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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-06-15 · Heft 16 (15.6.1894) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 16 (15.6.1894)
Date
1894-06-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. verwehren es ja auch nicht Andern, dasselbe zu thun. Da es aber doch sich so anhört und so gedeutet werden könnte, als ob wir dadurch andere Völker und Glaubensbekenntniße zurücksetzen wollten, hat man diese beiden Berochaus in eine gleichbedeutende umgewandelt, woraus nun das heutige '״שלא עשב נכרי" entstanden ist. Und nun, wer ist wohl der Fremdling? Doch nicht etwa der Fremdgläubige, denn so wie er uns, sind auch wir ihm fremd. Der aber ist der wirkliche Fremdling, der vom Indenthum und vom jüdischen Leben und Wissen nichts kennt und weiß und somit seinem eigenen Volke und eigenen Glauben als völliger Fremdling, als ״G-oj־c gegenübersteht. Dieser Ausdruck in jüdischer Mundart als Prädikat eines Unwissenden, kommt eben daher, weil vorher die Version war: ,.Schelau ossani Gr0ju, da dieses aber mehr ein Jargonwort ist und für unseren Sinn keine Bedeutung hat, so wurde es auf gut hebräisch ,.Nochri•‘ übertragen. Und mit dem Sklaven ist auch nicht etwa irgend einer von den Kaffern oder Hottentotten gemeint, denn das ist doch kein Wunder, wenn ein Reicher kein Armer, und ein Cultnvirter kein Wilder sein möchte; und dann wäre es ja eine rechte "תפלת שנא" denn was man — selbst als Embryo — einmal ist, geht nicht anehr umzuündern. Daher wird darunter eben nur knechtischer, niederer Sinn verstanden werden müssen, und demgemäß das "״שלא עשבי nicht mehr zu übersetzen sein: ״dass er mich nicht gemacht", sondern: ״dass er mich nicht werden ließ" u. s. w. In diesem Sinne ist auch von der gewohnlichen Frau die Rede, wie sie eben im Durchschnitt nicht anders zu treffet: ist und von der das Wort: ״Weiberfrömmigkeit" sprichwörtlich geworden. Das weibliche Geschlecht war von jeher in den inannigfaltigen jüdischen Wissenszweigen völlig vernachläffigt worden und es war niemals Sache der Frau, sich viel um theoretisches jüdisches Wissen zu kümmern. Was sie in religiösen Dingen alles that und übte, war natürlich nur aus Gewohnheit und alter Gepflogenheit geschehen, ohne zu wissen: wie und warum? Da aber die Unwissenheit.sich meistens unter desto verstärkterer Frömmigkeit verbirgt, so hat sie sich immer dadurch der Lächerlichkeit und dem Gespötte der gelehrten Männerwelt ausgesetzt. Jetzt ist natürlich alles anders geworden; jetzt hat sich das Blättle gedreht und die Männer wissen so viel wie die Frauen, oder umgekehrt die Frauen wissen jetzt mehr als die Männer. Da ist es nun wirklich kein Wunder, wenn der vorzeitige, in seiner Religion und ihren vielfachen Wissenschaften wohlbewanderte und erfahrene Jude für seine reichen und schwererworbenen Kenntniße Gott preist und ihm tiefen Dank dafür ablegt, dass er ihn nicht werden ließ: ein Fremdling innerhalb seines Volkes und seiner Religion, ein Knecht in Gesinnung und Denkart, eine Frau in gehalt- und bewusstloser Frömmigkeit; dass er eben ein Jude geworden ist, wie er sein soll und muß. Betrachtungen über Schlaf u. Traum von Rabbiner L. Woltn er. X. Der Talmud über Träume. Es sei im Voraus bemerkt, dass die Hauptqnelle von dem, was in: Talmud über Träume vorkommt, in Berachot von Seite 51-57 zu sinden ist; wir unterlassen daher jede weitere besondere Stellenanzeige, nur andere Stellen werden bezeichnet. Der Talmud unterscheidet Träume n i e d ri g e r A r t, gemeine