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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-02-23 · Heft 6 (23.2.1894) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 6 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6. Seite 3. Gesterreichisch-ungarische LanLoren-Zeitung. dabei jedoch syrisch-arabischen Einfluss und will nur gelegentlich bemerken, dass das Syrische obwohl selbstredend stammverwandt mit-dem Hebräischen, nicht sehr geachtet war, wie aus Baba- Kamaam Schluss Fol. 82b, im Anfang von Fol. 83a erhellt. ״ והתביא אמר רבי באי לשון סירסי למהWir haben doch in einer Bacajtha gelernt, dass Rabbi sagte: Wozu braucht man im Lande Israels in Palästina die syrische Sprache, und Rabbi Salomo Jizchaki de Troyes ’) bemerkt zu diesen Worten: ״ וסורסי לשון נלעג הואdas Syrische ist eine verdorbene Sprache" (ein Jargon). Das ע (Ajin) wird für den Aschkenasim wie ein spiritus lenis ausgesprochen, bei den Italienern besonders im Auslaut wie HA, so dass das Wort שמע fast wie schemang lautet. Hier in Sofia wird das Ajin theilweise im A n laut auch mir wie ein spiritus lenis, hingegen im Auslaut einer Sylbe wie auch am Ende des Wortes wie 611 ausgesprochen, so dass z. B. nicht nur das Wort שמע wie 80116103.011, das Wort ידע wie jadoach, sondern auch in Psalm 114, Vers 6 das Wort למעינו wie le’maclino anzuhören ist. In Tatar-Bazardschick und Philippopol sowie in der Türkei wird das ע (Ajin) überall, sogar im Anlaut nasal ausgesprochen, so zwar, dass z. B. das Wort עבר Knecht, wie engbed gehört wird. Dass aber auch bei den Aschkenasim das Ajin zur Nasalirung neigt, erhellt aus den polnisch-deutschen Namen Jainkew statt Jakob und dem deutschen Namen Schlesinger, der doch nichts weiter ist als Schlesier, d. h. ein Bewohner Schlesiens. Das 2 wird bei den Aschkenasim und Sephardini gleich ausgesprochen; das Zade hingegen wird bei den Aschkenasim wie Z bei den meisten Sephardim jedoch wie 88 ausgesprochen. Kos, Resch, Schin, Sin werden von beiden gleich ausgesprochen. Thaw (n) wird von den Aschkenasim, wenn es ohne Dagesch ist, wie 8 ausgesprochen, während die Sephardim ה in jedem Falle wie th aussprechen; doch ist der Uebergang vom thzum s-Laut ein sehr leichter, wie dies ans dem englischen th, das auch fast wie 8 lautet, erhellt. Viel abweichender jedoch, als die Aussprache der Eonsonanten, ist die der Vocale und hier ist in erster Reihe die große Differenz in der Aussprache des K*mez gadol zu verzeichnen. Wir wiederholen nochmals, dass es gar keinem Zweifel unterliegt, dass das Kamez gadol ursprünglich wie ein gedehntes a ausgesprochen wurde. Darauf weisen nicht nur die ältesten Transscriptionen in fremden Sprachen, darauf weist auch der Umstand hin, dass die Sephardim und sümmtliche gelehrte Christen das Kamez gadol so aussprechen. Es kommt hinzu, dass der von uns bereits erwähnte Rabbi Moses Lemans schon richtig bemerkt, dass das Kamez wie 0 oder 11 ausgesprochen, schon aus dem Grunde nicht richtig sein könne, weil amittelst der Kehle, 0 und u jedoch durch die Lippen hervorgebcacht werden. Die Geschichte sämmtlicher Sprachen, sowohl der semitischen wie die der indo-europäischen Sprachen lehrt uns, dass das a im Laufe der Zeit zu ao, zu o und u wurde. Auch die verschiedenen Mundarten bieten einen Beleg hiefür. (Vgl. meine Arbeit über den jüdisch-deutschen Jargon). Das Segol wird wie e oder ä ausgesprochen, und es ist naturgemäß, dass das Zere, der entsprechende lange Vocal wie ') Gewöhnlich N a s ch i und bei den