Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 15 (5.6.1894)
- Date
- 1894-06-05
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15: Oesterreichisch-lnigarische Cantoren-Aeitung. Seite 13. Punkt e . der Tagesordnung wird mit Rücksicht auf die durch Blatt-Wien im Namen des Gesammtvorstandes schon bei dem vorhergehenden Punkte abgegebene Erklärung bezüglich der ungarischen Cantoren einer weiteren Debatte nicht unterzogen. In gleicher Weise entfällt Punkt 5, da der Vereinsvorstanö mit-den Vorarbeiten für den Pensivnsfond betraut wurde und ihm'die spätere Herbeiziehung von Vertrauensmännern anheim gestelltwird. - . * -- ' ־ז־ -i- Zum Punkte § ״Anträge" ergreift Löwit-Wien das Wort und stellt den Antrag ans eine einheitliche Gestaltung des Synagogengesanges. Der Antragsteller nivtivirt seinen Antrag mit dem Hinweis, dass z. B. in Wien 10 Synagogen existiren u׳nd in jeder Synagoge werde anders gesungen und andere Conipositivnen aufgefnhrt. ׳ Sulzer, Lewandowski, Deutsch, Naumburg unb die anderen anerkannten Synagogen-Cvmponisten bieten einen genügenden Reichthum an Compositionen und man sollte sich , nnr auf. die Werke der wirklich bedeutenden Compvnisten beschränken. In.erster Reihe sei auf Sulzer Rücksicht zu nehmen. .. H e l l e r-BrülNl bespricht in längerer Rede die Schwierigkeit dieses Antrages Und meint, dass cs vorläufig geradezu unmöglich sei, denselben durchznführen. Im Laufe der Zeit ließe sich jedoch eine Einheitlichkeit anbahnen, und zwar durch Gründung einer Cantorenschnle, die vom Staate mit dem Oeffentlichkeitsrechte ansgeftattet -werden müsste. Die Leiter der Schule könnten dann eine Einheitlichkeit des Synagogengesanges in ihr Lehr- Programm aufnehmen. Jetzt aber, wo die Cantorenschulen in. Privathänden sind, nach verschiedener Methode unterrichtet wird, sei eine Einheitlichkeit geradest unmöglich. Kläger-Wien charakterisirt die in seiner Anstalt geübte Methode'und geht nach einigen persönlichen Bemerkungen auf den Antrag Löwit über. Diesbezüglich meine er, dass geeignete Compositionen geschaffen und dem Cantorentag oder einer Com- Mission vorgelegt werden sollten. Diejenigen, welche für würdig befunden werden, mögen dann allgemein eingeführt werden. .Heller-Brünn verwahrt sich dagegen, dass sein-Antrag irgend eine persönliche Spitze, gegen die jetzt bestehenden Privat- Schulen habe. Es könne dies umso weniger der Fall sein, da ja Redner selbst Unterricht ertheilU Sin gern! ann-Troppan weist auf die Nützlichkeit der jetzt bestehenden Schulen hin. Es sei immerhin besser, wenn ein Cantorcandidat etwas, und selbst nur kurze Zeit lernt, als wenn er gar nichts lernt, und, wie es ja manchmal vorkommt, ohne jede Vorkenntniße von einem andern Berufe in den Cantorberuf eintritt. Volle Ausbildung könne man in gar keiner Schule erlangen, und wenn man noch so lange Zeit dort zubringt. In der Schule erwirbt man nur eine gewisse Summe von Kenntnißen, die man dann in der Praxis verwerthet. Wer von ernstem Streben nach Vervollkonnminng erfiillt ist, wird im Leben seinen Weg machen, wer nicht, der muß untergehen. Vorsitzender erinnert an den Ausspruch Sonnenthal's, der da sagte: ״So lange wir keine Künstlerschulen besaßen, hatten wir Künstler, jetzt haben wir Schulen und keine Künstler." Die Schule bedeute nicht Alles, Talent ist die