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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-03-01 · Heft 7 (1.3.1894) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 7 (1.3.1894)
Date
1894-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 5. 1. Im Grunde genommen, hat der Religionsunterricht an Mittelschulen sich auf drei Gegenstände zu erstrecken, u. zw. a) Religionsgeschichte, b) Religionslitteratur, c) Religio ns- und Morallehre. Alle drei Richtungen müssen in jeder einzelnen Classe zur Geltung kommen und von diesem Gesichtspunkte aus ist der Lehrstoff jeder einzelnen Classe festzustellen. 2. Als Mittelpunkt hat immer jener Gegenstand zu dienen, der der geistigen Entwicklung und Fähigkeit des Schülers am besten entspricht und an den sich die übrigen Gegenstände gleichsam als Ergänzung anschließen. Demnach wird in den unteren drei Classen die Geschichte, in der IV.—VII. Classe die Litteratur, in der VIII. Classe Religions- und Morallehre her Mittelpunkt des Unterrichtes sein. 3. In den ersten drei Classen streben wir dahin, die Schüler mit jenen wichtigeren Thatsachen der Geschichte Israels bekannt zu machen, aus denen einerseits die göttliche Vorsehung hervorleuchtet, mit welcher uns Gott zu einem religiösen Volke erzogen und bis zum heuttgen Tage erhalten hat und aus denen wir andererseits jenen Kamps Md jene hingebungsvolle Thätigkeit zum Verständnis der Kinder bringen, welche unsere Vorfahren zu dem Behufe entfalteten, damit die Wahrheit unserer Religion anerkannt werde, damit sie dieselbe vertheidigen, bewahren und uns, ihren Nachkommen, als Erbgut geben. Die Ausgabe der litterarischen Religions- und Morallehre in dieser Classe wird diejenige fein, diese Bestrebungen und Kämpfe mit größerer Anschaulichkeit und belebt durch die Behandlung unserer Institution und Cardinalsatzungen aus Grund des heiligen Urtextes vor die Seele unserer Schüler zu führen, damit wir gleichzeitig eine Art Propädeutik zu den späteren eingehenderen litterarischen Studien bieten. In der I. Classe ist die älteste Geschichte Israels von den Patriarchen bis zur Landeinnahme zu behandeln, in der II. Classe von der Landeinnahme bis zum Ende des Prophetenthums. In der III. Classe vom Ende des Prophetenthums und dem Anfang der Diaspora bis zur Gegenwart. (Fortsetzung folgt.) Zur Schächtsrage. (Schluss.) ״Gewiss, auf dem Gebiete des Thierschutzes sollte viel mehr geschehen. Aber ist es nicht recht eigenthümlich, dass sich in unserer Zeit die Thierschutzbestrebungen mit solchem Eifer und solch heiliger Entrüstung gerade auf das Schächten lenken? Man behaupte nur, das Schächten ist eine ausgesuchte Grausamkeit, man mache nur ein wenig Volksagitation, und wie bald wird eine solche Annahme zum Dogma, dem sich Tausende Ungebildete und Gebildete mit heiligem (?) Fanattsmus hingeben. Immerhin, ein Missbrauch soll den andern nicht rechtfertigen. Wenn es wirklich ausgemacht wäre, dass das Schächten im Vergleich zu der christlichen Schlachttnethode eine größere Grausamkeit darstellte, so wäre auch ich der Meinung, dass es abgeschafft werden müsste. Aber wie steht es denn damit? Sie selbst, veehrter Herr Doctor, lassen diese Frage unentschieden. In der That dürfte sie schwer zu entscheiden sein.. In der uns beiden vorliegenden Schrift des Sanitätsarztes Simon zu Rathenow ist sogar das Schächten als die minder grausame Schlachtungsart bezeichnet. Da dieser Herr nun zufälligerweise ein Christ ist, so beweist er jedenfalls durch seine Vertheidigung des Schächtens, dass er ein ״Judenknecht" ist, und bei dem verdächttgen Klang seines Namens dürfte es auch nicht schwer sein, seine jüdische Abstammung, wenn auch