Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 8 (11.3.1894)
- Date
- 1894-03-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieitung. Seite 7. Ordrnburg. Im hiesigen Cultnstempel findet Sonntag den 11. März die Trauung des Fräulein Hermine Thal er, Tochter unseres beliebten Ober-Cantors Moriz Thal er, mit Herrn, Edmund Spitzer statt. Neuprst, 14. Mürz. Herr Salomon Scheib er, 2. Cantor und Rabbinats-Stellvertreter zu Nenpest, .steht seit einem halben Jahrhundert im Dienste der Religion und von ihm kann man mit Recht behaupten, wie es in der letztverlesenen Haftara heißt, tri be’emunoli hem aussim, dass er sein Amt mit aufrichtiger Treue und besonderer Hingebung ansübte. In der hiesigen Gemeinde wirkt Herr Scheiber seit 25 Jahren als 2. Cantor und Rabbinats-Stellvertreter und aus diesem Anlasse, in Würdigung seiner außerordentlichen Verdienste um die Gemeinde, deren Wohl und Interesse er stets vor Augen hatte, veranstaltete der Cultns-Vorstand am letzten Sabbat eine Jubilüums-Feier, an der alle Berufsclassen mit gleicher Anerkennung für den Jubilar theilnahmen. Der Mnssaf-Gottesdienst war früher als gewöhnlich bestimmt und war auch besuchter als sonst. Der Vorstand beehrte Herrn Scheiber mit Schelischi, und Herr Obercantor Weiß recitirte mit seiner klangvollen Stiinme einen meisterhaften Mischeberach, welchen Herr Rabbiner Schwarz zu dieser Gelegenheit verfasst hatte. Nach dem Vorlesen der Thora besüeg Se. Ehrwürden die Kanzel und schilderte anknüpfend an den Wochenabschnitt das Äisohhan in seinen 3 Räumen. Auf die Verdienste d es Jubilars zurückkehrend, stellteer die jüdischen Beamten als diejenigen hin, welchen es erlaubt ist, in das Allerheiligste zu treten, denn sie sind es, die berufen sind, die Religion zu verbreiten und zu hüten. Nach Beendigung des Gottesdienstes begab sich eine Deputation des Vorstandes, vom Vice- Präses Herrn Ad. König geführt, in die Wohnung des Jubilars und überreichte ihm einen Protokolls-Auszug, worin ihm die Anerkennung für seine 25jährige eifrige Dienstleistung und aufopfernde Thätigkeit ausgedrückt wird, nebst einem prachtvollen Silber-Pokal mit der Inschrift: ״Für die treue 25jährige Amtsthätigkeit in unserer Gemeinde". ־W. Neutra. Herr Markus Krasznianski (ein Schüler des Ober-Cantor Bauer in Wien) hielt am 24. Februar hier in Neutra einen Probevortrag und fand solch großen Beifall, dass er über allgenieinen Wunsch am 3. Mürz nochmals vortragen musste und sodann einstimmig zum Cantor der hiesigen Gemeinde gewählt wurde. Fvgarvs. Am 27. Februar a. c. fand im hiesigen israelitischen Tempel unter allgemeiner Theilnahme der Bevölkerung die Trauung des Herrn Johann Deixle'r aus Groß-Becskerekmit dem hochgeachteten Fräulein Cipora Grünf eld statt. Den Trauungsact vollzogen Herr Rabbiner Jordan Sandor, der eine schwungvolle Traurede in deutscher Sprache hielt, und Herr Ober-Cantor Josef Rosengarten, der mit seiner klangvollen Stimme und seinem sympathischen Vortrag, sowie durch den geschulten Gesang des von ihm in relativ kurzen Zeiträume herangebildeten Knabenchores die Zuhörer entzückte. Abends versammelten sich die Hochzeitsgäste zu einem fröhlichen Hvchzeitsmahle, bei welchem durch geistreiche Tischreden und durch schöne Gesangsvorträge die Festfreude wesentlich erhöht wurde. Siklvs. Am 13. v. M., am 7. Adar, dem Geburts- und Sterbetage unseres großen Lehrers Moses, hielt Herr Rabbiner Roth eine Gedenkrede für den unvergesslichen Dr. Jellinek. Anknüpfend an die Worte der laufenden Parescha ״Mache deinem Bruder Aron heilige Kleider zum Ruhme und zur Pracht", schilderte der Redner in glanzvollen Farben, wie Jellinek zum Ruhme des Judenthums in Wort und Schrift wirkte, wie er mit imerreichbarer Eloquenz das Judenthum vertheidigte und stets darauf hinwies, von welchem Geiste der Humanität die Thora durchweht sei, dass ihr Alfa und Omega die Menschen- und Tugendliebe ist. Seine Worte waren bald wie ein Feuer, welches erwärmt, bald wie ein Hammer, welcher alle Vorurtheile zerschmettert. Es rollte in seinen Adern das Blut der Makkabäer, und man konnte bei diesem. Hohepriester Aron das Wort der Schrift anwenden: ״Seine Stimme