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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-03-21 · Heft 9 (21.3.1894) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 9 (21.3.1894)
Date
1894-03-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 9. Seite 4. in Budapest. (Schluss.) Diesen Zielen entsprechend haben die Lehrgegenstände des Bürgerschul-Unterrichtes zu sein. 1. Die jüdische Religionsgeschichte in Verbindung mit der politischen Geschichte, welche den in der Volksschule beendigten Lehrstoff fortsetzend sich von der Landemnahme ganz bis auf unsere Zeit erstreckt und in den mittleren Classen sich besonders eingehend mit dem Wirken der Propheten auf Grund ihrer Literarischen Werke befasst; 2. Religions- und Sittenlehre, im Zusammenhange besonders mit den Lehren der Liturgie und der religiösen Institutionen. In den letzteren machen wir die äußeren Handlungen der Religion bekannt, indem wir fortwährend die Noch- Wendigkeit der engen Harmonie zwischen religiöser Empfindung und Ueberzeugung und andererseits zwischen der Praxis beziehentlich der Handlung betonen. Auf dieser Basis begründen und behandeln wir die Gebräuche des religösen Hauses, die Ceremonien, welche das Familienleben heiligen und zieren, die traditionellen Formen der Andachtsübungen, deren Gebete und spmbolische Handlungen, wie auch unsere im Dienste des Humanismus stehenden religiösen Institutionen. Damit der ins Leben hinaustretende Schüler mit vollständiger Andächtigkeit am Gottesdienste theilnehmen könne, legt der Bürgerschul-Religionsunterricht vorwiegendes Gewicht darauf, dass die wichügeren Bestandtheile des synagogalen hebräischen Gebetbuches in der Originalsprache bekannt gemacht werden. Dieses Buch ist der treue Dolmetsch Israels herrschender Ideen, seines Selbstbewusstseins und seiner Hoffnung und ist demzufolge — besonders auf der Stufe des Dieser Ommer von einem Juden. Ein Beitrag zum Capitel der antisemitischen Moral.*) ״Vor einigen Jahren würde in einer alten Kirche in Venedig ein Donatello entdeckt, die Madonna mit dem Kind, eine herrliche Arbeit. Der Ersteher des Kunstwerkes ließ mich rufen, da es beim Transport einen Bruch erlitten hatte. Er überwachte meine Restaurirungsarbeit mit Argusblicken, aber es gelang mir doch, ohne sein Wissen eine Copie davon anzufertigen und diese nach Hause zu schaffen." ״War er der Jude?" ״Nein, Geduld — ein Anderer. Das Original wurde um 60,000 Lire verkauft — eine nette Summe, wie? . . . Ich verbrauchte zweieinhalb, beinahe drei Tage damit, meine Copie in Terracotta zu packen, liess sie heimlich brennen und versenkte sie dann auf ein halbes Jahr in eine Lagune. Als ich sie nach dieser Frist wieder herausholte — welche Farbe, welches Alter . . . eine Pracht! Ich konnte zufrieden sein. Ich ttug sie zu einem Antiquitätenhändler, so einem jüdischen Hallunken, und Sie hätten sehen sollen, was für Augen der Hund machte! Sein Blick glühte, seine Hände zitterten, ja er küsste thatsächlich meine Copie, als er rief: Ein wahrhaftiger Donatello! ... Ich hatte die Absicht gehabt, zweihundert Lire zu verlangen, jetzt aber, als ich sah, wie entzückt der Lump war, schlug ich tcmsend darauf." ״Zwölfhundert Lire — ist das nicht zu theuer?" frug er. ״Ich weiß nicht," erwiderte ich, ״es ist das nicht meine Sache; ein Freund sandte mir das kostbare Stück, um es für ihn zu verkaufen, uttd sein ursprünglicher Preis war