nicht zu beweisen, so doch zu behaupten. Nichts für ungut, nicht Sie werden diesen Vorwurf erheben aber Sie werden mir Recht geben, wenn ich diese Befürchtung von Andern hege. Aber nun hat der Mann nicht nur behauptet, sondern außer eigener physiologischer Untersuchung bringt er auch die Aeußerungen einer Reihe anderer Physiologen, nicht nur des ״Judenknechts" Virchow, sondern auch von Du Bois- Reymond, Gerlach und vielen anderen. Möglich, dass andere Physiologen anders urtheilen, aber so lange diese Verschiedenheit des Urtheils bei den Fachmännern besteht, wie sollen wir Laien über eine solche Frage urtheilen? Und urtheilen Sie selbst, verehrter Herr! Welche Art der Tödtung scheint Ihnen die unangenehmere? Ich muß gestehen, ich wüsste nicht, wozu ich mich lieber entschließen sollte, mir mit einem scharfen Messer die Kehle durchschneiden lassen zu sollen, oder mir mit einer Axt ein oder mehreremale vor den Kops schlagen zu lassen. Die einzigen, die darüber ein kompetentes Urtheil hätten, sind darüber nicht wohl ausfragbar, zumal da ihre diesbezügliche Erfahrungen immer nur einseitige wären. Doch lassen wir den Scherz bei Seite. Die Frage ist in der That zu ernst dazu. Ich fasse zusammen: Bei der menschlichen Unzulänglichkeit, über die Qualen dieser verschiedenen Tödtungsarten ein definitives Urtheil abzugeben, und bei der Meinungs- Verschiedenheit competenter Beurtheiler sind wir nicht berechttgt, zu behaupten, das Schächten involvire eine größere Grausamkeit als die Schlachtmethode der Christen. Und es dürfte vorerst nicht die einzige Aufgabe der Humanität sein und bleiben, die nöthigen Garantien zu schaffen, dass bei jeder dieser Schlachtarten unnöthige Qual möglichst vermieden werde. Es dürste also vor allem einmal die Aufmerksamkeit auf die Art des Schweineschlachtens, wie es auf dem Lande geübt wird, zu richten sein. Uebrigens ist gerade die größtmöglichste Schonung des Thieres bei den Juden mindestens beabsichtigt, und die zum Schächten zugelassenen Personen müssen vorher eine Prüfung bestehen und stehen unter möglichst genauer Controle. Nun wollen wir aber noch einen Schritt weitergehen. Wir wollen sagen: Wenn es nicht zu entscheiden ist, welche Schlachtart die humanere sei, warum nehmen sie denn nicht aus die einmal bestehende Meinung der Christen Rücksicht, warum müssen sie in solchen Aeußerlichkeiten ihre Besonderheiten beanspruchen? ״Eine Schlachtmethode ist doch zunächst für die Frömmigkeit indifferent." Gewiss. Für uns Christen ist das gesammte Ritualgesetz hinfällig und es erscheint uns als eine Verkehrung der Frömmigkeit, wenn man ihre Ausgabe in solchen Aeußerlichkeiten sucht. Aber um darüber das rechte Urtheil zu erlangen, ist es doch erforderlich, dass wir den anderen nicht nur nach unserem Standpunkt beurtheilen, sondern dass wir ihn von seinem Gesichtspuntte aus, nach den Bedingungen seiner Geschichte, seiner Religion zu verstehen suchen. Wie viel müssen wir Protestanten doch in dieser Hinsicht von den Katholiken vertragen, ihr ganzer Heiligen-, Reliquien- und Ceremoniendienst, wie lächerlich erscheint uns derselbe von unserem Gesichtspunkte aus! Und doch stehen wir vor der Thatsache, dass sie selbst, unter denen es doch auch viele hochgebildete und herzlich fromme Menschen giebt, diese Dinge für ehrwürdig erachten. Und dürfen wir uns dariiber wundern, wenn wohlgesinnte, und kluge Nicht- Protestanten den Kopf schütteln über die dogmattschen Streitigketten der Protestanten? Und dennoch verlangen wir eine achtungsvolle Schätzung Und Beurtheilung dieser Anfichten auch vorr den Andersdenkenden und sind besonders im kirchlichen

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