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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-02-11 · Heft 5 (11.2.1894) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 5 (11.2.1894)
Date
1894-02-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Mesterreichisch-tingarische Lantoren-Aeitung. Nr. 5. nicht anders sein, da die bezeichnete Skala, wie ersichtlich, die Tonfokge einen modernen Noll-Tonleiter anfweist. Wohl bemerkt der Antor Ln Paranthese, dass die Secunde, Terze, Sexte, und Septime nach oben oder nach unten alterirt werden kann, bleibt uns jedoch den Nachweis schuldig, wo und wann diese Intervalle alterirt werden sollen. Wie kann nun von einem Principe und einer aus dieser principiellen Tonfolge resultirenden Characteristik die Rede sein, wenn die Intervalle, je nach subjectiver Auffassung bald erhöht, bald vermindert werden können? Wie soll man einein Cantoratscandidaten die Folgerichtigkeit einer Tonverbindung erklären, die strenge genommen, eigentlich eine Folgeunrichtigkeit aufweist? Doch nehmen wir den Fall, der Autor habe die von ihm aufgestellte Tonfolge, beziehungsweise die dieser Tonfolge innewohnende Characteristik, wirklich irgendwo gehört und daher vollberechtigt diese Tradition überkommen, wodurch ist der Beweis erbracht, dass seine ererbte Tradition die allein richtige sei? Heutzutage, wo die Traditionsgesänge verschiedener anerkannter Fachgenossen gewissermaßen gedruckt vor uns liegen, ist es doch wirklich leicht, diesen Gegenstand zu klären, wenn man nur nicht eigensinnig auf seinem Schein besteht und die Anschauung eines Andern kurzweg verwirft. Deutsches ״Vorbeterschule" bringt das Jischtabach-Recitativ mit großer Terz; Bae r's ״Baal tefillah" erklärt in einer Anmerkung, dass die Terz auch ״groß" gesungen wird; Goldstein in seiner Streitepistel stellt in der gleichzeitig erschienenen Musikbeilage die große Terz als festes Intervall der Jischtabach-Tonart hin re., und der Schreiber dieser Zeilen, der eure doppelte Tradition Nachweisen kann, u. z. die von seinem Vater, welcher viele Jahre bei Dowidel Brod und Jtzekel Kanarik Meschorer war, und die seines^ einstigen Vorgängers in Beuchen, des berühmten Bassisten Kaschtan's, mit Namen Mordche Perez Weint raub, weiß sich nicht zu erinnern, bei Jischtabach jemals eine kleine Terz gesungen und gehört zu haben. Und ist es nicht sonderbar, dass der verehrte Herausgebern in seiner charakteristischen Skala das 6-18 nicht vorzeichnet und: gleich im allerersten Takte seines beigegebenen Recitativs sich veranlasst sieht, das ominöse Kreuz dem 6 voranstellen zu müssen? Das Recitaüv ist wirklich gut gearbeitet, doch empfehlen wir, die aufgestellten Noten nach der Tonfolge E. E. Gis. A. H. C. D. E. zu singen, und man dürfte sofort zur Ueberzeugung gelangen, dass das Tonstück hiedurch wesentlich an jüdischer Charakteristik gewinnt. Und die kleine Secunde! Weshalb verpönt der verehrte Autor dieselbe aus dieser Skala, während er dieselbe S. 126 gelegentlich des Abawob rabbob so prächtig hinstellt? Der Autor möchte demnach zwischen der Jiscbtabbacb- und Abawob rabbob-Recitationsw eise haarscharf unterscheiden; auch wir sind uns dieses Unterschiedes vollbewusst und wiesen seinerzeit auf den Umstand hin, dass wir deshalb die Bezeichnung Jiscbtabacb-Steiger wählten, weil der moderne jüdische Cantor bei seinenü Synagogenvortrage wirklich keine Muße findet, all diesen feinen Jntervallunterschieden — die übrigens selbst nach beit Ausführungen des Herausgebers willkürlich sind, demnach auch nicht als feste Regel hingestellt werden können —- gerecht zu werden. Zudem erweist sich die