Organisten Capellmeister I. Hözly. Nachdem sich Alles placirt hatte, sang Fräulein Emma Kugel ein zu dieser Gelegenheit vom Vater der Braut eomponirtes Brautlied, welches nicht allein den bewährten Meister, sondern auch den überaus fühlenden uitb liebenden Vater verrieth. Sein ganzes und volles Herz ergoß sich in diesem Liede, alle seine Wünsche und Gebete sandte er hierin zum Allmächtigen, den er schon so oft gelobt und besungen. Es übte auch eine solche ergreifende Wirkung, dass die Zuhörerschaft zum Schlüsse sich des Ortes vergaß und zu applaudiren begann. Nun begann der eigentliche Trauungsact. Herr Obercantor Kohn und Grünzweigs eminenter Chor leisteten ihr Bestes. Der Oberrabbiner, Herr Dr. Alexander Rosenberg, richtete an das Brautpaar eine herzergreifende Rede, in welcher er die liebenswürdige Braut an das Element gemahnte, in welchem sie geboren und erzogen wurde, an die Harmonie. Noch ein Ms'liarolr von Grünzweig und der Tranungsact war vollendet. Am Abend fand sich ein äußerst distinguirtes Publicum, beinahezu 60 Personen, im Saale der Gewerbekörperschaft zum Souper ein. Hier herrschte bei einem reichen Tische die fröhlichste Stimmung, gute Toaste wurden gesprochen und nach denselben circa 136 Glückwunsch-Telegramme aus Nah und Fern verlesen. Karl Wulf. Hamlvdrv, den 20. Juni 1894. In der vorigen Woche fand in Berlin eine Sitzung statt, an welcher außer den dortigen Cantoren auch Obercantor Linhardt-Hannover theilnahm. Es wurde beschlossen, demnächst einen Aufruf zur Gründung eines deutschen Cantorenbnndes zu erlassen. Dieser Bund soll dazu dienen, die Interessen der Cantoren — namentlich derjenigen in kleineren Gemeinden — zn fördern und die sociale Stellung derselben zu heben. Auch wird beabsichtigt, später eventuell der Regierung die Bedeutung des israelitischen Cantors als Träger des Gottesdienstes klarzulegen, damit derselbe als Religionsdiener, gleich dem Rabbiner, anerkannt werde. B. Dcknzig. Die öffentlichen Blätter bestätigen, dass der Regierungspräsident des Rgbz. Danzig nunmehr das Schächtverbot osficiell aufgehoben hat. Dem Vorstande der Synagogengemeinde Carthaus ist in nachstehendem Schreiben davon Mittheilung gegeben worden: ״Danzig, 7.. Juni 1894. Aus die bei dem Herrn Minister eingelegte und mir zur Erledigung abgegebene. Beschwerde vom 17. März d. I. über die am 9. Mai v. I. erlassene Polizei-Verordnung, betreffend das Tödten der Schlachtthiere, erwidere ich dem Vorstande ergebenst, dass ich die Beschwerde für erledigt erachte, da ich die betreffende Polizei-Verordnung durch Polizei-Verordnung vom heutigen Tage ansgehoben habe. Der Regierungspräsident." Damit ist nicht nur von den unmittelbar betreffenden Gemeinden, sondern von allen Juden der preußischen Monarchie schwere Sorge genommen. Riga. Während im übrigen Rußland die Lage der Juden nach wie vor eine höchst traurige und erbarmungswürdige ist, macht sich in Finnland eine Bewegung zn ihren Gunsten ersolgreich geltend. Der finnische Landtag hat sich am letzten Tage seiner kürzlich geschlossenen Session mit der Frage der Besserung der Lage der im Großfürstenthum wohnenden Juden befaßt. Der Ausschuss, welchem diese Frage zugewieseu war, hat in seinem Berichte die gegenwärtige Lage der Juden in Finnland als eine solche bezeichnet, die mit den Forderungen der Gerechtigkeit und Humanität im entschiedenen Widerspruch stehe. Der Ausschuß empfahl den Ständen des Landrathes das Erforderliche zu thun, um zn erwirken, dass dem im Jahre 1897 wieder zusammentretenden Landtage ein Gesetzvorschlag unterbreitet werde, wodurch es den in Finnland geborenen Juden, sowie auch Denjenigen, welche sich längere Zeit im