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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-02-23 · Heft 6 (23.2.1894) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 6 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 6. finden, warum dieses Zimnrer hier so höchst sonderbar nröblirt wurde. Schreibe daher Dein Testament und schließe Deine Rechnung mit dem Himmel ab." R. Jesai's glaubte anfangs, dass der Vorsteher sich irgend einen Scherz erlaube oder nicht bei Sinnen sei. ״Scherz bei Seite, es ist mein völliger Ernst. Es muß geschieden sein!" rief A. in einem malitiösen Tone aus. Als nun der fromme Rabbi sah, dass er hier sterben müsse, so ersuchte er seinen nunmehr vermeinten Würgengel, ihm wenigstens Zeit zu gönnen, um das Sündengeständnis ״Widm“ ablegen zu können. ״Dies soll Dir gestattet sein," entgegnete A. — R. Jesaias sprach in herzzerreißender Weise die üblichen Gebete und als er dieselben beendigte, näherte sich ihm A., indem er die neben seinen Ohren herabhängenden Locken emporhob und sprach: ״Frommer Rabbi: richte Deinen Blick auf dieses Ohr, das mir in Folge Deiner vor vielen Jahren gemachten Anzeige, auf Befehl der strengen Justizbehörde abgeschnitten wurde. Ich bin Dein Diener A. Nicht um Dich zu kränken, habe ich Dir diese Schreckensstunde bereitet, sondern einzig und allein aus dem Grunde, damit Du diese einzige Sünde, die Du im Leben begangen, abbüßest, um sündenfrei den geheiligten Boden Palästinas betreten zu können." R. Jesaias dankte für diese wohlwollende Absicht seines ehemaligen Dieners und reiste vergnügt nach Jerusalem, wo er von der deutschen Gemeinde zum Rabbiner ernannt wurde. Allein bald nach seiner Ankunft wurde er nebst anderen Gelehrten auf Befehl des Pascha in den Kerker geworfen, um ein bedeutendes Lösegeld erpressen zu können. Nachdem er aus dem Gefängniße befreit wurde, verließ er Jerusalem und übersiedelte nach dem gering bevölkerten Tiberias, wo er!624 sein umfangreiches Werk 8011116״ Liicliot haberit“ vollendete. Dieses Werk enthält Sittenlehren und Vorschriften über religiöse Bräuche. Er spricht sich in demselben gegen die Pilpulisten aus und empfiehlt, die Jugend zuförderst in der Bibel zu unterrichten, damit sie, bevor der Talmudunterricht beginnt, gründliche Kenntnis der Bibel besitze. Im Jahre 1630 hatte er seine irdische Laufbahn vollendet. Sein Sohn N. Scheftel bekleidete ebenfalls die bedeutendsten Nabbinate Deutschlands,*) sein zweiter Sohn R. Jakob war Rabbinatsassessor in Krakau, während sein Schwiegersohn N. Chaijim Feibel das Rabbinat in Bunzlau inne hatte. Kleine Chronik. Wien. In der am 12. d. M, abgehaltenen Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien wurde über einen vom Vicepräses Simon, Dr. Alsted Stern und sämmtlichen anwesenden Vorstandsmitgliedern gestellten Antrag der einhellige Beschluß gefasst, das im Jahre 1898 stattfindende Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers zum Anlasse einer Action zu nehmen, um die loyalen Gesinnungen der israelitischen Unterthanen Sr. Majestät zum Ausdrucke zu bringen. Wien. In der Sitzung des n.-ö. Landtages vom 12. Februar d. I. beantwortete der Herr Statthalter Graf Kielmannsegg die Interpellation der Abgeordneten Schneider und Genossen, betreffend die Anstellung eines jüdischen Lehrers an den gewerblichen Fortbildungsschulen. Der Statthalter schilderte den Vorgang bei der Anstellung der Lehrer an diesen Anstalten. Danach ist für jede Schule ein Supplent bestellt. Bei der Erledigung einer Lehrstelle rücken die Supplenten des Bezirkes nach der Reihenfolge der Zeit ihrer seinerzeitigen Bestellung vor, wenn denselben nicht besondere Verhältniße, zum Beispiel weniger gute Verwendung, im Wege stehen. Zur Bestellung der Supplenten ׳ *) N. Schcf;cl Hurwitz starb!660 in Wien, wo er mehrere Jahre als Rabbiner segensreich wirkte. ist die schriftliche Meldung um einen solchen Posten erforderlich, sowie die vom Bezirksschul-Jnspector ׳abzugebende Beurtheilüng der speciellen Qualificationen des Bewerbers. Dä sich dieser seit Jahren