Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/1304829-3453304-3453310--3945-3458354- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. erfreute uns Fräulein Regine Lederer aus Kr um au, eine Schülerin des Herrn Ober-Cantor Wallenstein in Prag, mit herrlichen Liedern; sie sang mit lieblicher, wohlgeschulter Stimme und prächtiger Vortragsweise und wurde durch den nicht enden wollenden Beifall zu immer weiteren Zugaben genöthigt. Wir hoffen, das Fräulein bei den ferneren Veranstaltungen als kostbare 'mitwirkende Kraft regelmäßig begrüßen zu dürfen. Hierauf sang Herr Cantor W. Speiser in bekannt vollendeter Weise zwei prächtige Bariton-Lieder (große Arie aus ״Leben für den Czaren" von Glinka und ״Herbstlied" von Anton Rubinstein) und Herr Lehrer Max Gans unterhielt durch einen lustigen Vortrag und hatte die Lacher auf seiner Seite. Ein mit frischen und prächtigen Stimmen gesungenes Tiroler Terzett (Frl. Emma Gans, Sopran, Frl. Sofie Spitz, Alt und Herr Max Gans, Baryton), brachte eine reizende Ab- Wechslung in's Programm und bereitete die Zuhörer auf die nun folgenden komischen Vorträge vor. Die Soloscenen und Couplets des Herrn Otto Mo dry und Max Gans hatten stürmischen Heiterkeits-Erfolg, ebenso die komischen Borträge des Herrn Julius Stein. Zum Schluss brachte Herr O. M o dr y einen selbst erfundenen Phonographen zur Vorführung, der mitunter sehr vorlaut aus der Schule schwatzte. Die weniger dankbare, als schwierige Aufgabe der Clavier-Begleitung besorgten in eminenter Weise abwechselnd die Geschwister Frl. Emma und Herr Max Gans. M. — Trrnesvar Anlässlich des .bevorstehenden Jubiläums des Herrn Obercantor Sonntag wurde von. den hiesigen Cantoren folgender Aufruf versendet: Am 3. März l. I., d. i. שבת פרשת שהליס feiert Herr Moritz Sonntag, der verdienstvolle Obercantor in Temesvar, sein 25-jähriges Amtsjubiläum. Von der Ueberzeugung durchdrungen, einen Würdigen zu ehren, von dem Gefühle warmer Anerkennung geleitet, einem Manne gegenüber, der die Verkörperung des Ueberganges vom Chasones zum Cantorat, dieses Uebergangsstadium in seinem mit großem Fleiße zusammengestellten Werke: ״Malchijos, Sickronos, Schofros“ in treffender Weise markierte; von der Pflicht erfüllt, das Jubiläum eines Mannes nicht unbemertt verstreichen zu lassen, der durch Veröffentlichung anderer Werke, in welchen er mit Beibehaltung der altherkömmlichen Weisen schöneSynagogengesänge für Cantoren geliefert, auch in weiteren Kreisen Ersprießliches leistete, beehren wir uns das höfliche Ansuchen zu stellen, an der Jubiläumsfeier des Genannten theilnehmen zu wollen, umsomehr, als dies ja der einzige Lohn ist, dessen wir im Ergrauen nach mühevollem Dienste theilhaftig werden und? אם אין אני לי מי לי. Temesvar im Februar 1894. Das Comito: Obercantor Eduard Löwenherz, Cantor Ignatz Goldberger, Regenschori Wilhelm Neubauer, innere Stadt; Cantor A. B. Fenichel, Cantor Leop. Blumenfeld, Fabrik; Cantor Gerson Lifschitz, Cantor S. Gottlieb, Kosefstadt. Neutra. Letzten Montag verschied nach längerem Leiden der verdienstvolle Präses der hiesigen israelittschen Gemeinde, Herr Moritz G e r st l. Zur Trauerfeier wurden Rabbiner Dr. Kaiserling und Ober-Cantor Lazarus aus Budapest berufen. Diakowar. Jüngst wurde vom hiesigen Gesangsvereine ein Concert zu wohlthätigem Zwecke veranstaltet, bei welchem unser beliebter Ober-Cantor, Herr I. Weißmann, eine Arie aus der ״Jüdin" vortrug, die mit vielem Beifall ausgenommen wurde. Die kräfüge und klangvolle Barytonstimme kam auch im Concertsaale zu vollster Geltung. Nach dem Concerte vereinigte eine flotte Tanzunterhaltung die Gesellschaft bis zum frühen Morgen. Brody. Der letzte Sabbath פרשת תצ1ה brachte uns einen lange entbehrten Genuss. Der sehr talenttrte Sohn unseres hiesigen Obercantors, Herr Ascher Perlzweig, welcher in Wien an der ״Cantoren-Bildungsanstalt" des Herrn Obercantor I. Bauer einen Cursus absolvirte und zum Cantor qualificirt wurde, war hieher berufen worden und gab uns die seltene Gelegenheit, einem geregelten, modernen Gottesdienste beizuwohnen. Die große, neue Synagoge war von einem gewählten , Publikum bis auf das letzte Plätzchen dicht gefüllt und der Andrang aus den anderen hier bestehenden 40 Bethhäusern