Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ung&üche Cantoren - Zeitung Pränumcrations-Preis. FnrCantorenu.CultusbrarntL ht Vrstrrreirlr-Angarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjäbrig.fl. 2.— FürLankorrn u.Cultusbranrte int Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute n Ganzjährig ..... st 6.— Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Cuüusdesmten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Redarlion und Administration Wien II., Novaragasse Nr. 27. ן Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. j Abonnementsu. Insertion», betrage stnd in Wie»!atzlbar- Nr. 6. Wien, 23. Februar 1694. 14. Jahrgang. .»7t! י־■' ״' י י Louis Lewandowski Rönigl. preußischer Musikdirector in Berlin. Geboren am 3. April 1821 in Wreschen (Posen), gestorben am 3. Februar 1894. So beklagenswerth der Heimgang eines Mannes von der ' Bedeutung Louis Lewandowsü^s im Allgemeinen auch sein mag, angesichts dieses uns Allen theuern Verblichenen haben die jüdischen Cantoren, beziehungsweise die synagogal gesanglichen Kreise keine Veranlassung zur Klage: denn die ganze Fülle echt künstlerischen Strebens, ein langes, von idealer Gesinnung durchwehtes, von rastloser, bis in's hohe Alter andauernder Arbeit erfülltes Leben, es liegt jetzt beendet vor uns. Wenn wir jüdische Cantoren den reichen Kränzen der Anerkennung und Würdigung, welche die stolze Ruhmeshalle des theuern Verblichenen schniücken, noch eine Blüthe hinzüfügen, so inuß dies lediglich in Würdigung des Umstandes geschehen, dass Louis Lewandowski sein ganzes Sinnen und Trachten, die Arbeitskraft eines langen und mühevollen Lebens dem Dienste des Synagogengesanges weihte. Sein Talent und Studiengang als ausgezeichneter Schüler der Akademie der Künste, wo er zu Füßen seiner Meister Rungenhagen, Grell und Bach saß, und die von diesen Meistern ihm zuerkannte Bedeutung hätten ihm sicherlich auch die Pforten allgemeiner Kunstbestrebung geöffnet, doch sein idealer, echt jüdischer Blick war gen Himmel gerichtet, weshalb erseine componistischeThätigkeitauch unbeschränkt der Synagoge weihte. Seine rühmliche Thätigkeit als mustergiltiger Dirigent der Berliner Synagogenchöre, seine Synagogengesangs-Werke Kol rmnoh. utefilloli, Todoh we’simroli, deutsche Psalmen, Orgelstücke re., geben uns voltgiltige Beweise seines umfassenden Wissens, wie seiner unermüdlichen Arbeitskrast, und überall, wo ein moderner jüdischer Gottesdienst mit Orgel eingeführt wurde, dort ertönen auch die herrlichen Lewandowskiffchen Chöre und ist es sicherlich von hoher Bedeutung, dass selbst hier in Wien, wo der 861111- Zion in geradezu reliquienhafter Weise verehrt wird, die Lewandowski'schen Gesänge eine liebevolle Aufnahme fanden. Die volle Bedeutung seiner Schöpfungen fanden in der Besprechung ״lieber die Entwickelung des Synagogengesanges" Ser. II in diesen Blättern bereits erschöpfenden Ausdruck: wer Genaueres über das Wirken und Streben Lewandvwski's erfahren will, der lasse es sich nicht verdrießen, jene Artikelserie nachzuschlagen. Hier wollen wir nur noch nachdrücklichst hervorheben, dass Lewandowski der-Allererste war, der die bis dahin in protestantisch- oder katholischer Weise behandelte Orgel mit durchschlagendem Erfolge in jüdischem Geiste in die Synagoge einführte. Durch die von ihm in seinen Werken vorgezeichnete Richtung wurde die Orgel Gemeingut beinahe sämmtlicher modernisraelitischer Gotteshäuser. Auch bei seinen anderen profanen Arbeiten, wie beispielsweise bei dem Violin-Concert mit Clavierbegleitung, fanden bekannte Synagogenmelodien liebevolle Ver- Wendung. Dem Menschen Lewandowski ist nur das Rühmlichste nachzusagen: seine Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehre, wie seine Hilfsbereitschaft Nothleidendeu gegenüber sind sprichwörtlich geworden, und Hunderte seiner Schüler, denen er ein fürsorglicher, treuer Lehrer gewesen ist, preisen seine Milde und Nachsicht beim Unterrichte. Mn ist seine Lebensuhr abgelanfen, der Mund, der uns so überaus Bedeutungsvolles kündete, für immer geschloffen. Doch, wenn auch Louis Lewandowski zu seinen Vätern eingieng, sein Geist wird allüberall walten, seine Werke, Kol rinnoli utefilloli, Todo we simroh. und Psalmen, dieser gleichsam seinen vollen Lebensinhalt austönende, mächtige Dreiklang, wird noch lange nachklingen und ihm für alle Zeiten ein ehrenvolles Angedenken sichern. Möge ihm die Erde leicht sein! Wien, im Februar 1894. Obercantor Singer.