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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-03-01 · Heft 7 (1.3.1894) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 7 (1.3.1894)
Date
1894-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 7. dem Mitarbeiter lohnend ist, höchstens als unterhaltende (?) Gteüen-Nachweisung für darbende sogenannte Cultusbeamte, welche gemässigt sind, einen Hungerleidensposten niit einem gleichen oder gar minderwerthigen zu wechseln; die ferner als stylübende Uebergangsbrücke für ungarische und polnische Bachnrim gilt, weil sie lediglich Don Cultusbeamten gefördert und gelesen wird, höchst selten Liber vom jüdischen Publicum — dem muß mein Erscheinen auf der Bildfläche, die Wiederaufnahme meiner jüd. Geschichtsarbeit, und gar über die wie vorstehend erörterte heikle Gegenwart erst recht auffallen, und ich gestehe offen, dass ich eigentlich mit mir noch im Unklaren bin, ob sie überhaupt an die Oeffentlichkeit treten soll und wird. Selbst meine in der ersten Correspondenz dieser Arbeit gegebene Zusage, Ihnen in einer Reihe von Briefen meine 60-jährigeu Erlebnihe und Erfahrungen auf dem Gebiete des Judenthmns und der Judenheit zu über- Mitteln, also quasi ein Versprechen, würde mich nicht vermocht haben, den Weisheits-Zaun, d. h. Schweigen, zu übersteigen, weil thatsächlich unliebsame Zustände zur Sprache gebracht werden müssen, die schließlich zu noch entschieden unliebsameren Controversen führen können, wozu mein Alter sich nicht mehr eignet. Jndess bewährt sich hier wiederum jenes Wahrwort: Kleine Ursache, große Wirkung. (?) ״E oder Ei, eine grammatikalische Plauderei" in Nr. 39 der ״Zeitschrift des Judenthums" d. I. von Lehrer L. Katz in Raübor, drückte mir wiederum die Feder in die Hand und vermochte mich, mein gegebenes Versprechen trotz aller erörterten Bedenken zu lösen. Die baldmögliche Aufnahme dieser 38. Correspondenz meiner Geschichts-Arbeit bedingt deren Fortsetzung und verharrt in dieser Zuversicht Ihr Correspondent a. d. Riesengebirge. Der jüdische Religionsunterricht in Budapest. (Fortsetzung.) Die eingehendere wiederholende Behandlung der zuletzt bezeichneten Periode ist nebst dem litterarischeu Unterricht Aufgäbe der folgenden Classen; nur dass uns hier, wie bereits oben darauf hingezielt, nicht so sehr der poliüsche, als vielmehr der religionsgeschichtliche Gesichtspunkt leiten wird. Es darf nämlich im Mittelschul-Religionsunterricht jener wichtige Umstand nicht außer Acht gelassen werden, dass in dem nachbiblischen Zeitalter zwischen der politischen und socialen Stellung der Juden einerseits und der Entwicklung des jüdischen inneren Lebens, der religiösen Institutionen, Traditionen und Ideen andererseits der innere Zusammenhang und die Wechselwirkung in den entsprechenden geschichtlichen Perioden nicht in solchem Maße, wie ehedem, oder wie sich dies zwischen dem politischen Leben und der geistigen Entwicklung anderer Völker zu zeigen pflegt, vorhanden war. Mit den letzten Worten der Propheten ver- Hallen auch die Rufe der ״Offenbarung". Von dieser, als von einer festen unveränderlichen Basis ausgehend, geschieht Ne Ent- Wicklung des religiösen Denkens der späteren Zeit hauptsächlich auf dem Wege der Aufarbeitung der sich dqrstuf begehenden ״Tradition" und der Schristexegese, auf welche He süßeren geschichtlichen Verhältniße natürlich keinen — Mersitzstens nicht bewussten — starken, allgemeinen Einfluss haben konnten. Das poliüsche Leben der Juden hört, besonders nach der Zerstörung des zweiten Tempels, auf, als wichüger Factor in der Umgestaltung des religiösen Lebens eine Rolle zu spielen. Mit Rücksicht auf diesen