Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 5 (11.2.1894)
- Date
- 1894-02-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 7. Nr. 5. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Samuel steht nicht allein da. Vielfach zeichneten sich seine Glaubensgenossen wahrend des Feldzuges aus. Es war, als ob sie sich das Wort gegeben hätten, der alten Vorstellung von ihrer Kriegsunlust und Untüchtigkeit ein Ende zu machen." Und weiter heißt es: ״Beim ersten Bataillon des Leibregiments waren drei Juden als Reservisten eingezogen worden. Einer, nicht mehr jung und korpulent, litt entsetzlich. Seine Füße waren wund. Dennoch machte er das Gefecht bei Gitschin im heißesten Sonnenbrände von Anfang bis zum Ende mit. Er war nicht zu bewegen gewesen, vorher ins Lazareth zu gehen." So zu lesen in dem Werk: ״Der deutsche Feldzug von 1866" von Theodor Fontane. 1. Band. ״Der Feldzug. in Böhmen und Mähren" S. 413. Hannover. Am Sonnabend, den 3. d. M., Früh durchlief die Trauerkunde von dem Hinscheiden des Geheimen Commercienrathes Louis E. Mayer, einer allgemein hochgeachteten und in weitesten Kreisen beliebten Persönlichkeit, unsere Stadt. Unverhofft kam die Schreckensbotschaft und berührte daher umso schmerzlicher. Wer kannte ihn nicht, den Mann, dessen ganzes Streben darauf gerichtet war, die Wohlthätigkeitsinstitutionen unserer Gemeinde durch die Gaben seiner stets hilfsbereiten Hand zu fördern, die Thränen der Armen und Verlassenen trocknen zu helfen! Es wäre vergebliche Mühe, wollte ich es versuchen, die großen Verdienste des Verewigten, die er sich als Vorstandsmitglied um unsere Gemeinde erworben hat, einzeln auszuzählen, die Früchte seines segensreichen Wirkens zu schildern, dazu fehlen mir die Worte: ist doch bereits im vorigen Jahre an dieser Stelle berichtet worden, in welch' hervorragender Weise sich der Verstorbene nur unseren Synagogen- Chor, dessen langjähriger Präsident er gewesen, verdient gemacht hat. Heute stand eine unabsehbare Anzahl Leidtragender in tiefer Trauer an der Bahre des Mannes, dessen Werke edler Menschenliebe ihm ein dauerndes Denkmal in unserer Gemeinde errichtet haben, und zahlreiche kostbare Blumenspenden und zahllose Beileidsbezeugungen von Nah und Fern legten Zeugnis ab von der Liebe und Achtung, die der Verblichene sich tveit und breit erworben hat. Die Vereine verlieren in ihm den edlen Förderer ihrer idealen Zwecke, die Beamten den treuen Freund und Berathec, der ihre Interessen stets mit voller Hingäbe vertreten hat, die Gemeinde einen ihrer besten Männer. Heute ist er zur ewigen Ruhe bestattet worden neben seiner ihm vor 4 Jahren im Tode vorausgegangenen Gattin, einer edlen Wohlthäterin. Ein frisch aufgeworfener Sandhügel deckt nunmehr die lleberreste eines Mannes, der eine stattliche Anzahl von Jahren zum Heil und zum Segen in unserer Gemeinde' gewirkt hat, möge ihm in jenen seligen Höhen reichlicher Lohn zutheil werden für die Werke seiner Liebe, möge er sanft schlummern und ausruhen von den Mühsalen seines schaffens-' reichen und gottgerechten Lebens! B. Königsberg. An die hiesige Universität ist von der Universität Bonn der außerordentliche Professor der philosophischen Facultät Minkowski berufen worden. Der jugendliche Gelehrte, ein Bruder des Vorsitzenden des hiesigen ״Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur", Max Minkowski, löste im Alter von 21 Jahren eine mathematische Preisaufgabe der. Acadeniie in Paris und wurde damals viel in den Tagesblättern genannt. An unserer Albertus-Universität wirkte bereits vor einem Decennium ein Glaubensgenosse als Professor der machemachischen Wissenschaften, namens Hurwitz, der sich durch gleiche Frühreife auszeichnete, da er im Alter von 24 Jahren Professor wurde. Die Albertina tritt in Bezug auf confessouelle Vorurtheilslosigkeit in gleiche Reihe wie die Schweizer Universitäten, ja übertrifft dieselben vielleicht noch in dieser Hinsicht. Juden, nicht nur dem Namen nach, sondern mit vollem, thatkräftigem Eintreten, auch an der Spitze unserer Gemeindeinstitutionen und wohlthätigen Stiftungen, sind als ordentliche