nichtssagende, gewöhnliche Träunie, und Träume höherer A r t, bedeutsame, wahrhafte Träume. Diese, sind entweder pro" ihetische, von einem Engel eingegeben, oder symbolische Voraus- Verkündigungen; oder auch von einem Dämon, der falsche Propheten vorspiegelt. Rabba sagte, es heißt in der Schrift (4. M. 12, 6.): ״Im Traume rede ich mit ihm", Da aber heißt es wieder (Lsotrarja 10, 2) : ״Und die Träume reden das Trügliche." Träume der ersten Art, lautet die Antwort, dmmen durch einen Engel, der zweiten Art durch einen Dämon. Es gibt aber auch eitle, nichtssagende Träume. Rabbi Mvir hielt überhaupt nichts von Träumen und sagt: sie nützen nicht und schaden nicht. Die gewöhnlichen, bedeutungslosen Träume siüd Nachhall der Tagesgedanken. Man zeigt dem Menschen im Traume solche Dinge, sagt Rabbi Nachinan, an welche er des Tages über oft gedacht. Dieses kann man daraus beweisen, sagt darauf Rabba, indem man im Traume niemals einen goldenen Dattelbaum sieht, oder einen Elephanten durch ein Nadelöhr fahren. Träume an einem oder nach einem Festtage hält Rabbi Chasdai für bedeutungslos. Ebenso ist auf Träume von der Nacht des Freitags auf den Sonnabend .nicht zu achten, weil der Mensch am Freitag von der. Arbeit ausruhet und mehr den Gedanken nachhängt (Joma 83, s. Raschi daselbst.) Der Glaube an Träume gewann jedoch eine solche Ausdehnung, dass nicht nur jeder Traun: für inhaltschwer und bedeutungsvoll gehalten wurde, sondern es ward auch geglaubt, dass die Deutung des Traumes seine Erfüllung fordern müsse, und durch das ausgesprochene Wort der Traum erst an Kraft gewinne, daher der Ausspruch: ״Alle Träume gehen nach der Auslegung in Erfüllung." Für die Theorie der Traumdeutung dienen folgende Talmudstellen. Drei Dinge bedürfen der göttlichen Gnade: Ein guter König, ein fruchtbares Jahr und ein guter Traum. Rabbi Chasdai, der die Traumauslegung von einer vernünftigen, psychologischen Seite ausfasste, sagte: Ein Traum ohne Deuttlng gleicht einem versiegelten Briefe. Weder der gute noch der schlechte Traum gehen nach ihrer ganzen Ausdehnung in Erfüllung; beider Erfüllung wird durch das Frohgefühl oder durch die Traurigkeit, welche sie erregen, gefördert. Der Traum geht, weder mit allen seinen Umständen in Erfüllung, noch dürfen alle seine Einzelheiten berücksichtigt werden. Jedoch muß die Deutung dem Hauptinhalte des Traumes entsprechen. XI. Anhaltspunkte und Analogien. Die Bedeutung gewisser Dinge, die im Traume gesehen werden, bildeten bei jedem Volke gewisse Stereotypen nach mannigfachen Anhaltspunkten und Analogien, die als Quellen für Traumbücher anzusehen sind. So bedeuten Perlen, Thränen; so der Sarg, den Tod. Für die im Talmud vorkommenden Deutungen liefern auch Bibelverse bedeutende Anhaltspunkte. Viele davon werden in dem erwähnten Traktate Berachot folgendermaßen angegeben. Man lehrte: Fünf Dinge werden vom Ochsen, wenn er im Traume gesehen wird, ausgesagt. Wer von seinem Fleische isst, wird reich; wird man von ihm mit dem Horn gestoßen, deutet es, dass man Söhne bekommt, die in der Wissenschaft ihre Gegner besiegen; von einem Ochsen gebissen werden, bedeutet Schmerzen; mit den Füßen gestoßen werden, bedeutet eine weite Reise; auf seinem Rücken reiten, bedeutet eine hohe Anstellung. Sieht man einen Esel im Traum, so hoffe man auf Gliick. (Der Esel ist ein Bild der Dummheit, und ein Spruch lautet: der Dumme hat das Glück.) Eine Katze bedeutet dort, wo man sie ״Sdmnra" nennt, einen lieblichen Gesang: hingegen, wo sie

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