Nutzanwendung der vom Herausgeber bezeichneten Jiscbtabacb-Scala bei andern Gebetstellen als eine solch) minimale, dafür aber die Verwendung der von uns angeführten, als eine beinahe durchwegs allgemeine, dass wir f elbst heute noch, nachdem schon so vieles über diesen Gegenstand geschrieben, gedruckt und gesprochen wurde, nicht anstehen, als Bezeichnung der spezifisch jüdischen Tonart E. E. Gis. A. H. C. D. E. gleichsam als Krönung der Gesammtgruppe, Jiscbtabacb-Steiger zu empfehlen. Doch darob wollen wir nicht hadern; schon aus wirklicher Verehrung (Abawob rabbob) stehen wir nicht an, unser Preislied (Jiscbtabacb) auf dem Altäre der synagogal-gesanglichen Bestrebungen hinzuopfern, wenn nur aus diesem Conglomerate widerstrebender Ansichten das Princip einer spezifischjüdischen Tonskala sich herausbildete, zum Heile für den Synagogen-Gesang und als lebendiges Zeugnis, dass die jüdischen Cantoren unserer Zeit redlich mitgearbeitet an dem heiligen Baue der synagogal-gesanglichen Entwickelung. Möge die Skala Jiscbtabacb oder Abawob rabbob heißen — gleichviel, wenn sie uns nur als hellstrahlende Leuchte (Or cbodoscb) voranleuchtete zur Klärung und endlichen Feststellung des heiligen Gegenstandes. (Fortsetzung folgt). Zur Schächtfrage. Freitag, den 26. Jänner, hielt Herr Professor Dembo aus St. Petersburg in der physiologischen Gesellschaft in Berlin über ״die verschiedenen Schlachtmethoden" einen Vortrag, der die Resultate jahrelanger Studien auf diesem Gebiete in Rußland, Deutschland und der Schweiz zusammenfasseud darstellte. Das Thema hatte insofern ein actuelles Interesse, als dabei in eingehender, sachgemäßer Weise auch das jüdische Schächten der Thiere besprochen wurde, das im Augenblick zahlreichen Angriffen seitens der Antisemiten und auch einiger Thierschutzvereine 'ausgesetzt ist. ׳ : Die qualvollen und inhumansten Tödtungsarten, so führte der Vortragende aus, sind die mittelst Nackenstich und der Maske. Beim Nackenstich bleibt das Thier bei vollem Bewusstsein, wie eine zur Prüfung der Schlachtmethoden in Petersburg eingesetzte Commission, der er auch angehört hatte, durch wiederholte Versuche bewiesen hat. Hunde und Ochsen ftaßen nach dem Nackenstich noch ihnen dargereichtes Futter; ja ein Hund war noch bei so klarem Bewusstsein, dass er das Futter von einem Wärter, der ihn stets schlecht behandelt hatte, abwies, dagegen von einem anderen Wärter, der ihn gut behandelt hatte, annahm. Bei Anwendung der Maske waren durchschnittlich 4—5 Schläge erforderlich, ehe der Bolzen ins Gehirn eindrang, und auch dann schwand das Bewusstsein noch nicht, da das Rückenmark, wie die von Professor Dembo gemachte Section erwies, absolut nicht verletzt war. Um eine Betäubung hervorzurufen, waren bei 4000 beobachteten Füllen durchschnittlich 8—9 Schläge erforderlich. Es ist nun eine durch die Wissenschaft bewiesene Thatsache, dass Verhinderung der Blutzufuhr zum Gehirn unbedingt momentane Bewusstlosigkeit zur Folge hat. Dies wird erreicht beim Durchschneiden der beiden Halsarterien, wobei — nach höchstens 4 bis 5 Secunden volle Bewusstlosigkeit eintritt. Demgemäß wäre die Schlachtmethode, wenn man den Ausdruck anwenden darf, die idealste, welche die Blutzusuhr zum Gehirn unmittelbar abschneidet. Einem solchen Ideal konnnt am nächsten der seitens der jüdischen Schächter geübte Halsschnitt. Eine Frage von höchster Wichtigkeit ist andererseits die betreffs der Haltbarkeit des Fleisches. Thatsache ist, dass je Weniger Blut im Fleische bleibt, letzteres um so haltbarer ist. Professor Dembo schlachtete 3 Kaninchen von demselben Wurf

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