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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-02-11 · Heft 5 (11.2.1894) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 5 (11.2.1894)
Date
1894-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Cantor Oesterreichisch-ungarische Pränumcratlons-Preis. 3iür(!Iautc1r£HXt.<EuItu0bcamte in Sesterrriltr-Angarn Gcn'.zjähris,.fl. 4.— Hallijälirig.fl. 2.— FürCantorrnn.Cnltnsbramte im Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig . .' - . . fl 6.— Central-Organ für die Iilteresfen der Cantvren und Cullusbeamtrn. Erscheint jeden zehnten Tag. Zeitun! ■ Redaclion und Administration Wien II., Novarag ajse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Mannscriptc werden nicht retonrnirt. Begründer: Obercantor iaevb Lauvr. Nbonnemontsn. Infertivna. betrage stnd in Wien zahlbarc. 5. Wien» 11. Februar 1694. 14. IMrgang. Aivodas Iisroel. Der israelitische Gottesdienst (Mannseript 404 S.) von I. L ach manun. Besprochen von Obercantor Singe r, Wien. Es ist stille geworden ans synagvgal-gesanglichem Gebiete. In einer Zeitepoche, da ein Schofar für eine alttestamentarische Mnsikreliquie lind die Niguuim-Sammlung eines. Vorbeters gepwiesen werden; in einer Zeit, wo die musikalische Thäügkeit getailfter und ungetanster Juden als ״Glanzperiode jüdischer Tonkunst in Mantua" mit neideswerther Eloquenz gerühmt und mit einem staunenswertheil, aber unvermittelten Lalto mortale auf die berühmten Madrigale Sal. Roffi's abgesprungen wird, weil man mit elegantem Bedauern die. Behanptnilg herbeizerren möchte, dass die heutigen Synagogenchorkräfte den.künstlerischen Anforderungen dieser bezeichneten Madrigale nicht gewachsen wären, dabei jedoch wohlweislich den nöthigen Nachweis vorenthält, welcher Qualität jene Gesmigskräfte waren, die in den Synagogen*) zur Zeit Salomon Rossi's dessen Madrigale aufführten— in einer solchen Zeitepoche inüsste allerdings die synagogal-gesangliche Muse trauernd ihr Haupt verhüllen, müsste jeder lautere, den Thatsachen entsprechende Bestrebllngsversuch auf synagogal-gesanglichem Gebiete schon im Keirne ersterben. Diese und ähnliche geistige Bergewaltigungen hemmen allerdings die Thäügkeit weniger eingeweitster Fachgenossen, allein hie und da regt es sich dennoch, und in stiller Verborgenheit keimt und grünt ein erquickendes, lebenswarmes Pflünzcherl und erhebt sich endlich zu einer Hohe, welche die Beachtung auf sich lenkt und dieselbe auch vollauf verdient. . Einer solch' stillen, aber überaus beachtungswerthen Arbeit begegnen wir in dem vorliegenden Werke I. Lachmann's, (Hnrben, Baiern). Beachtenswerth nicht allein wegen seiner räumlichen Ausdehnung, als vielmehr durch die geradezu erschöpfende Fülle des hierin niedergelegten altsynagogalen Gesangsmaterials. Nur ein jüdischer Cantor, der noch Gelegenheit *) Es wäre interesjcmt zu erfahren, in welcher Synagoge überhaupt .Rossi'sche Madrigale aufgeführt wurden. hatte, innerhalb des ganz alten Synagogenrituales zu wirken, ist im Stande, diese Arbeit vollauf zu würdigen. Wie eilt Gruß ans weiter, weiter Ferne berühren diese nicht mehr üblichen Texte, wie eine längst verklungene liebliche Weise aus der holden Jugendzeit klingen diese Melodien zu den verschiedenen al horisclionim, ze’enali nr’enali, se’miros 2c. zu uns herüber, und wo wir auch suchen, wornach wir cnlch forschen, Alles, Alles findet sich hier an geeigneter Stelle׳ mit kundiger Hand ver- ״zeichneübegegnen hier keinem Hinweise aus ähnlich zu singende Stellen, sondern der Autor ließ es sich nicht verdrießen, durch Wiederholungen derselben Melodie bei verschiedenen Texten seinem Werke die möglichste Vollkommenheit zu verleihen, mit) es ist ihm dies — die Anerkennung muß unbeschränkt zuerkannt werden — auch vollauf gelungen. Nach dem vorangeschickten Zugeständniße der preisenswerthen Bethätigung einer seltenen Arbeitskraft hätten wir den! vorliegenden Werke gegenüber nichts mehr zu erwähnen mib könnten füglich diesen Au ff atz als beendigt betrachten, wenn es uns nicht obläge, auch dem geistig-meritorischen Inhalte des vorliegenden Buches unsere Beachtung zuzuwenden/ Der' Autor stellt für die disoütaüaoü-Characteristik eine Tonskala E. Fis. G-. A. H. C. (cis) D. (dis) E. ans. Wir begrüßen diese Ausstellung als solche Herzlichst, da es doch früher überhaupt Niemandem einfiel, eine Skala auszustellen; allein schon im allerersten Tacte seines Jischtabach-Recitativ, n. zw. bei koruok attoh adonoj drängt sich ein in der Skala nicht vvrhergesehever Halbton, das Gis, in unliebsamer Weise auf. Ganz befremdet betrachten wir den Eindringling, doch dieser geberdet sich nicht als solcher, sondern tritt ganz vollbewnsst in den Vordergrund, weil er dem Tonsüicke ein farbenprächtiges Gepräge verleiht. Dieses Gis kann nicht einmal als Schreibfehler erachtet werden, denn es kehrt in der Schlussphräse des Kaddisch bei we’imrii omen ganz folgerichtig wieder: nun wäre die Existenzberechtigung dieses verpönten Gis nachgewiesen. Und die kleine Secunde? Sonderbar! Ueberall, wo dieselbe als großes Intervall, also E. Fis, und namentlich bei den Sechszehntelpässageu bei dem Worte we’jiskadascli E. D. C. H. A. G. Fis E, wo die Melodie eine vollständige Skala bildet, vorkömmt, tritt die Wirkung einer modernen T o n v e r b i n d u n g aus, und es ׳ kann ja ׳ auch

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