Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 5 (11.2.1894)
- Date
- 1894-02-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5. Gesterreichisch-nngarische LanLoren-ZeiLnng. Seite 3. und fast gleicher Größe nach 3 verschiedenen Methoden. Das erste wurde geschlichtet, das zweite nach der Berliner Methode, durch Betäubung und Halsschnitt getödtet, das dritte durch Betäubung und Bruststich. Beim ersten stoffen bei einer Blutmenge im Körper von 111 Gramm 80 Gramm, beim zweiten bei 103 Gramm 50 Gramm, beim dritten bei 108 Gramm nur 30 Gramm Blut aus. Aus diesen überraschenden Versuchen geht hervor, dass deshalb das Schächten die beste Methode sei. Das haben auch etliche Berliner Großschlächter erkannt und diese tödten ihr Vieh auf diese Weise, um dadurch ein besseres, haltbareres Fleisch zu erzielen. Die Gesellschaft schloß sich den interessanten Ausführungen des Prof. Dembo vollständig an, nur von einer Seite wurde Zweifel gehegt, ob das zum Schächten nothwendige Niederlegen der Thiere für diese nicht quälvoller und seelisch schmerzlicher sei als das Betäuben durch Kopfschlag. Dagegen erwiderte Professor Dembo, dass von seelischen Schmerzen beim Vieh gar keine Nede sein könne nach all den Erfahrungen, die er gesammelt hätte. Ein Rind lässt sich meist vom kleinsten Jungen ohne Widerstreben ins Schlacht- Haus führen, wo ihm der Blutdunst entgegensteigt, wo es die Leichen seiner getödteten Artgenossen erblickt, und wartet ohne jedes Zeichen der Angst oder Furcht auf den Todesstreich. Was das Niederlegen anbelangt, so hat man jetzt ganz einfache Methoden, bei denen absolut keine Qual stattfindet, und die ja auch bei kranken Thieren zwecks Heilung angewendet werden. Dass das Thier fällt, ist kein Beweis dafür, denn es ist vorgekommen, dass Ochsen, die man schon für bewusstlos hielt, wieder aufsprangen und das größte Unheil anrichteten. Auch kranke Menschen halten die Aerzte bisweilen für bewusstlos und besprechen ihren unvermeidlichen Tod — und nachher erzählt der Kranke, dass er alles gehört Hütte, nur nicht im Stande gewesen wäre, Lebenszeichen von sich zu geben. Betäubte Schweine sind wieder aus dem Siedekessel gesprungen. Selbst beim Kaninchen genügten zwei Schläge nicht — beim ersten Schlag blieb es noch bei vollem Bewusstsein — was kann man da beim Rind erwarten? Betrachtet man die Sache vom physiologischen und sanitären Gesichtspunkte, so ist das Niederwerfen und Durchschneiden der Halsarterien (die jüdische Schächtmethode) zur Zeit als die beste Tödtungsart zu bezeichnen. * * * Das Frankfurter ״Evangelische Gemeindeblatt" hatte in einer der letzten Nummern eine Zuschrift über das Schächten veröffentlicht, welche sich dahin aussprach, dass die Juden sich einem eventuellen Schächtverbot aus Gründen der Moral unterwerfen müssen. Darauf antwortete Pfarrer Battenberg in demselben Blatte wie folgt: ״Man findet es grausam und abscheulich, dass unter dem Deckmantel religiöser Vorschriften so viel Tausende von Schlachtthieren alljährlich auf's grausamste gequält werden sollen. Man meint, die humanen Rücksichten müssten hier über den religiösen stehen. Denn was nicht human sei, könne erst recht nicht den Anspruch erheben, fromm genannt zu werden. Man meint, es handle sich hier lediglich um eine äußere Form des jüdischen Cultus, welche lediglich durch das eigensinnige Festhalten der Juden an ihren eigenthümlichen Absonderlichkeiten sich bis in die Gegenwart behauptet habe, und es müsse demgegenüber verlangt werden, dass