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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-02-23 · Heft 6 (23.2.1894) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 6 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 6. N. S. Wghrmann. Ein Gedenkblatt von M. Roseufeld-Pisek. Erst kürzlich ist er heimgegangen, der Nestor der Chasonim aus der güten, alten Zeit, der Mann, der nahezu ein halbes Jahrhundert einer der größten und angesehensten Gemeinden in würdiger Weise als Scholiacb zibbur Vorstand, in einer Weise, die ihm und der Gemeinde zur Ehre gereichte. Ich will es als einstiger Jünger Wahrmann's versuchen, Einiges aus seinem Leben und seinen Character zu schildern, nur skizzenhaft, ohne auf eine vollständige Biographie desselben Anspruch zu machen; eben nur so viel mir aus Ueberlieferung und persönlichen Beziehungen zu demselben bekannt ist. Abraham Salomon Wahr mann wurde im Jahre 1808 als Sohn des Pester Oberrabbiners Israel Wahrmann geboren. Wie seine Brüder, die sich dem Gelehrtenstande widmeten und Rabbinerstellen einnahmen, würde auch er zum Thora- und Talmudstudium angehalten, wobei auch profanes Wissen gepflegt wurde. Unfern Wahrmann aber schien das Fachstudium nicht zu freuen und sein Vater, dem der Ausspruch Raban Gamliels vorschwebte, das To'rat im melocHo gut vereinbar sei und Bestand habe, hatte nichts dagegen, dass der Jüngere sich dem Handwerk eines Gärbers widme. Und wirklich arbeitete er ganz fleißig uxxd tüchtig in einer Altofner Gärberei und blieb durchaus nicht hinter seinen Mitgesellen zurück. Wie es eben bei jungen, heiteren, kräftigen Arbeitern vorkommt, wurde auch wacker gesungen; jedoch keine profane, weltliche Lieder, sondern synagogale Gesänge, wie man sie an Sabbathen und Festtagen von der ״Schul" mit nach Hause brachte. Es ist bekannt, dass einst in Altofen berühmte Chasonim- Coryphäen wie Kaschtan, Jzigl Kanarik, Dowidl Brod, Pinchesl Krole wirkten und den Gottesdienst verherrlichten. Wahrmann, der vorzüglich beanlangt war und eine besondere Recepüonssähigkeit für den Vortrag liturgischer Gesänge hatte, ״machte" in der Werkstatt den ״CHäsen", während die Collegen ihm als ״Meschorerim" sekundirten. Sie hatten hier auch oft ein auftnerksames und dankbares Publikum, wodurch sie zum Singen noch mehr animirt wurden. Das gieng so eine Zeit lang fort, bis eines schöneil Tages aus dem Scherz Ernst wurde. Das kam nämlich so. Dowidl Brod wurde nach Pest berufen, Altofen stand ohne Chasen da. Mehrere Gastvorträge konnten nach einem Dowidl nicht gefallen, da wurde Wahrinann, dessen Talent schon bekailnt war, von Freunden aufgefordert, sich an einem Samstag im Tempel hören zu lassen. Wirklich bereitete er sich mit seinen ״Meschorerim" vor, und die Gemeinde hielt ihn schon mit Rücksicht auf seinen ehrwürdigen Vater und seine gründliche Kenntnis des Hebräischen für würdig, ihn mit einem Probevortrage zu beehren. Er erwarb sich den Beifall der ganzen Gemeinde und nicht lange darnach wurde er Altoftier Chasen. Wie man sieht, diente Wahrnann in seinem Berufe nicht von der Pike auf. Seine Stimme war ein hoher, kräftiger Tenor, der gut 2'/z Octaven umfasste, in allen Registern ausgeglichen war, so dass Höhe, Mittellage und Tiefe gleich metallisch klangen. Damit verband er eine natürliche Coloratur, die es ihm ermöglichte, die schwierigsten Läuse und Triller spielend auszuführen. Unter den Chasonim jener Zeit habe ich keinen gefunden, der diese