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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-04-15 · Heft 11 (15.4.1894) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 11 (15.4.1894)
Date
1894-04-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 7.; cultuelle Thätigkeit der hiesigen Cnltusgemeinde. Von den Gesanuntausgabeu per 33.380 fl. 50 kr. wurde der größte Theil der Erhaltung der Synagoge und Schule zugewendet, für deren ausgezeichnete Instandhaltung die Gemeinde wirklich anerkennenswerthe Opfer bringt. Erfreulich ist die Thatsache, dass das Stammvermögen trotz der großen Auslagen auch Heuer eine Steigerung erfahren hat. An Stelle des verstorbenen Dr. Zimmels wurde in der Ausschusssitzung vom 28. März Sr. Ehrwürden Herr Dr. Jakob Spira, Rabbiner in Bisenz, einstimmig zum Rabbiner und Prediger der hiesigen Cultnsgemeinde gewählt. Budapest. In der jüngst stattgehabten Sitzung des Ausschusses des Pester isr. Religionsgemeinde brachte Präses Herr Sigmund Kohner folgende Stiftungen und Spenden zur Kenntnis, und zwar spendeten: A) Für das Adele Brody- Kinderspital: Herr Max Reich mann und Gattin Minna 500 fl. B) Zur Armenunterstützung: Frau Witwe Samuel Popper 300 fl., Familie weil, des Herrn Anton Frank, Herr Max Ster n, Herr Jakob Schwa r z (Großwardein) je 100 fl., Herr Hermann Herz 50 fl., Familie weil, des Herrn Berthold Wiener 30 fl., Herr Simon Pollak 10 fl., Familie des Herrn Salomon Neu m a it 11 10 fl. C) Zn Gunsten verschiedener Institute: 1. Herr Jakob Pollak zum Andenken weil, des Herrn Dr. Heinrich Pollak: für den isr. Landes- Stipendienverein 4000 ft., für das Knabeu-Waisenhaus 3000 fl., für das isr. Landes-Taubstnmmeninstitut und für das isr. Spital je 2000 fl., für das Mädchen-Waisenhaus und das Rabbiner- Seminar je 1000 fl., für die Pester Chewra Kadischa 600 fl., für die Volksküche des Pester isr. Frauenvereines 500 fl., für die ung. isr. litterarische Gesellschaft, für den Unterstützungsverein der isr. Lehrer-Bildungsanstalt und für die isr. Lehrer- Bildungsanstalt je 200 fl., für den isr. Handwerkervein 100 fl. 2. Pester vaterländische erste Sparkasse: für das Spital 300 fl., fiir das Knabeu-Waisenhaus und den Frauenverein je 200 fl. — Der Bndapester Krankenbesuchs- und Unterstützungsverein ״Bikur-Cholim" hielt heute unter Vorsitz seines langjährigen Präses Dr. Jakob Schächter seine ordentliche Generalversammlung. Der vom Bereinssecretär Heinrich Löffler verfasste. Jahresbericht constatirt, dass im vergangenen Jahre 5337 Mittagmale an Kranke unentgeltlich verabreicht wurden. Der Rechenschaftsbericht wurde mit Beifall zur Kenntnis genommen. In den Vorstand wurden wiedergewählt: Dr. Jakob Schächter, Präses; Nathan L ö w, Adolf F r a u k l, Direetoren; Max Herz0g, Kassier; A. I. Strauß, Controlor. . Szigetvar. Ilm 8. d. M. fand im hiesigen Tempel ein feierlicher Trauergottesdienst für Kossuth Lajos statt, an welchem die ganze Gemeinde und viele Honoratioren der Stadt 'theilnahmen. Nach einem vom Musikdirektor I. Goldstein aus Füufkircheu meisterhaft gespielten Orgelpräludium brachte der L,e1npelchor den Psalm 23 zur Aufführung, wobei die Solo- Einlage des Frl. Irene Kardos besonderen Effect erzielte. Hierauf bestieg Herr Rabbiner Dr. Ko hu die Kanzel und hielt eine schwungvolle Rede, in der er die Bedeutung des dahingeschiedenen Patrioten schilderte. Zum Schlüsse recitirte Herr Ober-Cautor Lew in in äußerst erhebender Weise das ״Bl m016 rachamim“, das bei allen Zuhörern einen tiefen Eindruck zurückließ. Skellenveränderung. Herr Cantor Berkowics wurde von Feleghaza nach Totis berufen. Fogaros. Die hiesige Cnltusgemeinde hielt am 5. Itpril einen Trauergottesdienst für den ruhmvollen und großen Patrioten weil. K o s s u t h Lajos, bei welcher Gelegenheit Rabbiner Jordan durch eine äußerst Patriotische und gelungene Rede, wie auch Cantor Rosengarten durch seinen rührenden und schönen Gesang die versammelte Gemeinde in aufrichtige Trauer versetzten. Literatur. Die Juden von Barnow. Geschichten von Karl Emil Franzos. Fünfte, stark vermehrte Auflage. Stuttgart. Verlag von Adolf Bonz u. Comp. 1894. Preis geheftet Mark 5.