Professoren der hiesigen Universität zu nennen: Der Pharmakologe Jaffs, anch mit der Centralleitnng des Reichsgesundheitsamts betraut, Professor Samuel, zugleich erster Vorsteher der hiesigen Hauptgemeinde, desgleichen Professor Schreiber. Wenn wir die Privatdozenten hinzurechnen und, um den Rassenantisemiten in ihren statistischen Bestrebungen zu Hilfe zu kommen. die getauften Juden mit einrechnen, zählt die Albertina etwa 25 ״Semiten" als Universitätslehrer, ist also nach antisemitischer Dvctrin durch und durch ״verjndet", um so mehr, als Männer von gelehrtem Weltruf, wie der Archäologe Gustav Hirschfeld bei der jüngsten Ordensverleihung besonders ausgezeichnet worden sind; der an der Spitze des hiesigen israelitischen Studienbeförderungsvereins stehende Professor Jaffs hat bereits früher den Rothen Adler-Orden erhalten. Der obenerwähnte Professor Minkowski muß zudem die Freunde des- Antrags Hammerstein besonders interessiren, denn er ist seinem Nationale nach ursprünglich nicht einmal Inländer — seine Eltern und aus dem russisch-jüdischen Ansiedlungsrayon hiehergezvgen — er wie sein in Straßburg als Assistent Nanny's für innere Medizin doziren der Bruder sind Urenkel des in Rußland als gelehrter Talmndist bekannt gewesenen Rabbiners Aron Karliner aus dem Äowno'schen Gouvernement. Sofia. Dienstag, den 30. Jänner hielt der Großrabbiner Dr. M. Grünwald iu der großen Synagoge zu Sofia eine patriotische Rede in spagnolischer Sprache anlässlich der glückliehen Entbindung unserer Fürstin Marie Louise. Ter neugeborene Prinz erhielt den Namen B o r i s, Prinz von Tirnova, Herzog von Sachsen. Petersburg. (Pobedonvszew über die Juden). Ter Oberproeurator der heiligen Synode, Geheimrath Pobedonoszew unterbreitet alljährlich dem Czar einen Bericht iiberj&ie Thätigkeit der orthodoxen Kirche, wobei auch immer die Stellung zu den übrigen Confessionen behandelt wird. Der heurige Bericht ergeht sich in heftigen Ausfällen gegen den Katholizismus nttd Protestantismus, deren schädlicher Einfluss auf die Moral der Rechtgläubigen von geistlichen und weltlichen Behörden bekämpft werden soll. Günstiger ist das Urtheil über die mosaische Lehre. Die betreffende Stelle im Bericht lautet: ״Die Juden sind der Orthodoxie nicht so feindselig gesinnt wie Katholiken und Protestanten, so dass von Seite der Anhänger der mosaischen Consession der russischen Kirche und der Bevölkerung keine so große Gefahr droht." Obzwar Pobedonoszew im weiteren Verlaufe seines Berichtes die Regierung zur Vorsicht mich den Juden gegenüber mahnt, so ist doch sein Urtheil über die Inden als Religionsgenossenschaft von hohem Interesse. Tenn Geheimrath Pobedonoszew sprach in seinen früheren Berichten über die Juden ganz anders. Ob das überraschend günstigere Urtheil des diesjährigen Rechenschaftsberichtes über die Inden die Lage derselben bessern werde, entzieht sich vorläufig der Entscheidung: dass aber dieses Urtheil dazu beitragen wird, den Kampf der russischen Geistlichkeit gegen die Inden ein wenig zu mildern — daran zweifelt hier Niemand. Stellenvrrändrrungrn. j?err Heinrich Schön als Cantor von Weitentrebetitsch nach Freiwaldau; Herr Michalowsky von Holics als Cantor nach Holleschau; Herr Papier, bisher Chordirigent in Holics zum II. Cantor daselbst; Herr Josef Schlesinger, aus der ״Cantoren-Bildungs-Anstalt" des Ober-Cantor Bauer tu Wien, als I. Cantor nach Marienbad. Nach Schluss des Blattes ringelangk. Louis Lewandowski. Der in weitesten Kreisen bekannte königliche Musikdirektor, Professor L. Lewandowski in Berlin, ist Sonntag, 4. Februar morgen, nach kurzem Krankenlager im Alter von 75 Jahren gestorben. Professor Lewandowski war ungefähr 40 Jahre hindurch als Leiter des Synagogenchores der israelitischen Gemeinde thätig. Lewandowski wurde unter Kaiser Wilhelm I. gelegentlich mehrerer vor dem Kaiserpaare veranstalteten MnsikanffühEügsn zum Königlichen Musikdirector unb vom Kaiser Wilhelm 11. zum Professor der Musik ernannt. Ter greise Componist verlor vor 14 Tagen seine gleichfalls betagte Gattin, ein Umstand, welcher den alten Herrn auf das Krankenlager warf.