fünfzehn- *) Aus den Mitteilung er! des ״Vereines zur Abwehr des Antisemitismur." Bürgerschulunterrichtes — ein sehr geeigneter Leitfaden zmn Unterrichte der Religionsideen. Dabei ist es, da sich in seinen Bitt- und Lobgesängen das tiefste religiöse Fühlen in ergreifender einfacher Sprache offenbart, in seiner Zweckmäßigkeit ein unvergleichliches Mittel zur Entwickelung des religiösen Gefühles. Nach solcharttger Vorbereitung dürfen wir zuversichtlich hoffen, dass der synagogale Gottesdienst selbst bei Auftechterhaltung der hebräischen Liturgie die Gefahr des Formalismus vermeiden könne und entsprechend seinem Beruf auf die mittelmäßig gebildete Claffe der kommenden Generation von Herzerhebender und sittenveredelnder Wirkung sein wird. Auf Grund all dessen gestaltet sich der allgemeine Lehrplan des Bürgerschul-Religionsunterrichtes folgendermaßen: I. Classe. a) Biblische Geschichte: Nach einer kurzen Darstellung der Urzeit Israels die Staatsbildung und nationale Consolidirung während der fortwährenden Angriffe des Heidenthums, schließlich die Concenttation des Gottesdienstes; mithin die Periode von Josua bis zum Tode Salomo's. 6) Religionslehre: Die Gotteserkenntnis des Judenthums und die daraus folgenden Heiligkeits-Bestrebungen. Die Heiligkeit (קדושה) als die auf Gott sich beziehende religiöse Ueberzeugung und Empfindung: Die wichügeren Religionsideen, Gottesdienst (Feiertage, Ceremonien) in Verbindung mit der Abhandlung der bedeutenderen gemeinschaftlichen Bestandtheile des Gebetsystems. H. Classe. a) Biblische Geschichte: Periode des Verfalls und Untergang des staatlichen Lebens und mit demselben der Kamps der Propheten im Interesse der Heiligkeit des Fühlens und Denkens; mithin von der Spaltung des Reiches bis zur babylonischen Gefangenschaft. b) Religionslehre: Die Heiligkeit als Handlung und sociales Lebensprincip: Individuelle Vollkommenheit hundert, aber er sagte, er würde es schließlich auch um zwölfhundert lassen. Ich will ihm noch einmal schreiben und fragen, ob er es noch billiger giebt." ״Danke," versetzte der geschmeidige Kerl, ״aber wie immer seine Antwort ausfällt, Sie lassen mir das Verkaufsrecht, ja!" ״Ich gieng heim und wartete eine Woche, um dem angeblichen Freunde Zeit zu seiner Antwort zu lassen. Dann'suchte ich wieder meinen lieben Juden auf und erzählte ihm mit enttäuschter Miene, dass mein Freund an seinem Preis von fünfzehnhundert festhalte, dass ich als Ehrenmann jedoch bei meiner Forderung von zwölfhundert bleibe, denn ich fühle mich verpflichtet, mein Wort zu halten." ״Gewiss!" bestätigte der Jude und zählte mir den Betrag auf; dann ersuchte er mich in seinem singenden Jargon, ihm nur wieder Sachen zu bringen, wenn ich welche fände. Seher: Sie die Gaunerei des Kerls?" ״Welchen Kerl meinen Sie?" ״Nun, den Juden natürlich! Er glaubte, einen echten Donatello zu erwerben, er wusste, dass er fünfzigmal mehr Werth war, als er mir zahlte, und so bettog er mich in j dieser infamen Weise!" E. M—y. * Dieses wahre Begebnis wird mir von befreundeter Seite aus Venedig übermittelt. Es trägt das charakteristische Merkmal antisemitischer Logik und Moral an sich: den Juden betrügen und dann sich als Bettogenen ausgeben. Der Sckmrke stahl die Copie, fälschte sie und beschwindelte den Händler. Alles das aber gilt nicht: der Gauner war doch nur der Jude! A. G. v. Suttner.

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