Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 15 (5.6.1894)
- Date
- 1894-06-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichisch-nngarische (Lantoren-Ieitung. Seite 5. Nr. 15. heißend. Jedoch nicht zu lange dauerte es, und eines schönen Morgens da — weliojinu lischne maclianos, ja noch mehr, in letzterer Zeit entstand ein dritter Verein. Doch keiner kann sich mit unserem Vereine messen. Während jene Vereine aus ganz heterogenen Elementen zusammengesetzt sind und daher unmöglich ein gedeihliches Fortkommen verzeichnen können, bildet unser Verein, wenn auch gering an Zahl, eine Verbindung von thatkrüftigen Männern, die nnvgleiche Zwecke anstreben, und darum: ״wird: es ihm gewiss gelingen, nach und nach sein Ziel zu -erreichen/ Freilich. würden wir viel rascher dahin gelangen, wenn der Jndifferentismus unserer College» dem Vereine gegenüber -nicht eine so große Nolle spielen würde. Selbst College», die -in unserer nächsten Nähe wohnen, stehen dem Vereine als Fremde gegenüber, und ich muß denselben den schönen - Satz ins Gedächtnis rufen: Hinneli mah tauw iimal! noim sahewes acliim gam jochad.■ Diese abseits Stehenden erinnern. sich erst dann an unseren Verein, wenn sie gezwungen sind, als Bittsteller an denselben heranzutreten. Die Gesuche von außerhalb des Vereines stehenden Collegen mehrten sich in den letzten Jahren so sehr, dass wir gezwungen waren, wollten wir unsere eigenen Interessen nicht schädigen, dieselben ablehnend -zu beantworten. Aber selbst aüch Mitglieder scheinen den Zweck unseres Vereines nicht zu kennen, weil so viele Gesuche um Dar- .lehen ringebracht werden, die wir jedoch nach unseren Statuten gleichfalls nicht bewilligen können. Wir haben uns ja ein .großes, schwer zu erreichendes Ziel gesteckt, und das ist eine Pensionscasse. Hierzu bedarf es der größten Sparsamkeit. (Lebhafte Bravo- und Eljenrufe). Aber trotz alledem bin ich in der angenehmen Lage, Ihnen über unser Cassawesen ein günstiges Fortschreiten unseres Vereinsvermögens bekanntgeben zu können. Der Verein hatte am 31. December 1890 einen Vermögensstand von 8608׳ fl. 56 kr. Hiezu kommen noch als Zuwachs im. heurigem Jahre: die Spende des Herrn Baron Herm. Königswarter von fl. 300.— ״ ״ ״ ״ ״ Alexander Popper —.300 ״ ״ ״ ׳״ ״־ ־ : . Alfred Strasser _150 ״ ״.— ' zusammen fl.' 750.— : Meine Herren! Diese Spenden sind uns durch die BennihNngen unseres Obmannes zugeflossen, und es gebührt sich, dass wir ihm unseren Dank hiermit anssprechen. (Bravo! Esten!) Mit diesen neuerlichen Spenden ist ein Vermögensstand von nahezu 10.000 fl. zn constatiren. Bei dieser.Gelegenheit ist es am Platze, unser Bedauern darüber anszusprechen, dass von Seite unserer Collegen und selbst Won jenen, die in großen Stellungen sind, rein gar nichts geschieht. Würde Jeder (nur im Geringsten. Sinn und Herz für den ^Verein haben, wir müssten schon längst das Dreifache besitzen. Die:großen Steine, die von Wien aus zum Baue zusannnengetragen wurden, bilden wohl den Grund, aber zum Bauen gehören nuchA'leine Steine! Der Vorstand möchte dieses den Herren) Collegen besonders an's Herz legen. r :( Die. Leistungen des Vereines sind im Verhältniße zu׳ dessen Anzahl nichbl-gering zn schätzen. Während der 10-jährigen Periode wurden an Witwen- und Jnvaliditüts - Beiträgen fst2620.—,'an Unterstützungen an Mitglieder und auch an: Mchtnnt^lieöer Fl. 924.