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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-03-21 · Heft 9 (21.3.1894) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 9 (21.3.1894)
Date
1894-03-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9. Mesterreichisch-ungarische Larrtoren-Aeünng. Seite 5. Pflichten der Nächstenliebe (Familie,' Vaterland, Menschheit) in Verbindung mit den auf das praktische Leben sich beziehenden Benedictionen der werktäglichen תפלה, ferner mit den הלל — Psalmen und geeigneten Sprüchen Salomo's. Aus den Letzteren sind in Mädchenschulen einzelne Verse jenes Capitels (Spr. 31 10—31.) in Originalsprache zu behandeln, welche das jüdische weibliche Ideal (אשת היל) schildert. IEL Classe. a) R eligio nsge s ch ich te: Die letzten Propheten als Verkünder des weltgeschichtlichen Berufs Israels, Erstehung der Synagoge, Entwickelung der traditionellen Lehre und ihrer Litteratur; demnach die Periode von der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft bis zum Abschluss des Talmud. ־b) Religionslehre: Die Heiligkeit als historischer Beruf Israels: Die Idee der Auserwählung, Messianismus (die Vervollkommung der Menscheit). Entsprechende liturgische Theile: Der sich ans den Sabbath, das Zeichen des ewigen Bündnisses, (ביית עולם) zwischen Gott und Israel beziehende 1ושמר; jene Theile im Abschnitt שמע, welche von den Zeichen sprechen, die zur Beobachtung der heiligen Lehren mahnen; jene Theile in den Festgebeten, welche für die Auserwählnng Israels und dessen zukünftige Hoffnungen ausdrücken. IV. Classe. a) Religionsgeschi chte: Inmitten der mittelalterlichen Unterdrückungen und Verfolgungen nimmt das Judenthnm Antheil an der geistigen Arbeit des Zeitalters, besonders an der wissenschaftlichen Forschung (arabisch- und spanisch-jüdische Philosophen und Dichter); die Thätigkeit welche auf dem Gebiete des Studiums der traditionellen Religionslitteratur entfaltet wird; die Emancipationsbestrebungen (mit besonderer Rücksicht auf Ungarn) und die Gegenwart. Jnsgesammt die Periode vom Abschluss des Talmud bis auf unsere Zeit. d) Relgions lehre: Zusammenfassung der erkannten Principien aus der Religionslehre und deren Entwicklung ans systematischer Basis. Kurze Uebersicht der Resultate und der religiöeen Litteratur der geschichtlichen Perioden. Systematische Bekanntmachung der Liturgie und Ceremonien, zu welcher noch als neuer Stoff besonders die Hauptgebete der zwei Bnßfeste hinzukommen. Kleine Chronik. Wien. Montag, den 12. März Nachmittags um V43 Uhr ist der greise Dichter Dr. Lndw. August Frankl Ritter v. H o ch w a r t eines plötzlichen Todes gestorben. Er war trotz seiner 84 Jahre noch bei vollster körperlicher und geistiger Rüstigkeit und hatte erst tags vorher einen Artikel für die ״N. Fr. Presse" ״Erinnerungen an die Märztage 1848" vollendet. Nachmittags um zwei Uhr nahm Frankl mit seiner Gattin und seinem Sohne in bester Stimmung das Mittagmahl. Er war bei gutem Appetit und nichts ließ die Katastrophe ahnen. Der Dichter war sehr gesprächig, doch plötzlich klagte er über Unwohlsein, sank im Sofa, auf dem er gesessen war, zurück und fiel in tiefe Ohnmacht. Trotz der fürchterlichen Bestürzung konnte sich der Sohn Dr. Lothar v. Frankl soweit fassen, dass er dem Vater ärztliche Hilfe angedeihen ließ und ihn ins Leben zurückzurufen versuchte; er musste jedoch bald erkennen, dass jede Hilfe vergebens war: Das Herz schlug immer schwächer und bald war kein Herzschlag mehr wahrznnehmen. Dr. Ludwig August Frankl war ohne jeden Todeskampf verschieden. — Der Verblichene war Präsident der deutschen Schiller-Zweigstiftung, Correspondent der Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, Ehrenmitglied der geologischen Reichsanstalt, der geologisch-botanischen Gesellschaft in Wien, der medicinischen Gesellschaft in Athen, des ״Mozarteum" in Salzbürg und anderer wissenschaftlicher Vereine/Ehrenbürger der Städte Wien, Chrast, Genna, Bases unb Tiberia in Palästina, Nossi voll Jerusalem, Ritter des Ordens der Eiserrieu Krvlie dritter Klasse, des Franz Joses-Ordens, Besitzer der Medaille für Kunst und Wissenschaft, Ritter des prenßischell