—, eleg. gebunden Mark 6.40. — Selten noch hat ein Werk, das seinen Stoff aus dem jüdischen Volksleben der Gegenwart schöpft, so viele Leser gefunden wie ״Die Inden üoit Barnow". In Deutschland sind vier starke Auflagen vergriffen, so dass nun eine fünfte erscheinen konnte und außerdem liegen nicht weniger als zwanzig Uebersetzungen vor. Diesen Erfolg hat sicherlich in erster Linie der künstlerische Wert des Buches errungen, für den wir zunächst das Urteil Paul H e y s e s (in seinem ״Novellenschatz") anführen wollen: ״Franzos nimmt unter denen, die das Leben der Inden novellistisch dargestellt haben, nicht nur einen völlig ebenbürtigen Rang ein, sondern übertrifft seine Mitbewerber vielfach durch die nationalen Kontraste, die sein Grenzgebiet ihm nahelegt." ״Meisterhaft״ nennt G. Karpeles in seiner ״Geschichte der jüdischen Litteratur" diese Skizzen!!!-dBilder, und Aron B ernstei u, der Schöpfer der deutschen Ghetto-Novelle und selbst ein Meister, begrüßte das Werk bei seinem ersten Erscheinen als ,.ein Buch, das dem Autor seinen Platz in der Litteratnr-Geschichte sichert" und ״jedem Leser ein bleibender künstlerischer Gewinn sein wird." Ähnlich urtheilte Leopold Kompert: ״Wer dies Buch einmal gelesen hat, wird immer wieder danach greifen." Dass all' diese Anerkennung eine wohlverdiente war, wird wohl jeder neue Leser, den sich das Buch gewinnt, bestätigen müssen. Keine der neun Novellen des Bandes (״Der Shylock von Barnow", ״Nach dem höheren Gesetz", ״Zwei Retter", ״Der wilde Starost und die schöne Jütta", ״Das Kind der Sühne", ״Esterka Regina". ״Baron Schmule", ״Das Christusbild" und ״Ohne Inschrift") ist künstlerisch unbedeutend, jede legt Zeugnis ab für das dichterische Talent des Verfassers, seine tiefe Kenntnis der jüdischen Volksseele und seine!!!!bestochene Wahrheitsliebe. Nächst dem poetischen Wert haben diese letzteren Vorzüge dem Buche seine große Verbreitung geschaffen. ״Ein Bild der jüdischen Volksseele von unvergleichlicher Ehrlichkeit und -vrene, das niemand, er sei noch so sehr in Vorliebe oder Hass für den jüdischen Stamm befangen, ohne nachhaltigen Nutzen lesen wird". — Dies Urtheil der ״Times" gibt um: einen Eindruck wieder, dem sich auch voreingenommene Leser nicht haben entziehen können. Selbst ein so ausgesprochener Gegner des Judenthums, wie Johannes Scherr, mußte zugeben, das sei ein ״ehrliches Buch". Dilrste mau je vvu einen! dichterischen Werke unserer Tage behaupten, dass es das Gerechtigkeitsgefühl gemehrt und so auch großen und ernste!! stützen gestiftet hat, so gilt dies von Franzos' ״Inden von Barnvw". Das Buch bedarf kaum noch einer Empfehlung. Es verdient seinen Platz in jedem gebildeten Hause und vollends sollte es in keinem jüdischen Hause fehler!. Die Ausstattung des Buches ist eine so gediegene, dass sich das Werk auch als Geschenkbnch empfiehlt. Sechs Fest-Predigten für Peßach und Schownos von Rabbiner Dr. H. Sänger. Frankfurt a. M. 1894. Verlag von I. Kanffmann. Preis broch. 60 Kreuzer. — Als willkommene Gabe für die bevorstehenden Festtage ist obige Predigtsammlung erschienen, die narnentlich jenen Ämtsgenossen, denen es an Zeit gebricht, eine passende Predigt vorznbereiten, als musterhafte Vorlage dienen kann. Inniger Anschluss an die Bedeutung des Festtages, Reichthum an Gedanken, klare Eintheilung und würdige, edle Sprache charakterisiren sämmliche Predigten, von denen je zwei für den 1. und 7. Peßach tag sowie für das Wochenfest bestimmt sind. Tie glücklich gewählten Themen lauten: 1. Zun! ersten Tag Peßach: Freiheit. 2. Znm ersten Tag Peßach: h.0 laclimo anjo. 3. Zun! siebenten Tag Peßach: Der erste Schritt unseres Volkes. 4. Znm si ebenten Tag Peßach: Gottes Hilfe. 5. Zun! Wochenfeste: ./0m liabikurim. 6. Zum ersten Tage שבועות: Gottes Stimme am Sinai, oder die שבעה קומת. In Folge des Petzachfestes erscheint die nächste Nummer erst nach den Feiertagen und ersuchen wir höstichst diejenigen Herren Abonnenten. welche den Pränumerationsbrtrag für das ll. Nuartal!roch nicht eingesandt haben, dies umgehend \n thun. Allen geschätzten Lesern unseres Blattes wünschen wir שמד1ת י1ם Die Redaktion.

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