Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 16 (15.6.1894)
- Date
- 1894-06-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3453304-3453320--4042-3458461- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 16. ״Schinra" genannt wird, einen Anschlag zum Bösen. Weiße Tauben haben im Traum eine günstige Bedeutung. Ein weißes Pserd ist eine gute Vorbedeutung, ein rothes nur, wenn es sanft erscheint. Wer ein Kameel im Traum sieht, bedeutet: der Tod wurde im Himmel über deu Träumenden verhängt, aber er wurde begnadiget. Ein Elephant im Traum bedeutet, es geschehen dem Träumenden Wunder. (Pil heißt Elephant, ist derwandt mit Pele Wunder). Eine Leichenrede im Traum bedeutet: Man denkt im Himmel schonend von dem Träumenden und rettet ihn vor Gefahr. Wer im Traume die Responsen: ״Amen und jehe Scliemeh rabboh etc. rezitirt, der kann der ewigen Seligkeit versichert sein. Wer das ״Schema" 1111 Traume betet, ist werth, dass die ״Schechina" auf ihm ruhe, wenn anders das Zeitalter es würdig wäre. Wer im Traume die ״Tefilin" anlegt, kann auf Rang hoffen. Beten im Traume bedeutet Glück. Träumt Jemanden von der Schwester, so hoffe er auf Gesetzeskünde. (Nach dem Spruche Salamons: ״Sagezur Weisheit, du bist mein c Schwester" (Spr. 2, 3.) Weizen im Traum bedeutet Frieden. (Nach Psalm 147, 14.) Gerste bedeutet Vergebung der Sünden. Wer eine Weinrebe im Traume sieht, hoffe auf die Ankunft des Messias. (Nach 1. M. 49, 11.) Ein Feigen-, banm bedeutet, er werde, was er lernt, nicht vergessen. Wer eine Gans im Traume sieht, der hoffe, dass er weise werde. (Nach Spr. 1, 20.) Alltagsgeräthe bedeuten Gutes, mit Ausnähme des Grabscheites. Alle Fruchtgattungen, die man im, Traume sieht, deuten auf Wohlstand, ausgenommen sind,' Datteln, ebenso-alle Gemüsearten, und Farben bedeuten Gutes, ausgenommen Himmelblau. Alle Arten Geflügel bedeuten Gutes, ausgenommen sind: Nachteule, Katze, Fledermaus. Wer voneiner Leiche im Hause träumt, erwarte häuslichen Frieden. Essen und Trinken im Traume hat eine gute Bedeutung. Ein' ganzes talmudisches Traumbuch. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien. (Von der Baron Hirsch-Stiftung.) Das Curatorium hat in seiner am 30. Mai stattgehabten -Plenarsitzung, gemäß dem schon im vorigen Jahre gefassten Beschlüsse, einen Pensionsfond für die Lehrer der Stiftungsschülen und deren Witwen gegründet und hiezu ein Stammkapital in der Höhe von fl. 108.000 votirt. Das Pensionsnormale lautet für die׳ Angestellten äußerst günstig, da dieselben jeder Beitragsleistung enthoben sind. Nach Ablauf von zehn,Dienstjahren tritt bei Dicstesunfähigkeit eine Pensionsberechtigung in der-Höhe von 40 Percent des Normalgehaltes und die volle Pensionsberechtigung schon nach 35 Dienstjahren ein. Die bei den von der Stiftung übernommenen Anstalten vor Uebernahme derselben verbrachte Dienstzeit wird bei Berechnung der Pension den Angestellten eingerechnet. Gleichzeitig werden nach der vom Finanzministerium eingelangten Genehmigung zur unmittelbaren Entrichtung der Gebühren den Angestellten Decrete ausgefertigt. Wien. (Baton Nathauiel Rothschild und Prälat Kneipp.) ׳ Vor einiger.Zeit war Baron Nathaniel Rothschild mehrere Wochen zum Curgebrauche in des Prälaten Kneipp Masserheilanstatt in Wörishofen. Nun wird über die Höhe des von Baron Rothschild geleisteten Honorars insbesondere von antisemitischer; Seite folgendes Märchen verbreitet :Nach vollendetem Curgebrauche habe sich der Herr Baron bei dem Prälaten erkundigt, was er schuldig sei, und auf die Antwort des Prälaten, das bleibe dem Patienten überlassen, habe er demselben den Betrag von — 50 Mark übergeben. Diese von antisemitischen Blättern mehrfach erzählte und ausgebeutete Geschichte veranlasste einen Teplitzer Fabrikanten, beim Prälaten Kneipp direct eine Erkundigung über den wahren Sachverhalt einzuzieheu. Darauf lief, wie das ״Montagsblatt aus Böhmen" mittheilt., eine. Antwort aus Wörishofen ein, die wir hier zur neuerlichen Beleuchtung antisemitischer Wahrheitsliebe wörtlich wiedergebeu: ״Wörishofen, 