Kronenordeus und vieler anderer hoher Auszeichnungen. — Bis zum Jahre 1882 war Dr. Lndw. August Frankl Secretär der Wiener Cultusgemeinde und hatte in diesem, durch seinen hervorragenden Geist erhöhten Wirkungskreise Antheil. all den großen Reformen der Cnltns- und Gemeindeordruulg, welche von der Wiener Cultnsgemeinde ausgiengell und ihr eineil Weltruf gründeten. Aus seine Initiative erfolgte auch die Gründung des Wiener israel. Blindeninstitutes aus der hohen Warte, das sich sinlrreich in Frankls Adelsprädikat ״Ritter v. Hochwart" wiederfilldet. Auch sonst hat der vielseitige Mann in Wien schöne Spurell seines reichen und thätigen Lebens hinterlassen. Von ihm gieng die Anregung aus zur Errichtung des Schiller-Denkmals, Lenau llnd Anastasius Grün dairken ihm ihre Denkmäler in der so ehrenvollen Nähe des Schiller-Monumentes nnd--ans seine Ver anlassung entstand auch das Beethoven-Denkmal. — Die Kunde von seinem Ableben hat um so schmerzlicheres Erstaunen wachgerufen, da er erst vor Kurzem seinen 84. Geburtstag bei vollster Rüstigkeit feierte. An dem Leichenbegängniße, das Mittwoch den 14. d. M. stattfand, betheiligten sich die vornehmsten Wiener Gesellschaftskreise. In endloser Wagenreihe folgten die Leidtragenden dem Sarge vom Tra1.׳erhallse alis aus den Centralfriedhos, woselbst der Condnct um '/21t Uhr Vormittags gnlangte. Nachdem der einfache Sarg ans die Estrade im Ceremoniensaale gestellt lvorderi, e.recntirte Ober-Eantvr Singer die üblichen Tranerpsalmeli. Hierauf sprach Ober- Rabbiner Dr. Güdemann folgenden Nachruf: ״Ein langes und glückliches Leben war dem weit und breit bekannten und von Vielen verehrten Manne beschieden und dieses glückliche Leben wllrde durch einen ebenso glücklicherl Tod abgeschlossen. Sein Weg lief auf der Sonnenseite des Daseins, ans welcher keiner von den Schatten zu sinden ist, die so nranches Leben verfinstern. Aus eine kaum von ernstlicher Sorge getrübte Jugend folgten Mannesjahre, in welchen es ihm vergönnt ivar, schriftstellerischen Ruhm an seinen Namen zu knüpfen und durch seine Liebenswürdigkeit die Freundschaft der Besten zu erringen. Sein Alter blieb frei von körperlichen Gebrechen und wetteiferte an geistiger Frische mit seiner Jugend. Sein Ende aber macht das Bild von der Nacht des Todes zu Schanden, denn sonniger kann kein Ende sein, als das seinige gewesen. Am Hellen Mittag, bei angeregtem Gespräch, im Kreise der Familie, während des Gastmahles dahinsinken, das heißt beinahe nicht sterben, das heißt über die Grenze, welche das Diesseits vom Jenseits scheidet, hiuüberschlummern. So. muß denn hier jede Klage verstummen und es gilt der weise Satz des Predigers, nnd seine noch tveisere Auslegung:'״Glücklich das Ende, wenn Alles vom Anfang an glücklich war." Wenn lvir aber vom Ende ans den Anfang zurückblicken, dann müssen wir anerkennen: er hat von Anfang an darnach gestrebt, durch unermüdliche Thätigkeit, durch eine verständige Anwendung der ihm von Gott verliehenen Gaben und durch eine würdige Lebensführung sein Glück zu verdienen. Selten hat es wohl einen Dichter gegeben, der Ideales mit Praktischem so zu vereinen verstand, dass schwer zu entscheiden ist, auf welchem von beiden Gebieten er mehr zu Hanse war. Aber soviel ist jedenfalls gewiss: Zu den Dichtern, die bei der Theilung der Erde zu spät gekommen sind, hat. er nicht gehört. Er hat es weit gebracht, zu großer! Erfolgen, zu hohen Ehren, zu einer behaglichen Lebensstellung, aber was für ihn der oft beneidete Erfolg und die oft rnißgörrnte Ehre war, das war Vielen ein Gewinn, und man kann die berechtigte Eigenliebe nicht schöner, als er es gethan, mit Patriotismus, Burgersinn und Nächstenliebe verbinden. Ich brauche die segensreichen Institute und die Denkmale nicht erst zu nennen, die unsere Stadt allein seinen unermüdlichen Bemi'rhungen zu verdanken hat. So ist ein reiches Leben, das zugleich Andere bereichert hat, hier abgeschlvssen. Was ihm selbst aber als kostbarer Besitz und höchster Reichthnm galt und gelten durfte, das war sein Familienleben. Eine Gattin, die wie wenige aus die Bestrebungen des Gatten einzugeheu

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