Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 15 (5.6.1894)
- Date
- 1894-06-05
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/1304829-3453304-3453319--4033-3458451- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 14. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 151 folgt sind. Wohl gab es manche erregte Debatte, aber der Stand, dem wir angehören, bringt es mit sich, dass wir leicht erregbar sind. Trotzdem haben wir unsere Angelegenheiten in Frieden zu Ende geführt, und damit der harmonische Dreiklang, der bei uns eine so große Rolle spielt, voll und rein ertöne, bringe ich ein dreimaliges Hoch auf die ganze Versammlung aus. Sie lebe hoch! hoch! hoch!" (Begeisterte Hoch- und Eljenrufe.) Rofenfeld-Pisek spricht namens des Cantorentages dem Vorsitzenden für seine umsichtige und parteilose Leitung den vollsten Dank ans und richtet an die Versammlung die Ansforderung, ihn ebenfalls hoch leben zu lassen. (Allgemeiner Beifall, stürmische Hoch- und Eljenrufe.) Vorsitzender: ״Nicht mir allein, liebe College«, sollt Ihr danken. Dank gebührt auch dem gesammten Vorstande, der mich in allen Dingen mit so vielen: Eifer unterstützt. Danket aber auch dem Herrn Vereinssecretär Dr Löwy, (Lebhafte Zustimmung) der gegen geringe Entschädigung weder Zeit noch Mühen scheut, wo es gilt die Interessen des Vereines zu fördern. Er leitet und besorgt fast alle Agenden des Vereines in der besten und lobenswerthesten Weise. Rastlos und unermüdlich steht er mit seinen Hellen Geisteskräften dem Vorstände durch mehrere Jahre zur Seite und ist unaufhörlich bestrebt, stir die Mitglieder des Vereines nach jeder Richtung hin zu sorgen. Drum fordre ich Sie, :::eine Herren, auf, ihm ein kräftiges, 3-maliges Hoch auszubringen. (Unermüdliche Hoch- und Eljenrufe.) In gehobener, begeisterter Stimmung wird hierauf der Cantorentag geschlossen. * 4- 4- Dienstag Nachmittags 2 Uhr versammelten sich die Theilnehmer des Cantorentages abermals im Cafs ׳Winternitz, um von dort aus corporativ die Ausstellung in der Rotunde zu besuchen. Für den Abend war ein Bankett geplant, da jedoch ein großer Theil der College:: schon in den ersten Abendstunden die Heimreise antreteu musste, unterblieb die Veranstaltung des Abschieds-Bankettes. Nach Besichtigung der Ausstellung wurde daselbst allgemein gegenseitiger collegialer Abschied genommen und manches Glas auf ein baldiges, fröhliches Wiedersehen getrunken. Allgemein kau: die Ueberzeugung zun: Ausdruck, dass der diesmalige Cantorentag von wirklich epochaler Bedeutung für die Zukunft des Cantorenstandes sich gestaltete, und dem Vorstande des Cantorenvereines wurde allseits zu dem großartigen Gelingen desselben gratulirt. 4- 4- 4- Mittwoch Vormittags begab sich der Vereinspräses, Obercantor Singer in Begleitung des Präses-Stellvertreter, Obercantor Bauer zum Präsidenten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Gemeinderath Gustav Simon, um demselben namens des Cantorenvereines und des Cantorentages für die Ueberlassnng des Sitzungssaales zu den am 28. und 29. Mai abgehaltenen Berathungen persönlichen Dank abzustatten. Der Präsident der Cultusgemeinde empfieng die Herren sehr freundlich und ließ sich eingehenden Bericht über die Verhandlungen der Generalversammlung und des Cantorentages erstatten. Mit besonderem Interesse nahm Herr Gemeinderath Gustav Simon die Mittheilnng von der geplanten Gründung eines Pensionsfondes entgegen und stellte für denselben eine materielle Unterstützung seitens der Wiener Cultusgemeinde in Aussicht. Das Vereinspräsidium wird in den nächsten Taget: :1: dieser Angelegenheit auch noch bei anderen Cultusvorstehern vorsprechen und hierauf eine diesbezügliche Eingabe an den Vorstand der Wiener Cultusgeineinde richten. Das Beispiel der Wiener Cultusgemeinde wird dann auch auf die übrigen Gemeinden bestimmend einwirken, und es ist gewiss keine leere Hoffnung, dass die jüdischen Cultusgemeinde::, an welche demnächst ein Aufruf ergehen wird, den: vom österr.-ungar. Cantoren-Vereine angestrebten Pensionsfvnde ihre Unterstützung und Förderung angedeihen lassen werden. So ward in den Tagen vom 28. und 29. Mai 1894 ein Werk inaugurirt, das für ewige Zeiten segenbringend für die jüdischen Cantoren zu wirken berufen ist, und der Vorstand des österr.-ungar. Cantorenvereines wird gewiss Alles aufbieten, um das angestrebte Ziel so bald als möglich zu erreichen. Hiebei begleiten ihn die aufrichtigsten Wünsche der gesammten Collegenschaar, welche mit Stolz und Anerkennung auf jene Männer blickt, die schon so oft für die Interessen des Cantorenstandes eingetreten sind und auch nun zielbewusst und sicher der Ausführung eines großen Gedankens ihre Dienste widmen. Mit Gottes Hilfe wird das Werk,gelingen, und dann werden jene Männer ihrem collegialen Schaffen und Wirken ein ewiges, ehrendes Denkmal gesetzt haben.