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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-04-15 · Heft 11 (15.4.1894) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 11 (15.4.1894)
Date
1894-04-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitnng. Nr. 11. festlich zu begehen, weil ein protestantischer Pfarrer, welcher der Gesellschaft gegen die Unsittlichkeit ans den Straßen angehört, beschuldigt wurde, eine Dame durch Verführung in den Selbstmord getrieben zu haben. Eine Jubelfeier der Bartholomäusnacht, des schrecklichsten Verbrechens, das blutiger Religioshass jemals auf sich geladen hat. Schon die Vorstellung flößt Entfetzen ein, und schon das Spiel mit einem solchen Gedanken beweist die Abstumpfung des moralischen Feingefühles. Heute die Hugenotten, morgen die Juden, die nirgends in der Majorität sind und daher mit dem Rechte der Minorität stehen und fallen. C h r i st o p h: Die Bartholomäusnacht! Es ist weit gekommen. Ja wol, es muß eine Minorität geben, aber sie ist nicht confejsionell, sondern besteht aus allen vornehmen Geistern, welche die Gewalt verabscheuen und sich rein halten von den Schlacken der Zeit. Die Minorität ist weder christlich noch jüdisch, sondern besteht aus den Edelgesinnten, die sich stets dem Eigennutz widersetzcn, über Religion und Stand hinaus sich die Hand reichen und durch den Trieb zur Gerechtigkeit und allgemeinen Wohlfahrt verbunden sind. Die Stimme der Wahrheit wird niemals verhallen, und zu deiner Minorität gehören in der ganzen Welt viele Millionen, welche inbrünstig den Tag segnen, der die Freiheit geboren hat. Kleine Chronik. Wien. Beim Titel ״Minist er rath" führte Abg. Dr. Byk im Polenclub des Abgeordnetenhauses Beschwerde, dass jüdische Beamte in der letzten Zeit nahezu principiell nicht befördert werden, und dass jüdische Bewerber um staatliche Anstellungen bei allen Zweigen des Dienstes ablehnenden Bescheid erhalten. Was unter der Negierung des Grafen Taaffe, der dieses System inaugurirt hat, noch gewissermaßen verschämt und unter dem Feigenblatte zu geschehen pflegte, das trete in letzter Zeit ganz offen hervor, denn man scheut sich nicht, den Bewerbern zu sagen, dass ihnen ihre Religion ein Hindernis sei und dass sie einen Religivnswechsel vollziehen mögen. Das Staatsgrnndgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger und das Staatsgrundgesetz über die Ausübung der Regiernngs- und Vollzugsgewalt werden da einfach mit Füßen getreten, und abgesehen vom Rechtsbruche, wirke ein solches Vorgehen corrumpirend auf den öffentlichen Geist und sei ein directes Stimulans für den Antisemitismus. Abg. Dr. Byk erklärt, dass er es für seine Pflicht halten müsste, beim Titel ״Ministerrath" obige Beschwerde nachdrücklichst im Abgeordnetenhanse zu vertreten, doch verkenne er nicht, dass dadurch eine schrille Dissonanz mit der Erklärung des Club-Obmannes sich ergeben würde, wonach der Polen-Club volles Vertrauen der Regierung entgegenbringe und treu zur Coalition halte. Eine solche Beschwerde müsste nämlich ihre Spitze auch gegen die liberale Partei im Hause richten, welche mit auffallender, geradezu verdächtiger Gleichgiltigkeit dieser Frage gegenüberstehe. Ans diesen Gründen beschränkt sich Abg. Dr. B y k für diesmal auf die Beschwerde im Club, welche doch an ihre Adresse gelangen wird, weil Mitglieder der Regierung in! Club sitzen. Än diese Ausfiihrungen des Abgeordneten Dr. Byk knüpfte sich eine längere Debatte, bei der zunächst Abg. Kozlowski hervorhob, dass die Beförderung von Beamten reine Sache der Executive wäre, so dass es schwer ist, diese Sache im Parlamente auszutragen. — Abg. Roszkowski polemisirte mit dem vorigen Redner und unterstützte wärmstens die Ausführungen des Dr. Byk. Es handle sich in dieser Frage, meinte Dr. Roszkowski, nicht so sehr um das Avancement von jüdischen Beamten, als um deren Aufnahme in den Staatsdienst. Redner erklärte, er wisse ans Erfahrung, dass jüdischen Candidaten bei der Aufnahme in den Staatsdienst riesige Schwierigkeiten gemacht werden, und richtete an den in der Sitzung anwesenden Minister Ritter v. Jaworski den Appell, derselbe möge diese Angelegenheit im Ministerrathe zur Sprache bringen. - Der