Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1894)
- Date
- 1894-02-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitnng. Seite 7. 'Beschlüsse die Bestattung auch ihren definiüven Abschluß gefunden haben. Nur so glauben wir in'dem Sinne des Verewigten zu handeln, seiner bescheidenen ubd anspruchslösen Gemüthsart und /seiner.-letzten Willenskundgebung zu entsprechen. Wierr? Dienstag den- 23. Jänner , ist hier Frau Josesine!iLieb eftgeb.-Bock, die Gattin des Cantor Jacob Liebet in 'Leob^chütz, nach langem, schweren Leiden gestorben. 'ה' ב' צ־ ב׳ ה ׳/ Wien. Sonntag, am 28.' d. M. fand in der Synagoge /des Vereines ,vBeth-Hate:filalr־ iin IX. Be,; rk für. den jungst verstorbenen Ober-Rabbiner und Prediger Dr. Adolf Jelliuek eine Trauerandacht statt. Unter den Anwesenden bemerkte man die Allgehörigen der Familie Jellinek, die Herren Cultusvorsteher Dr. Gust. Kohn und Salo ׳ Cohn, ferner Ober-Rabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. Wolf, Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch, Lektor Friedmann, Ehacham Papv, Ober-Cantor /Singer, Ober-Cantor Bauer, den Gesammt-Vorstand des Vereines ^Befch-Hatefilali mit dem Obmanne Bettelheim an der Spitze, ^VerWtzr -vieler Vereine, rc.. Die Trauerfeier begann mit dem )^״Dinchagebet", welches Ober-Cantor PH. Kläger vortrug, worauf. / das Sulzer'sche ״Schimül soth" vom Cantor und Chor sehr wirk- ^sanl. execnstrl.wurde. ,In formvollendeter Gedenkrede schilderte Rabbiner Dr. Gelbhans den großen Verlust, welchen die Wiener Gemeinde, die Wissenschaft iind das Judenthum dllrch das Hin- . scheiden, des berühniten Predigers und Priester Dr. Jellinek'erlitten-und schloss hierauf das Kadischgebet an. Ober-Cantor Kläger trug in sehr erhebender Weise das Maariw-Gebet vor, , womit die Feier einen würdigen Abschluss fand.' r. Wien. Zur weiteren Aufklärung über die irrige, bereits in voriger NumMer richtiggestellte Meldung bezüglich des Rabbinerpostens in Rumburg sei constatirt, dass Herr ׳Rabbiner und' Cantor Pollak in Vlaschim sich weder privat noch offiziell um jene Vacauz beworben hat, und dass die Verwechslung nur in Folge eines Druckfehlers stattfand. Es ist darum auch müssig, , wenn, bereits, nach Vlaschim Bewerbungen gerichtet wurden, da; Herr Evllege Pollak niemals die Absicht hatte, seinen Posten > zu verlasten. ' - ' : ' . ■ ' ch Polna. Die Berufung unseres beliebten Cantors, Herrn " Simon,Rotier, als Cantor und Religionslehrer nach Przibram /. isthier mit lebhnfkem "Bedauern ausgenommen worden. Während V seiner Zehnjährigen Wirksamkeit, hat sich Herr Rotier durch treue l Pflichterfüllung im Amte, sowie durch charaktervolle und liebens- ׳ würdige Umgangsfyrinen allseitige Achtung und Anerkennung; errungen und möge es ihui auch in seinem neuen Wirkungskreise gelingen, die ׳Sympathien der Gemeindemitglieder wie der Bef - wohner der Stadt, sich in gleichem Maße zu erwerben. L j Strinamangrr. Der hiesige kaufmännische Verein WM anstaltete am 20, Jänner ״eilt fitil Tanzunterhaltung, bei welcher Gelegenheit unser allgemein bef liebter Ober-Cantor, Herr. Max ׳Goldstein, mit seinen treffiich gewühlten 4 Solo-Arien das. distinguirte Publicum im wahren Sinne des Wortes bezaubert hat. ' Alle Löcälblätter haben sich /über- .seine schöne, klangvolle/ Undgeschulte Stimme, so auch - über Miste )vornehme Vortragsweisemik. der größten Anerkeimung. geäußert. Die einzelnen Piecen, und zwar eine Arie aus Verdi's ״Maskenball", ״das Gebet Valentin's" aus Gounod ״Faust", der ״Kuss" von Beethoven und schließlich das .,Frühlingslied" von Gounod wurden mit stürmischem Beifall und Eljenrufen ausgenommen. - Lipt0-Szt.->Miklos, 15. Jänner. (Vorstandswahl.) In der gestern stattgehabten Generalversammlung der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wurde zum Präsidenten Josef Kohn mit Acclamation wiedergewählt. Vicepräsident wurde Dr. Hermann Atayer, Cassier Ignaz Hahn. Der-Antrag des Dr. Mayer, dass in Zukunft im Tempel auch ungarische. Predigten gehalten, werden sollen, würde mit Begeisterung acceptirt. ' ׳? , Hannover. 