fabelhaften Höhen so leicht mit Brustton ohne künstliches ״Kol" erreichte, wie Wahrmann. Zu Anfang seiner neuen Laufbahn war er freilich noch eiil uirgeschliffener Diamant, ein Dilettant und Naturalist. Allein außer den glänzenden Vorbildern, von denen er gelernt, hatte er später auch eine tüchtige, bewährte Meschorerim-Garde um sich, von welcher er reichlich profitierte. Ich nenne hier nur Namen wie Süßmann, Wieselmann, Mandl, Süeglitz, Jechiel Feischl, Awner, Löwenstamm, Stößt 2c. Bei dieser Gelegenheit sei es mir gestattet, eine heitere Episode aus jener Zeit hier einzuflechten. Obgenannter Feischl war ein vorzüglicher Meschorer, hatte aber einen Sprechfehler, er stotterte. Als einmal für Jomkippur die Awoda ״angelernt" wurde, klappte diese zu Hause prächtig, wurde aber bei der Aufführung durch irgend eitlen Fehler ״umgeschmissen". Wahrmann voll Wukh darüber, warf giftige Blicke auf seine Umgebung, Feischl aber, der die Sache weniger ernst auffasste, flüsterte ihm die Worte zu: ״H — Herr Wwahrm — mann! d do auf S — sukes w — wird es gel/n." DerVortrag Wahrmann's war namentlich mx jomimnoroim wunderbar ergreifend und Andacht erweckend. Er verstand es, wahrhaft misoror zu sein und durch Herzenstöne zu rühren, wozu ihm sein peruscb hammilos und gründliches hebräisches Wissen vorzüglich zu statten kam. Sein malcbijos sichronos sebofros, in welchen er die darin biblisch-historisch enthaltenen, in die Erscheinung tretenden Vorgänge durch seelenvolle Töne plastisch dem Geiste zu veranschaulichen verstand, wird mir und jedem Hörer unvergesslich bleiben. Gleichwohl wurde er in der Gemeinde mehr angestaunt, als geliebt; er hatte mehr Bewunderer, als eigentliche Freunde. Dies mochte zum Theil daher rühren, dass er sich mit der Gesellschaft wenig associirte, in seiner Lebensführung einen gewissen Stolz und eine Unabhängigkeit bewahrte; zum Theil auch hatte er Neider unter den verschiedenen, darunter tüchtigen baale tefilos, die sich wohl sagten: Anch’io sono pittore. Der Character Wahrmanns war ein gediegener, in jeder Hinsicht musterhafter nnd seinem Stande würdiger. Er verheiratete sich erst in späteren Lebensjahrexx. Oft Xvxxrde in der Gemeinde der lange Xvährende ledige Stand Wahrixxaxxns bemängelt; da dies in jener Zeit beixn Chasen verpöxxt xvar. Aber ich weiß nicht, xvar es ein Spiel des Zufalls oder eigexxs ixxseenirt, stets vor jom tow hieß es in der Kchile, Wahrxnann ist Chossen, und xvar jom tow vorbei, hörte man, der sehiduch sei Zurückgegangen. Als älterer Jüxxgling begegnete er einst seinem Duzfreunde, dein gelehrten Hebräisch-Lehrer I. H. Kohn, der ebenfalls lange Hagestolz war, und Wahrnxaxxn sprach scherzend, ״Mir scheint Jzig Harsch, Xvir zxvei werden xxxxs nehmen". Der Tod Wahrnxanns war ein leichter, schxnerzloser. Es sind eixxige Wochen her. Er stand mit seiner Frau am Fenster und blickte auf die Straße hinab. Da überkam ihn ein plötzliches Unxvohlsein uxxd ein Schlaganfall machte seinern wirkungsreichen Leben ein Exxde. Er erreichte das 86. Lebensjahr, sein Andenken sei gesegxxet! Sitten und Bräuche der Inden im Orient. Non Dr. M. Grünwald, Großrabbiner von Bulgarien. (Fortsetzung.) Zajin, Ehet, Thet, Jod, Kaf, Lanxed, Mim, Nun, Sanxech, lauten bei Sephardim uxxd Aschkenasim ganz gleich, xxur die in Palästina und in Syrien geborexxen Juden sprechen das N (Chet) viel mehr.guttural aus als die übrigen Juden. Ich vermxxthe

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