Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-06-05 · Heft 15 (5.6.1894) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 15 (5.6.1894)
Date
1894-06-05
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453304-3453319--4034-3458452
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 15. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 15. Nachrichtenaustausch über Erlebniße, Neuerungen und Erfahrungen in Familie, Haus und Synagogenusus, inniges und freundliches Aneinanderschließen räumlich nahe und entfernt wohnender Glaubensgenossen — dies zusammengenommen, konnte nicht verfehlen, auf die Einbürgerung, Verbreitung und Bolksthümlich- Machung der Synagogenweisen fördernd und belebend einzuwirken. Ein nicht unwesentliches Förderungsmoinent ist auch in dem Umstand zu erblicken, dass die Jndenheit von ano dazumal, wie auch die der Gegenwart, eine außerhalb der Synagoge stehende Singweise nicht kannte und nicht kennt und dass sie, wie selten eine Nation, niit tausend Fäden an die in! natürlichen Erbrechtswege überkommenen Riten und Sitten der frommen Väter hängt und eifrigst bedacht ist, sie generalisirend und fortpflanzend für künftige Geschlechter aufzubewahren. Daher kommt es, dass die Traditionsweisen, von ihrem Urbeginne bis zur völligen Ausgestaltung dem Wandel der Zeiten getrotzt, alle sieben Kreuzzüge, den schwarzen Todt, die französische, spanische, portugiesische und englische Judenaustreibung überdauert, dass sie trotz notenschriftlichen Urkundenmangels und trotz hundertfälliger Abweichungen in Anlage und Ausführung, rein und unverfälscht in den Grundzügen bis auf uns sich erhalten haben. (Schluss folgt.) Cantor Aron Singer, Neubyd;ow gestorben den 15. Mai 1894 in Jungbnnzlau. Geschwunden aus der Mitte der Lebenden ist der würdige Vater des Herrn B. Singer, Obercantor in Jungbnnzlau, nachdem Letzterer ihm mehr als ein Jahr in seiner Wohnung und seinem Hause den Lebensabend versüßt und verschönerte. Der verewigte Aron Singer erreichte das 74. Lebensjahr und war ein wirklicher זקן ein ehrenwerther Greis זה שקנה חכמה der Weisheit erworben und stets sich Kenntniße zu verschaffen beinüht war. In der kleinen jüdischen Gemeinde LuLe erblickte er das Licht der Welt, aber diese kleine Genieinde war eine echt religiöse das heißt nach jüdischer Anschauung, nach eine Wissen strebende, und viele bedeutende Männer, so unter Anderen auch die bekannten Familien Kornfeld und Lengsfeld, entstammen diesem kleinen Orte. Aron Singer war ein echter C h a s a n aus der' guten alten Zeit, der die Liturgie nicht nur mit weithin vernehmbarer angenehmer Stimme, sondern mit tief ins Herz dringendem Accente vortrug. Auch von ihm galt das Wort, das vom hohen Priester Aron gefordert wurde: ונשמע קולו בבואו אל הקדש Seine Stimme wurde gehört, wenn er ins Heiligthum tratt". In Jungbnnzlau war er als Kind bereits ״ משודדSänger" unter der Leitung des noch heute in gutem Andenken stehenden Chajim Fink, und der verewigte Aron Singer war es, der seinem Sohne zahlreiche Beiträge für dessen werthvolle ״Beiträge zur Musik" (Prag, 2 Hefte) lieferte, wie er überhaupt Lehrer und Vorbild seines begabten und tüchügen Sohnes war. Bei ihm deckte sich sein Name Singer mit seinem Berufe ganz und voll. Sein Leichenbegängnis fand am 17. Mai statt. Die Gemeinde Neubydzow entsandte ein Vorstandsmitglied und den gegenwärtigen Cantor, und auch die Jungbunzlauer Gemeinde ehrte den Verewigten in gebührender Weise. Herr Rabbiner Dr. M. Klotz aus Jungbnnzlau hielt dem Verewigten eigen wohlverdienten Nachruf. Dr. M. Grünwald fürstl. bulgarischer Großrabbiner. Kleine Chronik. Wien. (Personalnachrichten.) Herr Obercantor Menkes in Strakonitz hat sich mit Fräulein Anna Stern aus Budweis verlobt. — Herr College Carl Schlesinger, bisher Cantor und Chordirigent in Gr.