wurde im Heiligthüme vernommen", im Heiligt thnme und auch wenn er aus dem Heiligthüme gieng. Und daher starb er nicht, er bleibt für die Juden aller Länder um sterblich. Die Rede, trotz der Kränklichkeit des Herrn Rabbiners mit jugendlicher Begeisterung gesprochen, übte einen nachhaltigen Eindruck ans alle Zuhörer und allgemein wurde der Redner beglückwünscht. Hannover. In einem Vortrage über den ״Roggen, das Urkorn der Jndogermanen", den Herr Oberlehrer a. D. Dr. Meyer aus Hannover auf der 24. allgemeinen Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft in Hannover gehalten hat, giebt er den Nachweis, dass die Juden Jndogermanen sind. Dieser Vortrag liegt im Dezemberheft des ״Correspvndenzblattes" gedruckt vor (S. 121 ss.) Darin heißt es, dass nach dem Zeugnis der Bibel selbst Abraham ein indogermanischer Stammessürst, ein Herzog gewesen sein muß und das Volk Inda indogermanischen Ursprungs sei. Es ist hier nicht der Ort, die einzelnen wissenschaftlichen Angaben des gelehrten Verfassers zu prüfen, interessant bleiben sie aber deswegen, weil sie beweisen, wie wenig positive Stützen die Betrachtung der Judenfrage als Rassenfrage seitens der Anthropologie erhält. LUeralur. In stiller Andacht. Lied vor der Predigt, für Soli, Chor und Orgelbegleitung, componirt von Einil B r o d Verlag S. W. Pascheles, Prag. Leichte und stiinmnngsvolle Melodierührung, rein und correct gearbeiteter Orgelsatz sind die Vorzüge dieses vom Sohne des Ober-Cantor Brod in Prag dem Herrn Obcr-Rabbiner-Stcllvcrtretcr Dr. M. Tauber als Jubiläumsgabe gewidmeten Liedes, dessen Wirkung gerade durch seine Einfachheit gehoben wird. Der jugendliche Componist bat mit dieser kleinen aber gelungenen Arbeit immerhin einen schönen Beweis seines musikalisch cn Könnens geliefert, und der Erfolg, den die Composition bei ihrer ersten Aufführung erzielte, wird dem Autor sicherlich als Ansporn zu fernerer Thätigkeit ans diesem Gebiete dienen. Der Barbier von Schufchan von Hermann Cohn, Hauptlchrer. Im Berlage von I Kauffmann, Frankfurt a. M. ist soeben als willkommene und zeitgemäße Bereicherung der Purim-Littcratur obiges Purimspiel mit Gesang in fünf Acten (nebst Notenanhang) .erschienen. Würziger Humor und Neichthnm an komischen Situationen werden dem Leser dieses lustigen Schwankes einige fröhliche Stunden bereiten, und da aitch der Darstellung keine besonderen Schwierigkeiten begegnen, kann dasselbe als Pnrimspiel bestens empfohlen werden (Preis 1 sl. 25 ö. W.) Chaustom Kodesch von Jacob Löwin, Schächter in Sadagora. Eine praktische, in hebräischer Sprache geschriebene Anleitung für Diejenigen, welche sich zu Mohelim heranbilden wollen. Das Büchlein ist von hervorragenden Nabbiwm und Talmudgelehrten bestens empfohlen und kann in Folge seines mäßigen Preises (50 kr. ö. W ) von Jedermann leicht erworben werden. Atrrath Itzchak. Dieses von Herrn Cantor I. Schiller in Wien für alle Traucr-Casualien heransgegebenc Andachtsbuch hat vermöge seiner umfassenden Vollständigkeit sich rasa, beliebt gemacht. Als bester Beweis hiesttr dient der Umstand, dass dasselbe, obwohl erst vor Kurzem erschienen, nunmehr schon in zweiter Auflage vorbereitet wird, die sich bereits in Druck befindet. HrMcaLionerr öe5 österr.-mrgar. HairLoreir-MeremeS. Durch das Ableben des Vereinsmitgliedes, Herrn Cantor Abraham Krämer in Freudenthal, sowie durch die vor Kurzem eingetretene Berufsunsähigkeit des Bereinsmitgliedes Herrn Cantor Simon N u s s ö a u m in Holleschau, sind der Vereinscassa zu gleicher Zeit ein Witwen- und ein Jnvaliditätsbeitrag erwachsen. Indem wir die geehrten Mitglieder auffordern, den statutarischen Pflichtbeitrag von je 1 sl. für jeden einzelnen Fall an den Vereinscassier einzusenden, müssen wir dringendst ersuchen, diesmal mit der Einsendung nicht zu säumen, da die möglichst rasche Liquidirung des Witwenbeitrages in Anbetracht der Prekären Lage der Hinterbliebenen uns zur Pflicht gemacht ist. * * * lieber Anregung des Vereinspräses Ober-Cantor I. Singer hat Sr. Hochwohlgeboren Herr Baron Alexander Popper von Podrayhy dem österr.-nngar. Cantorenl Vereine eine Spende von dreihundert Gulden ö. W. gewidmet.