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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-02-11 · Heft 5 (11.2.1894) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 5 (11.2.1894)
Date
1894-02-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 5; ©eite. ,6. Gesterreichisch-ungarische Cantoren-Zeitlmg. von Weißkirchen, Herr E h r l i ch, vom Erzherzog in besonderer Audienz empfangen und von demselben in sehr eingehender Weise Hüer.die Verhältniße der hiesigen Cultusgemeinde befragt. Bald voraus ,folgte der Erzherzog einer bei dieser Gelegnheit vorgebrachten Einladung und besuchte die Cultusgemeinede in ihrem Heim. Als Dr. Leimdörfer vor dem Erzherzog die Thora entröllte, ergab der Zufall, dass gerade die Stelle aufgeschlagen wurde, welche heißt: ״Liebe deiner: Nächsten wie dich selbst." Dx., Leimdörfer nahm die Gelegenheit war, darauf hinzuweisen, dass dies auf alle Menschen ohne Unterschied der Geburt und des Bekentnißes sich beziehende Wort einen der Grundpfeiler des jüdischen Glaubens bilde. Eine noch größere Auszeichnung widerfuhr jedoch den beiden Funetionären der Cultugsemeinde dadurch,'dass sie vorgestern zum Diner beim Erzherzog He i n r i ch von Toscana geladen wurden. Im Verlauf der Unterhaltung bezeugte der Erzherzog ein besonderes Interesse an volkswirthschaMchen Fragen und erkundigte sich namentlich sehr eingehend um Pen Bau des Donau-Oder-Canals und die aus demselben erwachsenden.Vortheile' für den Handel und Verkehr. Was aber dem seinen Takt des Erzherzogs ein besonders günstiges Zeugnis ausstellt, ist der Umstanp, dass er in zarter Rücksichtnahme auf die rituellen Gebräuche. seiner Gäste das Geflügel für das Dmer..beim Schächter der Gemeinde schlachten und die Speisen in gcütz neuen, vorher noch nicht gebrauchten Geschirren bereiten ließ. .Brünn. (Zum Empfang des Statthalters) in der letzen Woche war auch der Landesrabbiner Dr. Plaezek erschienen und erfreute sich seitens des Statthalters, sowie der Spitzen' der Behörden und der Magistratur einer auszeichneuden Aufmerksamkeit. Psrng. Letzten Samstag (Schabbath Parschatli mischpötim) begieng der Oberrabbiner-Stellvertreter, Herr Dr. Moriz Täuber, sein 25-jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner der hiesigen Nen-Syuagoge, aus welchem Anlasse der Vorstand in der festlich geschmückten Synagoge eine Feier veranstaltete, an welcher sämmtliche Gemeindevorsteher und viele hervorragende Persönlichkeiten Prags theilnahmen. Die Festrede hielt-der Jubilar und citrrte dabei den Bibeloers (2. B. 24. 3) ״’W’ajowau Moscheh waj’sapper 100m es kol diwre adonaj we’es kol hamisehpoiim, wajaan kol hoom kaul eckod wajaumru kol hadworim ascher dibber adonaj na’asseh1־, welchen Vers er äuch bei seiner Antrittsrede vor 25 Jahren als Thema gewählt hatte. Der Redner apostrophirte dabei die Gemeinde mit folgenden Worten: ״Ich übernahm damals das Amt, Gottes Worte zu verkünden, und diese Mission übe ich bis heute aus. Ihr aber, meine Andächtigen, habt, mir Euer Versprechen gegeben, na’asseh wenisehma, Ihr werdet meine Worte befolgen, sie ausüben; allein Ihr habk Euer Versprechen nicht eingehalten; Ihr habt .es nur theilweise 'eingelöst. Das na'asseh habt Ihr ganz ignorirt, das nischma bitte ich wenigstens treu zu bewahren und fleißiger die Schul' zu besuchen". Vor der Predigt wurde ein von Herrn Emil Brod,!Lohn des Herrn Obercantor A. Brod, dem Jubilar gewidmeter Choral: ״In stiller Andacht beugen wir" gesungen und nach der Predigt Psalm 115, ebenfalls' von Herrn Emil Brod in Musik gesetzt, wobei Herr Obercautor Brod Gelegenheit hatte, mit dem Vortrage eines sehr schonen Solo zu glänzen.. Nach dem. Gottesdienste verließ das Publicum in feierlicher Stimmung das Gotteshaus und begab sich in die Wohnung des Jubilars, wo demselben viele Ovationen dargebracht und., zahlreiche sinnige und werthvolle Geschenke überreicht wurden. 7, Prljrrr. