Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1894)
- Date
- 1894-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Nr. 4. Mesterreichisch-ungarische Eantoren-Aeitung.; Kleine Chronik. 4 Wien. Der Reichsraths-Abgeordnete Hof- und Gerichts-׳ advokat Dr. Heinrich Jaques, eines der angesehensten und.: begabtesten Mitglieder der liberalen Partei, hat in einem Au-, falle von Melancholie seinem Leben ein Ende gemacht. Dr. Jaques war ein unermüdlich thätiger Mann, der Jahrzehnte hindurch auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens Ersprießliches leistete, der aber namentlich durch seine wissenschaftliches Bedeutung als Jurist ebenso großes als berechtigtes Ansehens erworben hatte. Auch für die Interessen'seiner jüdischen Glaubensgenossen ist der Verewigte, namentlich" in früheren Jahren, zu wiederholten Malen erfolgreich eingetreten. Die Werthschätzung und Beliebtheit, deren sich Dr. Heinrich Jaques zu erfreuen hatte, kamen bei seinem Leichenbegängniße in imposanter Weise zum Ausdrucke. Alle Gesellschaftskreise der Residenz, seine Collegen im Abgeordnetenhause und die von ihm vertretene Bürgerschaft des ersten Bezirkes gaben ihm das letzte ׳geleite und gestalteten so die Trauerfeier die Sonntag, den 28: v. M. 10 Uhr, stattfand zu einer würdigen Kundgebung für den verstorbenen Parlamentarier. In! Trauerhause waren anwesend: Finanzminister Dr. v. Plener, Präsident des Obersten Gerichts- Hofes Dr. v. Stremayr, Präsident des Abgeordnetenhauses Baron Chlumecky, Senats-Präsident Graf Kuenburg, Graf Philipp Boos-Waldeck, General-Proeurator Crammer, FML. Freiherr v. Lehne, Präsident des Verwaltungsrathes der Südbahn Egon Prinz zu Hohenlohe mit dem Verwaltungsrathe Graf Markus Bombelles, Präsident der Advokatenkammer Dr. Ritter v. Mündel mit dem Vice-Präsidenten Dr. Feistmantel, Präsident der Notariatskammer Dr. Frischauf, Präsident der Handels- und Gewerbekammer Mauthner, Albert Freiherr v Rothschild, David Ritter v. Gutmann, Professor v. Schrötter, Landesausschuss Dr. Weitlos, die Herrenhausmitglieder Dumba, Hofrath v. Härtel und Ritter v. Gomperz, die Abgeordneten Ruß, Brenner, Kopp, Eduard Sueß, Marchet, Beer, Bloch-, Wrabetz, Schwab, Naubcr, Kronawetter, Otto Pollak, Scharschmied, Wagner, Jaksch, Dostal und Eim, Vice-Bürgermeister Dr. Richter und zahlreiche Gemeinderäthe und -Vertreter der Wiener Cultusgemeinde. Um halb zehn Uhr executirte Ober- Cantor Singer die rituellen Gesänge, worauf Ober-Rabbiner Dr. Güdemann dem Verblichenen einen kurzen bedeutsamen Nachruf hielt. Unter dem Gesang von Psalmen wurde der Sarg um 10 Uhr gehoben und aus den vierspännigen Leichenwagen gebracht. Inmitten eines dichten Spalieres bewegte sich der Conduct, indem die Leidtragenden hinter dem Sarge schritten, bis zur Hofoper. Hier wurden die Wagen bestiegen, und der Zug setzte seinen Weg zum Hietzinger Friedhof fort. Finanzminister Plener, Baron Bezecny, Dr. Ritter v. Mündl, Professor Eduard Sueß, Professor Gomperz, mehrere Reichsrathsabgeordnete, Stadt- und Gemeinderäthe, persönliche Freunde und die Familienmitglieder folgten bis zur letzten Ruhestätte. Uni dreiviertel 11 Uhr hielt der Trauerwagen vor dem Friedhofsthore. Der Sarg wurde auf eine Bahre gehoben, zur Familiengruft getragen und in die Tiefe gesenkt. Zunächst trat Abgeordneter Dr. Victor Ruß an das offene Grab, um dem Verblichenen Namens der Partei einen tiefempfundenen Nachruf zu Hallen. Nach ihm sprachen der Präsident der nieder-österr. Advokatenkanuner Dr. Ritter von Mündl, Professor Dr. Gomperz und Dr. Linke. ' Wien. Wie bekannt, hat der antisemitische Abgeordnete Schneider jüngst im niederöst. Landtage den Antrag, aus Abschaffung des jüdisch-rituellen Schlichtens gestellt. Angesichts dieser Tatsache, deren Verwirklichung wohl nicht, zu befürchten ist, dürfte nachfolgendes Gutachten der Prager- Metzger-Innung von besonderem Interesse sein: ״Einem Wunsche des auf unserem Jnnungs-Schlachthofe fungirenden Schächters, Herrn Efraim L. Teweles, entsprechend, bezeugt die unterfertigte ״Innung der Prager-Neustädter Fleischer", dass wir Mitglieder der Genossenschaft sämmtliches Klein- und , den größten Theil des Großviehes mittelst Halsschnittesohne vorherige.Betäubung/ nach jüdischem Ritus schlachten lassen. Das Fesseln!!ndNiederD legen des Thieres sowie das Fixiren des Kopfes, von starken^ und geschickten:.Männern vorgenommen, ist mit keiner Quälerei des Schlachtobjectes verbunden. Der Halsschnitt wixd rasch und sicher mit einem gehörig langen und äußerst scharfen und glatten Schlachtmesser ausgeführt. -Die Bewusstlosigkeit des Thieres tritt nach ewigen Secunden ein.