Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 16 (15.6.1894)
- Date
- 1894-06-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 16. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. TvvPMU, den 12. Juni. Die neuen Statuten der hiesigen Cültusgemeinde, verfasst auf Grnnd des Gesetzes vom Jahre 1891, wurden von der Regierung, mit Ausnahme einiger Punkte die Steuer betreffend, genehmigt und dürften dieselben schon in der nächsten Zeit in Kraft treten. Es ist nunmehr die berechtigte Hoffnung vorhanden, dass, nachdem die auf Grund des neuen Statuts vorzunehmenden Vorstandswahlen vorüber sein werden, der hiesige Tempelbau, ein unabweisbares Bedürfnis unserer Gemeinde, recht bald zu Stande kommen wird. Avsd. Sonntag, den 17. Juni findet im hiesigen Israel. Tempel die Trauung des Fräulein Irma G r ü n z w e i g, Tochter des Chvrmeisters Adolf G r ü n zwei g, mit Herrn Tivadar B a r n a, Beamter des ״Pesti Naplo" statt. Budapest. (Eine Rede des ungarischen Haudelsministers.) Vor Kurzem feierte der israelitische Handwerkerverein in Budapest das Jubiläum seines fünfzigjährigen Bestandes. Der Festversammlnng wohnten viele Notabilitäten, darunter der Handelsminister des Cabinets Wekerle, Herr Bela Lukacs, mit seinem Staatsseeretür, je ein Staatssecretür ans dem Ministerium für Cultns und für Ackerbau in Stellvertretung ihrer Resivrt-Chefs, der Ober-Bürgermeister u. s. w., bei. Nach dem Festvortrage des Vereins-Präsidenten ergriff Minister Bela Lukacs das Wort, um in bezeichnenden Worten, die Haltung zu skizziren, welche die dermalige ungarische Negierung Bestrebungen und Zielen gegenüber einnehme, wie sie der jnbilirende Verein verfolge. ״Die Regierung", sagte der Sprecher, ״und soweit es sich um die Pflege der materiellen und gewerblichen Interessen handelt, ich in erster Reihe, hegen das wärmste Interesse für jede gesellschaftliche- Thätigkeit, welche, aus eigener Kraft emporgewachsen, sich auf׳ geistigem und materiellem Gebiete bemerkbar macht. Das Wirken Ihres Vereines legt Zeugnis davon ab, dass Arbeit und Fleiß - in diesem Lande fruchtbaren Boden finden und ihre ganze Kraft zu entfalten vermögen. Die Thätigkeit und der Bestand dieses Vereines sind die beste Gewähr dafür, dass auf dem Boden der ungarischen Nation heute ein Jeder, ohne Unterschied des ' Glaubens und des Standes, sein Fortkommen finden kann und: dass unter dem Schirme unserer gemeinsamen Freiheit bürgerliche Arbeit, bürgerlicher Erwerbssinn und rechtschaffenes Streben zur vollen Entwicklung zu gelangen vermögen. Wir verlangen nur, dass Jeder stets und immer ein guter Patriot sei und bleibe." Mit einem- Apell an den Patrioüsmus und mit dem Wunsche, dass alle Scheidewände fallen, jede egoistische Strömung verschwinden möge, schloss der'Minister unter den Eljen-Nufen der Anwesende!: seine Dankes-, und Beglückwünschungsrede. Lrmbrrg, im Juni 1894. Große Aufregung erregte hier jüngst ein Ukas des hiesigen Magistrates. Ja, ein Ukas! Denn anders kann man doch nicht eine Verordnung des hochlöblichen Magistrates der kö!׳iglichen Hauptstadt Lemberg neunen, kraft deren die jüdischen Kanfleute anfgefordert werden, unter Androhung von höhere Geld- oder Arreststrafen binnen 7 Tagen die hebräischen Aufschriften von ihrer: Geschäften zu entfernen und sie durch solche in polnischer, ruthenischer oder deutscher Sprache zu ersetzen. Wir sehen davon ab. dass ein solcher Auftrag den Staatsgrundgesetzen widerspricht, in die Rechte der Staatsbiirger eingreift und nur unsere papierne Gleichberechtigung sehr schlagend illustriert. Dagegen müssen wir besonders den Urnstand hervorheben, dass diese Verordnung zahlreichen jüdischen Kaufleuten empfindlichen Schaden zu verursachen imstande ist. Viele jüdische Kunden nämlich, besonders aus den kleinen Städten, erkennen nur an der hebräischen Aufschrift die Handlung, wo sie ihre Einkäufe zu besorgen haben. Der jüdische Handel in Galizien, der ohnehin durch die organisirte Concurrenz, durch verschiedene ״christliche" Handlungen und ״Ackerbauvereine" arg zugerichtet wurde, würde durch diese Maßregel noch mehr geschädigt. Wie verlautet, haben die Herren Rabbiner Dr. Caro und Landtagsabgeordneter Dr. Goldmann beim Präsidenten der Stadt um eine Linderung des Ukases angesucht und auch