Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 15 (5.6.1894)
- Date
- 1894-06-05
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/1304829-3453304-3453319--4028-3458446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 9. Nr. 15. Gesterreichisch-ungarische LanLoren-Zeitung. der Ausstellungs-Direction diesbezüglich vorgesprochen haben, Dank und Anerkennung ausgesprochen. Der Aelteste unter den Anwesenden, Cantor Neumann- Oberhollabrunn, wird hierauf mit dem Vortrage des Mincha- Gebetes beehrt. Nach Verrichtung des Gebetes begeben sich sämmtliche Theilnehmer des Cantorentages in das Cass Winternitz (Hotel Europe, II., Asperngasse) zu einer gemeinschaftlichen Jause. In collegialer Gemüthlichkeit wurden daselbst persönliche Beziehungen zwischen alten und neuen Bekannten aus dem Collegenkreise erneuert und angeknüpft und in zwanglosem Gespräche die einzelnen Gegenstände der heutigen und morgigen Tagesordnung erörtert. Das Opernhaus bot an diesem Abende einen besonders festlichen Anblick, da fast der gesammte Hof, der anlässlich der Vermälung der Erzherzogin Karolina Immaculata mit dem Herzog von Coburg gegenwärtig in Wien weilt, der Opernvorstellung beiwohnte. Zweiter Tag. Dienstag, den 29. Mai. Beginn 9 Uhr Vormittags. Der Präses des Cantorenvereines, Obercantor Singer, eröffnete die Sitzung mit dem Ersuchen, einen Vorsitzenden für den heutigen Tag zu wählen. Da heute nicht eine Vereins- Versammlung, sondern der allgemeine Cantorentag abgehalten werde, obliege die officielle Leitung nicht mehr dem Vorstande, und es könne demgemäß von der Versammlung auch eine Person aus dem Kreise der Nichtmitglieder mit dem Vorsitze betraut werden. Ueber Antrag Serebrenik-Wien wird beschlossen, dem Vereinsvorstande auch heute die Leitung zu überlassen, und Präses Singer übernimmt somit den Vorsitz. Vorsitzender: Meine geehrten Herren Collegen! Da Sie mich auch für heute mit der Leitung unserer Agenden betraut haben, statte ich Ihnen hiefür meinen herzlichsten Dank ab und will in Berücksichtigung der knapp zugemessenen Zeit allsogleich zu dem Cardiualpunkte unserer heutigen Tagesordnung übergehen. Bevor ich aber dies thue, gestatten Sie mir etwas nachzutragen, was gestern versäumt wurde. Es sind nämlich mehrseitige Klagen darüber geführt worden, dass viele Collegen sich gegenseitig nicht kennen. Diesem Umstande Rechnung tragend, ersuche ich den Herrn Vereinssecretär die Evidenzliste zu verlesen. Die Herren werden so freundlich sein, sich bei Nennung ihres Namens zu erheben und sich so gewissermaßen der Versammlung vorzustellen. Dr. Löwy verliest die Evidenzliste. Vorsitzender: Und nun, meine Herren, wollen wir an die Arbeit gehen. Schon in unseren Statuten wird darauf hingewiesen, dass wir die materiellen Interessen der Vereins- Mitglieder durch Gründung einer Pensionscasse zu fördern bestrebt sind. Heute aber wollen wir berathen, auf welchem Wege dieses Ziel erreicht werden kann. Die Herren Fürnberg- Neuhaus und P i s k a t y-G. Jenikau haben über diesen Punkt mündliche Vorschläge angemeldet. Die schriftlich eingesandten Anträge werden in das Protokoll ausgenommen. Ich ertheile Herrn Fürnberg das Wort. Fürnb erg-Neuhaus: Collegen und Freunde! Unter allen Berathungen und Beschlüssen, die wir gestern gefasst und heute noch fassen werden, ist die Gründung einer Pensionscasse die wichtigste Angelegenheit. An