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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-06-05 · Heft 15 (5.6.1894) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 15 (5.6.1894)
Date
1894-06-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 15. Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Vorsitzender des Cantorentages: Präses Josef Singer. Tagesordnung der General-Versammlung: а) Begrüßung durch den Präses; d) Nachruf für die verstvrbeneu Gönner, Mitglieder und Collegen; c) Rechensch aftsb ericht über die abgelausene Vereinsthätigkeit; б) Statutenänderung; e) Vereinigung sämmtlicher Cantoreu Oesterreich-Ungarns zu einem Gesammtvereine; f) Ernennung von Ehrenmitgliedern; g) Anträge; Tagesordnung des Cantorentages: a) Petition au die österr.-ungar. und gemeinsame Negierung behufs Erleichterungen für die Cantoren bei Ableistung des Waffendienstes und Einberufung zu Waffenübuugen auf Grund ihrer Anerkennung als geistliche Functionäre (Religionsdiener); b) Petition an die Ungar. Regierung behufs Anerkennung der ungar. Cantoren als Religionsdiener (im Sinne des neuen Cultusgesetzes in Oesterreich); c) Erlangung der Reziprozität für die Religionsdiener in Oesterreich und Ungarn; d) Gründung eines Pensionssondes; e) Ernennung von Vertrauensmännern; 1) Anträge. * * * Beginn der Berathungen Montag, den 28. Mai, 2 Uhr Nachmittag. Der Vorsitzende, Obercantor Josef Singer eröffnet die Versammlung mit folgenden Worten: ״Hochverehrte Versammlung, liebe Collegen! Namens des Vorstandes des österreich.-ungar. Cautoren-Vereines begrüße ich Sie, meine lieben Collegen, auf's Herzlichste, die Sie gekommen sind, um Ihre Zugehörigkeit zu unserem, die Gesammtheit des Cantorenstandes repräsentirenden Vereinsverbande zu bekunden und an unseren Berathungen Theil zu nehmen. Ich danke auch jenen abwesenden Collegen, die durch Berusspflichteu oder andere Umstände am Erscheinen verhindert, durch briefliche und telegraphische Kundgebungen hrer collegialen Sympathie für unsere Bestrebungen Ausdruck liehen. In diesem ernsten und feierlichen Momente, wo wir .daran schreiten, über das Wohl und die Interessen des Cantorenstandes zu berathen, erachte ich es als unsere erste, patriotische Pflicht, unseres erhabenen und gnädigen Monarchen zu gedenkeil. (Die ganze Versammlung erhebt sich von den Sitzen.) Er ist Nils jederzeit ein gütiger Schutz- und Schirmherr und gerade in den schweren Zeiten, denen wir jetzt entgegen gehen, sind unsere Blicke mit treuer Liebe und unerschütterlicher Hoffnung aus seine geheiligte Person gerichtet. Stimmen Sie daher mit ein in den Ruf: ״Unser allergnädigster Kaiser und König Franz Jos es I.. Er lebe hoch! hoch! hoch!" (Die Versammlung bricht in begeisterte, dreimalige Hoch- und Eljenruse aus). Der Vorsitzende dankt in weiterer Rede dem Vorstande der Wiener israelitischen Cultnsgemeinde für die freundliche Ueberlassung des Sitzungsaalcs während der Berathungen der General-Versammlung und des Cantorentages und fährt hierauf fort: ״Einen Act schuldiger Pietät begehen wir auch, wenn wir in dieser Stullde jener, während der letzten Vereinsperiode dahiugeschiedenen Männer gedenken, die theils unserem Vereine als Förderer oder Mitglieder angehört haben, theils im Leben als Collegen und Freunde uns nahegestanden sind. In erster Reihe sei unser verewigter Altmeister und Ehrenpräses Prof. Salon!0 11 Snlzer genannt. Die Bedeutung dieses Mannes, sein Wirken und Schaffen ist Ihnen Allen bekannt und ich bin darüber jeder weiteren Worte enthoben. An dem im Vorjahre dahingeschiedenen Wohlthäter Moritz Frei Herrn v. Königswart er haben wir einen hochherzigen Gönner, und Förderer verloren. 'De!,׳ -VerewigkeUvar derjenige, der als Erster durchweine ninnisizente Spende׳ den Grundstein zu unserem Vereinsfonde gelegt und durch sein großmüthiges Beispiel andere Persönlichkeiten zu gleichem Thun veranlasst hat. Wir betrauern ׳auch"die dahingeschiedenen Vereinsmitgliedcr Beutler in Auscha, Popper in Koljanowitz, Körner in Smichow, Klein in Bndweis und Singer in Neubitschow, sowie die -verstorbenen-Koryphäen des Cantorenstandes Obercantor Berg grün in Hannover, Prof. Friedmann in Budapest, Obercantor Deutsch in Breslau und Obercantor Baer in Gothenbnrg. Bewahren wir ihnen Allen, sowie jenen, die ich anzuführen vergessen hatte, in dieser Stunde ein stilles Andenken. >׳׳-. Zur meritorischen Thätigkeit des Vereines übergehend, könnte ich auf viele ersprießliche. Leistungen desselben Hinweise!;, deren Aufzählung jedoch in Anbetracht der knapp zugemessenen Zeit und der vielen, noch zu. erledigenden Agenden zu weit führen würde. Was aber dieselbe. im Allgemeinen betrifft,. so muß betont werden, dass das moralische Gewicht unserer Vereinigung schon von vielen wohlthätigen Folgen begleitet war, und namentlich muß-es als ihr Verdienst hingestellt'werden, dass der Name ״Cantor" in den neuen Gemeindestatuten Ansnähme gefunden hat und der Cantor als geistlicher Functivnär (Religionsdiener) von der hohen Regierung anerkannt worden ist. Diese Thatsache ist ein großer Schritt nach vorwärts imd die Tragweite desselben -wird sich erst in der Zukunft zeigen. Ueber die Cassagebahrung des Vereines wird Ihnen, ׳ meine Herren, unser Vereinscassier, .Herr Cantor Moritz -Blatt Näheres berichten, dem ich hiemit das Wort׳ ertheile." (Leb- Haftes Bravo und Händeklatschen). Vereinscassier M. Blatt: Geehrte Collegen! Wenn ich mir auch erlaube, einen Rückblick auf das Cassagebahren während unserer 10-jährigen Vereinsthätigkeit. zu werfen, so will ich Ihnen gleich Eingangs versprechendass ich. Ihre Geduld nicht zu lange in Anspruch nehmen werde. Die alljährlich aufgestellte Bilanz, welche nach genauer. Prüfung der Herren Controlore immer das Absolutorinm. des Gesammtvvrstandes erhielt, wurde ohnehin von Fall zu Fall. -in - unsere!!! Vereinsorgane veröffentlicht und ich habe es nicht nöthig,..in kleine Details einzugehen, will Ihnen, vielmehr ein Bild .in großen Zügen zu entwerfen suchen. Geehrte Collegen! Als wir bei der Geburt unseres Vereines, d. i. bei dem 1.. Canto rentage in.Wien standen und die große, stattliche Zahl der versammelten Collegen überblickten, die Alle ke'mackschowo aclias für unsere Idee begeistert waren, da ward uns wohl nicht bange mehr um das Gelingen. Wohl stand uns kein Stammcapital zur Verfügung und wir.konnten mit unserem Stammvater Jakob sprechen kl we’makli "o.warti es hajarden haseh, aber der Anfang war wirklich viel ver-

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