eingehaltene Vorgang bestens bewährt hat, sagte der Statthalter, die Verwendung israelitischer Lehrer an den betreffenden Vorbereitungscoursen bisher weder .hinsichtlich der Unterrichtsertheilung noch hinsichtlich der Handhabung der Disciplin Anlass zur Unzufriedenheit gegeben hat, und nachdem laut Artikel 3 des Staatsgrundgesetzes vom 21. December 1867 die öffentlichen Aemter für alle Staatsbürger gleich ׳zugänglich sind, bin ich nicht in der Lage, israelitische Lehrer von der Anstellung an den gewerblichen Vorbereitungscoursen principiell ausschließen zu lassen. Wien. Donnerstag, den 22. .d. M. findet im Tempel der türk, israel Gemeinde anlässlich des Geburtsfestes Seiner Majestät des Sultans ein feierlicher Gottesdienst statt, an welchem auch die türkische Botschaft theilnehmen wird. Wien — Ottakring. Im israelitischen Tempel zu Ottakring fand Montag den 12. Februar, als am Vorabende des 7. Adar die übliche Seelenfeier für die verstorbenen Mitglieder der Chewra-Kadischa des XVI. und X VII. Bezirkes statt, zu welcher Herr Cultusvorsteher S. Ros.ner, der gesammte Vorstand der Chewra-Kadischa mitihremPräses Herren B. T r n k a und viele andere geladene Gäste erschienen waren. Die erhebende. Feier wurde vom ersten Cantor, Herrn M. Schlesinger, mit dem Psalm 49 eingeleitet, worauf Se. Ehrwürden Herr Dr. M. Deutsch nach Anzünden des Seelenlichtes eine dieser freiwürdige und üefergreifende Ansprache an die Versammlung richtete. — Gelegentlich sei hier auch bemerkt, dass Herr M. Schlesinger anlässlich seiner Bestäügung als erster Cantor durch den Cultusvorstand unter Ausdruck der vollsten Zufriedenheit eine Gehaltserhöhung erhalten hat. Wien. Vom Bethausvorstande in Retz (Mederösterreich) erhalten wir die Mittheilung, dass, der zur allgemeinen Zufriedenheit daselbst wirkende und auf drei Jahre angestellte Cantor und Religionslehrer, Herr I. Ritter, seinen Posten absolut nicht verlässt. Die geehrten College» wollen diese Mit- Heilung zur Kenntnis nehmen. St. Pölten. (Deputation einer israelitischen Cultusgemeinde beim Bischof.) Am 11. d. begab sich eine Deputaüon der israelitischen Cultusgemeinde in St. Pölten, mit dem Präses, Fabriksbesitzer M. Frank an der Spitze, zu dem daselbst residirenden neuernannten Bischof, Herrn Dr. Rößler, um demselben aus Anlaß seiner Erwählung die Glückwünsche der Gemeinde zu überbringen. Der Bischof empfing die Deputation in der steundlichsten Weise. Nachdem der Präses die Glückwünsche der Gemeinde zum Ausdrucke gebracht hatte, folgte eine Ansprache des Rabbiners Dr. Weinsb e r g, auf welche der Bischof Dr. Rößler erwiderte, u. A. betonend: ״Er verkenne nicht die Schwierigkeiten seiner Mission, in dieser turbulenten Zeit die Prinzipien des Evangeliums überall zur Geltung zu bringen. Doch hoffe er, mit dem Beistände Gottes die frühere Harmonie zwischen allen Bewohnern der St. Pöltener Gemeinde wieder herzustellen." Der Kirchenfürst zog sodann die einzelnen Deputaüonsmitglieder in's Gespräch und entließ dann die Deputaüon mit den Worten, dass er noch Gelegenheit nehmen werde, seinen speziellen Dank für die Glückwunschmanifestaüon abzustatten, Budwris, den 12. Februar 1894. Familienaben d des Chanuka-Vereines. Der unermüdliche Vergnügungs- Ausschuss des Chanuka-Vereines hat am 10. d. M. den Beweis erbracht, dcys er in der Veranstaltung von Unterhaltungen zu wohlthätigem Zwecke wirklich Vortreffliches leistet. Der große Saal der ״Budweiser Bierhalle", wo die Unterhaltung stattfand, war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt und hatten sich die meisten und angesehensten Gemeindemitglieder eingefunden. Die Reihe der Vortäge eröffnete Herr cand. med. Heinrich Modr y, welcher zwei Tenor-Lieder von Curschmann in ausgezeichneter Weise und mit sympathischer Stimme zu Gehör brachte. Reicher Beifall lohnte diesen Sänger, sowie alle Vortragenden. Nach einer vierhändigen, mit vieler Präcisiön und Empfindung gespielten Clavierpiece der Frls) Camilla Sa m e tz und Paula K o l m a n n

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