Hauptsache. Was den Antrag Löwit betrifft und die von ihm vorgefchlagene Beschränkung auf gewisse Componisten, wäre eine solche gar nicht rathsam und würde nur Stagnation Hervorrufen. Palästrina, Haydn re. waren gewiss bedeutende Componisten, es ist aber Niemandem eingefallen, man nwge sich nur ans ihre Werke beschränken. Wenn in der Kirche z. B. nur Palästrina gesungen würde, wäre das doch zu langweilig. Die verschiedenen Gesäuge und Compositionen haben übrigens mit der Einheitlichkeit nichts zu thnn Auch die großen alten Chasonim haben verschiedene ״Sachen" aufgefnhrt, aber dennoch hatten sie etwas Einheit׳ liches, Gemeinsames, und das war der ״Steiger." Ans der Basis des ״Steiger" allein ist eine Einheitlichkeit des Synagogengesanges hcrbeizuführcn. Bauer-Wien will auf die Methoden in den einzelnen Schulen und die Qnalifieativn der von ihnen ansgevildeten Schüler nicht eingehen. Das könnte ihn, wie es von anderer Seite geschehen, auf das persönliche Gebiet führen, welchem er um jeden Preis fernbleiben will. (Lebhafter Beifall), Nicht jeder Schüler ist nach einer Schablone zu behandeln, nicht Jeder kommt mit den gleichen Vorkenntnißen, nicht Jeder geht in denselben Wirkungskreis. Im Allgemeinen verfolge er beim Unterrichte die Tendenz, seinen Schülern etwas von jenen Fachkenntnißen beizubringen und zu übertragen, die er sich selbst während seiner langen, von frühester Jugend geübten Berufsthütigkeit erworben habe. Dem Anträge Heller auf Anstrebung einer vom Staate anerkannten, öffentlichen Cantorenschnle schließe er sich übrigens an. (Bravo- und Eljenrnfe). Schäfer-Baden widerspricht der Behauptung Lmvit's, dass in den verschiedenen Gemeinden ein verschiedener Gottesdienst ist. Maßstab sei das Machsor. Wo ein solches mit moderner Einrichtung gebraucht wird, ist der Gottesdienst der selbe. Wo dasselbe fehle, also in orthodoxen Gemeinden, sei er. ebenfalls gleich. Bezüglich der Einheitlichkeit schließe er sich den Anschauungen des Vorsitzenden an. Rausnitz-Michelndvrf bemerkt, dass schon zu lange über eine Frage disentirt werde, die ihn, und gewiss auch andere Anwesende, z. B. die orthodoxe!: Chasonim. gar nicht interessiere. Es wäre zweckmäßiger, über nützlichere Dinge, wie die Aufnahme neuer Mitglieder, zu sprechen. Fürnberg-Neuhans glaubt nach einigen Bemerkungen über die Cantorenschulen, dass die Frage genügend erörtert sei, und beantragt Schluss der Debatte. (Wird angenvnnnen.) Ein prineipieller Beschluss über Antrag L ö lv i t und Heller wird von der Versammlung nicht gefasst. -i- -i- Rosenstein-Malatzka beantragt, die anwesenden Nicht- Mitglieder, die ihren Beitritt anmelden, sofort in den Verein aufzunehmen. Er für seine Person würde gerne gleich beitreten und gewiss würde sich ihm mancher College anschließen. Vorsitzender bemerkt hiezu, dass der Vorstand die Anmeldungen mit Vergnügen zur Kenntnis nehme, die definitive Aufnahme könne aber erst nach Erfüllung gewisser in den Statuten geforderter Formalitäten erfolgen. * -r- * Da kein weiterer Antrag vorliegt und Niemand sich mehr zum Worte meldet, wird der Cantorentag vom Vorsitzenden mit folgenden Worten geschlossen: ״Nun meine lieben College!!, sind!vir mit unseren Berathnngen zu Ende. Ich danke Ihnen nochmals für Ihr Erscheinen und für die Aufmerksamkeit, mit welcher Sie den Verhandlungen ge-