11. Mai 1894. Euer Wohlgeboren! Auf Ihr Geehrtes vom 8. d. M. die ergebenste Mittheilnng, dass ich heute dem Herrn Prälaten deu Inhalt Ihres Schreibens vorgetrageu habe. Der Herr Prälat gab mir den Auftrag, zur Steuer der Wahrheit, zu Ihrer Beruhigung und zur Äbwchr ungerechter Angriffe Ihnen Folgendes mitzutheileu: Herr Baron Rothschild!nachte hier die Cur nach Anweisung des Herrn Prälaten Kneipp mit gutem Erfolge. Was der Herr Baron ihm gegeben, wird Niemand erfahren, wie überhaupt der Herr Prälat niemals von seinen Curgästen sagt, ob sie ihm viel oder wenig gegeben haben. Der Herr Prälat war mit dem, was er ihm gegeben, vollständig zufrieden. Zugleich muß noch erwähnt werden, dass der Herr Prälat von dem Herrn Baron sagte, er sei einer der bescheidensten Cnrgäste gewesen, der ihm wenigste Zeit hinweggenommen und ihn öfters bat, er möchte ihm die Zeit bestimmen, wann es ihm am gelegensten wäre, mit ihm zu verkehren, und sich ganz genau nach der ihm bestimmten Zeit richtete, ängstlich vermeidend, ihn irgendwie zu belästigen oder ungelegen zu sein. Obwohl der Herr Baron es sich verbeten, so muß auf diesen Fall doch angedentetwerden, dass innenererZeit er einer der größten Wohlthäter der Kneipp'fchen Stiftungen geworden ist. Der Herr Prälat bedauert sehr, dass dem Herrn Baron so unrecht geschieht, denn ihm sind als Curgäste alle gleich, weß Standes und Neligion sie sein mögen. Er betrachtet den Kranken, sucht ihm zu helfen und will durchaus nicht, dass Jemandem Unrecht geschehen , sollte. Im Aufträge des hochwürdigen Herrn Prälaten hochachtungsvollst Msgr. Seb. Kneipp's Secretariat". Prag. Am 1. Tage Schewuoth feierte Herr Cantor Bachrach an der ״Großer-Hof-Synagoge" hier seinen 70. Geburtstag und ׳-gleichzeitig sein 25-jähriges Cantorjnbilüum in ein und derselben Synagoge. Der allgemein geschätzte Jubilar war bei diesem Anlasse Gegenstand zahlreicher Ovationen und Aufmerksamkeiten und erhielt auch viele werthvolle und sinnige Geschenke, darunter einen silbernen Pokal vom Gemeindevorstand. Auch die Prager Cautoren unterließen es nicht, den Collegen zu ehren. Sie begaben sich corporativ mit einem prachtvollen Geschenke in seine Wohnung, woselbst College Walterstein die Ansprache, hielt. Der Jubilar dankte tiefgerührt für die vielen Beweise der Freundschaft und Anerkennung. Aus Nah und Fern waren viele Gratulationen eingelangt. (Zn uns erem Bedauern erhalten wir erst durch diese Notiz Kenntnis von dem Jubelfeste des Collegen Bachrach und schließen uns xost festum den zahlreichen Gratulationen mit aufrichtigen collegialen Glückwünschen an. Die Redaction.) Prag. Am 17. v. M. starb hier plötzlich Frau Betti Lasch, eine sehr wohlthätige Dame, während einer Sitzung der isr. Ferial-Colonien, deren Gründerin sie war. An dem Leichenbegängnis betheiligten sich sehr viele Vereine und Trauergäste aus allen Ständen der Gesellschaft. Neun Rabbiner, darunter -der Knttenberger, folgten dem Leichenwagen. Der Tempelrabbiner, Herr Dr. Kaminka, sprach im Tranerhause, Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld und dessen Stellvertreter Dr. M. Tauber sprachen in der Ceremonienhalle und endlich am offenen Grabe sprach Herr Dr. Kisch, alle, ehrenvolle Worte der Dahingeschiedenen nach. Den gesanglichen Theil versah Herr Obercantor Moor unter Assistenz des gesammten Männerchores zur vollsten Zufriedenheit. Es verdient hervorgehoben zu werden, dass Herr Moor das Hazur tomim unter Schluchzen der Trauergäste mit jugendlicher Stimme in wahrhaft würdiger Weise vortrug. Ko fettst erg. (Böhmen). Am ersten Tage Schewuoth fand hier in Anwesenheit des Bezirkshauptmannes, des Biirger- Meisters und vieler Honoratioren die feierliche Installation des neugewählten Rabbiners Herrn Eduard. SPielmann statt. Nachdem der neue Seelsorger den.behördlichen Vertretern durch den Vorstand vorgestellt worden war, hielt Sr. Ehrwürden eine Ansprache an die versammelte Gemeinde, in welcher er die Pflichten- und den Wirkungskreis; des Seelsorgers kennzeichnete. Hierauf wurde der Mußaf-Gottesdienst abgehalten.