Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 5. mehrerer wertvoller Werke,. wie ״Emek Beracha“, ״Jesch. Nbchlin“ und ״Berith Abraham“ einen Namen gemacht. Jesaias betrieb seine Studien unter dem 1591 verstorbenen R. Salomon b. Juda Löbisch, Rabbiner in Posen und Lublin, von dem er sich erst kurz vor seiner Verheiratung trennte. (Schelah S. 73) Näheres ist von seiner Jugend nicht bekannt. So viel ist gewiss, dass der junge Jesaias schon frühzeitig seines großen Talentes wegen allgemein bewundert wurde, ltttb sich seines edlen Charakters halber die Achtung und Liebe seiner Zeitgenossen erworben hatte. Sein erstes Rabbinat war Posen, von dort kam er nach Frankfurt a. M., einer der bedeutendsten Gemeinden Deutschlands. Hier hatte er ein reichliches Einkommen und konnte daher ungestört seinen Studien, ohne von drückenden Nährungssorgen gequält zu werden, obliegen. Vom frühen Morgen, bis zum späten Abend war er von vielen Talmudjüngern, die von allen Seiten herbeiströmten umgeben. Mit gespanntester- Aufmerksamkeit lauschten sie auf die Worte des frommen und hochbegabten Meisters. Einer seiner Schüler Namens A. war sein Diener ״Schames", den er geliebt und bei jeder Gelegenheit besonders berücksichtigt hatte. Eines Tages wurden dem R. Jesaias Silber und Gold von hohem Werte entwendet. Da alle Nachforschungen vergeblich blieben, so sah er sich genöthigt, der Behörde die gerichtliche Anzeige machen zu lassen. Diese ließ sofort strenge Untersuchungen vornehmen, und es gelang ihr bald auf die Spur zu kommen. Man fand nämlich einige Silberstücke in einem Garten, der einem Verwandten des A. gehörte, vergraben, -Das Gericht ließ den Eigenthümer jenes Gartens vorladen, und es stellte sich bald heraus, dass der Diener N. es war, der diesen Diebstahl begangen hatte. Wie groß, wie unbeschreiblich groß möge wohl der Schrecken, die Angst und die Furcht des frommen Rabbi in dem Momente, als ihm diese überraschend traurige Nachricht zukam, gewesen sein, da er wohl in seiner Klugheit sogleich das Damoclesschwert über dem Haupte seines Dieners schweben sah; denn die damalige Justiz vernrtheilte einen Dieb, der einen bedeutenden Diebstahl verübt, geladen ward und den begangenen Fehler unter Thränen der aufrichtigsten Reue eingestanden hatte, von dem Gerichts- Hofe unbedingt zum Tode vernrtheilt. R. Jesaias setzte zwar bald alle Hebel in Bewegung, um nur seinen Diener von des Henkers Hand befreien zu könenn, selbst auf die Gefahr hin, auf einen großen Theil seiner Habseligkeiten verzichten zu müssen. Allein all' seine Bemühungen und Anstrengungen blieben vorläufig fruchtlos. Nach einer Zeit jedoch gelang es ihm, durch die Protektion eines hohen Gerichtsherrn, mit dem befreunden R. Jesaias sich bestrebt hatte, den Diener A. wenigstens vom Tode zu retten. Eine gänzliche Befreiung zu erzielen, war ihm hingegen trotz aller Anstrengungen und Bemühungen völlig unmöglich. Die Entscheidung der Gerichtsbehörde lautete: Dass A. wohl von der über ihn bereits verhängten Todesstrafe befreit sei, es müsse ihm jedoch ein Glied vom Leibe abgenommen und der fernere Aufenthalt in der Stadt Frankfurt auf's Strengste untersagt werden. In Folge der Intervention des R. Jesaias jedoch wurde dem A. gestattet, sich selber das Glied, dass ihm abgenommen, werden soll, zu wählen. Unter Thränen der Freude und. der Dankbarkeit ob der ihm gewordenen Begünstigung äußerte sich A., man möge ihm das linke Ohr abnehmen, was auch geschah. Bald nach dieser famosen Operation verließ A. die Stadt Frankfurt und