—, d. i. zusammen 3544 fl. ansgezahlt. .Zu. djesen 3544 fl. sind, ich bitte wohl zu merken, kann!800 fl., au Pflichtbeiträgen eingegangen. Ueberhaupt wäre es wünschenswerth, wenn die Einzahlungen der Jahres- und Pflichtbeiträge nicht so nachlässig vor sich giengen, da dieselben in den ineisten Fällen nur dann einlaufen, wenn mit ernsten Maßregeln gedroht wird; dadurch wird die Erledigung mancher Gesuche in die Länge gezogen, und was an! meisten dabei zu leiden hat, das ist unsere Vereinseassa. Wenn ich die hiefür verausgabten Porti und Drucksorten während der 10 Jahre znsammenstellen würde, so müsste ein ganz hübsches Sümmchen herauskommen. Mithin glaube ich, Ihnen die Hanptmomente unseres 10-jährigen Cassagebahrens vorgeführt zn haben, und ich darf die Behauptung aufstellen, dass dieser kleine Verein trotz aller Uebelstände Großes geleistet hat und dass kaum ein zweiter, ähnlicher Verein sich hierin mit ihm messen kann. Meine geehrten Collegen! Sie sehen, der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines hat Ihnen hier ein ganz nüchternes, nicht in das Reich der hochgespannten Ideale gehöriges Bild entworfen. Er hat nichts Marktschreierisches zu seinen Mitteln gewählt, sondern er schreitet langsam aber sicher in geordneten: Verhültnißen seinem Ziele zu. Wir wollen daher Alle hoffen, dass unser Wirken im Verein mit Hilfe Gottes auch ferner ein segensreiches sein möge. (Bravo! Bravo!) Stach Erstattung des Rechenschaftsberichtes wird zum Punkt a) der Tagesordnung ״Statutenänderung" geschritten, wobei der Vorsitzende bemerkt, dass über diesen und jene folgenden Puntte, welche rein interne Vereinsangelegenheiten betreffen, nur Vereinsmitglieder abstimmen und demgemäß auch nur solche an der Debatte theilnehmen können. F ü r n b e r g-Neuhaus stellt an den Vorsitzenden das Ersuchen, sümmtlicheu Anwesenden die Theilnahme an der Debatte ohne Abstimmungsrecht zn gestatten, da der größte Theil jener anwesenden Collegen, welche bisher dem Vereine noch nicht angehören, demselben beizutreten gedenken und es zweckmäßig wäre, auch ihre Anschauungen bezüglich der zu ändernden Statute:! zu hören. Der Vorstand beschließt hierauf, dem Ansuchen Fürnbergs Folge zu geben, und Vorsitzender ertheilt dem Vereinssekretär Dr. M. L ö w y das Wort zu dem Punkte ״Statutenänderung." Vereinsseeretär Dr. Löwy (lebhaft begrüßt): Die Aenderungen, die ich im Namen des Bereinsvvrstandes vorzu schlagen die Ehre habe, bezwecken zun! Theile eine präcisere und übersichtlichere Fassung einzelner Paragraphe, theils sollen durch dieselben die Erfahrungen der verflossenen Jahre venverthet und aufgetauchten Uebelstände» begegnet werden. Im Ganzen und Großen sind sie jedoch nicht so durchgreifender Natur, und es )vird darum der General-Versammlung umso leichter werden, den Vorschlägen des Vorstandes ohne größere Debatten die Genehmigung zn ertheilen. Im ß 7 wird der Schlusspassus, angefangen von ״eine einmalige Aufnahmsgebühr re." elimiuirt und in einen besonderen Paragraphen ausgenommen werden. (Angenommen.) § 8 erhält folgende Ergänzung: ״Zn Ehrenmitgliedern können jene Personen ernannt werden, welche sich besondere Verdienste um den Verein erworben haben." Diese Ergänzung erscheint darum nothwendig, weil in einem späteren Paragraphe (§ 21 d) die Ernennung von Ehrenmitgliedern zn den Agenden der General-Versammlung gerechnet wird, ohne dass vorher