Minister Jaworski erklärte, dass für ihn bei Beförderung von Beamten ausschließlich die Tüchtigkeit und amtliche Qualification ohne jede Rücksichtnahme auf religiöses Bekenntnis maßgebend sind. — Dr. Rapop ort hob hervor, in wie erschreckender Weise der Erwerb unter den galizischen Juden abnehme, und dass das zum Theile auch darin seine Ursache finde, dass manche bisherige vorzügliche Erwerbsquellen der Inden in Folge organisirter Concurrenz versiegten. Man könne nichts dagegen einwenden, doch müsse man den Inden schon vom rein ökonomischen Standpunkte andere Erwerbszweige willig erschließen. Er verwahrt sich mit großem Nachdrucke gegen den oft geheischten Neligionswechsel als Verletzung der Gewissensfreiheit und ersucht schließlich den Minister N. v. Jaworski. im Ministerrathe davon zu erwähnen, dass über diesen Gegenstand im Polen-Club debattirt wurde. Wien. Vorigen Mittwoch feierte der Herausgeber der ״Correspondenz Wilhelm", kaiserlicher Rath I g « az W i l h e l m, im engsten Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit mit seiner Gattin Fanny, geb. Wahle. Herr kaiserlicher Rath Wilhelm gehört zu den geachtetsten und beliebtesten Vertretern der Wiener Journalistik und fein biederer Sinn, sowie die ernste Auffassung seines Berufes haben ihm nicht nur vielseitige Sympathien sondern auch in den höchsten Kreisen Anerkennung und Würdigung verschafft. Den zahlreichen Ovationen, welche dem Jubelpaare aus diesem festlichen Anlasse bereitet wurden, schließen auch wir uns mit den herzlichsten Glückwünschen an. Wien. Am ersten Peßachtage wird Herr Ober-Rabbiner Dr. Güdemann die erste Predigt im Stadttempel abhalten und am selben Tage wird auch Herr Rabbiner Dr. Schmied l aus Fünfhaus seine Wirksamkeit im Leopoldstädter Tempel beginnen. Samstag, den 14. April hält Herr Dr. Schmie dl im Fünfhanser Tempel seine Abschiedspredigt und der Gottesdienst wird sich noch aus dem weiteren Grunde besonders feierlich gestalten, da der beliebte Seelsorger an diesem Tage sein 25jähriges Amtsjnbilänm begeht. Die Festgesänge werden vom Chore unter Leitung des Chordirigenten Karfunkel aufgeführt und Obercantvr Jurberger wird einen aus diesem Anlässe verfassten Mischeberach zum Vortrage bringen. Wien. Sonntag, den 15. d. M. findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Salom on de Leon, Sohn des verdienstvollen und allgemein geachteten Präsidenten der Constantinopler Gemeinde Ab r a h am E f fend i d e L 6 o n, mit Fräulein Hermine Mittller aus Wien statt. Die Hochzeitsfeier wird durch die zugesagte Theilnahme des türkischen Botschafters, Sr. Excellenz Z i a Pascha, sowie anderen hervorragender Persönlichkeiten ein besonders solennes Gepräge erhalten. Dl*. Neustadt. Anlässlich der ersten Wiederkehr des Sterbetages unseres unvergessenen Vorstandes, des Herrn Dr. Moriz F r i e d e n t h a l s. A., wurde Dienstag, den 10. d. M. 6 Uhr Abends in der hiesigen Synagoge eine Jahrzeitsfeier fiir den Genannten veranstaltet, an welcher die gesummte Gemeinde theilnahm. Pearr. In der am 25. März stattgehabten General- Versammlung der Mitglieder der Neusynagoge wurde dem neuen Vorstande die Vollmacht ertheilt, mit den Vorständen der Hofschule, Hochschule und Zigeunerschule, welche auch durch die Assanirung der Josefstadt zum Umbau der betreffenden Synagogen gezwungen sind, zu unterhandeln, um den Bau eines großen gemeinsamen Gotteshauses zu ermöglichen. Wie wir erfahren, soll schon Aussicht sein, ein Grundstück im Centrum der Stadt zu acquiriren, wo ein der Prager Judenschaft würdiger Monumentalbau errichtet werden soll. Verwunderung erregt es, warum der Bau dieser gemeinsamen Synagoge nicht wieder in der Judenstadt geplant wird. Ein Blick auf den Situationsplan Prag genügt, um zu ersehen, dass die Prager Josefstadt gerade im Centrum Prags liegt. Wenn die alten Synagogen durch Jahrhunderte im Ghetto liegen konnten, warum sie verlegen, wenn ringsum Monumentalbauten erstehen werden? Warum soll der altehrwürdige Friedhof nicht auch weiterhin von Synagogen umgeben sein? Mäste.-Ostrau. Der soeben erschienene Bericht über das Jahr 1893 gibt ein recht anschauliches Bild über die rege

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