Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-02-11 · Heft 5 (11.2.1894) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 5 (11.2.1894)
Date
1894-02-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/1304829-3453304-3453309--3934-3458342
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

יי M H i\ A 1 Nr, 5, Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitnng Seite 5. Wenn wir nebstdem zugleich auch dafür Sorge tragen, dass der einmal angeeignete Wortschatz, oder der einmal erlernte Text dem Gedächtniße nicht entschwinde und bei den auf jeder Stufe des Unterrichtes vorkommenden neuen Wörtern die schon bekannten, ihnen synonymen oder mit ihnen in eilte Begriffsgruppe gehörenden Wörter wiederholen. So können wir darauf zahlen, dass unsere die VII. Classe absolvirten besseren Schüler im Stande sein werden, leichteren hebräischen Text auch bei einfachem Durchlesen zu verstehen. . . In den unteren zwei Classen bildet die biblische Geschichte den Hanptgegenstand des Religionsunterrichtes. Dabei ist jener Umstand zu beachten, dass dessen Stoff nur mit jener Methode sich für den Zweck des Religionsunterrichtes eignet, welche die heilige Schrift in ihrer Darstellung anwendet, indem sie uämlich einerseits ans historischer Basis die Mission des Judenthums begründet, andererseits das Leben des Individuums oder dasjenige eines Volkes vom Gesichtspunkte der jüdichen Religion beleuchtet, sozusagen jene Weltanschauung veranschaulicht, welche die jüdische Religion in der Geschichte anwendet. Solche Geschichten, bei welchen diese Gesichtspunkte vermieden wurden, bilden nicht den Gegenstand des Religions- Unterrichtes oder wenigstens nicht den einer scolarischen Aufarbeitnng und können höchstens nur als Lesestücke in biblischen Geschichten enthaltenden Schulbüchern Platz finden. In der HI. Classe ist die biblische Geschichte abzuschließen; aus der späteren Geschichte der Juden aber sind die wichtigsten Ereigniße der einzelnen Zeitabschnitte zu behandeln, und zwar von dem Gesichtspunkte, dass der Schüler, ehe er zu den religionslitterarischen und religionsgeschichtlichen Studien, welche den Lehrstoff der höheren Classen bilden, übergeht, eine voll-' ständige und klare Uebersicht über die Geschichte des Jndenthums gewinne, den Zusammenhang zwischen dem biblischen Israel und dem Judenthum in der Diaspora verstehe und jenen Herzerhebenden Kampf von mehreren Jahrtausenden zu würdigen wisse, mit welchem es seine, selbst unter größten Widerwärtigfeiten so unerschütterliche Treue und Anhänglichkeit an seine heilige Religion rechtfertigte. (Fortsetzung folgt). und des Wohlthäters, den er ihnen gesandt und der ihnen Gelegenheit und Mittel gewährte zu so ehrbarem Fortkommen. Der Knabe aber, welcher durch so sonderbare Fügung einen so merkwürdigen Gevatter gefunden hatte, war voll diesem, nachdem er ihn gehörig kaufmännisch ausbilden ließ, in sein großes Hails genommen worden, wo er sich durch Fleiß, Treue urid Geschicklichkeit so sehr auszeichnete, dass ihm in diesen! weltberühmten Hause manche wichtige Mission mit Erfolg anvertraut wurde. Das kleine Krämchen zu Hanse kam wieder zu Ehren, und einer der Söhne hat es später zu einer nicht unbedeutenden Specerei- und Schnittwaarenhandlung erhoben. Die Kinder hiengen in übergroßer Liebe und Zärtlichkeit an ihren Eltern. Eines Tages schrieb der im freiherrlichen Hanse bedienstete Sohn nach Hause: Ich theile Euch schließlich noch eine besonders interessante Neuigkeit mit. Der Postbedieustete Kaiser hat sich Veruntreuungen beim Dienste zu Schulden kommen lassen rnid wurde daher entlassen. Kürzlich kam er zu mir und bat um ein Darlehen. Ich sagte. Darlehen könnte ich keines geben, aber schenken wollte ich ihm das Geld. Ich gab's, er nahm's und gieng. Gestern hatte ich auf der Post zu thun. Da sah ich einen Hansen Menschen vor einem Eingänge, und als ich hinblickte, lag Kaiser tobt daselbst in seinem Blute, er hat sich von Schulden gedrängt, ans Verzweiflung mittelst eines Schusses entleibt. Gott sei seiner artnen Seele gnädig! So . sind Gottes Wege dunkel und verschieden! Kleine Chronik.!Vien. Den Bemühungen des Präsidiums des österr.