Umstand kann der eingehendere Unterricht der jüdischen Geschichte der Mittelschule hinsichtlich der nachbiblischen Zeit am geeignetsten im religionsgeschichtlichen Rahmen geschehen, nämlich derart, dass wir in jenen Classen, in welchen man die Geschichte systematisch lernt (bei jährlich ungefähr 18sttindiger Behandlung) die durchgenommenen geschichtlichen Perioden mit den entsprechenden Abschnitten der jüdischen Religionsgeschichte und der damit verbundenen skizzenhast vorgettagenen poliüschen Geschichte ergänzen. Wir müssen die Rolle vorführen und würdigen, welche das Judenthum in dem allgemein menschlichen culturellen Streben jener Völker eingenommen, welche in der Weltgeschichte auftteten, besonders Gewicht auf jene Momente legend, welche auch im Gang des jüdischen Lebens Abstufungen bilden und in denen die Achtunggebenden religiösen und ethischen Principien zum Leben erwachend in bleibenden Jnstttutionen, in litterarischen Werken von entschiedener Richtung Ausdruck finden. Dadurch bringen wir auch den charakterisüschen, individuellen Beruf des Judenthums gegenüber den culturellen Besttebungen, dem Glauben und den Ueberzeugungen der mit ihnen in Berührung stehenden Völker plasüsch zum klaren Bewusstsein. Irrige Anschauungen, Uebergangsstadien im culturellen Leben des Judenthums kommen nur insoferne in Betracht, inwieferne sie auf die allgemeine Richtung der betreffenden Zeit Licht verbreiten oder inwieferne sie die Bindeglieder der verschieden Zeiten sind. In der IV. Classe ist nach der allgemeinen Einleitung der Religionsgeschichte das zwischen den egyptischen, assyrischen und Persischen Völkern lebende Judenthum zu behandeln/ indem man gleichzeiüg die Religion dieser Völker bekannt macht, denen gegenüber sich die jüdische in den Psalmen äußert, die religiöse Auffassung von Gott, seiner Beziehung zur Welt, in dieser zmn Menschen und zu seinem Volk Israel gleichsam aus einem dunklen Rahmen umso Heller und prägnanter hervorhebt. In der V. Classe beleuchtet der religionsgeschichtliche Unterricht als Pendant der propheüschen Kämpfe und Bestrebungen die Religion und die culturellen Bestrebungen des Judenthums — beziehentlich deren zur Geltung kommen — unter griechischer und römischer Herrschaft*), in der VI. Classe wird die Entwicklung des Judenthums unter der Einwirkung der christlichen Kirche und des Islams bekannt gemacht, während man in der VE. Classe die Wirkung der Neuzeit in den Besttebungen der Renaissance, Reformation und im Zeitalter des wissenschaftlichen Aufschwunges vorträgt. Ergänzt wird der Geschichtsunterricht in der VE. Classe durch die Bekanntmachung der Gegenwart mit besonderer Rücksicht auf die ungarischen Israeliten. Die Aufgabe der VEI. Classe ist die systematische Zusammenfassung und Ergänzung der jüdischen religiösen Ideen und Morallehren mit besonderer Rücksicht auf die herrschenden religiösen und socialen Ideen der Gegenwart. Wir können demnach den allgemeinen Lehrplan des Mittelschuf-Religionsunterrichtes in folgenden Punkten zusammenfassen: *) Didaktische Gesichtspunkte ließen cs wohl für gcrathcner erscheinen, dass wir in Anpassung an unsere allgemeine Mittclschul-Lehrpläne das Älterthum der jüdischen Religionsgeschichte schon in der IV. Classe beendigen, in welchem Falle das Mittelalter auf die V., die Neuzeit auf die VI, und die neueste Zeit auf die VII. Classe käme; allein in der jüdischen Rcligionsgeschichtc enthält das Alterthum solch' wichtige Entwicklnngsmomente, dass deren gründliche Würdigung neben dem unerlässlichen Studium der Ncligionslitteratur innerhalb eines Lehrjahres unmöglich wäre.

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