Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 15 (5.6.1894)
- Date
- 1894-06-05
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Gesterreichisch-ung arische Lantoren-Aeitung. Nr. 15. Seile 11. I e l l i n e k-Mistelbach: In Anbetracht des Umstandes, dass der Cantorentag die Einsetzung eines Comitss zur Berathung über den Pensionsfond abgelehnt hat, andererseits aber die Gri'mdung eines Pensionsfondes allgemein begehrt wird, sei der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereiues. dem die Versammlung das vollste Vertrauen entgegenbringt, mit der Einleitung der hiezu nöthigen Schritte zu betrauen. Rosenfeld-Pisek schließt sich diesem Anträge freudig an, da man auf diese Weise am raschesten zum Ziele gelangen könnte. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob die Versammlung hiemit einverstanden ist, ertönen allgemeine Zustimmungen und laute Bravo- und Eljenrufe. Es wird hierauf bezüglich des Pensionsfondes folgender Beschlussantrag stipulirt: ״Der am 28. und 29. Mai 1894 in Wien tagende allgemeine österrr.-ungar. Cantorentag fasst den e i n m ü t i g e n B e s ch l u s s i m R a h m e n des öfter r.- Ungar. Cantoren-Vereines eine Pensionscasse z u g r ü n d e n und b e t r a u t d e n V o r st a n d des ö st e r r.- ung. Cantoren-Vereines mit der Einleitung der nöthigen Schritte und mit der Ausarbeitung und baldigen Vorlage eines Pensionsstatutes. (Der Beschlussantrag wird unter begeisterten Hoch- und Eljenrufen einstimmig angenommen.) * -i- * Die znm Punkte ״Pensionsfond" vorliegenden schriftlichen Anträge werden am Schlüsse der Berathung dieses Punktes dem Protokolle einverleibt. Es sind dies die Anträge M o o r-Prag, Reise r-Neuern, S ch ö n-Freiwaldau, Schwär z-Wien. Die Anträge lauten: Moor-Prag: ״Das Bedürfnis und die Nothweudigkeit einen Pensionsfond zu gründen, hat sich schon seit längerer Zeit bei uns fühlbar gemacht. Wir begrüßen daher mit Freude diesen Tag, welcher uns hier zusammenfi'chrt, um eine Besserung der Lage unseres Standes zu schaffen und unsere Gegenwart und Zukunft, wie die unserer theueren Angehörigen zu sichern. Nun denn College»! Wollen wir mit Gottvertrauen und vereinten Kräften die Arbeit beginnen, die Wege ebnen, jeden Stein des Anstoßes Hinwegräumen, um das Ziel, das wir uns vorgelegt und nach dem wir uns schon so lange sehnen, umso sicherer zu erreichen. Zu diesem Zwecke erlaube ich mir folgenden Antrag zu stellen: 1. Möge derjenige, welcher dem Pensionsfonde beitreten, respective angehören will, eine vom Vorstande zu bestimmende Gabe zur Bildung eines Grundcapitals leisten. 2. Sollen die jährlichen Beiträge nach Bemessung des Ge- Haltes festgestellt und behufs Erleichterung der Einzahlung in viertel- oder halbjährige Raten getheilt werden. 3. Wolle die Versammlung den Vorstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines mit der Aufgabe betrauen, in einem Aufrufe an sämmtliche Gemeinden, resp. Synagogenvorstände, denselben die Bitte zu unterbreiten, dass sie bei Thoravorlesungen und wo es sonst üblich ist, auf der Tafel, auf welcher alle jene Vereine, für welche gewöhnlich gespendet werden darf, verzeichnet sind, auch unserem Pensionsfonde ein bescheidenes Plätzchen gönnen. Antrag Reise r-Neuern: Hochgeehrte College»! Ihr versannnelt Euch heute, um Rath und That zu pflegen wegen unserer Stellung, unserer Zukunft. Betreffs unserer Stellung hätten wir bereits ebensoviel erreicht, wie die Rabbiner, welche auch nur interimistisch augestellt werde». Betreffs unserer Zukunft jedoch müssen wir unerschrocken alle uns zu Diensten stehenden Mittel benützen, um einen Pensionssond iws Leben zu rufen, zu welchem wir, so wir alt und schwach geworden, freudig ausblickeu dürften. Jaamocl lajehudim mimmokom acker. allenfalls ist Ausdauer, Thatkraft und Opferfreudigkeit zur Erreichung dieses Zieles erforderlich, jedoch sind Wege nnd zielbewusste Mittel hierzu mancherlei. In welcher Weise könnte im obigen Sinne gelegentlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums unseres erhabenen Kaisers segensreich gewirkt werden? Vielleicht, so wir unsere diesbezüglichen berechtigten Anforderungen dem böhmisch-, mährisch- und ungarischisraelitischen Landesmassasvnde und den löblichen Vorständen der größeren Gemeinden anheimstellen. Ans diese Weise ward der Grund des heute segensreich florirendcn böhm. israel. Lehrer- Pensionsfondes vor 21 Jahren gelegt." * * * Antrag Schö n-Freiwaldau: ״Zn dem Punkte der Tagesordnung: ״Wie kann mit gegründeter Aussicht für eine gedeihliche Entwicklung ein Pensionssond angelegt werden?" erlaube ich mir folgenden Vorschlag zu machen: * Die Cttltusgemeinden werden mittels Circntars ausgefordert, als beitragende Mitglieder beizutreten und genießen (je nach Einzahlung) das Pensionsrecht für ihre Beamten. Sind Beamter und Genleiude Mitglied des Vereines, so ist volle Pension (Höhe?) zu gewähren. Ist nur ein Theil Vereins Mitglied, nur halbe Pension. (Höhe?) Der Cantor, der schon selbst Mitglied ist. wird sodann im eigensten Interesse dahin wirken, dass auch seine Gemeinde beitritt. Alle Ansnahnlsgebnhren nnd durch Beiträge erzielten Ueberschüsse sind zum Pensionssond zu schlagen. Alls diese Weise kann derselbe erstarken und gedeihliche Resultate erzielen." ' * * * Antrag Schwa r z-Wien. Derselbe bezieht sich auch aus einige frühere Punkte der Tagesordnung und hat folgenden Wortlaut: Zu Punkt 6. Die Vereinigung aller Cantoren Oesterr. Ung. zu einem Gesamnltvereille ist sehr wnnschenswerth. Wenn keine diesbezüglichen Vorverhandlungen gepflogen wurden, wäre sie unter Anregung folgender Umstände erreichbar: 1. Durch Anbahnung eines guten Einvernehmens in jenen Kreisen, denen die Leitung des Vereines und der Vereinsgeschäfte obliegt: 2. Durch Schaffung von Berührungspunkten in der breiten Standesschichte dies- und jenseits . der Leitha, hinweisend darauf, dass wir nur dann Ersprießliches und Bleibendes leisten können, wenn der Einzelne für den Einzelnen und die Menge für die Menge kraftvoll! einsteht.