auch die Juden wie alle anderen Bürger sich unter die von den Rücksichten der Moralität und des Staats- Wohls gebotenen Gesetze zu fügen hätten. Sicherlich, wer auf dem Boden des Staates lebt, hat dessen Gesetze zn respectiren, oder er wandere ans. In diesem Punkte stimme ich vollständig mit Ihnen überein. Aber es ist doch ein großer Unterschied, ob es sich um die Befolgung bestehender Gesetze handelt oder um die Neuschaffung solcher, im Falle dadurch berechtigte Interessen eines großen Theils der Bevölkerung auf's ernstlichste geschädigt werden. Für den letzteren Fall darf man sich doch nur dann entscheiden, wenn wirklich jene Rücksichten der Moralität oder des Staatswohles entschieden dazu nöthigen. Wir müssen uns in Zeiten solcher Erregung, wie es gegenwärtig bezüglich der ״Judenstage" der Fall ist, besonders genau prüfen, ob nicht die Forderung eines solchen Gesetzes lediglich dem Hass und der Leidenschaft entstammt, ob nicht die Humanität nur der vorgeschützte oder doch der eingebildete Grund jener Forderung ist. Glauben Sie nicht selbst, welche Freude würde es unfern Antisemiten machen, wenn man ausfindig machen könnte, dass die Beschneidung oder die Enthaltung von Schweinesteisch unsittlich oder staatsgefährlich wäre, wenn man die Juden zur Blutwurst und zum Schinken verurtheilen könnte! Und nun will es mir doch durchaus scheinen, als ob dies so plötzlich auf diesem Einzelpunkt zu Tage tretende Mitleid mit den armen Thieren kaum vereinbar wäre mit der seither und sonst so vielfach gezeigten Erbarmungslosigkeit gegen diese Geschöpfe. Wie steht es denn mit unseren Wettrennen, mit den Parforce- und Distanzritten? Man wendet ein, dass solche zur Erzielung eines guten Pserdematerials mit Rücksicht aus die Vaterlandsvertheidigung nothwendig seien. Auch hier wird die offenbare Thierquälerei eines patriotischen Zweckes wegen geduldet, ganz abgesehen davon, dass es doch sehr dahinsteht, ob dieser Zweck nicht ohne solche Grausamkeit erreicht werden könnte. Und Hand aufs Herz! Wie gering ist doch der Procentsatz derer, welche wirklich noch bei dem Pferdesport von diesen idealen Interessen geleitet werden, bei welchen derselbe nicht vielmehr sowohl Wirkung wie erst recht wieder Ursache der Vergnügungssucht und vom sittlichen Standpunkt aus betrachtet recht fragwürdiger Liebhaberei ist! Und wie steht es mit der Jagd? Vom Abschießen der Singvögel oder gar vom Taubenschießen zn schweigen, ist es freilich richtig, dass man nicht jedem Hasen, bevor man ihn todt schießt, einen Kopfschlag versetzen kann. Aber um vom moralischen Standpunkte aus zu nrtheilen, ist es wirklich nur das Interesse der Wildversorgnng, welches unsere noblen Herren auf die Jagd gehen lässt, welches sie so manches arme Thier in oft tagelange grausame Qual versetzen lässt? Und wie e׳.:dlich steht's mit den Froschschenkeln und so mancher anderen Liebhaberei der Herren Junker und Geldprotzen christlicher und jüdischer Consession, z. B. den Gänselebern? (Schluss folgt.) Der jüdische Religionsunterricht in Budapest. (Fortsetzung.) Der systematische Unterricht auf Grund des Urtextes beginnt eigentlich erst in der IV. Elaste. Didactische Gesichtspuncte erheischen es, dass dieser Unterricht mit solchen biblischen Partien zn beginnen hat, welche der mit dem Alter des Zöglings schritthaltenden und noch auf schwacher Stufe stehenden Verstandesentwicklung entsprechen und in welchen sich die Seelenwelt des an Gott glaubenden Menschen, die Gedanken vom menschlichen