23. Jänner IHM. UsZftn 3. Mürz l. I. .. שבת פ׳ שקלים begeht der bewährte Aber-Cantor in Demrsvar, Herr Moritz Sonntag das Jubiläum seiuerF-fünfundzwauzigjährigen Amtsthätigkeit. Nachdem er in den ungarischen Gemeinden Szentes, Mako, Totis Jahre hindurch gewirkt' Hatte, wurde er z.als Ober-Cantor nach Temesvar (Fabrik)" berufen, wo er noch scheute in voller Kraft seines Amtes waltet. In dieser langen Zeit hat er stets für die Hebung des Cantorates gestrebt und viele jüngere Männer haben unter ihm ihre ersten Versuche gemacht und sich an seinem Beispiele gebildet, lieber sein fachwissenschaftliches Wirken gibt das von dem Jubilar veröffentlichte Werk ,,Na16ki08, Sichronos Scliofros“ beredtes Zeugnis. Es bedarf daher wohl nur dieses Hinweises, uni die Collegen und Freunde des verehrten Jubilars zu veranlassen, diesen Ehrentagnicht unbemerkt vorübergehen zu lassen und den 3. März ihm durch Kundgebung ihrer Theilnahme zu einem wahren Freudentag zu gestalten. Möge es ihm vergönnt sein, noch viele Jahre in Rüstigkeit und Kraft zur Verherrlichung Gottes vor dem Betpulte zu stehen. Berlin. Bei der großen Verbreitung des Antisemitismus ist es doch immerhin erfreulich, dass die wahrhaft gebildeten Kreise in Deutschland bei jeder Gelegenheit gegen diese Strömung Stellung nehmen. So hat der berühmte Dichter Wilhelm I en sen in der Vorrede zu seiner neuesten Novelle ״Die Juden in Köln׳' über den Antisemitismus sich folgenderntaßen geäußert: ״Das Mittelalter mit seinem schwarzen Tod, seinen Ausgestoßenen, seiner blinden, rechtlosen Willkür ist vorüber und seine rohe Barbarei vom Throne gestürzt. Doch die Vehme ist geblieben und wendet sich unausgesetzt wieder ihre Opfer. Die Glut des zügellosen Grimmes, welche Scheiterhaufen und Städte entzündete, um Unschuldige zu martern und zu berauben, ist im kühlem Luftzug der Neuheit erloschen. Die Leidenschaft ist in den Adern der alternden Mutter Europa verraucht, aber der Altweibersommer umspinnt mit hässlichem Gewebe die verrunzelten Züge der Matrone und die feine Barbarei lebt in den Herzen fort. Sie hat ihre Parias bewahrt und mit der Ohnmacht ihres Grimmes hat sich ihre Oberfläche ausgedehnt. Wie er das unterdrückte Volk des Mittelalters weniger um den Vorwand des Glaubens als um seine -Betriebsamkeit, seine Ausdauer, seinen Verstand, die Schönheit des Glaubens und die Vorzüge des Geistes hasste, so erstreckt er sich heute unter dem alten Deckmantel der Häresie auf jede Begabung, die neiderfüllend aus der Menge aufragt. Weiber weinen über die Ungläubigen und christliche Facultäten rufen wehe über die Verirrten. Aber 1 von ihren Hofrathszähnen trieft das heimliche Gift, und die frommen Thränen des Altweibersommers, der über der Erde schwebt, mischen sich drein und brauen den eckelhaften Krankheisstoff zusammen, an dessen chronischer Wirkung unsere Zeit darniederliegt." Paris. Der ausgezeichnete Astronom Herr Morice L ö w y, Vicedirector des hiesigen Observatoriums, wurde zum ' Präsidenten der Akademie der Wissenschaften pro 1894 ernannt. Herr Löwy bestieg am 8. d. den Präsidentenstuhl. — Es ist ganz zufällig, dass Heuer das Präsidium des Centralcomitä der fünf Akademien (die berühmte Akade1nie francaise eilige schlossen), welche das Institut bilden, dem Präsidenten der Akademie der Wissenschaft zukommt. Herr Löwy wird daher die Ehre haben zu gleicher Zeit Präsident des französischen Institutes zu sein, eine Auszeichnung, die vorher einem Juden nicht zu theil geworden. PMicatiormr öeB österr.-mrgar. Aanioren-Heremep. Se. Hochwohlgcbor.m Herr Baron Hermann von Königs- Wärter hat über Veranlassung unseres Bercinspräses Obercantor I. Singer dem. österr.-ungar. Cantorenvercine eine Spende von Dreihundert Gulden ö. W. gewidmet. Der Ausweis der Mitgliedsbciträge und sonstigen Einläuse erfolgt in nächster /'lummer. Der Borstaudes .österr. ung. Cantoren-Vereines. Rn die Herren Abonnenten. Diejenigen welche siir*s 1. Quartal 1894 «och nicht den ohnehin kleinen Abonnementsbetrag eingesendet habenersuchen wir höstichst dies umgehend thnn zu wollen. Die Redaktion.