Spagnvlen: Tenor de R a s ch i (Herr von Raschi) genannt. Es ist dies spanische Höflichkeit. langes e ausgesprochen wurde. Die polnisch-jüdische Aussprache ei ist entschieden falsch. Das kurze und das lange Chirik wird in beiden Füllen in der Regel richtig ausgesprochen. Das Cholam, bei den alten Gramatikern ״ מלא פו־םden Mund voll" genannt, wird von den Sephardini wie o ansgesprochen, während die Aschkenasim es wie au und die Inden aus Polen und Russland es wie oi anssprechen. Da der entsprechende kurze Vocal Kamez chatof wie bei allen Inden wie o ausgesprochen wird, unterliegt es keinem Zweifel, dass auch das Cholam ursprünglich wie langes o lautete, und die Anssprache des au respective oj eine secundäre ist. Es lässt sich allerdings nicht leugnen, dass die Bezeichnung (‘ מלע פיס ״den Mund voll" für das Cholam eher für au spricht, da au viel klangreicher ist und den Mund mehr ausfüllt als o, '* 2) welcher Vocal ja bekanntlich nach Ansicht sämmtlicher Sprachforscher aus a + u au entstanden ist. Ein zweiter, im ersten Augenblick bestechender Umstand ist der, dass im Arabischen viele Wörter, die Cholam haben, thatsächlich au an dessen Stelle haben so z. B. al maut der Tod dem hebräischen מוה (mavet); aljaum ״der Tag" hebräisch יום und viele andere. Wir haben aber bereits oben hervorgehoben, dass das Arabische als Schwestersprache des hebräischen für die Anssprache des Hebräischen ebensowenig als Beweis angeführt werden darf, als man das Spanische nicht für das nachbarlich so nahe portugiesische oder Französische herbeiziehen darf. Das Kibuz wird von den deutschen Aschkenasim und von den Sephardim in gleicher Weise wie u ausgesprochen und nur die in Polen lebenden Inden sprechen es wie ü aus. Dass dieses ü eine corrupte, oder mindestens eine secundäre Form des u ist, erhellt daraus, dass an der Stelle des lateinischen u ein französisches ü sich findet, obwohl es u geschrieben wird. Sollen wir nun ein Endnrtheil über die Aussprache der Sephardim und Aschkenasim abgeben, so geht dies dahin, dass die Aussprache der Sephardim entschieden vorzuziehen ist; nur ist die die Aussprache der Sephardim in Bezug ans Aleph und He im buchstäblichen Sinn eine unrichtige, ja völlig verkehrte. Es haben also beide Theile von einander zu lernen und die Vereinigung der Vorzüge beider nicht nur in diesem einem Sinn ist im Interesse beider dem Judenthume angehörigen Stämme sehr zu wünschen. (Fortsetzung folgt). Betrachtungen über Schlaf u. Traum von Rabbiner L. Wollner. IV. Ernste und heitere Betrachtungen über den Schlaf (Lesesrüchte. ) Wer sollte den balsamischen Schlaf 411 der ambrosischen Nacht nicht lieben, diesen wohlthätigen, lebensverlängernden Stillstand, der als wahrer Pendel unserer Lebensuhr solche täglich ordnet, und uns am Morgen uni einen ganzen Zoll größer macht, als wir Abends waren'? Wer wollte nicht dieses göttliche Intermezzo des Erdenlebens hochschützen, wornach sich jeder sehnt, der des Tages Last und Hitze getragen hat, so wie sich der nach deni ewigen Schlafe sehnt, der^ alt, krank, arm, *) Es muß wol nicht erst bemerkt werden, dass zur Zeit der Entstehung des Ausdruckes מלא פום die Aussprache des Hebräischen in den verschiedenen Ländern, in welchen Juden wohnten, sich bedeutend differcnzirt hatte. 2) Dass an der Stelle des lateinischen an in den romanischen Sprachen o wurde, also z. B. statt anrnm Gold, französisches or, ital., span, portugies. ora, sei gelegentlich erwähnt.

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