Großfürstenthum ausgehalten haben, gestattet werden soll, daselbst unbehindert zn verweilen und ihren Geschäften nachzugehen. Des Ferneren bezeichnet es der Ausschuß als wünschenswerth, dass den Juden erlaubt werde, religiöse Gemeinden zu bilden. Schließlich sprach der Ausschuß den Wunsch aus, dass bis zur eudgiltigen Erledigung dieser Frage das anderen Ausländern zustehende Recht, in Finnland dem Erwerbe nnchzngehen und um Ausnahme in den finnischen Unterthaneuverband einzukommen, auch den Juden ertheiltEwerde. Die Vorschläge des Ausschusses sind, nachdem sie von den Ständen des Adels, der Geistlichkeit und der Bürger angenommen wurden — nur der Bauernstand verhielt sich ablehnend — als Beschlüsse des Landtages anzusehen. Ein allegorisches Bild. Der bekannte Maler, Prof. Gerolamo Navarra in Triest, ein Jude, hat in seiner Begeisterung für das Indenthum ein allegorisches Gemälde entworfen und ausgeführt, eine ״prophetische Erscheinung", wie er es nennt. Den Gegenstand dieses 3 Meter breiten und 2 Dieter hohen Bildes erläutern Stellen aus der heiligen Schrift, welche am Rande desselben in der Ursprache und in Uebcrsctzung angebracht sind. Bon einem Berge, über dessen Gipfel der erhabene Wahrspruch Sch’ma Israel in hebräischen Buchstaben erglänzt, strömt das Wasser, das Symbol des Glaubens, jenes Wasser, das den Nahrungs- und Arznei-Pflanzen, dem Geiste und dem Herzen den Lebenskcim verleiht, nach den Worten des Propheten: ״Denn ihr Wasser fließt ans dem Heiligthum hervor und ihre Frucht wird zur Speise und ihr Laub zur Heilung dienen." Die Symbole des Geistes und des Herzens sind auf dem Gemälde durch zwei Gestalten zum Ausdruck gebracht, welche an beiden Ufern des Stromes im Verein mit anderen Frauengestalten gruppirt sind; diese stellen die besonderen Charaktereigenschaften des jüdischen Stammes syinbolisch dar, nämlich die Mäßigkeit, ״Armuth und Reichthum gieb mir nicht, lass mich verzehren mein tägliches Brod"; die Zähigkeit, ״du weitest meine Schritte unter mir, dass meine Knöchel nicht gleiten"; die Arbeit, ״am Morgen säe deine Saat aus und am Abend la's deine Hand nicht ruhen". Der Mäßigkeit zur Seite stehen liebliche Gestalten, welche die Vorzüge des Familienlebens, die Wohlthätigkcit und die Vaterlandsliebe symbolisircn, während um die Arbeit und Zähigkeit sich schaaren der Handel, die Industrie, die schönen Künste, die Medizin, die Mathematik und die Astronomie. Im Vordergründe des Gemäldes steht die eigentlich prophetische Erscheinung, ein schönes, junges Weib in rothem Sammetkleid mit einem breiten Gürtel: die Tochter Israels, charakterisirt durch die Verheißung des Propheten: ״Und es wird bekannt unter den Völkern ihr Geschlecht und in Mitten der Nationen ihre Sprößlinge, und Alle, die sie sehen, werden erkennen, dass sie ein Geschlecht sind, gesegnet von Gott!" Bon zwei Engeln mit den zehn Geboten gefolgt, schreitet sic die Tochter Israels, indem sie durch wilde Thiere und Schlangen sich Bahn bricht und das Gift, das vor ihr auf dem Wege liegt, vernichtet, ihrem Ziele, dem Fortschritt und dem Frieden, muthig entgegen. Eng an dem Fortschritt und dem Frieden schließen sich Gestalten, welche die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Brüderlichkeit darstellen, denn ״Liebe und Wahrheit werden sich begegnen, Gerechtigkeit und Frieden werden sich küssen". Das Gemälde ist im Lichtdrucke vervielfältigt worden und eignet sich vorzüglich für unsere Glaubensgenossen als schöner und sinnreicher Schmuck ihrer Wohnungen. Der mäßige Preis von 3 fl. erleichtert die Anschaffung des Abdruckes. (S. beiliegenden Prospect.)

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