Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 13 (11.5.1894)
- Date
- 1894-05-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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toeiie 2. Gesterreichisch-nngarische Lantoren-Aeitung. Nr. 13. b) Nachruf für die verftorbeueu Mitglieder und Nicht- Mitglieder. ,0)׳ Rechenschaftsbericht über die abgelauftne zehnjährige Vcreinsthätigkeit. ä) Statutenänderung. (Die einzelnen Paragraf!!)!׳, deren Aenderung vorgeschlagen wird, werden noch näher bezeichnet werden.) 6) Ernennung von Ehrenmitgliedern. f) Zur Anregung erhöhter Vereinsrhätigkeit Ernennung von Vorstehern für die einzelnen Äronländer. g) Vereinigung sämmtlichcr Cantoren Oesterreich-Ungarns in einem einzigen großen Vereinsverbande und zweckmäßige Organisirung desselben unter Wahrung einer gewissen Selbstständigreit der einzelnen Kronländer. 31) Petition an die österreichische, ungarische und genreinfame Regierung behrrfs Erleichterurrgen für die Cantoren bei Einberufungen derselben zu Waffenübungerr in der Reserve und Landwehr, unter Hinweis auf den Umstand, dass die Cantoren in Oesterreich bereits als Religionsdiener (geistliche Funktionäre) anerkannt sind. , . i) Petition an die ungarische Regierung behufs Anerkennung der ungarischen Cantorerr als Religionsdiener unb Erlangung derselben Beneficien, wie sie in Oesterreich durch das neue Cultusgesetz normirt sind. j) Auf welche Weise ist die Reziprozität für die Religionsdiener in Oesterreich und Ungarn berbeizuführeu, so dass die Anstellung eines österreichischen Cautors in Ungarn und eines un.garischen Cautors in Oesterreich keinen Schwierigkeiten begegnet. Namentlich dieser Punkt ist von außerordentlicher Bedeutung für die Cantorenwelt, da zwischen Oesterreich und Ungarn von jeher ein lebhafter Stellenwechsel besteht. k) Wie kann mit gegründeter Aussicht für eine gedeihliche Entwicklung ein Pensionsfond angelegt werden? l) Auf welche Weise ist die Unterstützung unserer Vestrebungen durch die löblichen Cnltusgemeinden und deren Beitragsleistung zu dem Pensiousfonde zu erlangen? Neben diesen Cardiualpunkten finb noch andere wichtige Fragen und namentlich die bereits angemeldeten Anträge zu erörtern. Möge ihre Berathung eine eingehende und ernste und chre Lösung eine glückliche werden, dann können wir an die Tage vom 28. und 29. Mai 1894 die schönsten Hoffnungen knüpfen. Betende Rinder. ״Thorheit", sagt vielleicht Mancher, ״das Kind hat ja noch keine Ahnung voll der Bedeutung des Gebetes, es hat nicht die geringste Vorstellung von Gott, an den es sich doch im Gebete wendet, und durch ein rein äußerliches, unverstandenes und unempfundenes Herfagen irgend eines Sprüchleins oder eines Verses, vielleicht gar mit schon fchlafmüden Lippen und sinkenden Augen, wird die heilige Handlung herabgewürdigt." Zugegeben muß werden, dass das kleine Kind von Dem, zu welchem es betet, eine andere Vorstellung hat, als die Erwachsenen, ob aber eine minder würdige, das hängt von der Art und Weise ab, wie die Eltern ihnen den Blick vermitteln, der über diese Erde hinaus bis in den Himmel reicht. Oder reicht des Kindes Geist nicht bis in jene Höhe?— Die Mütter werden die Erfahrung vielfach machen und bestätigen, dass gerade das Kind sich mit Fragen beschäftigt, zu deren Beantwortung sich die Gedanken der Eltern über da Irdische erheben müsien, vorausgesetzt, dass in dem Heim über- Haupt religiöses Empfinden mit) Leben gepflegt wird. Ob das Kind, im Dännnerli'chte feiernd, mit dir in den rosigen Abend- Himmel blickt und der pnrPurglüheudeü'Sonne entzückt nachschaut; oder mit stiller Lust die goldenen Lichter am nächtlichen Himmel betrachtet; ob es erschreckt sich an deine Brust schmiegt und das furchtsame Auge scheu und fragend zu dir erhebt, wenn Sv.- blendende Blitz aus oer Wolke führt und der Donner majestätisch durch die Lüfte rollt; ob es fragend deine Hand ergreift, wenn du weinend am Bett des Brüderchens siehst, das immer aufwachen will, obwohl tausend lieblische Blumen über feiner Decke ansgebreitet liegen, oder ob es forschend dich anblickt, wenn du einmal still die Hände faltest und leise sprichst ׳ ״Gott, ich danke dir!": O, schau! Kindes, lausche den Fragen von kl Gedanken ans zarten Flügeln zur m!r dann.! in die Angen deines einen Lippe:!, sie tragen deine Ewigkeit, und du wirst es inne werden, dass der Na!ne des himmlischen VaterS, des allmächtigen und liebenden Gottes nicht als ein leerer Schall in das Ohr deines Kindes dringt, du wirst es suhlen, dass sein kleiner Geist staunend jben Gewaltigen ahnt. Ohne Zweifel ahnt das Kind das Dasein eines Wesens, das mächtiger ist sogar als Vater und Mutter, eines Wesens, vor welchen! alle Großen selbst in Ehrfurcht stehen und von ihm sprechen, eines Wesens, das uns sieht und hört, obwohl man es nicht selbst hören kann. Wer vermöchte es behaupten, dass des Kindes Gebet ein sinnloses Geschwätz, wohl gar ein Missbrauch sei? Und Zugegeben selbst, dass das Kind oft nur ein Gebet der Worte verrichtet, so ist dies keine Entwürdigung des religiösen Aktes; auf Grund der frommen Gewohnheit!oird sich einst!villiger und inniger fein lebendiger Glaube entfalten. Bevor das Kind betet, sammle es sich. Es lasse die Glieder zu absoluter Ruhe kvuuneu, falte Hände, senke die Angen oder blicke die Mutter an. Dann werde es still in der Stube. Jedes Geräusch verstumme, jede Hantierung von Dienstpersonen, alles Hin- und Hergehen unterbleibe: Das Kind will beten. Die weihevolle Stille ergreift auch das Herz des Kindes und nun spreche es langsam und so deutlich, als es sein uubeholfener Mund vermag, fein kindliches Gebet. Dasselbe sei kurz und dem kindlichen Geiste angemessen. Bei besonderen Gelegenheiten füge die Mutter selbst ein kurzes Dankwort, eine Bitte ein für ein krankes Familienglied, für den auf der Reise begriffenen Vater u. f. w.; denn so lernt das Kind am besten das wahre Wesen und die rechte Bedeutung des Gebetes kennen. Lege darum, junge Mutter, die Hände deines Kindes getrost zum Gebet in einander, ohne fürchten zu müssen, dass du etwas Thörichtes beginnst.Und der Segen des Betcnlehrcns senkt sich auch in dein eigenes Herz. Jst's nicht, als ob du getroster dein Kind dem Schlummer überlassen könntest, nachdem sein kleiner Mund den göttlichen Schutz sich selbst erfleht? —Beruhigt verlässt du das Bettlein und' in froher Zuversicht flüstern wohl deine Lippen selbst noch einmal mit zärllichem Blick auf deinen Liebling: ״Vater lass die Augen dein Ueber seinem Bettchen sein!"