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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-03-11 · Heft 8 (11.3.1894) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 8 (11.3.1894)
Date
1894-03-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieitüng. Nr 8. Liebe und Hochachtung der ganzen Gemeinde. Die Trauerfunction hatte Herr Cantor G r u s ch k a aus Mähr. Kromau in freundschastlicher Weise besorgt und machten feine erhebenden Gesauge unter Mitwirkung des Tempelchores einen tiefen Eindruck. An der Bahre hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Goldschmied einen tiefempfundenen Nachruf und blieb hiebei kein Auge thränenleer. 'ת, נ' צ' ב' ה Prag. Mittelst Erlasses der hochlöblichen k. k. Statt- Halterei vom 1. März 1894 Z. 2558 wurde der czechischjüdische Nationalverein in Prag aufgelöst und gleichzeiüg die gesammte Thätigkeit des Hauptvereines sowohl als auch aller seiner Ortsgruppen eingestellt. In dem erwähnten Erlasse wird darauf hingewiesen, dass der Verein, der den Zweck hatte, ״auf das einträchtige Zusammenwirken der Czechen jüdischer Confession mit anderen czechischen Connationalen in nationaler, geistiger und volkswirthschastlicher Beziehung einzuwirken," durch Herausgäbe von Broschüren rein politischer Tendenz, die für die Thätigkeit eines nichtpolitischen Vereines zulässigen Grenzen überschritten habe. Der Verein hat weiter in einer Eingabe an die k. k. Statthalterei angesucht, dass den Statuten der israelitischen Cultusgemeinde in Prag die behördliche Genehmigung verweigert werde, wenn in denselben als Geschäftssprache der Gemeinde die deutsche Sprache bestimmt wäre. In dieser Eingabe wurde gleichfalls eine unberufene Einmengung des Vereines iit eine ihm nicht zugehörige Angelegenheit erblickt. Der Vereinsobmann, Professor Zucker, wurde gleichzeiüg aufgefordert, das Vereinsvermögen der Behörde zu übergeben. BrüZe. Herr Moriz Kurzweil, Cantor und Religionslehrer in Salzburg, wurde nach beifällig aufgenommenem Probevortrage hierorts als Cantor accepürt. Graz. Der Gemeinderath der Stadt Graz hatte jüngst mit 22 gegen 10 Stimmen beschlossen, das jüdisch-rituelle Schächten im städtischen Schlachthause und im Bereiche der Stadt abzuschaffen. Auf einen diesbezüglichen Recurs der Grazer Cultusgemeinde hatte die Statthalterei die vorläufige Sisürung dieses Beschlusses verfügt und zur weiteren Prüfung der Angelegenheit das gesammte Actenmaterial abverlangt. Jägerndorf, 6. März. Aus Anlass des 25-jährigen Amtsjubiläums des hiesigen Cantors, Herrn Samuel Grünb l att, wurde über Vorstandsbeschluss am Samstag, den 3. d. M. im hiesigen Tempel, der bis zum letzten Platze von angesehenen Persönlichkeiten gefüllt war, (wir bemerkten unter Anderen auch den Freiherrn v. Jmh o f) ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, der einen nachhaltigen Eindruck bei den Anwesenden zurückließ. Die Feierlichkeit nahm folgenden Verlauf: Nachdem der Jubilar den Gottesdienst mit seiner markigen und sympathischen Stimme in gewohnter, erbaulicher Weise versehen hatte, wurde derselbe vom Herrn Rabbiner Anschlowitz zu Mastir aufgerufen und Sr. Ehrwürden sprach sodann einen von ihm selbst verfassten hebräischen Ni scheberach. über den Jubilar. In der hierauf folgenden Ansprache, welche den Anwesenden Freudenthränen entlockte, würdigte der Herr Rabbiner die aufopfernde und erfolgreiche Thätigkeit des Jubilars und hob hervor, wie beglückend es für denselben sein muß, sich sagen zu können, ich habe meine Pflicht tteulich erfüllt! Zum Schluss sagte er: Der Jubilar habe seit 25 Jahren mit inbrünstigem Herzen an dieser Stelle in Freud und Leid für uns gebetet, so lasst uns auch einmal für i h n beten, und ein inniges und gemüthvolles Gebet entsttömte den Lippen des hochgeschätzten Seelsorgers, welchem sich die ganze Gemeinde aus tiefstem Herzen anschloss! Eine große Anzahl junger Damen und Herrn, zumeist Schüler und Schülerinnen des Jubilars, sangen hierauf eine zu diesem Feste einstudierte Jubelhymne, die im großen, schönen Tempel sehr weihevoll erklang. Tief ergriffen und mit dem Bewusstsein, einen Würdigen gefeiert zu haben, verließen die Andächügen den Tempel. Nach dem Gottesdieste begab sich eine Deputation des Cultusvorstandes, geführt voll ihrem verdienstvollen Vorsteher Herrn Jul. Pollak, in die Wohnung des Jubilars. Der Herr Vorsteher hielt eine besonders warme Ansprache an den Jubilar und betonte unter Hinweis auf die großen