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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-05-21 · Heft 14 (21.5.1894) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 14 (21.5.1894)
Date
1894-05-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14. Seite 5. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Alles dreht sich nur um das einzige ״Lolloä" herum. Und was die Verwirrung noch vergrößert, ist das ominöse lange ,.O-‘ im Vereine mit diesen beiden schwierigen Buchstaben, und so hört man nichts weiter, als: ״Ecl10000cl.e■‘, oder, bejonders in Süddentschland, Eoüooootlls, oder gar ״Elloooo-the“. O, entfliehe nur nicht, mein Freund, und bleibe hier, denn — es ist nirgends besser! Sabbatai Zewi. Vine biographische Skizze von Dr. M. H. Fr iedl ander. (Schluss.) Die Rabbinen Jerusalems waren jedoch über das Treiben Sabbatai's und seiner Alihänger in höchstem Maße erbittert und bemühten sich, ihm alle möglichen Hinderniße in den Weg zu legen. Infolge dessen fand es Sabbatai angemessen, Jerusalem zu verlassen und in die Heimat znrückzukehren. In Smyrna angelangt, wurde er im Triumphe empfangen und die sanatisirte Menge rief begeistert ans: ״Es lebe unser König der Messias". Er wurde vom Volke abgöttisch verehrt, und Niemand durfte es wagen, seine Messianität in Zweifel zu ziehen, vielweniger sie als Schwindel zu bezeichnen. Der greise Gelehrte Rabbi Aron de le Papa, der den Muth hatte, Sabbatai als Schwärwer und Betrüger zu kennzeichnen und gegen ihn den Bann zu schleudern, wurde genöthigt, Smyrna zu verlassen. Ebenso wurde der reichbegüterte, seiner Munificenz und seltenen Herzensgüte wegen allgemein geachtete Chaim Pesia moralisch gezwungen, Sabbatai als den von Gott gesandten Messias anzuerkenuen und ihm alle möglichen Huldigungen zu bezeugen, obschon er in seinem Innern von dem thörichten und betrügerischen Treiben dieses Schwärmers auf's Genaueste überzeugt war. Diese Ereigniße verfehlten nicht auch außerhalb Smyrna's Sensation zu erregen. Propheten, die plötzlich in Verzückungen geriethen, wurden nach allen Richtungen entsendet, um für den wunderthätigen Messias Propaganda 511 machen und alle Welt für die im Jahre 1666 stattfindende Erlösung vorzubereiten. Selbst auf den Hauptbörsen Europa's wurde von Sabbatai Zewi mit besonderer Hochachtung gesprochen. Aus vielen Gegenden erschienen massenhafte Abgeordnete mit Geschenken, deren Zahl so groß war, dass Sabbatai anordnete, täglich nur höchstens 50 vorzulassen. ״Wenn Sabbatai Zewi", bemerkt Gräz sehr richtig, ״bis dahin auch nicht an sich und seine Worte fest geglaubt hätte, so hätte diese Huldigung von fast der ganzen Judenheit in ihm den Glauben an sich erwecken müssen. Täglich liefen Nachrichten, Sendboten und Deputationen ein, die ihn in der schmeichelhaftesten Wendung als König der Juden begrüßten, ihm Hab und Leben zur Verfügung stellten und ihn mit Geschenken überhäuften. Wäre er ein Mann voll festem Plane und von Willenskraft gelvesen, so Hütte er mit diesem ungeheuchelten Enthusiasmus und dieser opferwilligen Hingebung seiner Gläubigen doch etwas erzielen können. Fasste doch bereits Spinoza die Möglichkeit in's Auge, dass die Juden bei dieser günstigen Gelegenheit und der Veränderlichkeit der menschlichen Dinge ihr Reich wieder aufrichten uixb von Gott wieder erwählt werden könnten. Allein Sabbatai Zewi hatte an dem Kitzel des Weihrauches Genüge, er dachte an nichts Großes, oder vielmehr er lebte des Wahlles, dass sich die Erwartungen von selbst durch Wllnder erfüllen würden." (Gesch. 