gieng nach dein Orient. R. Jesaias wirkte daun noch einige Jahre segensreich in Frankfurt, bis er später einem ehrenvollen Rufe nach Krakau folgte. Von hier aus wurde er nach einiger Zeit nach Wien berufen und von da nach Prag. Von Ui 14 bis 1619 fnngirte er als Rabbiner und von 1619 bis 1621 als Oberrabbiner der Prager Gemeinde, Nach der entscheidenden Schlacht am weißen Berge 11621־) wurde das Judenviertel Prags von einer Schutzwache besetzt, damit den Inden kein Haar gekrünunt werde. .Zum Andenken an diese kann! geahnte Rettung von der wilden Landesknechtenschaar begierig die Prager Gemeinde ans Ver anlassung des Oberrabbiners Jesaias Hnrwitz den Tag des Einzuges der Kaiserlichen 114. Marcheschwan — 10. Nvv. > alljährlich halb als Fest und halb als Festtag (Gr. Gesch. 10 S. 41) Da den Inden in damaliger Zeit in Folge des dreißig jährigen Krieges in Deutschland keine Ruhe gegönnt war, so entschloss sich mm Jesaias, wie viele andere seiner Zeitgenossen, seinen Rabbinatsposten aufzugeben und nach dem heiliger! Laude auszuwandern. Gegen Ende 1621 verließ er Prag rrnd gelangte nach einer dreimonatlichen Fahrt, an einem Donnerstage, in Jaffa an. Kaum erhielten die Vertreter der Jaffa'er Jsrae liten Gemeinde Kunde von der Ankunft des in Israel so hochgeachteten Rabbi Hnrwitz, als sie sich beeilten, ihm einen äußerst ehrenvollen Empfang zu bereiten. Der erste Vorsteher (Parues), der das Glück hatte, diesen frommen Rabbi in seinem Hause zu beherbergen, bat ihn, wenigstens über Sabbath in ihrer Mitte zu verweilen, welchem Wunsche der Rabbi bereitwilligst entsprochen. Ter Vorsteher, der zu den an gesehensten, vornehmsten itnb reichsten Männern der Gemeinde gehörte, bestrebte sich sehr, seinem hohen Gaste den Aufenthalt in seinem Hause so angenehm als möglich zu mache!!. ״Red Akiba" so hieß der Parnas van Jaffa, fühlte sich überglücklich ob der ihm zu theil gewordenen hohen Ehre, einen der hervorragendsten Männer in Israel bewirten zu können. Nachdem aber die Zeit der Trennung herangenaht war, überredete der Vorsteher Seine Ehrwürden,!venigstens noch bis Dienstag, dem Tage ״alles Guten," in feiner Be- Hausung zu verweilen, was auch geschah. Als jedoch die Stunde der Trennung, der Aufschub zu leisten R. Jesaias sich unter keiner Bedingung herbeilassen wollte, herannahre, hielt der Vorsteher folgende Ansprache an den großen Rabbi: ״Du hast uns, großer Lehrer, mit deinen! Besuche beglückt, warst so freundlich, inehrere Tage in unserem Hanfe zu!veilen, und nun willst Tn jetzt Abschied nehmen, ohne meine Zimmer und Gemächer, Reichtümer und Schätze besichtigt zu haben'? Verweile daher nur noch einige Stunden in unserer Mitte, um Dich überzeugen zu können, wie Gott der Herr mich mit allem Guten gesegnet hat." Der Rabbi erklärte sich bereitwilligst auch diesem Wunsche des Parnes zu entsprechen. Ter Vorsteher führte also den Rabbi von einen! prachtvollen Gemache in's andere und Jesaias konnte nicht umhin, seine Bewunderung über die Schätze, die er überall erblickte, anszndrücken. Endlich kamen sie in das letzte Zimmer. Hier schloß der Vorsteher die Thüre rückwärts ab. R. Jesaias stand ganz frappirt ob der sonderbaren Ausstattung des Zimmers. Ein Schreibtisch, versehen mir den nöthigen Schreibreguisiten und ein großes Schlachtmesser, das an der Wand hieng, bildeten das Möbel dieses Zimmers. Der Vorsteher zögerte nicht lange, nahm das Messer in die Hand und sprach: ^Hier Rabbi sollst Tn sterben, Deine letzte Stunde hat bereits geschlagen. Du wirst es daher auch begreiflich