erwirkt, es sei nunmehr zwar erlaubt hebräische Aufschriften zu setzen, aber in nicht größerer Form, als die polnischen oder deutschen, außerdem müsse die Aufschrift vor ihrer Ansetzung zur Bestätigung vorgelegt werden. Um das Letztere zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, dass die Judenfeinde dieser Verorduung ein sehr schönes Mäntelchen umzuhängen verstanden haben. Es sei nämlich im Interesse der Landesansstellung, die am 5. d. M. in Lemberg eröffnet wurde, nothweudig, dass alle Aufschriften in grammatikalischer und ästhetischer Beziehung geprüft werden. Nun sei es ja ausgemacht, dass die asiatische Sprache der Hebräer für das Auge eines Ariers vieles Unästhetische biete, daher sei es nothweudig die hebräischen Aufschriften durch solche ״in irgend einer europäischen Sprache zu vertreten" (ipsissima verba der Verordnung). Da nun die Gesetzesparagraphen, auf die sich die Verordnung des Magistrates beruft, entweder gar nicht existiren, oder wenigstens absolut keine solche Interpretation zulassen, die ihnen die Magistratsorgane zu geben suchen, so haben zahlreiche jüdische Kaufleute gegen die Verordnung recurrirt und mit Spannung erwartet man hier allgemein das Resultat. Bunzlau. In der Sitzung der oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde wurde das Modell einer von Herrn Oberförster Grimbel erfundenen Saitenorgel vorgelegt, die das Problem lösen soll, die gespannten Saiten eines Instruments nicht durch Hämmer, sondern durch Luftströniungen zum Tönen zu bringen, also gewissermaßen Orgel und Pianoforte zu verbinden. Durch künstlich erzeugte Luftströmungen wurden mit Filz belegte Metallzungen zum Vibriren gebracht, die dann ihrerseits darüber gespannte Saiten zum Vibriren brachten. Der so entstandene Ton kann durch entsprechende Regulirung der Luftströmungen beliebig lange, angehalten, zu beliebiger Starke gesteigert und zum allerfeinsten Pianissimo herabgemindert werden. New-Hork. Reverend Alexander Ko Hut ist nicht mehr. Der bekannte Rabbiner, Dr. A. Kohut starb Freitag, den 25. Mai, Abends, kurz nach 8 Uhr. Dr. Kohut war ein geborener Ungar und 52 Jahre alt. Er studirte auf der Breslauer Universität, wo er sich im Jahre 1867 die Dactorwürde erwarb. Vor neun Jahren, kam er nach New-Iork, wo er als Rabbi der Gemeinde Ahawath Chesed angestellt wurde. Er gehörte vielen israelitischen Lehranstalten als hervorragendes Mitglied an, unter Anderem dem ״Jewish Theological Seminary.״ Er ist der Verfasser zahlreicher weit verbreiteter Werke, dessen bekanntestes ,.Aruch Completiim4 ist. Die anderen Werke sind: ״Kritik der liebersetzung der persischen Bibel durch Joseph Travis," ״Die Geschichte des Judenthums. von Ezra bis 1880" und ״Ethik." Dr. Kohut war, bevor er nach Amerika kam, als Rabbiner in Tarnowitz, Stuhlweißenburg, Fünfkirchen und Großwardeiu angestellt. — Das Leichenbegängnis des berühmten Gelehrten und Rabbiners fand am 29. Mai, Vormittags 10 Uhr, von der Synagoge aus unter überaus zahlreicher Theilnahme statt. Die Rabbiner von hier und Brookly:: nahmen zur rechten Seite des ארון הקודש und die Cantoren zur linken Seite ihre Sitze ein. Als der Leichenwagen vor der Synagoge anla::gte, begann die Orgel ein leises Präludium an und der Cantor Reverend Günsburg gieng, begleitet von sämmtlichen Rabbinen, dem Sarge entgegen und sprach das בשסר Ztv'-Gebet. Als der Sarg vor den Altar hingestellt worden, sprach Rev. Cantor T. Günsburg sehr ergreifend die Gebete תפלה?*משה und ד' מה אדם Nachdem der Chor sowie die Schüler der Religionsschtcke mehrere Hymnen gesungen, hielten Rabbi Dr. Gotheil vom Tempel ״Emanuel" und Dr. H. Pereira Meudes höchst eindrucksvolle Ansprachen. Die Leiche wurde nach dem Linden-Hill- Friedhofe überführt, und nachdem Rabbi Dr. Benjamin Szold aus Baltimore am Grabe eine Rede gehalten und ein Gebet gesprochen hatte, wurden die irdischen Ueberreste Dr. Kohut's zur ewigen Ruhe bestattet.,ת׳ב׳צ׳ב׳ה Reverend Osias H o ch gl ü ck, früher Obercantor in St.-Gallen, Schweiz. Wir machen die geehrten Leser auf die in unserem Blatte inserirte Keduscha des Herrn Obercantor Lebovtcs in Moor aufmerksam. Diese Pece ist besonders für Chasonim. welche Kompositionen nach alter Weise aufführen, zu empfehlen. Nächste Nummer erscheint am 1. Juli.