Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1894)
- Date
- 1894-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Seite 5. Oesterreichisch-uirgarische Lantoren-Aeitung. und den Beruf des Judenthums gründlich derstehende Jugend können wir nur so erziehen, wenn wir unsere Schüler zu der Ueberzeugung leiten, dass in der Heiligen Schrift sich jene Ideen am klarsten und vllkommensten offenbaren, welche dazu bestimmt sind, zur religiöf-e-n—Sittlichkeit zu erziehen. Natiirlich können diese eine tiefere Anschauung bedingenden Theile der Heiligen Schrift nicht die Einleitung zum Religionsunterricht an Mittelschulen bilden. In den unteren Classen entspricht der Verstandesentwicklung und der Gefühlswelt des Schülers am besten die biblische Geschichte, deren Vortrag, wie bereits auch früher bemerkt, geeigneterweise in der vaterländischen Sprache geschehen kann. Es ist aber nothwendig, dass auch auf dieser Stufe des Mittelschul-Religionsunterrichtes, einzelne, das religiöse Denken charatteristisch zum Ausdruck bringende Erzählungen, religiös-sittliche Gesetze enthaltende biblische Abschnitte, wie auch gewisse Satzungen in der biblischen Ursprache vorgetragen werden sollen, theils behufs besserer Veranschaulichung, theils aber deshalb, damit der Schüler sich an das hebräische Wort und einzelne grammaüsche Formen gewöhne und zu seinen späten litterarischen Studien irgend einen geringen Wortvorrath aneigne. Zur Erweiterung solcher elementarer hebräischer Kenntniße bietet sich besonders in der Hl. Elaste Gelegenheit, da dort die Bekanntmachung mit dem Gebetbuche den einen Gegenstand des Religionsunterrichtes bildet. (Fortsetzung folgt.) LUeratur. 25 israelitische Tempelcompositionen und 5 israel. Tempelcompositionen von A. Dunajewsky Dirigent des Chores der Hauptsynagoge zu Odessa (Eigenthum des Verfassers). Die Anlage und Durchführung der beiden genannten Werke beweisen zur Genüge, dass der Autor auf dem Gebiete des Tempelchorgesanges wie auf musikalischem! Gebiete im Allgemeinen vollständig zu Hause ist. Zu bedauern j ist nur, dass Herr Dunajewsky zunächst die Verhältniße, wie sie eben nur beim Gottesdienste in Russischen Synagogen üblich sind, ins Auge gefasst hat. Dortselbst stehen den Cantoren hochbesoldete Chorkräfte zur Verfügung, in Folge dessen sie befähigt sind, auch musikalisch schwierigere Compositionen zur Aufführung zu bringen. Ferner dürfte es den Werken vortheilhast sein, wenn der Componist auch die nur mit Mittelstimmen begabten Cantoren berücksichtigt hätte, da die Cantor-Solis sehr hoch geschrieben sind. Nicht desto weniger sind die einzelnen Nummern beider Werke sehr empfehlenswert!). Besonders heben wir an dem erstgenannten Werke Nr. 3 Adonoy Moloch hervor, welcher sich durch angenehme Melodie und hübsche Stimmführung auszeichnet. Sehr schön ist Nr. 14 Adon Olom und das darin vorkommende Solo für Cantor mit Chorbegleitnng. Die Nummern 17—18 Mimkomcho, sowie Nr. 19 ״Aw Horachamim" sind sehr bemerkenswerth, letztere ist außerordentlich dankbar. Das unbestritten Schönste ist Nr. 24 Min Hamezar in D-Moll. Im zweiten Werke heben wir als sehr schön und sinnig gearbeitet einen ״Lecho dodi" in As-dur, Haschkiwenn, Mimkomcho und Narizoch hervor. W. Speis e r, Bndweis. Das oft angeki'mdigte Synagogen-Gesangswerk ״Hamnazeach" (Schule des ist. Cantors) des College« M. W o d a k ist soeben erschienen. Der Autor hat in diesem Werke, von dem uns gegenwärttg nur die ersten zwei Hefte vorliegen, sein reiches Wissen und Können als Cantor und Fachmann verwerthet. Eine eingehende Besprechung uns für später vorbehaltend, wollen wir heute nur den Sammeleifer und die praktische Eintheilung lobend erwähnen. Die Ausstattung des Werkes macht der renommirten Druckfirma Eberle u. Comp, in Wien alle Ehre und bezeichnet einen erfteulichen Aufschwung der Wiener musikalischen Industrie. Die Buchhandlung R. Kaufmann