10. S. 229). Die türkische Regierung, die lange dem wüsten Treiben Sabbatai's und seiner Anhänger stillschweigend zllgesehen hatte, sah sich endlich veranlasst, gegen den messianischen Schwindler einznfchreiten und die von ihm heraufbeschworene Bewegung zu unterdrücken. Sabbatai erhielt daher beit behördlichen Auftrag, iit Konstantinvpel zu erscheinen. Er war verwegen genug, sich mit einer glänzenden Suite nach dort einzuschiffeu. Es war dies zu Anfang des Jahres 1666. Als er daselbst, nachdem das Schiff, das ihn trug, einige Wocheil mit einem heftigen Sturme zu kämpfen hatte, gelandet, befand sich der Sultan in Adrianopel. Der Großvezier, der dem Sultan von der Ankunft des sich als Messias angekündigten Aufwieglers berichtet hatte, erhielt den Auftrag, den Unruhestifter sofort verhaften zu lassen. Infolge dessen sandte der Großvezier einen Aga mit 50 Janitscharen zu Sabbatai, um ihn in Verwahrung zu bringen, allein die imposante, Ehrfurcht gebietende Gestalt Sabbatai's machte einen solch tiefen Eindruck auf dieselben, dass sie unverrichteter Sache zurückkehrten. Der Großvezier schickte einen zweiten Aga mit 200 Janitscharen, aber auch diese waren nicht fähig, sich des fatschen Messias zu bemächtigen. Sabbatai ließ daher durch den zweiten Aga dem Großvezier eröffnen, dass es nicht nöthig sei, ihn gewaltsamer Weise zu verhaften, da er sich freiwillig ihm vorstellen werde. Sabbatai wurde infolge dessen vom Großvezier empfangen und achtungsvoll behandelt, Nichtsdestoweniger ließ er ihn nach Kutahja und später nach Abydos in das kaiserliche Schloß in Gewahrsam bringen. Dort wurde ihm eine prachtvolle Wohnung eingeränmt und gestattet, Besuche zu empfangen. Er führte auch hier einen großen und glänzenden Hofstaat und nahm von Deputationen und Abgeordneten, die von allen Seiten der Windrose herbeieilten, um den! gefangenen Messias ihr Beileid auszudrücken, Huldigungen entgegen. Der Kastellan des Schlosses machte durch die Anwesenheit Sabbatai's brillante Geschäfte, denn jeder Fremde, der den Messias zu sehen wünschte, musste ein Eintrittsgeld entrichten. Ebenso einträglich war die Gefangenschaft Sabbatai's für die Bewohner Abydos, da sie sich für Wohnungen und Lebensmittel riesige Summen von den Fremden bezahlen ließen. Selbst ans dem entfernten Lemberg kamen zwei Abgeordnete nach Abydos, um den Messias, dessen Ruf auch dahin gedrungen war, persönlich kennen zu lernen. Der eine war Jesaia, Sohn des berühmten Dawid Lew, Verfasser des ״Ture Sahaw", der andere sein Stiefbruder Leb Herz. Sie mussten sich znförderst nach Konstantinopel verfügen, wo sie von Abraham Jachini, einem eifrigen Verehrer Sabbatai's, mystisch bearbeitet wurden, darin erst wurden sie von Sabbatai empfangen. Als sie ihr! ihrer besonderen Hochachtung und tiefen Verehrung versicherten, sprach er sie hnldvollst an und entließ sie mit reichen Geschenken. Jesaia erhielt auch von ihm für seinen greisen Vater ein seiderres Unterkleid zum Geschenke mit dem Bemerken, dass es ihn verjüngen werde. Da Sabbatai bei dieser Gelegenheit erfuhr, dass in fernen Landen ein Prophet Namens Nehemia Kohen aufgetreten sei, der die baldige Ankunft des sehnsuchtsvoll erwarteten Messias verkündete, ohne aber Sabbatai als den eigentlichen Messias zu proelamiren, so übergab er dem Jesaia Lewi für dessen Vater ein Schreiben mit, das mit dem Aufträge schloß: ״Nehemia möge sofort zu mir kommen". Der Schwärmer von Abydos ahnte nicht im Ent erntesten, dass die Ankunft Nehemias für ihn verhängnisvoll fwerden würde. Als Nehemia erfuhr, dass Sabbatai ihn zu sprechen dringend wünsche, nahm er keinen Augenblick Anstand, diesem Wunsche zu entsprechen und der an ihn ergangenen Einladung

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