Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 15 (5.6.1894)
- Date
- 1894-06-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 3. Bericht der Henerat-Wersammtung des österr.-ungar. Kantoren-Wereines und des allgemeinen österr.-ungar. Cantorentages abgehalten am 28. und 29. Mar 1894 im Sitzungssaalr der israelitischen Cultnsgemeinde in Wien. Eine würdevolle, durch Geschichte und Tradition geheiligte Stätte ist es, welche die aus allen Kronländern Oesterreich- Ungarns herbeigeeilten Vertreter des Cantorenstandes zu gemeinnütziger, ernster Arbeit vereinigte. An den Wänden des vornehmen Berathungssaales hängen die Bildniße jener Zierden und Leuchten des Judenthums, die an der Wiege des größten jüdischen Gemeinwesens standen und zur Zeit, als noch überall nächtliches Dunkel herrschte, Licht und Aufklärung in die Reihen ihrer schwergeprüften Glaubensgenossen trugen. Diesen aktehrwürdigen Gestalten reihen sich als ebenbürtige Epigonen ihrer großen Ahnen die Männer der Neuzeit an, die mit zielbewusster und kräftiger Hand den begonnenen Bau zur Vollendung brachten und deren Wirken und Schaffen unserem Gedächtniße noch lebensfrisch anhaftet. Jedes Bild erinnert an ein hervorragendes geschichtliches Moment, an eine hochherzige That, jeder Name bedeutet ein Programm. Schon die Oertlichkeit an und für sich konnte sonnt als ein günstiges Omen für die bevorstehenden Berathungen angenommen, werden, und fürwahr, wenn wir die Summe der Arbeit überblicken, so können wir mit freudiger Genugthnung behaupten, dass die Theilnehmer des Cantorentages sich ihrer vornehmen Umgebung vollauf bewusst waren und die Hoffnungen, die auf Ihr Erscheinen gesetzt wurden, nicht unerfüllt gelassen haben. In allen Schattirungen war das Cantorat vertreten, vom Cantor der fortschrittlichen Großgemeinde bis zum Vorbeter der kleinen orthodoxen Kehilla; doch Alle, ob sie aus Ungarn, Böhmen, Mähren, Schlesien oder einem andern Theile der Monarchie kamen, reichten sich brüderlich die Hand und tauschten in gehobener Stimmung collegialen Gruß und Gegengrüß. Und wenn auch in heißer Debatte die Klingen scharf gekreuzt wurden und mancher sachliche Gegensatz zum Ausdruck kam, das Gefühl der Zusammengehörigkeit der gesammten Collegenschaar und das einmüthige Streben, miteinander und füreinander die Interessen der Berufsgenossenschaft zu heben und zu fördern, behielten dennoch immer die Oberhand und führten die entstandenen Differenzen zu harmonischer Lösung. Eine besondere Bedeutung erhielt der Cantorentag noch dadurch, dass auf demselben die Gründung eines Pensionsfoirdes ernstlich in Erwägung gezogen und einmüthig zum Beschluss erhoben wurde. Vor dieser Frage müssen alle anderen zurücktreten, und wenn dieselbe einer glücklichen Realisirung entgegengeführt wird, woran wir schon heute nicht mehr zweifeln können, dann bedeuten die Tage vom 28. und 29. Mai 1894 einen wichtigen Markstein in der Geschichte des Cantorates, den Anbeginn einer neuen, besseren Aera. Nach dieser übersichtlichen Betrachtung lassen wir im Nachstehenden den Detailbericht folgen. : Th eilnehmer des Cantorentages: Salomo n-Wien, H i r f ch-Wien, B l a t t Wien, D n n mann-Wien, Grüufeld-Wien, Regner-Austerlitz, Neum a n n-Ungereigen, Sing e r-Wien, Baue r-Wien, K o h n Mähr. Budwitz, Salle r-Pozsony-Szelesknty, P i s k a t y- Goltsch Jenikau , Goldstei n-Steiuamanger , G o l d st e i n- Beruh. - Wien (Favoriten), Frisch m a n n - Steinamanger , Wasser berge r-Neutra, S e r e b r e n i k-Wien, N e u m a n n- St.-Pölten. Zlocsensk o-Tyrnan, I e l l i u e k-Mistelbach, R a u s n i tz-Michelndorf, L ö w i t-Wien, Witt m a n n-Wien, Fürnberg-Neuhans, Jurberger-Wien, Rosen stein- Malatzka, R o t h w e i n-Wien, S ch l e s i 11 g c r Wien, Rose nf e l d-Pisek, S t ö ß l e r-Neurausnitz, Helle r-Brnnn, B l a u- Kostet, M o o r-Prag, L ö w-Waag Neustadtl, Singer m a n n- Troppau, Löwensohn-Prag, Speiser-Budweis, S chneid e r-Wieu, K l ä g e r-Wien, W o d a k-Wien, P e k a r n i k-Wien, Schwarz- Wien, Rabbiner R eich- Floridsdorf, G r ü nstein-Kojetein, Weinberger-Wien, Schönfeld Tab, Faust-Wien, Neumanu-Oberhollabruim, A. Rotter-Wien, S t r a n s k y-Wien , Ster n-Wien, G e b r o w s k Y-Moskau , P e t e r s e l k a-Wien, Schüfe r-Badeu, E r z b e r g-Göding. Begrüßungen und Telegramme langten ein von: Freisinger-Pilsen, Schlesinger-Mislitz, Weiß Toblitschan, Linhardt-Hannover, Fleck-Wien, Schön-Freiwaldau, Reiser-Neuern. Der ungar.-israelit. Cultnsbeamten-Verein in Budapest sandte folgende Begrüßungsdepesche: ״Verdolmetschen Sie gefälligst den versammelten Berufsgenossen unsere collegialen Grüße und aufrichtigen Wünsche für das Gelingen Ihrer Bestrebungen im Interesse der israelitischen Cultusbeamten. Im Namen des ungar.-israelitischen Cultusbeamten-Vereines: Dr. Rafael Goldberg, Präsident, Adolf Lazarus, Bicepräsident."