irr Stuttgart sendet soeben an alle Besteller gratis ihren Lager-Catalvg 63, Hebraica und Judaica. Dieses Verzeichnis enthält die etwa 1300 Nummern starke Bibliothek des im October 1892 verstorbenen Kirchenraths Dr. von Wassermann in Stuttgart, dabei viele litterarisch wichtige und gesuchte Werke, Seltenheiten u. A. Die Preise sind recht billig (z. B. bei den Nummern 4, 39, 120, 250, 262, 303, 309, 350 rc. rc.). Wir empfehlen den Catalog den Sammlern! jüdischer Litteratur aufs angelegentlichste. und Verlassenen, denen Gott endlich in ihrer größten Noth Hilfe und Rettung gesandt.-Da öffnete dieser junge Mann die Thür und frug: ״Logiert hier nicht ein Mann aus Baiern namens Rothschild?״ Ich selbst hatte in meiner trostlosen Lage die Frage und den jungen Mann gar nicht beachtet, bis der Wirth, der mich bis dahin weder nach meinem Namen noch Beruf gefragt hatte, da er einfach von mir keine Notiz genommen, auf mich zutrat und mich ftagte: ״Seid Ihr vielleicht dieser gesuchte Mann?״ Ich bejahte und der junge Mann ttat auf mich zu und sagte: ״Ihr möget sogleich mit mir zu meinem Chef den Herrn Baron v. Rothschild kommen, er wünscht Euch zu sprechen, man sucht Euch schon lange." Wer beschreibt mein Erstaunen? Was konnte Baron v. Rothschild von mir wollen? Will er mich etwa wegen meiner schönen Handschrift von der er etwa gehört, engagieren? Mein Erstaunen wuchs aber noch mehr, als er mir, da ich ins Comptoir ttat, mit einem Glückwünsche entgegen trat. Er erzählte mir, dass meine Frau ein Söhnchen geboren und ob ich ihn zum Gevatter nehmen wolle. Nun so wisset denn, der Herr Baron v. Rothschild ist der Gevatter unseres kleinen Sohnes, den Gott erwachsen lassen möge zu Thora-Chuppa und guten, edlen Thaten! Während der Vater außer sich vor Freude seinen Leuten im Zimmer die Geschichte seiner glücklichen Wanderung erzählte, wurden draußen ein großer Koffer mit Wäsche und Kleidungsstücken für Frau und Kinder abgeladen und aus dem Wagensitze wurde ein kleines Kästchen von Palisanderholz genommen, das ein Pathengeschenk enthielt, wie es Dingsdorf noch nie gesehen. ״Gar viele Boten hat Gott." (Spr. des Talmud). Der freundliche Leser dürfte wohl selbst einen Theil des Räthsels! gelöst haben, zum Mindesten in der Hauptsache. Die Details wollen wir hier erzählen und uns zu diesem Behuse in das Postgebäude von Frankfurt begeben. Dort stand an einem Postschalter ein nicht mehrjunger Mann mit großem rothem Schnurrbart, in Uniform, sortierte die Briefe und warf einzelne in ein bestimmtes Fach, während er folgendes Selbstgespräch hielt: Hm.' Hm! Was sie mit dem Inden da für Wesen machen! Herrn v. Rothschild! ein Jude von! Schau, da heißt es gar Commerzienrath, hier Finanzrath! Geheimer Finanzrath! und Herr Je! Hier steht gar auf der Adresse Freiherr von Rothschild, k. k. Consul, da Generalconsul! Das ist doch zum Erschießen! Was man da für Titel einem Juden gibt! Aber siehe — da ist ein Brief der machts Recht — schreibt kurzweg Herrn Anselm Rothschild, nichts hinten und nichts vorn, so ists recht, und er warf einen unregelmäßig zusammengelegten Brief von groben Papier in das bezeichnete Fach. Wer war dies, der so gesprochen? Wir kennen ihn ja, es war der ehemalige Gemeindemid Polizeidiener Kaiser ans Dingsdorf, welcher durch Protection seines Onkels, des Forst- Meisters, der in Regensburg Connexionen besaß, bei der Thurn und Toxischen Post eine Anstellung erhalten hatte. So wunderbar sind Gottes Wege. Derselbe Kaiser, der unseren Rothschild so sehr verfolgt hatte und der Grund all' seiner Leiden und Qualen war. der wurde ohne, dass er es ahnte, das Werkzeug, der Bote Gottes, der den tiefgebeugten, verfolgten und unglücklichen Menschen wieder an sich, an Gott und dessen ewiges Walten glauben lehrte, dass er es ist, der den Menschen verwuudet, aber wieder heilt, er wirft in die Gruft und hebt wieder empor. («chlutz folge.)