Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 15 (5.6.1894)
- Date
- 1894-06-05
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/1304829-3453304-3453319--4029-3458447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 15. Seite 10 demselben angehören. Seiner Ansicht nach ist es hauptsächlich an dm Gemeinden, dieses Werk einer gedeihlichen Entwicklung zuzuführen, und man möge sich nach dem Anträge Fürnberg mit einer diesbezüglichen Bitte an dieselben wenden. Fürnberg-Neuhaus setztauseinander, dass es jetzt verfrüht wäre, einen Fachmann heranzuziehen. Man müsse sich vorerst an die Gemeinden wenden und durch das Vereinsorgan bekannt geben, welche Gemeinden sich zu einer Beitragsleistung bereit erklärt haben. Erst, wenn man mit bestimmten Voraussetzungen rechnen kann, dann solle man sich mit Fachleuten oder einer Versicherungsgesellschaft in's Einvernehmen setzen. Löwit-Wien wundert sich, dass schon Vorschläge über eine Pensionsgründung gemacht werden, die noch nicht durch eine Beschlussfassung als definiüve hingestellt ist. Er beantragt daher zunächst einen Beschluss zu fassen, ob ein Pensionsfond gegründet wird oder nicht, und dann ein Comits einzusetzen, welches sich mit der Ausarbeitung zu befassen habe. Jellinek-Mistelbach bemerkt, dass Fürnberg ein durchschnittliches Gehalt von 600 fl. jährlich festgesetzt habe. Nun gäbe es aber viele Cantoren, die ein geringeres Fixum haben. Vorsitzender macht den Vorschlag, da so viele auseinandergehende Meinungen laut werden, schriftliche Anträge über diese Frage an den Vorstand zu stellen, der dann sich mit der Berathung und Sichtung derselben befassen werde. Rosenfeld-Pisek plaidirt dafür, dass heute schon entschieden beschlossen werde, ob ein Pensionsfond gegründet wird oder nicht. Helle r-Brünn ersucht den Vorsitzenden die Debatte über den Pensionsfond nicht abzukürzen. Der große Theil der Anwesenden sei nur zu diesem Zwecke nach Wien gekommen, und wenn auch die Zeit zu kurz sei, müssen alle übrigen Fragen Zurückbleiben. Schwär z-Wien bittet sein schriftlich eingereichtes Elaborat, welches diesbezüglich und auch andere Vorschläge enthält, vorzulesen und auf seinen Werth zu prüfen. Vereinsfeeretär Dr. Löwy erklärt, dass das erwähnte Elaborat keine neuen Gesichtspunkte eröffne, da die meiste» darin enchaltenen Punkte schon vorgebracht wurden. Er ersucht von der Verlesung Abstand zu nehmen, umsomehr, als ja ohnehin das Elaborat zur Ergänzung des Berathungsmateriales in das Protokoll ausgenommen werde. S t r a n s k y-Wien beantragt, das Schwär z'sche Elaborat zur Verlesung zu bringen. Der Vorsitzende lässt über den Antrag abstimmen. (Der Antrag wird abgelehnt.) Peterselka-Wien betont, dass die Frage, ob ein Pensionsfond gegründet werden solle oder nicht, eine sehr schwierige sei und nicht im Handumdrchen gelöst werden könne. Sie bedürfe ruhiger Ueberlegung und vieler Zeit. Der Cantorentag möge die. Angelegenheit den! Vorstande überlassen, dieser werde weder Mühe noch Opfer scheuen, um der guten Sache zum Siege zu verhelfen. Jedoch soll ein Termin besümmt werden, bis zu welchem die Versammlung wieder einzuberufen ist, um über das bereits ausgearbeitete Materiale endgiltigen Beschluss zu fassen. P i s k a t Y-G.-Jeuikau wünscht vom Vorstande Aufilärung, ob das jetzige Vereinsvermögen dem Pensionsfonde einverleibt wird. Vorsitzender erwidert, dass vor Ablauf der 10 Jahre Carrenz. welche für den Pensionsfond in Vorschlag gebracht ׳ sind, das Vereinsvermögen intact bleiben müsie, da die alten Mitglieder statutarische Ansprüche an dasselbe haben, die dem Gesetze gemäß beftiedigt werden müssen. Wenn jedoch der ’ Pensionsfond dann in Kraft tritt, wird sicherlich gegen die Ein- Verleihung des Vereinsvermögens in den Pensionsfond kein Einspruch erhoben werden. Blatt-Wien: Ich halte mir nur vor Augen, wie es ist, ’ wenn eine Armee in den Krieg zieht, entwirft da die ganze Armee oder nur der Feldherr den Plan? Meine Herren! Wir Alle hier sind Cantoren aber nicht Fachleute im Versicherungswesen. Ueberlaffen Sie die Sache dem Vorstande, er wird sich mit’ Leuten, die darin versirt sind, ins Einvernehmen setzen und darüber seinerzeit Bericht erstatten. Bei dieser Gelegenheit will ich auch auf ein anderes wichtiges Moment zu sprechen kommen, das wohl nicht direct zu diesem Punkte der Tagesordnung gehört, aber immerhin mit demselben in einiger Verbindung steht. Es ist uns oft der Vorwurf zu Ohren gekommen, dass die Ungarn in unserem Vereine schlechter behandelt werden, oder mindere Rechte genießen als die Oesterreicher. Demgegein über erkläre ich im Namen des Gesammtvorstandes, dass für uns die Leitha keine Scheidung bildet und alle Mitglieder, ob dies-- oder jenseits, dieselbe und gleiche Behandlung erfahren. Es liegt also auch gar kein Hindernis gegen den Anschluss der, ungarischen Cantoren an den Pensionsfond vor, wie überhaupt keine gesetzliche Bestimmung existirt, die eine Schmälerung der Rechte der Ungarn in unserem Vereine nach sich zieht. Ich bitte-.diesem: Erklärung Mch für den folgenden Punkt der Tagest-, ordnung zur Kenntnis zu nehmen. (Bravo- und Eljenrufe.) P i s k a t y-G. Jenikau ersucht den Antrag Löwit auf Einsetzung eines Comitss zur Abstimmung zu bringen. Vorsitzender: Nun, meine Herren, da ein Antrag aus Beschlussfassung über den Vorschlag Löwit zur Einsetzung eines - Comitss vorliegt, bitte ich Ihre Meinung darüber durch Absümmung kundzugeben. Sie haben gehört, dass wir redlich darüber Nachdenken und Alles thun wollen, aber zur geeigneten. Zeit. Wer dafür ist, dass dies sofort durch Einsetzung eines Comitss geschehen solle, möge sich vom Sitze erheben. (Die Majorität bleibt sitzen, der Antrag auf sofortige Einsetzung eines Comitss ist somit gefallen.) Vorsitzender lässt eine Pause in der Berathung eintreten. , * q- -i- Nach Wiedereröffnung der Sitzung beantragt der Vor- - sitzende, dem ungar.-irsrael. Cultusbeamten-Verein in Budapest -für die Glückwunschadresse auf telegrafischem Wege Dank abzustatten. Vereinssecretär Dr. Löwy wird mit der Abfassung der Depesche betraut und als er selbe zur Verlesung bringt, erschallen laute Bravo- und Eljenrufe. Die Depesche hat folgenden Wortlaut: ״Der oesterr.-ungar. Cantorentag in Wien dankt durch den Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines für die ihm seitens des ungar.-israel.. Cultusbeamten-Vereines in Budapest. entgegengebrachten Glückwünsche und erwidert dieselben mit Herzlichem, collegialen Gegengruße". Hierauf wird zur Tagesordnung übergegangen. * . * *