Verdienste des Jubilars, wie stolz die Gemeinde darauf sei, dass dieser sein Ehrentag so glänzend ausgefallen sei, was die allgemeine freudige und innige Theilnahme aufs Beste beweise; welch' besonderer Beliebtheit und Werthschätzung der Jubilar sich in der ganzen Stadt erfreue, und überreichte dem' Gefeierten eine sehr namhafte Ehrengabe in Werthpapieren. Sichtlich ergriffen, dankte der Jubilar für die ihm in so hohem Maße zu Theil gewordene Auszeichnung. Sodann erschien eine Deputation der hiesigen Chewra-Kadischa und eine Abordnung des hiesigen Gesangsvereines, dessen Mitglied und langjähriger Solist der Jubilar ist, die die besten Wünsche der Vereine überbrachten. Und nun kameir unzählige Gratulanten, Damen und Herren, den ganzen Tag hindurch bis spät am Abend. Selbstverständlich fehlte es auch nicht an sehr werthvollen, sinnigen und zahlreichen Geschenken, mit welchen sich die Verehrer und Freunde des Jubilars in liebenswürdiger Weise einfandeli. Abends wurde im Hause des Herrn Cantor Grünblatt ein kleines Bankett gefeiert, an welchem circa 40 Personen theilnahmen. Herr Dr. Jur. Beer hielt wiederum eine sehr launige, mit großem Beifall aufgenommene Ansprache und meinte zum Schluffe, nachdem der Herr Cantor seit 25 Jahren für uns gesungen, so lasst uns auch einmal heute für ihn singen, und das anwesende Chorpersonale stimmte einige Gesänge an, welche vielen Beifall fanden. In gehobenster und gemüthlichster Stimmung löste sich die Gesellschaft längst nach Mitternacht auf! Im Laufe der Tage liefen unzählige Glückwünsche von auswärtigen College» und Freunden des Jubilars ein, darunter erregte ein von Herrn Ober-Cantor Bauer gesandtes, prächtiges hebräisches Gedicht großen Beifall. Die in Jägerndorf erscheinende ״Tagespresse", sowie die in Troppau erscheinende ״Schlesische Presse" brachten sehr schmeichelhafte Berichte über diese so schöne und würdige Feier. Mit Stolz und Genugthuung darf der Jubilar auf diesen seinen Ehrentag zurückblicken! Und die Gemeinde, die ihren Beamten in so liebenswürdiger ehrenvoller Weise ausgezeichnet, hat auch s i ch damit geehrt! Diese herrliche Feierlichkeit war also ehrenvoll für den Jubilar, ehrenvoll für die hiesige Cultusgemeinde, nicht minder ehrenvoll für den ganzen Cantorenstand. Wir wollen nun den Bericht mit dem innigen Wunsch schließen: es möge dem hochgeschätzten Jubilar vergönnt sein, in ungeschwächter Kraft und Gesundheit sein 50-jähriges Jubiläum in hiesiger Gemeinde feiern zu können, zur Freude seiner Angehörigen und zur Freude der ganzen Gemeinde. Vielleicht ist es für einige Herren Collegen von Interesse zu erfahren, dass der Herr Grünblatt in Mähr.-Ausse 1844 geboren und ein Schüler des verewigten Meisters Snlzer ist. Die einzige Tochter des Herrn Grünblatt ist an den Ober-Cantor Singermann in Troppau verheiratet. Lrrnberg. Am 29. Jänner ist der berühmte Belzer Wunder-Rabbi, R. Josua Rokeach, gestorben. Er hatte sich in Wien einer Operation unterzogen, die sich nachträglich als mißlungen herausstellte. Trotzdem eilte er nach der Heimat zurück, wurde aber unterwegs im Eisenbahncoups vom Tode ereilt. Der Verstorbene, dessen Hinscheiden in den orthodoxen Kreisen unserer Bevölkerung aufrichtig beklagt wird, stand im 70. Lebensjahre. Er nahm regen Antheil an der Entstehung des Vereines .,Macbsike Hadatb“, welcher im Jahre 1879 begründet, in den ersten Jahren seines Bestehens eine rührige Thäügkeit entfaltete. Der Belzer Wunderrabbi war der unsichtbare, geisüge Lenker des Vereines in seinen wichtigsten Unternehmungen; erwähnenswerth ist unter Anderem der vom genannten Verein inszenirte Protest gegen den vom ״Schomer Israel" einberufenen ״Gemeindetag", an welchem sich gegen 300 galizische Gemeinden betheiligten, die Entsendung des Krakauer Rabbiners Schreiber in den Reichsrath als Vertreter des Kolomäer Wahlbezirkes und schließlich die Rabbinerversammlung in Lemberg im Jahre 1882, deren Hauptthätigkeit die Abfassung eines Musterstatutes für die galizischen Gemeinden war, mit der Tendenz, den Einfluss der orthodoxen Rabbiner gegenüber den neologen Bestrebungen zu sichern. In den letzten Jahren jedoch, wo der Verein allen Einfluss verlor und nur sein hebräisches Organ übrig blieb, zog sich der Verstorbene vom politischen Leben zurück, und nur bei seltenen Anlässen vertrat er seine Bestrebungen, welche den Boden verloren haben, um neuen Strömungen Platz zu machen?

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