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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-05-11 · Heft 13 (11.5.1894) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 13 (11.5.1894)
Date
1894-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Priiml!:rcrcltions-Prcis. aiirCiuit orat u.(£ul!usl«eantfc in VrstrrrLkch-Llngarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— ÄürCantorrnn.LnlknsbrarnIe im Rnsland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Nnbel. Fnr prioakr und Institnir Ganzjährig . . . . , SL fi.— Central-Organ für dir Interessen der Cantoren und Cnltusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercan'or isvod ksuvr. Rrdartion und Administration Wien II., lllovaragaffe Nr. 27. Inserate werde» billigst berechnet. Manuscriptc werden nicht retournirt. Sbonnrrnrrrts- ». Insrrtions. betrrige find in Wien kirtzlNar- Nr. 13. Wien, II. Mai 1894. 14. Jahrgang. CanLorentsg in Wien. Die Dringlichkeit und Nothwendigkeit eines gemeinsamen Verbandes und die segensreiche Wirksanikeit des österr.-ungar. Cantvren-Vereines einerseits, anderseits aber die fast sträfliche Indolenz der eantoralen Kreise und die oft selbstverschuldete prekäre Lage einzelner Berufsgenossen ist durch die in der gestrigen Vorstandssitzung zur Berathung gelangten Gegenstände wieder einmal so recht deutlich zu Tage getreten. Auf der einen Seite das erhebende Bewusstsein, dass der Verein in der Lage ist, der unglücklichen Witwe eines jüngst verstorbenen Mitgliedes durch einen nanchaften Betrag die Gründung einer Existenz zu ermöglichen und zu gleicher Zeit auch einem bernfsunfühig gewordenen Vereinsgenossen einen Jnvaliditätsbeitrag zu gewähren; auf der anderen Seite das deprimirende Gefühl, dass mehr als die Hälfte der Vereinsmitglieder heute, also nahezu zwei Monate nach der Ausschreibung, mit ihren Pflichtbeiträgen im Rückstände ist, und dass in! Allgemeinen bei Einzahlungen der Vereinsbeiträge eine solch' laxe Moral geübt wird, die mit den ernsten und heiligen Zielen des Vereines absolut nicht in Einklang zu bringen ist. Sollte Man es für möglich halten, dass Cantoren — und es sind auch solche in gesicherten Stellungen und mit reichlichem Einkommen — wegen einiger Gulden Rückstände sich immerfort mahnen lassen und schließlich auch mit dem größten Gleichmnth sich über den Ausschluss ans einem Verbände hinwegsetzen, dessen ersprießliches Wirken ihnen fast Tag für Tag vor Augen geführt wird? Fürwahr, wären jene Männer, die an der Spitze dieses Vereines stehend, Zeit und Mühe der Förderung collegialer Interessen widmen, nicht von solcher Opferfrendigkeit für ihren Beruf erfüllt, so hätte sie schon längst Ekel und Neberdrnss über diese traurigen Zustände erfassen müssen, die dem Cantorenstande gewiss nicht zur Ehre gereichen. Heute, im Zeitalter der Coalition, wo Alles Gleichartige sich eng aneinander schließt, wo jeder Stand und Beruf sich stramm um seine Fahne schaart, stehen nur wir Cantoren zerstreut und zerrissen, und während alle Welt sich zu gemeinsamer Thätigkeit zusammenflndet und selbst der geringste Handwerker seinem Fachverein und seiner Fachzeitung mit Leib und Seele anhängt, wird bei uns das Bestehende nicht nur nicht gefördert, sondern von allen Seiten bekämpft und untergraben. Ist die Zahl der Cantoren in Oesterreich-Ungarn nicht geradezu ein Hohn auf die Mitgliederzahl sämmtlicher in der Monarchie bestehender Vereine? Saget ja nicht, die meisten Cantoren können von ihrem geringen Einkommen den Vereinsbeitrag nicht erübrigen. Blicket auf den armen Handwerker, dem wird es auch nicht leicht, sein Scherstein auf den gemeinsamen Altar zu legen, aber er thut es gern und willig, weil bei ihm das collegiale Mitgefühl noch nicht erstorben ist. Wie oft wird von Cantoren über schlechte Behandlung, Zurücksetzung, materielle Misere und dergleichen geklagt! Fürwahr, sie verdienen kein besseres Los, und es wäre ganz unnatürlich, wenn Andere ihnen mehr Sympathie und Achtung entgegenbrächten, als sie selbst ihrem Stande und ihren Bernfsgenossen gegenüber beweisen. Tief schmerzt es uns, in unserem eigenen Fleische wühlen zu müssen, aber die Heilung ist nur in der Erkenntnis des Uebels zu suchen, und darum ist es unsere Pflicht, offen und freimüthig zu sprechen. Noch ist es nicht zu spät, eine Gesundung herbeizuführen und gerade auf den nächsten Cantoren tag setzen wir große Hoffnungen. Nun denn, College», säumet nicht und erscheinet recht zahlreich, es handelt sich um das Wol und Wehe, um die Zukunft unseres Standes. Am 28. Mai findet die General- Versammlung des österr.-ungar. Cantoren-Vereines statt und nach Erledigung der Bereinsangelegenheiten schließt sich an dieselbe der ״allgemeine Cantorentag" an, welcher nach Bedürfnis an den folgenden Tagen fortgesetzt wird. An den Berathungen desselben können alle Collegen, ob Mitglieder oder Nichtmitglieder, mit gleichen Rechten theilnehmen. Es wäre erwünscht, dass die Anmeldungen frühzeitig bei dem Vercinspräsidium, I., Seitenstettengasfe 4 erfolgen, da das vorbereitende Comits für billige Logis rc. Sorge getragen hat und über die Zahl der Besucher genau informirt fein muß. Für die Tagesordnung der Generalversammlung und des Cantorentages sind bisher nachfolgende Punkte vorgeschlagen: a) Begrüßung der Anwesenden durch dm Präses.

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