der Hand einiger Daten, die nur approximativ aufgestellt sind, will ich die Entwicklung dieses Gedankens beginnen, und an Ihnen, meine Herren, ist es, die Richtigkeit derselben zu prüfen. Ich gehe vom Lehrerstande aus und nehme das Pensions-Statut fiir Lehrer an allgemeinen Volks- und Bürgerschulen zur Grundlage meiner Berechnungen. Der Durchschnittsgehalt wird mit 600 fl. jährlich angenommen. Von diesem werden 2% an den Pensionsfond geleistet und auch die erste Quinquennalzulage wandert dort hin, so dass Alles in Allem eine Quote von circa 40/0 gibt. Ans unsere Verhältniße angewendet, möchte ich 60/0 festsetzen, und zwar Z0/0 sollte der Cantor leisten und 3% die Gemeinde. Ich kann wohl nur von meiner Gemeinde sprechen, die eine derartige Unterstützung des Pensionsfondes zugesagt hat, aber ich glaube, jede Gemeinde wird sich zu einem Beitrag bereit finden, wenn sie die Zukunft ihres Beamten sichergestellt weiß. Nehmen wir nun in Oesterreich und Ungarn nur 500 Gemeinden an, so gibt das ebeisioviele Cantoren. Bei dem großen Jndifferentismus aber, der in unseren Kreisen herrscht, ziehe ich nur den vierten Theil in Betracht, der sich der Pensionscasse anschließen würde, gewiss eine geringe Zahl. Bei dem Durchschnittsgehalte von 600 fl. würde unter diesen Verhältnißen jährlich eine Summe von beiläufig 5000 ft. in die Casse fließen und vorausgesetzt, dass der Fond 10 Jahre unangetastet bliebe, würde dies bei 40/oiger Verzinsung circa 60.000 fl. ergeben. Von diesem Capitale sollten, aber erst nach 10 Jahren, die Pensionsansprüche nach Maßgabe der Einzahlungen befriedigt werden. Ich betone es sind dies nur die Grundzüge der Idee, die Ausarbeitung 'müsste natürlich Fachmännern überlassen bleiben, wobei auch auf das Alter der einzelnen Mitglieder Rücksicht genommen werden niüsste. Was das Verhältnis der Gemeinden zu dem Pensionsfonde betrifft, so miisste man an dieselben bittlich herantreten, und ich bin überzeugt, wir werden nicht ohne Erfolg an sie appelliren. P i s k a t y-G. Jenikau denkt sich die Gründung des Pensionsfondes auf der Basis einer Quote von 10 fl. jährlich für das Alter von 20—25 Jahren. Mit je weiteren fünf Jahren steigt die Quote um 2 fl. jährlich, so dass die höchste Quote von 45—50 Jahren 20 fl. jährlich betrügt. Auf diesem Systeme ist der Pensionsfond des israel. Lehrervereines in Böhmen aufgebaut worden. Neumann-St. Pölten findet den Antrag Fürnberg sehr schön und löblich, fürchtet aber, dass dessen Durchführung auf allzu große Schwierigkeiten stoßen würde. Er würde darum den Antrag Piskaty als den einfacheren wählen, schon darum, weil er an der Zustimmung der Gemeinden zu einer Beitragsleistung zweifelt. , Singerman n-TroPpau erklärt sich für den Antrag Fürnberg, auf diesem Wege allein könne etwas Bedeutendes geschaffen werden. Wie sich dann die Einzahlungen und Ansprüche der älteren und jüngeren Mitglieder gestalten, dies zu entscheiden, sei Sache der Fachleute, die man diesbezüglich zu Rache ziehen muß. Auch sei der Fall zu erwägen, was zu geschehen habe, wenn der Cantor den Beitrag leistet und die Gemeinde die Leistung verweigert. In manchen Gemeinden besteht ja übrigens ein Fond, und da ist umsoweniger eine Beitragsleistung seitens der Gemeinde zu erwarten. L ö w e n s 0 h n -Prag wünscht eine gewisse Rücksichtnahme auf die älteren Mitglieder, die seit dem Bestände des Vereines