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hat am.4. Aebruär'd. I. in seiner außerordentlichen ad hoc einbM'useneu Plenarversammlung dem Vereine zur Abwehr des Anüstuutisrnns'.für das mannhafte Eintreten zum Schutze der isräeWchen Mitbürger, welche sowohl im gesellschaftlichen als im geschäftlichen Leben durch die widersinnigsten, gefühllosesten dem. Heiste״hes Jahrhunderts hohnsprechenden Angriffe verrohter undiMsllq üw'Mi'ppelter Existenzen, bedroht werden, 'einstimmig den Dg:ft. voiirt' und diesen zur Kenntnis der Vereinsleitung gebracht. "" 7 ... -MWÜ, 5. Februar. Samstag Abends kam es hier im ״Hptel.K'aldeck" zu einem bedauerlichen Conflict zwischen einem Officier der hiesigen Garnison und zwei Bürgern der Stadt. Lieutenant Paul Jkalowicz vom 73. Infanterie-Regiment besuchte gegen 8 Uhr Abends in Begleitung eines zweiten Öfsiciers und des Agenten Kassowitz ails Prag die Weinstube des Waldeck'schen Hotels, wo die Gesellschaft an einem an der Wand stehenden Tisch Platz nahm. Wenige Minuten später erschienen im Locale der Lederhändler Herr Julius Kohn mit seiner Frau und Herr August Löwit, welche sich an den Nachbartisch setzten. Lieutenant Jkalowicz begann sich nun auf seinem Stuhle zu schaukeln und süeß dabei unaufhörlich an den Tisch, an dem das Ehepaar Kohn saß. Von Frau Kohn wegen seines Benehmens zur Rede gestellt, erwiderte der Officier: ״Passt es Ihnen vielleicht hier nicht?", worauf Herr Kohn replizirte: ״Wir sind hier Gäste ebenso gut wie sie." Der Lieutenant rief hierauf in barschem Tone: ״Schweigen Sie; Sie haben hier nichts zu reden!" Herr Kohn blieb die Antwort nicht schuldig und bezeichnete das Benehmen des Offiziers durch einen beleidigenden Vergleich. Hierauf zahlten die Offiziere ihre Zeche und begaben sich in das in demselben Hause gelegene Kaffeehaus, wohin ihnen die Tischgesellschaft Kohn eine Viertelstunde später folgte. Im Kaffeehause kam es nun zu neuerlichen Wortplänkeleiei:, die endlich dahin fübrten, dass Lieutenant Jkalowicz den Säbel zog und einen Hieb gegen den Kopf des Herrn Löwit führte. Welche Ausdrücke den Offizier dazu veranlassten, ist noch nicht sestgestellt. Nach der Aussage Kohn's äußerte der Lieutenant zu ihm: ״Wem: Sie satisfactionsfähig sind, werden wir uns morgen schlagen; wenn nicht, werde ich Sie mit der Reitpeitsche behandeln." Hierauf erwiderte Löwit dem Offizier, er möge sie doch in Ruhe lassen. Nun zog der Offizier den Säbel und versetzte Löwit einen Hieb über den Kopf, der auch den Arm, mit welchem Löwit unwillkürlich parirt hatte, traf. Löwit schleuderte dann einen Sessel gegen den Offizier, woraus dieser nochmals mit gezogenem Säbel ans die Gesellschaft eindrang. Kohn lief nun in den Hof hinaus, wo er niederstürzte. Hier versetzte ihm der Offizier einen Stich in das rechte Schulterblatt. Kohn raffte sich wieder auf und flüchtete in die Weinstube, deren Gäste er um Schutz gegen den ihm nacheilenden Offizier bat. Die Verwundungen des Kohn und Löwit erklären die Aerzte Dr. Hahn und Dr. Löwenstein als nicht besonders gefährlich. Die Angelegenheit wurde der Staatsanwaltschaft und dem Stations-Eommando angezeigt und die Untersuchung ist im Zuge. Jägerndoyf. Am 1. März d. I. feiert unser College, Herr Cautor und Religionslehrer S. Grünblatt, sein 25jähriges Amtsjubiläum, aus welchem Anlasse in der hiesigen Gemeinde Vorbereitungen getroffen werden, um ihren so sehr beliebten und hochgeschätzten Beamten, der 25 Jahre in hiesiger Gemeinde zu allgeineiner Zufriedenheit wirkt, einen Beweis ihrer Anerkennung geben zu können. Herr Cantör Grünblatt hat sich um die Hebung des hiesigen Gottesdienstes große Verdienste erworben. Er war es, der hier einen geregelten und würdigen Gottesdienst einführte, und seine gesanglichen Aufführungen, namentlich am Kaisers Geburtstag, haben eine Berühmtheit weit über Schlesiens Grenzen erlangt. Wir wünschen, dass der geschätzte Jubilar noch lange zur Freude seiner Gemeinde und zur Ehre des Cantorenstandes in ungeschwächter Kraft wirken und schaffen möge. Bass. Am 20. Februar d. I. feiert Herr Obercantor Jeremias Mandl seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wird zu Ehren des Jubilars nebst anderen Ovationen ein Festbankett (Schiw'im-Mahl) veranstaltet werden. Die Einladungen zu demselben versenden im Namen des Comits's Herr Obercautor S. B e r g e r und Herr Cautor I. Braunfeld in Bäja. Berlin. In dem Gefecht bei Alt-Roggenitz und Rudersdörf am 28. Juni 1866 handelte es sich um eine schwierige Position, zu welcher Freiwillige aufgefordert wurden. Zu diesen Freiwilligeu, welche der Lieutenant von Sydow gegen die Kirche fi'chrte, zählte — so wird der Allg. Ztg. d. Judenthüms geschrieben — auch der Grenadier Samuel, welcher bei dieser Gelegenheit den Heldentod fand. Bezüglich darauf ließ sich der Bataillonscommandeur in Betreff der jüdischen Soldaten,' die unter seinen: Commando standen, wie folgt, aus: ״Das Beispiel des Gefreiten

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