wcir ein so starker, dass Wachmannschaft zur Aufrechterhaltung der Ordnung vor der Synagoge verwendet werden musste. Wenngleich bie besonderen Fähigkeiten und Talente des jungen Cantors dem hiesigen Publikum zur Genüge bekannt sind, da er schon früher eine Zeit lang als Chordirigent im Chore seines Vaters mitwirkte, so war man dennoch über den gottesdienstlichen Vortrag allgemein überrascht. Ohne den Boden der Tradition zu verlassen, war die Function eine den modernen musikalischen ^Anforderungen vollkommen entsprechende. Sowohl Cantor als Chor leisteten Vortreffliches. Wir zweifeln nicht, dass es Herrn Perlzweig gelingen wird, eine Gemeinde zu finden, die wir um den Besitz eines solchen gediegenen Cantors beneiden, da wir hier leider bis jetzt noch immer gegen die orthodoxe Partei nicht anfkommen und an einen geregelten Gottesdienst gar nicht denken können. Sigm. W e i n b e r g e r, k. k. Commissär. Sophia. Marco Mortara ist nicht mehr. Der greise Oberrabbiner Mantuas, von den Nichtjuden Italiens 1a gloria di Mantova ״der Ruhm Mantuas" genannt, gab seine Seele dem Schöpfer zurück, Freitag Abends 8 Uhr (den 2. Februar 1894). 58 Jahre hindurch war er Rabbiner in seiner Vaterstadt Mantua, denn sein Geburtsort war das Dorf Viadana in der Nähe Mantuas. In Wort und Schrift, in Rath und That wirkte der Verewigte für das Judenthum und seinem unermüdlichen rastlosen Streben gelang es ein Rabbinerseminar für Italien in Rom zu gründen. Ein Freund und Verehrer des Verewigten, Wiener Oberrabbiner Dr. Adolf Jelliuek, unterstützte Mortara ihn in der Herausgabe des 3., 4. und 5. Bandes des Bet hamidrasch (Leipzig 1855, 57 und Wien 1873). Die Zahl;einer Schriften beträgt 113 und in 4 Sprachen drückte er sich klar und elegant aus. Er schrieb ein classisches Italienisch, ein biblisches Hebräisch, ein elegantes Französisch und ein reines Deutsch. — Geboren wurde er am 7. Mai 1815, hat also das 79. Jahr nicht ganz vollendet. Vor zwei Wochen noch sandte der Verewigte mir die Rede, die er bei der Wiederkehr des 50. Jahrestages der Einweihung der großen Synagoge in Mantlia gehalten und als ob er sein Lebensende herannahen gefühlt, schloß er diese Rede mit dem uralten jüdischen Priestersegen. Marco Mortara war der bedeutendste Schüler und Freund des großen Sprachforschers und Kritikers Samuel David Lupportto, er war der Nestor der italienischen Rabbinen nicht nur seinem Alter nach, sondern auch seinem Wissen zufolge. Bon ihm gilt auch des Dichters Wort: ״Wer deir Besten seiner Zeit genug gethan, der hat gelebt für alle Zeiten". Berlin. Der in weitesten Kreisen bekannte Berliner Prediger D. Julius Landsberger ist, wie nachträglich bekannt wird, am 2. d. M. in Cöthen infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Der Heimgegangene, der ein Alter von 72 Jahren erreicht hatte, ist ein geborener Schlesier und vor 38 Jahren aus Hirschberg, woselbst er als Prediger der dortigen jüdischen Gemeinde seines Amtes waltete, nach Berlin übersiedelt, da sich ihm hier ein größerer Wirkungskreis bot. Er wirke in Berlin als Religionslehrer an höheren Lehranstalten, begründete die Friedrichstädtische israelitische Religionsschule und leitete dieselbe als Director bis in die jüngste Zeit. Seine Schüler und Schülerinnen, deren Zahl im Laufe der Jahre sehr stattlich angewachsen war, hiengen mit _ großer Verehrung an ihm und er stand ihnen auch in ihrem ferneren Leben mit Rath und That tteu zur Seite. In ihren Herzen hat er sich ein unvergängliches Denkmal gesetzt, wie sein edler Character und sein großer Wohlthätigkeitssinn allen denen unvergesslich bleiben werden, die Gelegenheit hatten, ihm näher zu tteten und sein sülles Wirken zu beobachten. Er ruhe in Frieden. Strllrnvrrändrrung. Herr Adolf Lederer, bisher Cantor und Religionslehrer in Tetschen a. E. ist in gleicher Eigenschaft nach Chlumetz a. C. berufen worden und wird seinen Posten am 1. März antreten; Herr Cantor Nissen von Zloczow als Ober-Cantor nach Stanislau; In Ergänzung einer in voriger Nummer unter dieser Rubrik gebrachten Mittheilung sei constaürt, dass der in Holics als II. Cantor angestellte Herr Papier seine cantorale und musikalische Ausbildung bei Herrn Ober-Cantor Baloph in Holics genossen hat.