-Da daß Thier gut ausblutet, so ist das-Fleisch von prächtigem Aussehen und behält längere Zeit seine Frische, was sowohl für den Fleischer als auch für den Käufer von Wichtigkeit ist- Schlachtversuche mittelst Schlachtmaske und Genickstich haben , sich nicht bewährt, ׳ alle diejenigen christlichen Fleischer, Welche׳ nicht durch Halsschnitt -(Blntent- Ziehung) tödten lassen,' wenden -die Methode ddr-/Metäubuug durch Kopfschlag an." •־׳ .:׳ ,;r,: , 4 . Wien. Am 21. Jänner fand im Hause des Freiherrn, Friedrich v- Leitenbcrger eine außerordentliche Völlver-' sammlung des Vereines zur Abwehrdes-AnüsenMsmus statt, welcher -die hervorragendsten -Persönlichkeiten anwohnten. Der Vorstand legte eine Resolution an die hohe Regierung, zu energischerer Abwehr des Antisemitismus vor und beantragte, dieselbe im Deputationswege zu überreichen. Diese Resolution wurde unter lebhaftem, anhaltendem Beifall einstimmig genehmigt und von den Herren Baron Suttner, v. Mingazzi, Graf Hoyos, Baron Leitenberger und Hofcath Nothnagel dem Minister- Präsidenten Windischgrätz und' den Ministern Marquis Bacque-;fjeiVt, Ritter v. Madeyski und Graf Schönborn überreicht. Der Mnisterpräsident empfing die Deputation in entgegenkonnnendster Weise und gab über die Resolution folgende Erklärung ab: ״Die Regierung hält sich klar vor Augen, dass jeder gesetzlich anerkannten Kirche und Religionsgesellschaft ohne Unterschied das volle Ausmaß der staatsgrundgesetzlich ihr geleisteten Rechtegebührt, dass somit auch die berufenen staatlichen Organe die Pflicht haben, allen solchen Kirchen- und Religionsgesellschasten — daher auch der mosaischen, deren Mtglieder Ihr Verein geschützt wissen will — erforderlichenfalls den gesetzlichen Schutz angedeihen zu . lassen." Auch von den übrigen Ministern wurde ׳die Deputation auf das liebenswürdigste und wohlwollendste empfangen. Dieselben betonten übereinstimmend, die Regierung sei sich ihrer Pflichten gegenüber allen Staatsangehörigen bewnssH und werde ,auf strenge Wahrung der Gesetze achten. Sümlntliche Minister ertheilten die Zusicherung, die Resolution einem eingehenden Studium zu unterziehen. Wien» Mit Bezug auf den vom Geminderathe Lang gestellten Antrag, die Leiche Dr. Adolf Fischhöf's zu ex- Humiren und in einein Ehrengrabe bei den Arcaden beizusetzen, hat Dr. Jacques Fischer, ein Sohn unseres verewigten Collegen Cantor Adolf Fischer und,Neffe Dr. Fischhof's, als Vertreter der -Hinterbliebenen folgende Zuschrift an den Bürgermeister Dr:-Prix gerichtet: Der löbliche Magistrat der k. h Reichs- ' Haupt- und Residenzstadt Wien hat sich ׳mit.-seiner Zuschrift vom!15 ׳. Jänner 1894, Z. 507.992, ,an mich als Neffen. Dr. Adqlf Fischhofts mit dem Ersuhen gewendet, ,dortamts bekanntzugeben, ob der Exhumirnng und Uebertragnüg der ,sterblichen Reste des Verewigten von der israeliüschen׳ Abtheilühg des Eentral-Friedhofes in ein Ehrengrab in der .Nähe der Arcaden seitens der Hinterbliebenen Verwandten die erforderliche Zustimmung ertheilt werde. Ich beehre mich/in Meiner Eigenschaft als Vertreter der Brüder des Dahingeschiedenen, .her. Herren Dr. Wilchelm Fischhof, Moriz Alois Fischhöf und 'Simon Fischhof, sowie als Vollstrecker, des letzten Willens unsere Entschließung im Nachfolgenden bekänntzugeben:'',Wir ',Angehörige des seligen Verblichenen Haben Völle. .Ursache,, dein - geehrten . Gömeinderathe der Stadt.Miey und öbfsen Präsidiünff'deN Ver- tretern der liberalen Partei,.-sowieden geehrten demokratischen ' Vereinen in hohem Gräde-Hasür /dankbarzu sein׳/ dass sie die . Bestattung des' unvergesslichen Bruders" und Oheims m so'/ ivürdevoller Weise gestaltet-und demselben so ehrende Worte machgerüsen haben. Gewiss.׳ wird jeder währe Patriot der Gesin- : Hmug, dem. Character und Lebensführung des Heimgegangenen .//eine pietätvolle Erinnerung. bewahren unH feiner heißM'/Vater-.-,?.landsliebe, die ihre' Wurzel in/.der/allgemeinen Menschenliebe,'.-.; hatte, stets mit Hochachtung. M/gÄHken/ Die Zuschrift schließt// mit -den-Morten: Wt her /stätkgehqbten. 'Leichenfeier, '.die ׳er-" hebender nicht,gedackft' werben-^hunte//:sojl aber/,.nach ,׳unserem -