- Ungar. Cantoren-Bereines ist es in letzter gelungen, hervorragende Persönlichkeiten für die Thätigkeit dieses Vereines zu intereffiren. Wie bereits berichtet, hat Herr Baron Hermann von Königsw arter dem Cantoren-Vereine eine Spende von Dreihundert Gulden gewidniet und neuerdings hat der auch als Componist bekannte Prokurist des Hauses Königswarter, Herr Alfred S t r a s s e r, dein Präsidium eine Spende von Einhundertu n d f ü n f z i g Gulden übermittelt. - Wien. Donnerstag, den 8. Februar, 6 Uhr Abends, fand im Leopoldstädter Tempel der israel. Cultusgemeinde eine große Tranerandacht für weiland Oberrabbiner Dr. Adolf Jel linek statt. Das schwarz decorirte Gotteshaus war in seinen weiten Räumen von einem zahlreichen Publicum erfüllt. Unter den Anwesenden bemerkte man den Gesammtvorstand der Cultusgemeinde, Vertreter der türk Gemeinde, bereits sämmtliche Vororte- und Synagogenvorstände, viele Rabbiner, Cantoren, Gelehrte und hervorragende Persönlichkeiten. Die Feier begann mit dem Psalm ״Schim’n 808", welcher von Obercantor G old stein und dem verstärkten Chor, unter trefflicher Leitung des Chormeisters Jos. S u l z e r, erhebend zum Vortrage gelangte. Hierauf bestieg Oberrabbiner Dr. Güdemann die Kanzel und Hielt eine großangelegte Rede, in welcher er die Verdienste des dahingeschiedenen Lehrers und Predigers schilderte und in Anlehnung an den Bibelvers 68 mispar jomecho amale den Nachweis führte, dass auch der Verewigte seinen Lebenszweck voll und ganz erfüllt und seine Lebenstage auf allen Gebieten der Wissenschaft znm Wohle und zur Ehre seiner Gemeinde und des׳ Judenthums ausnützte. Nach der bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck hinterlassenden Rede recitirte Obercantor Goldstein ״EI mole rachamim" und das Kaddischgebet mit vieler Enlpfindung. Piesling. Jüngst hat unser hochgeschätzter Rabbiner ׳Dr. Frankl dem verewigten Meister Dr. Jelinek einen Nachruf gewidmet, der allenthalben mit Begeisterung aufgenommen wurde. Der Redner zog eine Parallele zwischen der segensreichen Thätigkeit des Mischna-Lehrers Rabbi Jochanan ben Sakkai und der des Verewigten. Drei Attribute legten die Schüler des großen Reformators des Jndenthums demselben bei: Her Jisroei, amod hajmini, patisch hachosok, Leuchte Israels, feste Säule, gewaltiger Hammer. Er glänzte als Leuchte Israels durch seine lichtvolle Gestalt, die dem Judenthum eine geistige Auferstehung brachte, er war eine feste Säule durch die Gründung des Lehrhauses in Jamnia, und schwang seinen Haminer der Ueberzeugung gegen den damaligen Parteizwist. Auch der dahingeschiedene Meister Dr. Jel linek glänzte als Leuchte Israels durch seine große Gelehrsamkeit; sein Glaube an den Sieg der Wahrheit, an die Zukunft war fest und unerschütterlich wie eine Säule; und er schwang seinen mächtigen Hammer der Beredsamkeit und der schriftstellerischen Feder zur Verherrlichung des Jndenthums und zur Vertheidigung des Schriftthums. Völlig begeistert war die andächttg lauschende Gemeinde, als der Redner Jellinek's langjährige Thätigkeit schilderte, dessen Heller, milder Geist eine ganze nachwachsende Generation erleuchtete und dem wir, die Jüngern im Amte, wie einst Elischa seinem scheidenden Lehrer nachgerufen: Owi, Owi re che w Jisroei uworosehow. Herr Dr. Frankl erfteut sich in unserer Gemeinde einer außerordentlichen Beliebtheit und hat oft seinen großen Einfluß zu Gunsten des Cantors in die Wagschale geworfen. Die Gradheit und Biederkeit seines Characters verträgt keine Winkelzüge und deshalb ist er auch bei Juden und Nichtjuden beliebt. So haben ihn jüngst der Pfarrer, wie auch die Beamten des fürstlichen Schlosses in seiner Amts- Wohnung mit ihrem Besuche beehrt. Mähr. Weiskirchen. In der hiesigen Bevölkerung wird ein Vorfall außerordentlich beifällig besprochen, der die edle Denkungsart des Erzherzogs Heinrich von Toscana, der sich an der hiesigen Militär-Öberrealschule befindet, in überaus Hellem Lichte erscheinen lässt. Vor kurzer Zeit wurden der Rabbiner Dr. Adolf Leimdvrser und der Cultusvorstand

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.