-Wardein, ist als Obercantor nach Olmütz berufen worden. Wien. Der theologische Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien, welcher bald nach der Eröffnung der Lehranstalt gegründet wurde, hat eben das erste Semester seines Bestandes abgeschlossen, und am 16. Mai a. c. fand die erste ordentliche Generalversammlung des zweiten Semesters statt, in welcher nach Kenntnisnahme und Billigung des Rechenschaftsberichtes zur Neuwahl (gemäß 8 16 der Vereinsstatuten) geschritten wurde, wonach sich die Bereinsleitung aus folgenden Herren zusammensetzt: Präses: Herr M. Berkovicz : Vicepräses : Herr S. Rapaport; Cassier: Herr S. Friedmann: 1. Schriftsichrer: Herr W. Klauber; 2. Schriftführer: Herr M. Hoch und die Herren S. Rosenzweig, M. Schorr und G. Weiner wurden zu Ausschußmitgliedern gewühlt. Obgleich dem Verein im abgelaufenen Semester nur eine mäßige Unterstützung von außen zutheil wurde, hofft die Bereinsleitung zuversichtlich den Verein nicht nur nach innen, sondern auch nach außen derart zu stärken und zu kräftigen, dass sie am Ende ihrer Thätigkeit aus ein ersprießliches Wirken zurückzublicken imstande sein wird. Pilsen. Geehrte Schristleitung! Ich beehre mich, Ihnen anzuzeigen, dass das mit meiner letztergebenen Notiz angekündigte Doppel-Jubiläum des Obercantors A. Freisinger nicht am 2. sondern am 9. Juni stattfindet, demnach der Festgottesdienst am ß. Juni Abends abgehalten wird, und ersuche deshalb um gef. entsprechende Berichtigung. Hochachtend Wilh. Arnstein, Cultusgemeinde-Secretär. Mödling, am 22. Mai. Heute fand hier ein imposantes Leichenbegängnis statt, wie ein ähnliches seit dem Bestände der hiesigen Chewra Kadiselia noch nie gesehen wurde. Der Heimgegangene war der allgemein geachtete Herr Nathan Tintner aus Liesing, der als der einzige jüdische Beamte im Liesinger Actien-Gesellschafts-Brauhause 25 Jahre hindurch als Cassier wirlle. Am verflossenen Sonntag besuchte der Verewigte eine Wiener Bade-Anstalt, wo er vom Schlage getroffen wurde. Die Retllmgsgesellschaft brachte ihn schon in bewusstlosem Zustande nach Hause, und kaum iitts Bett gebracht, verschied er im 42. Lebensjahre. Diese blitzschnell verbreitete Trauerkunde versetzte die Bürger von Liesing—Atzgersdorf und Umgebung in llefe Trauer. Die heute von Fern und Nah zur Leichenfeier nach Mödling herbeigeströmte große Volksmenge, ohne Unterschied der Confession, welche der hiesige Friedhof trotz seines großen Umfanges nicht fassen konnte, war die beredte Zeugenschaft, dass der Verblichene wegen seiner seltenen und ausgezeichneten Charactereigenschaften gar keine Feinde, sondern stets nur aufrichtige Freunde hatte. Unter Anderen erschienen auch sämmtliche Beamte obigen Etablissements unter Führung des Hern! Directors mit einem Kranze ״Gewidmet unserem unvergesslichen Collegen", eine Deputatton des Verwaltungsrathes mit einem Kranze ״Gewidmet unserem Pflichttteuen Beamten." Die Functtonen verrichteten der hiesige Bezirksrabbiner Dr. Leo Pardobitz und der aus Liesing vom Vorstande berufene Cantor M. G. Allenberg in wahrhaft würdiger und den Trauernden trostspendender Weise. Den eigentlichen Trost möge die Vorsehung selbst der ttefgebeugten 74 jährigen Mutter und der schwergeprüften Gattin mit ihren sieben unmündigen Waisen vom Himmel herab senden. Die heutige Nummer ist durch Aufnahme des ausführlichen Berichtes über den Cantorentag um einige Tage verspätet. Die nächste Nummer erscheint am 13. Juni. Allseits שמחת יום טיב wünschend, ersuchen wir gleichzeitig um Begleichung der Rückstände. Die Administration.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.